Modifizierte Betriebsweise

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Do 7. Jun 2012, 14:53

apiarius hat geschrieben:Was wäre, wenn die vollen und teilweise unverdeckelten Honigräume ohne Absperrgitter erst 3-4 Tage später beim VS draufkommen?


Sie könnten dann nach oben reinbrüten. Was an sich nicht schlimm wäre, wenn noch nennenswerte starke Tracht zu erwarten ist. Bei uns ist das nicht der Fall. Sie füllen zwar noch eine weitere Zarge mit Honig, am Ende wäre aber in einer Zarge immer noch Brut. Hier halte ich also bereits vorhandene Honigwaben frei von Brut. Da sie unterhalb das Brutnest neu aufbauen, habe ich zum Winter hin sauber zwei Zargen Brut und durch das Einfüttern komme ich auf die Idealsituaiton von zwei Zargen, eine mit Brut, eine mit Honig.

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Mi 20. Jun 2012, 16:13

Die Brutableger werden aus den Brutzargen mit ansitzenden Weiselzellen des abgeschwärmten Volkes erstellt. Diese werden für das nächste Jahr zu Vollvölkern aufgebaut.

Die Brutableger werden bei ihrer Bildung nebeneinander gestellt. Das hat auch für das Folgejahr Vorteile, um einen Teil der Völker gezielt für Folgetrachten wie Robinie/Linde aufzubauen.

So kommen die Völker aus dem Winter: Zweizargig. Dargestellt sind hier zwei räumlich getrennte Stände. Siehe Trennstrich. (Muß nicht sehr weit entfernt sein.)

Bild

Mit dem Aufsetzen der ersten Honigräume zum Ende April/Obstblüte wird das für die Robinie vorzubereitende Volk verstellt. Die Flugbienen verstärken jetzt das am alten Standort zurückgebliebene Volk (doppelte Flugkraft voraus) für eine sichere Obstblütenernte.

Bild

Mitte Mai mit dem Aufsetzen des zweiten Honigraumes, verstelle ich das "Robinien-Volk" wieder zurück an den ersten Standort, damit es abermals um die Flugbienen geschröpft wird und so die Schwarmstimmung bis zur Robinie gedämpft wird. Die Flugbienen verstärken das Volk, das am zweiten Standort zurückbleibt.

Bild

Dann geht es ab in die Robinie. Die Flugbienen des Robinienvolkes verstärken ein letztes Mal mit ihren Flugbienen das Volk am alten Standort, das zu dieser Zeit schon geschwärmt ist. Der Vorschwarm wurde gefangen und am alten Platz auf Leerzargen eingeschlagen, die Brutzargen als Ableger aufgeteilt.

Bild

B = Brut
H = Honig
E = Leer

Um ein Verhonigen des Brutnestes zu vermeiden, sollte das Robinienvolk von Anfang an mindestens eine Honigzarge bekommen. (Nicht im Bild.)

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon kaibee » Mi 20. Jun 2012, 16:41

Danke für die Übersicht.
Sind da irgendwo Absperrgitter im Spiel? Über dem eingeschlagenen Schwarm?

In den aufgesetzten Honigräumen gibt es nur 2 Mittelwand-Leitern? Oder wie bereitest Du die vor?

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Mi 20. Jun 2012, 22:20

kaibee hat geschrieben:Sind da irgendwo Absperrgitter im Spiel? Über dem eingeschlagenen Schwarm?


Ja, über dem Schwarm. Damit die Königin die einmal gesammelten Vorräte nicht vollstiftet. Da es aber ein Schwarm ist und sowieso bauen will, schaden die Absperrgitter nicht so, wie im Vollvolk vor dem Schwärmen. Das Brutnest wird dadurch nicht eingeengt.

kaibee hat geschrieben:In den aufgesetzten Honigräumen gibt es nur 2 Mittelwand-Leitern? Oder wie bereitest Du die vor?


