Modifizierte Betriebsweise

Eure eigenen Weiterentwicklungen und guten Ideen!
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zaunreiter
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Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 8. Nov 2011, 14:40

Folgende Betriebsweise schwebt mir vor und ich will sie zur Diskussion stellen.

Die Bienen kommen auf zwei Zargen aus der Überwinterung.
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Im frühesten Frühjahr wird eine Zarge untergesetzt. Bei uns ist das schon Ende März bis Anfang April.
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Sobald die zugesetzte Zarge Anfang Mai (zumindest bei uns) mit Brut in allen Stadien besiedelt wird, wird sie auf den Ablegerboden gestellt und die Trennschiede eingeführt. Die Sektionen werden mit gefundenen Schwarmzellen versehen. (Siehe auch: viewtopic.php?f=26&t=278)
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Im gleichen Schritt wird eine leere Zarge aufgesetzt. [Auf die überwinterte Beute.) Im Idealfall enthält sie leere Waben als Steighilfe (unfertig gebaute Zargen aus dem Vorjahr, geschleuderte Honigwaben, Waben von unten etc.) Mindestens jedoch zwei Waben oder Mittelwände als "Kletterhilfe", da sie ohne diese Leiter anfangen, die Waben von unten nach oben zu verbauen und die Zargen nicht mehr zu trennen sind. Die obere Zarge wird später geerntet.
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Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon obi11 » Di 8. Nov 2011, 15:30

Hallo Bernhard,
was mich bei den ganzen schönen Bildern immer stört ist die Gradlinigkeit in der die Bienen ihre Waben bauen müssten. Da ich ohne Leitwachsstreifen auskomme bzw. den Bienen ihre Kreativität lasse käme es für mich vermutlich eher nicht in Frage.

LG
Andreas

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 8. Nov 2011, 16:06

Hmm, ja. Ich habe die Bienen eine ganze Zeit lang auch ohne Anfangsstreifen bauen lassen und mich an den schönen Figuren erfreut.

Allerdings ist Geradlinigkeit nicht gerade unnatürlich - das Gegenteil ist der Fall. In einer runden Röhre wie zum Beispiel einen Stülper, ist das Wabenwerk außerordentlich gerade und parallel. Ich habe auch eine lange Zeit benötigt, um darauf zu kommen. Meine Bilder zu den Versuchen kennst Du wahrscheinlich schon:

Bild

Schau' Dir mal den Stülper davon an. Das habe ich oft genug gesehen.

Für mich steht fest: Gerade Ecken gibt es in der Natur nicht. Und die Bienen kommen mit den Ecken in der Warrébeute einfach nicht klar - schau Dir mal die Ecken auf den Bildern an, die ohne Leitstreifen gebaut wurden. Die Waben sind einfach nur noch unbrauchbar für die Bienen und werden mit Honig zugeklatscht. Brut wird darin jedenfalls nicht großgezogen.

Im freien Bau siehst Du die diagonale Orientierung der Waben. Zunächst habe ich das Magnetfeld der Erde in Verdacht, da die Beuten nach Südosten ausgerichtet eine merkwürdige Nord-Süd-Ausrichtung besaßen. Das war aber ein Fehlschluß, weil ich die Beuteneingänge immer gleich ausgerichtet habe. Dann hatte ich die Lage, Form und Größe des Flugloches in Verdacht. Auch das erwies sich als falsch. Der einzige Grund für die diagonale Anordnung ist, daß die Bienen versuchen, möglichst viel Wabenfläche pro Raum zu schaffen. Und das geht eben mit der Durchschreitung des Raumes entlang der längsten, vorzufindenen Strecke.

So ist also die Maximierung der Wabenfläche das erklärte Ziel der Bienen, so wie ich es beobachtet habe. Und wenn ich mir den Wirrbau ansehe, schaffen die Bienen durch die Diagonalität und die Verwirrung durch geradlinige Ecken es eben gerade nicht, in dieser Weise für sie nutzbare Wabenfläche zu schaffen. Im Gegenteil erweist sich ein großer Teil der Waben als unbrauchbar.

