Lockbeute und Schwarmfangkiste

Rund um die Schwarmbetriebsweise im Warré-Bienenstock
kaibee
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Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon kaibee » Mo 16. Jan 2012, 13:55


obi11
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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon obi11 » Mo 16. Jan 2012, 14:15

Hallo kaibee,
was spricht dagegen gleich eine Beute als Schwarmlockbeute zu benutzen? Zwei Zargen Warré sind zu bewerkstelligen und selbst mit offenen Flugloch transportabel. Ich hab ne komplette Beute mit frisch eingeschlagenem Schwarm im letzten Jahr tranportiert und es war praktikabel.
Die erste leere propolisierte Magazinbeute steht ohnehin schon seit dem Herbst auf dem Dach bereit zum Einzug und da können sich die Scouts schon frühzeitig ein Bild von machen.
Im Frühjahr wird noch in einiger Entfernung eine Warré dazukommen und dann kann man sogar noch die Vorlieben der Bienen ergründen. Ich werd berichten!

LG
Andreas

kaibee
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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon kaibee » Mo 16. Jan 2012, 14:50

Hallo Andreas,

klar, dass kann man machen und deshalb habe ich ja auch betont, dass meine Lockbeute den Vorteil hat, dass sie ca. 3kg leichter ist (ggü. 24mm Vollholz-Zarge). Dies ist beim Befestigen einer Lockbeute (z.B. von einer Leiter aus) sehr praktisch. Für andere Standorte würde ich auch einfach eine normale Beute nehmen!

kaibee

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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon zaunreiter » Mo 16. Jan 2012, 16:14

Gute Ideen!

Lockbeuten aus dünnem Holz sind nicht nur insgesamt leichter, sondern auch günstiger in der Anschaffung/beim Bauen. Da kann jedes Sperrholz verwendet werden.

Ergänzend dazu: Es ist ein neues Buch erschienen. "Swarm Traps and Bait Hives" von Mc Cartney Taylor, ISBN: 9781463739317. Ich habe es gerade per Post erhalten.

Viele Grüße
Bernhard

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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon kaibee » Mo 16. Jan 2012, 16:21


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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon zaunreiter » Mo 16. Jan 2012, 20:13

Wird gemacht! Ist heute am Abend meine Lektüre. ;)

So eine Idee vorab - wäre es nicht besser, ausschließlich Schwarmbehälter in 40 Litern zu bauen. Obendrauf die Oberträger, verbunden zu einer Einheit mit Holzleisten a la Finvara/Uwe?

Bild

Dann kannst Du die Bienen aus der Schwarmlockkiste herausheben und in eine Warrézarge umsetzen. So kannst Du die Schwarmkiste noch leichter bauen - und mehr Kisten für das gleiche Geld. So schnell bauen die Bienen ja auch nicht, daß sie die Waben sofort seitlich andocken.

Gruß
Bernhard

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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon kaibee » Mo 16. Jan 2012, 22:29

Geht natürlich auch :)
Für mich war es halt wichtig, dass ich die Bienen möglichst stressfrei umsetzen kann. Daher die Zarge...

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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon zaunreiter » Mo 16. Jan 2012, 23:01

Abendfüllend war die Lektüre nicht - daher hier mein Bericht.

Das Buch/Heft ist sehr schön aufbereitet, locker und flüssig zu lesen.

Vergleich zwischen Lockkiste und Schwarm fangen

Die Gründe, Lockkisten aufzustellen, anstatt Schwärme von Hand einzufangen, sind einleuchtend.

Beim Schwarmfang von Hand mußt Du erst informiert werden - Du mußt also irgendwie zu erreichen sein und den Leuten muß bekannt sein, daß Du Schwärme fängst. Oft genug kommst Du hin und der Schwarm ist schon weg - oder es sind Wespen.

Zunächst brauchst Du Zeit, um Dich als Schwarmfänger bekannt zu machen. Du mußt ständig verfügbar - und Du wirst angerufen, wenn es gerade nicht paßt. (Oh ja...)

Zeit und Kosten für die Fahrten - 30 Eurocent pro Kilometer.

Zeit, um den Schwarm aus dem Baum/Kamin/..zu angeln. Zeit um in der Dämmerung wiederzukommen und die restlichen Bienen einzusammeln. (Mehrere Fahrten sind oft notwendig.)


Lockkiste

Der Autor benutzt 8 Rähmchen im Langstrothmaß (deep). Die Kisten haben in etwa 40 Liter. Das Flugloch wird rund ausgesägt und soll im unteren Drittel, in der Nähe des Bodens sein. In oder vor das Flugloch nagelt er zwei Nägel überkreuz - um Vögel und andere Nisthöhlenbewohner den Zugang zu verwehren.
Auf der Rückseite schraubt er ein Brett, an dem die Kiste aufgehangen wird. Oben im Brett ist ein Loch. Die Kiste wird an einem Nagel im Baum befestigt. Das Loch im Brett für den Nagel und das Brett sollte möglichst mittig sein, damit die Kiste nicht schief hängt.

Die Kiste sollte mit Schrauben gebaut werden - Nägel reißen mit der Zeit aus, da die Kiste im starken Wind schaukelt. Ihm ist es schon öfter passiert, daß die Kisten mit Bienen drin auseinander gefallen sind. Benutze Schrauben.

Altes Holz fängt besser als neues Holz.

Der Deckel wird angeschraubt.

Sicherheit
Vom Gebrauch von Leitern wird abgeraten - da drohst Du nur herunterzufallen. Der Autor benutzt nur kurze Anstell-Leitern, die auch leichter zu transportieren.