Exakt. Selbst bei den Anfangsstreifen mache ich nur noch zwei Oberträger fertig. Die ziehen dann an den zwei Oberträgern mit dem Wachs und der Rest orientiert sich sauber daran. Sie nutzen den Raum zwischen den beiden angefangenen Waben sehr gern, anscheinend wird darin die Wärme gehalten.

Siehe:
Bild

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » So 24. Jun 2012, 12:50

Die Ableger entwickeln sich gut. Hier die Brutzarge der alten Beute, die als Ableger diente. Sie kam oben auf eine Leerzarge.
Bild

Mit etwas gesprühtem Wasser habe ich die Bienen in die Gassen getrieben.
Bild

Und es wird verdeckelte Brut sichtbar.
Bild

Bild

Die untere Leerzarge ist fast ausgebaut. Bis zum Ende des Sommers wird sie ganz ausgebaut worden sein.
Bild

Ein ordentliches Gewusel.
Bild

Bild

Viele Grüße

Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Do 12. Jul 2012, 13:26

Ein paar Zitate und Sätze aus dem Werk: http://www.agroscope.admin.ch/data/publ ... _d_web.pdf

(Anfang)
>>Nach dem Erreichen des Höhepunktes der Populationsentwicklung zwischen Mitte Juni und Anfang Juli geht die Volksstärke in unseren Breiten markant zurück. Die Bienenpopulation nimmt innert 3 Wochen
um 30 bis 70 % ab.

Verschiedene Forschungsarbeiten belegen eine starke Abhängigkeit zwischen der Einwinterungsstärke und der Auswinterungsstärke von Bienenvölkern. Das heisst, je stärker ein Volk in den Winter geht, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich im Frühjahr zügig entwickelt.

Um eine problemlose Überwinterung und eine schnelle Frühjahrsentwicklung zu gewährleisten, ist eine Einwinterungsstärke von mindestens 10 000 Bienen oder mehr anzustreben.

Nach der weitgehend brutfreien Periode der Winterruhe beginnen die Königinnen Ende Januar/Anfang Februar mit der Eiablage.

Für schwächere Völker ist die Belastung besonders gross, da sie,
um die nötigen Wachstumsraten zu erreichen, mehr Brut pro Biene aufziehen müssen als grössere Völker.

Der Verlauf des Abgangs der Winterbienen ist entscheidend
für das rasche Erstarken im Frühjahr. Das heisst, es müssen möglichst viele Winterbienen möglichst lange in den Frühling hinein überleben.

Dazu muss die Königin im März und Anfang April täglich durchschnittlich 500 bis 750 Eier legen. Zudem muss die Schlüpfrate über 60 % liegen. Um diese Brut zu pflegen, sind mindestens 12 000 Bienen nötig.

Um die erforderliche Brutmenge in kurzer Zeit aufziehen zu können, werden zusätzlich grosse Anforderungen an die Eiweissversorgung gestellt (körpereigene Reserven, Pollenvorräte und Tracht).

Wenn die Brut nach der Heidetracht ausgelaufen war (Ende September), wurden der einen Völkergruppe alle Brutwaben entnommen und durch Mittelwände ersetzt. Anschliessend wurden diese mit Zuckerwasser aufgefüttert. Die Kontrollgruppe wurde auf den alten Brutwaben aufgefüttert und überwintert. Die Völker, die während der Auffütterung ihren Wabenbau erneuerten, überwinterten ebenso gut wie die Kontrollgruppe. Auch bezüglich der Frühjahrsentwicklung und dem Honigertrag konnte kein Unterschied festgestellt werden. Die Völker
auf den neuen Waben zeigten aber einen geringeren Nosemabefall und verbrauchten weniger Winterfutter als diejenigen auf den alten Waben.

Frühjahrsreizfütterung mit Zuckerlösungen führen zu keiner Steigerung der Brutaktivität oder Volksentwicklung.