Wenn Du also eckige Beutenformen nutzt, hilfst Du den Bienen mit Anfangsstreifen in der Orientierung im Raum. Ich erachte heute die Anfangsstreifen als den Bienen förderlich. (Du kannst gern selbst Experimente dieser Art anstellen und die Bienen in verschiedenen Behältnissen bauen lassen. Ich würde mich aber wundern, wenn Du auf andere Erkenntnisse stößt. :P )

Viele Grüße
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon obi11 » Di 8. Nov 2011, 17:53

Hallo Bernhard,
ich kenne die Bilder und grad wegen dieser Bilder kommen/kamen mir diese Zweifel. Im nächsten Jahr werden wir die Galerie erweitern können, denn dieses Jahr fass ich die Bienen nicht mehr an.
Wenn ich jetzt allerdings an die Mittelwandimkerei denke, dann muss ich Dir in einigen Fällen beim Thema Gradlinigkeit widersprechen, weil nicht oft sind es die Bienen zum Leidwesen des Imkers, die ihren eigenen Kopf durchsetzen und die Rähmchen schon mal im 90 Gradwinkel miteinander verbinden ;) .
Ja, nu wart ich auf Manfred und einen Vortrag zum Thema Beespace und Wirrbau, den der Imker nicht zulassen darf.

Manfred

Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Manfred » Mi 9. Nov 2011, 16:19

Grüß Euch,

Andreas, da kannst lange warten. Ich imkere sowohl mobil als auch stabil und die Wahrung biologischer Prinzipien ist mein Ziel.
Wenn ich Chaos ernte, darf ich mich fragen: Was hab ich dazu beigetragen.

Ich habe mir jetzt die Videos von Giles Dennis angesehen und muß sagen ich sehe da weit mehr Ökonomie als Biologie.

So ein eingepferchter 2-Waben Ableger hat von vorneherein den Zwang zum Vater und die Not zur Mutter.- Hauptsach' ich krieg da eine Königin raus und damit ist alles in Butter. :lol:

Herzliche Grüße Manfred

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Nov 2011, 17:09

Manfred hat geschrieben:... Zwang zum Vater und die Not zur Mutter.- Hauptsach' ich krieg da eine Königin raus und damit ist alles in Butter.


Wie ein Nachschwarm?

;)

Manfred hat geschrieben:... mehr Ökonomie als Biologie.


Ah - Du meinst also die Paniers? Siehe: http://www.ruche-warre.com/les-paniers.html

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Nov 2011, 17:55

Manfred hat geschrieben:die Wahrung biologischer Prinzipien ist mein Ziel.


Da sind wir wohl alle d'accord. :D

Nur - wie erreichen?

Du favorisierst ja die große Wabe. Vermutlich für den Brutbereich. Das könnte zum Beispiel dadurch umgesetzt werden, daß die Warrézarge auf die von Abbé Warré ursprünglich gebaute Zarge mit 40 cm Höhe wieder in Verwendung kommt. Die erste Idee, die unser werter Abbé hatte, war ja eine Zarge mit 30 x 30 cm Grundfläche und 40 cm Höhe. Die hat er erst dann durchgeschnitten, als seine Arbeiter darüber klagten, daß bei der Ernte immer noch etwas Brut in den Zargen ist.

Zitat Abbé Warré: "Jedoch füllten die Bienen den oberen Beutenkorpus nicht immer nur mit Honig. Es befand sich dort manches Mal Brut unten in den Waben und oben Honig. Die Ernte war daher schwierig. Und oft sagten meine Hilfskräfte: «Man müsste diesen Beutenkorpus in zwei Teile zersägen.» Wir ersetzten ihn durch zwei Zargen desselben Volumens mit derselben Form."
aus Bienenhaltung für Alle, Kapitel: Entstehung der Volksbeute; Seite 58 ff.

Die Teilung geschah aus praktischen Gründen und mehr oder weniger willkürlich, während die Grundform 30x30x40 cm den biologischen Überlegungen Warré's folgte.

Unter anderem ist die Beobachtung nicht zu leugnen - ich habe ebenfalls mit DNM-Trogbeuten mobil geimkert - daß ein zu früh aufgesetzter Honigraum die Stimmung der Bienen "kühlt". Siehe auch:

Vorher
Bild

Nachher
Bild
aus: http://www.imkerforum.de/showthread.php ... post288821

Deswegen ist das Untersetzen für die Erweiterung im zeitigen Frühjahr durchaus als gute Praxis beizubehalten.

Doch ein zu einem späteren Zeitraum aufgesetzter Honigraum, schadet meines Erachtens nicht. Und weil ja vorher schon untergesetzt wurde, kannst Du ja auch beruhigt abwarten, bis der Trachtflug in vollem Gange ist.