Lockstoff

Der Autor verwendet mit großem Erfolg Zitronengrasöl. Es ist viel günstiger zu haben als die käuflichen Mittel und funktioniert genauso gut. Dazu tropft er 8 Tropfen auf ein Küchentuch, Taschentuch. Das wird dann in einem Ziplock-Beutel/Plastikbeutel gesteckt und verschlossen. Erst in der Kiste am Standort wird der Beutel in die Kiste gelegt und leicht geöffnet. Der Beutel verhindert einen zu intensiven Geruch und eine zu schnelle Verdunstung des Öls.

Bei jedem Besuch wischt er mit einem zweiten Tuch den Eingang mit Zitronengrasöl.
Propolis als Anstrich.
Alte erfolgreiche Fallen mit Schwarmduft fangen deutlich besser.

Zeitpunkt

Der Autor bringt die Kisten schon im Februar/März an, da die ersten Schwärme in seiner Gegend (Süden der USA) schon im März schwärmen. Bei uns dürfte das April/Mai sein.

Die Schwarmfallen sollten dann Ende Juni/Anfang Juli eingeholt werden und über Winter geschützt gelagert werden. Ansonsten sammelt sich zu viel Zeug und ungebetene Gäste in den Kisten, oder sie werden vom Wind oder Kindern heruntergeschlagen.

Aufhängung und Standort

Die Lockkisten werden über Kopfhöhe aufgehangen, meist etwas außer Reichweite einer stehenden Person - auf zugänglichem Gelände. Im Garten und auf Privatgrundstücken hängt er sie in Kopfhöhe, damit sie leichter zu kontrollieren sind.

Dazu wird ein großer (!) Nagel verwendet. 45 Grad Winkel eingeschlagen, nicht zu tief einschlagen. Muß etwa 5 Kilogramm aushalten. Die Kiste muß sicher und gerade befestigt sein.

Der Autor empfiehlt bei mehr als fünf Lockbeuten die Verwendung von Karten oder GPS, um sich die Standorte der Kisten zu merken. Insbesondere die Nägel, da die Lockkisten im Winter abgehangen werden.

Sonne und Halbschatten funktionieren den Erfahrungen des Autors nicht gut. Überhaupt nicht. Am besten ist Vollschatten. Man soll sich an Geländepunkten und -linien orientieren, da die Bienen entlang von Zäunen, Hecken und sichtbaren Geländeelementen bewegen. Waldkante. Die Bienen fliegen entlang dieser Linien im Gelände.

Gut sind einzelstehende Bäume und Gebäude. Verlassene Bäume. Markante Punkte. Leerstehende Gebäude.

Kontrolle
Jede Woche/alle 10 Tage sollte die Kiste kontrolliert werden. Die Beobachtungen schreibt der Autor auf, um aus den Erfahrungen zu lernen. Außerdem geht keine Kiste aus Versehen/Vergessen verloren.


Bei Erfolg
Erst wenn die Bienen mit Pollenhöschen in die Kiste fliegen, ist ein Schwarm drin. Es sollte eine, besser zwei Wochen gewartet werden, damit junge Königinnen begattet sind und die erste Brut angelegt ist. Sonst verschwinden die Bienen wieder.

Umsiedeln.


Erfolgschancen
Die liegen im Schnitt bei 30 % aller Kisten, maximal wohl 75 %. Je öfter Schwärme darin gefangen werden, desto besser fangen sie mit den Jahren. 2010 hatte er bei 60 % der Kisten Erfolg. Teilweise mehrere Schwärme hintereinander. Vorbereitet sein! Genug Zargen und Beuten bereithalten.

Mit Schwarmlockkisten arbeiten ist wie angeln. ;)

Nebenaspekte
Überzahl an Schwärmen kann verkauft werden.
Leute bezahlen für den Dienst, die Schwärme von den Grundstücken "fernzuhalten" und vorsorglich eine Schwarmkiste aufzuhängen.
Öffentlicher Auftrag durch die Stadtverwaltung.
Nachbarn und Hausbesitzer erlauben die Aufhängung - und passen gleichzeitig darauf auf. Sie erzählen es wiederum ihren Nachbarn und mehr Möglichkeiten zur Installation ergeben sich.

Insgesamt gut aufgemacht - hier nur im Telegrammstil einige Sachen herausgegriffen.

Lockkisten sind definitiv besser, als Schwärme von Hand und auf Zuruf einzufangen. Es gibt keine Eile, da der Schwarm nicht weiterzieht. Die Fallen werden in geplanten Abständen kontrolliert. Das Übersetzen der Bienen ist babyleicht. (Besser als unter Zeitdruck mit kippligen Leitern im Baumwipfeln herumzufuchteln...) Die Bienen gelangen wieder in unsere Obhut. Eine Überzahl an Schwärmen kann an Anfänger weitergeben werden.

Viele Grüße
Bernhard

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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon zaunreiter » Mo 16. Jan 2012, 23:04


kaibee
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Re: Lockbeute und Schwarmfangkiste

Beitragvon kaibee » Mo 16. Jan 2012, 23:11

Danke Bernhard!
Viele nützliche Tipps, vieles habe ich vielleicht schon gelesen oder mir selbst gedacht, aber einiges war neu.

Wo bekommt man denn dieses Öl am besten?

Bernhard, deine Propolis-Lockbeute fängt ja bekanntlich sehr gut. Wie weit steht die von deinen Beuten entfernt?