...zum Zeitpunkt der Weidenblüte untersucht. Ein- oder mehrmaliges Aufritzen von Vorratswaben führte weder zu einem erhöhten Futterverbrauch noch zu einer rascheren Ausdehnung des Brutnestes noch zu einer besseren Volksentwicklung (Abb. 36). Im selben Versuch wurden auch die Reizfütterung mit einer Honigfuttertasche und die Reizung
durch Drehen der zweiten Brutraumzarge um 180 ° geprüft. Auch diese Verfahren zeigten keinen Vorteil gegenüber der nicht behandelten Kontrolle.

Spätsommerreizfütterung: Durch die Reizfütterung konnte die Bienenpopulation weder vor der Einwinterung noch nach der Auswinterung beeinflusst werden. Auch bezüglich der Frühjahrsentwicklung liess sich
kein Unterschied feststellen.

Der Pollen ist die einzige Proteinquelle des Bienenvolkes und spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufzucht der Brut sowie bei
der Entwicklung der Arbeiterinnen. Damit hat er einen entscheidenden Einfluss auf die Volksentwicklung. Über den Pollen decken die Bienen ihren Bedarf an essentiellen Aminosäuren und Mineralstoffen. Die
ausreichende Pollenversorgung ist für die Entwicklung der inneren Organe, insbesondere des Fettkörpers und der Futtersaftdrüsen entscheidend.

Die Anwesenheit von Brut scheint das Pollensammeln zu stimulieren. Über Duftstoffe, die von den unverdeckelten Larven ausgeschieden werden, machen sich die Sammelbienen direkt ein Bild von der Anzahl der
Larven und deren Pollenbedarf.

Da im Frühjahr zeitweise Pollenmangel herrscht, befassten sich in den Jahren 1986/87 Untersuchungen mit der Frage, ob über Pollenfütterung die Volksentwicklung beschleunigt werden kann. Es zeigte sich, dass die Pollenfütterung nur eine vorübergehende erhöhte Bruttätigkeit bewirkt, aber die Volksentwicklung nicht beeinflusst. Die festgestellten Unterschiede waren zudem zu keinem Zeitpunkt statistisch aussagekräftig (Abb. 42 und 43). Sobald das natürliche Pollenangebot einsetzte, holten die nicht gefütterten Völker mit der Brutaufzucht sehr schnell auf.

Untersuchungen an hunderten von Bienenvölkern haben unter Schweizer Bedingungen gezeigt, dass das Populationsmaximum Ende Juni oder Anfang Juli erreicht wird und mit einer Zeit der knappen Pollenversorgung zusammenfällt.

Untersuchungen gingen der Frage nach, ob der Populationsrückgang während der Trachtpause durch Zufütterung von Pollen- und Pollenersatzmitteln hinausgezögert werden kann. Es zeigte sich, dass die Bruttätigkeit und die Lebensdauer durch die Pollenfütterung nicht beeinlusst werden konnte (Abb. 44). Die Bruttätigkeit der gefütterten Völker nahm gegenüber jener der nicht gefütterten Kontrollvölker nicht zu. Ebenso wenig konnte eine verlängerte Lebensdauer beobachtet werden. Die Fütterung veranlasste sogar verschiedene Völker, das natürliche Pollenangebot noch weniger zu nutzen. Als besonders negativ zu vermerken war der Ausbruch der Kalkbrutinfektion in den mit Pollen gefütterten Völkern.

Die oben zitierten Untersuchungen zeigen, dass über die Zufütterung von Pollen das Brutgeschäft höchstens kurzfristig erhöht werden kann. Diese leicht erhöhte Brutaktivität wirkt sich aber nicht nachhaltig auf die
Volksentwicklung aus. Das bedeutet, dass die Bienenpopulation weder erhöht noch deutlich länger erhalten werden konnte.