Hier sehe ich eine gute Kombinationsmöglichkeit von 40 cm hohen Zargen mit 20 cm hohen Zargen. Wobei die niedrigen Zargen unter- bzw. aufgesetzt werden. Die hohen Zargen dienen dann als "heiliger Brutraum" (nach Oscar Perone) im Stabilbau.

Die untere Zarge dient dann entweder zur Ablegerbildung - egal ob 1-Zargenableger, ob 2- oder 4-Wabenableger. Oder eben als Starterkit nach dem Schwärmen. Also die Bienen schwärmen ab. Der Schwarm wird gefangen und dann wird die Zarge als Starterkit gegeben. Ich kann mir vorstellen, daß auch ein Naturschwarm gegen ein paar Waben nichts einzuwenden hat.

Der Einfachheit halber wird die 20-cm Zarge auf eine andere gesetzt, wobei diese einfach keine Oberträger hat und so der Wabenbau ununterbrochen 40 cm hoch ist. Fertig ist der heilige Brutraum für das nächste Jahr. Erspart auch das Bauen unterschiedlicher Zargen.

Die aufgesetzte Zarge kann dann entweder im Stabilbau ausgeführt oder mit Rähmchen versehen. Je nach Belieben.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mal was zu dieser Vorgehensweise - also zur Betriebsweise - sagt, erst mal ohne auf die baulichen Aspekte einzugehen.

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon kaibee » Mi 9. Nov 2011, 18:55

Hallo Bernhard,
ich finde es immer beeindruckend, wie viele Ideen zu entwickelst. :)

Manchmal liege ich abends im Bett und lasse meine Gedanken kreisen... überlege, was man ändern und optimieren könnte. Aber meistens stoppe ich irgendwann diese Gedanken, weil es zu kompliziert wird. Einfachheit ist das Resultat von Reife. Finde ich übrigens auch sehr gut! Ich kehre oft in meinen Gedanken zur Einfachheit zurück.

Ich denke, man könnte eine Beute mit Streben machen (wie die Japaner) und mit Draht die Zargen schneiden. Das wäre vielleicht der richtige Ansatz, um größere zusammenhängende Wabenflächen zu schaffen. Wenn die Tracht regelmäßig ist, könnte man ansonsten einfach 2x 40cm-Zargen nehmen, wie Warré, oder jeweils 2 normale ohne Oberträger in der Mitte. Allerdings würde ich dann nicht mehr überlegen wollen, ob untersetzen oder draufsetzen. Ich empfinde das Untersetzen immer noch als geniale Eigenschaft der Warré-Imkerei. Darauf mag ich eigentlich nicht verzichten.

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon obi11 » Do 10. Nov 2011, 16:57

kaibee hat geschrieben: Ich empfinde das Untersetzen immer noch als geniale Eigenschaft der Warré-Imkerei. Darauf mag ich eigentlich nicht verzichten.

kaibee

Hallo kaibee,
das Untersetzen soll auch anderweitig funktionieren und ich werd im zeitigen Frühjahr wohl einen erneuten Versuch starten um mein Rähmchenmaß umzustellen und dann im einteiligen Brutraum Naturbau zu haben. Ein diesjähriger Versuch scheiterte und die Bienen nahmen die untere Zarge mit Mittelwänden nicht an. Als ich sie oben drauf stellte war sie eins fix drei angenommen und ausgebaut.
Die Mädels haben manchmal ihren eigenen Kopf ;).

LG
Andreas

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Do 10. Nov 2011, 17:38

obi11 hat geschrieben:Die Mädels haben manchmal ihren eigenen Kopf ;).


Ich glaube, das ist eher eine Frage des Zeitpunktes! Ganz früh im März bis Mai bauen sie durchaus nach unten, während sie in Richtung Schwarmstimmung unten nicht mehr bauen. Dann kannst Du sie nur noch nach oben nötigen. Deswegen die grundsätzliche Vorgehensweise - erst untersetzen, dann aufsetzen. Ist auch arbeitstechnisch einfacher, als den Stapel hochheben zu müssen.

Wir dürfen auch nicht außer Acht lassen, daß der gute Pater Warré die Waben ausgeschleudert hat und dann die geschleuderten Zargen wieder untergesetzt hat. So konnte die Brut weiter runter und oben wird Platz für Honig frei, wenn die Brut schlüpft. Und wer nicht schleudert, der hat schnell ein verhonigtes Brutnest und in der Folge ein kümmerndes Volk, das langsam bis zum Winter abbaut und in der Abwärtsspirale ist.

Gruß
Bernhard
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