Gegenüber dem Ausbau von Mittelwänden wird der Ausbau von Naturwaben aber langsamer vollzogen. Interessanterweise wird dadurch die Bruttätigkeit kaum eingeschränkt, und die Völker entwickeln sich ähnlich wie die Kontrollvölker auf Mittelwänden. Auch was den Honigertrag pro Volk anbelangt, unterscheiden sich die beiden Gruppen ebenfalls nicht signifikant.

Gemäss Untersuchungen ist bei Verwendung eines Absperrgitters eine auf Mai und Juni befristete Einschränkung des Brutumfangs tendenziell feststellbar. Durchschnittlich erbrachten ohne Absperrgitter geführte Völker sowohl in der Früh- als auch in der Spättracht gegenüber den Völkern mit Absperrgitter einen geringfügig erhöhten Honigertrag. Die natürliche Streuung der Honigleistung zwischen den Völkern eines
Standes ist allerdings erheblich grösser als die Auswirkungen des Absperrgitters.

Mit Absperrgittern geführte Völker zeigen schwächer besetzte Honigräume und dadurch tiefere Honigraumtemperaturen als solche ohne, was die Honigreifung verzögern kann.

Die Resultate zeigen, dass sich nach der Frühlingstracht die Entnahme von 10 000 Bienen nicht negativ auf die Entwicklung der Muttervölker auswirkt.

Ab Anfang Juli sollte die Brutaktivität nicht durch mangelndes oder
ungenügend ausgebautes Wabenmaterial eingeschränkt werden.

Entgegen der gängigen Meinung stammen die Schwarmbienen selten nur aus einem Muttervolk. Sehr oft erhalten die Schwärme Zuflug aus anderen Völkern des Standes. Der Anteil der zugeflogenen Bienen kann über einen Drittel betragen.

Die Honigleistung während der Frühtracht steht in einem engen Zusammenhang mit der Volksstärke. Wenn man bedenkt, dass das Muttervolk nach dem Schwarmakt nur noch 6 500 Bienen zählte, hat es mit 23 kg im Vergleich zu andern Völkern des Standes überdurchschnittlich stark an Gewicht zugelegt. Wenn man aber die 20 000 Bienen vor dem Schwärmen einsetzt und anhand der Regressionsgeraden abliest, welcher Honigertrag in diesem Fall zu erwarten gewesen wäre, so wären dies mehr als 40 kg gewesen. Demzufolge hat der Schwarmakt den Imker rund 20 kg Honig gekostet. (Ende)
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Do 12. Jul 2012, 15:27

Ich habe mal ein Diagramm aus obigen Angaben erstellt und versucht, den Flugling mit der alten Königin am alten Standort des Muttervolkes abzubilden. Vielleicht etwas theoretisch, aber ein Daumenwert.

ventw.jpg

(Draufklicken zum Vergrößern)

Am besten wäre es, wenn der Vorschwarm mit den geschlüpften Bienen des Mutterstockes zwei-drei Wochen später wiedervereint würde. Dann könnte zum Anfang Juni und damit zur zweiten Trachtwelle eine genügend große Flugstärke zusammenkommen.

Die Frage ist, wie das am besten zu bewerkstelligen ist? Nach Schwarmabgang einen Brutableger plus spätere Rückvereinigung?

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Do 12. Jul 2012, 16:14

Eigentlich nicht so schwer.

1) Schwarm.

2) Flugling mit alter Königin auf altem Platz. Brutableger mit den Brutzargen.

3) Nach Schlüpfen der Brut in den Brutablegern, einfach Standplatz des Schwarmes <> mit dem des Brutablegers tauschen. Sozusagen ein zweiter nachgeschalteter Flugling, um die geschlüpften Flugbienen dem Vorschwarm zuzuführen. Dann treffen viele Bienen auf viel Brut. Bingo.

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon kaibee » Do 12. Jul 2012, 18:25

... und die Flugbienen des Schwarms gehen zum Ableger?

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Sa 14. Jul 2012, 23:59

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