Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Wie besiedele ich die TBH? Mit einem Schwarm, mit Ablegern aus Rähmchenbeuten, etc.
Stefan D.
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Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon Stefan D. » Mi 9. Apr 2014, 11:05

Hallo Zusammen,

am Freitag werde ich von einer Bekannten zwei Kunstschwärme mit den eingenen begatteten Königinnen bekommen (abgekehrt von Magazinbeuten - die Waben wandern dort in andere Völker).
Einer davon kommt in eine Warre, der andere in eine TBH.

Für die TBH habe ich folgende Überlegungen:
- ich werde Freitag nicht vor 18:30 - 19:00 mit den Bienen zuhause sein, evtl. später.
- ich möchte sie selbst einlaufen lassen, weil das erstens schöner ist und zweitens eine Milchsäurebehandlung ermöglicht.
- abends einwandern ist besser als morgends
- ein Einlaufbrett habe ich nicht und werde daher ein Tuch spannen, auf dem Sie gehen können. Das soll mit Reisnägeln am Einflugbrett fest sein und unten breit am Boden. Bienen ans untere Ende kippen und ein paar ans Flugloch logieren. Die Königin bleibt im Pulk. Während sie einlaufen, mehrfach mit Milchsäure einnebeln.

Vermutlich ist es besser, die noch abends einlaufen zu lassen, obwohl es schon recht spät sein wird.
Ist das richtig? Geht das notfalls auch noch bei Kunstlicht?

Ich würde sie trotz verfügbarer Tracht füttern, um den Wabenhau zu beschleunigen.

Mit wie vielen Oberträgern sollte ich denn starten? Lieber möglichst wenig (ich glaube bis zum Trennschied brauche ich wegen lage des Eingangs mindestens 5 OT) und dann erweitern oder gleich viel Platz geben?

Was meint Ihr zu dem Plan?
Gruß
Stefan

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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Apr 2014, 11:47

Am späten Abend einlaufen lassen, birgt die Gefahr, daß die Bienen auf dem Einlaufbrett (oder -tuch) sitzen bleiben und dort übernacht bleiben. Und am nächsten Morgen abheben und sich davon machen.

In diesem Falle ist es vermutlich besser, die Bienen direkt in die TBH einzuschlagen, das heißt, vorsichtig auf den Boden zu gießen. Dann mit den Oberträgern abdecken und am besten die Königin im Käfig unter Futterteigverschluß zwischen die Oberträger einzuhängen.

Das Besprühen mit Milchsäure während des Einlaufens ist suboptimal - davon würde ich stark abraten. Die Bienen wollen sich finden und wenn Du da wild drauflos sprühst, geht das nach hinten los. Da kannst Du die Kunstschwärme lieber beim Erstellen besprühen (lassen). Einen Tag lang in den dunklen Keller stellen. Am Abend des nächsten Tages dann in die Beute schlagen. Am gleichen Tag wie beim Einschlagen/Einlaufenlassen erstellte Kunstschwärme suchen schon mal gern das Weite. Die brauchen eine Ruhephase zwischendrin.

Füttern ist im Keller eine gute Idee und auch - in geringen Mengen - ein paar Tage oder Wochen nach dem Einschlagen. Das hilft ihnen zum Start. Ist ja ein Kunstschwarm und daher nicht vorbereitet auf die Gründung eines neuen Nestes.
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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon PommBee » Mi 9. Apr 2014, 13:19

Hallo Stefan!

Wir haben letztes Jahr zwei Kunstschwärme in THBs einlogiert. Am frühen Abend konnten wir sie beim Imker abholen und - so wie es Bernhard beschreibt - haben wir sie über Nacht in "Kellerhaft" gelassen. Am nächsten Morgen (gegen 8 Uhr) sind sie ohne Probleme über ein Brett in die TBHs eingelaufen. Hat alles super geklappt.

Wir haben die TBHs nach Anleitung des LWG Bayern gebaut. Unser Einflugloch befindet sich an der Stirnseite. Das Schied, welches von den Bienen umlaufen werden kann, wurde von uns ca. in die Mitte der TBH gesetzt. Der eine Kunstschwarm hat sich zum Bau vor dem Schied entschieden, der andere hat hinter dem Schied angefangen zu bauen. Unsere Bienen hatten also alle 28 Oberträger zur Verfügung. Warum sollten nicht alle Oberträger zum Anfang gegeben werden? Welchen Vorteil hat das (ist eine echte Frage - bin ja selber noch Anfänger)?

Viele Grüße,
PommBee

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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Apr 2014, 13:37

Wenn die Bienen in einen engeren Raum sitzen, fühlen die sich nicht so verloren. "Lost in space" - verloren im (Welt-)Raum. Wenn die so viel Arbeit vor sich sehen, kann das manche Schwärme "entmutigen". Das enge Zusammenhocken ist besser für den Wärmeerhalt. Die Bienen neigen dazu, überall in der Beute herumzulaufen und -lungern. Das Engsetzen hält sie etwas mehr zusammen.

Wie man sieht, funktioniert es auch, wenn man alle Oberträger auf einmal gibt. Aber es ist ein Erfahrungswert, daß kleiner Raum zu kleinem Volk (was sie ja zu Anfang sind) gut paßt und ihnen besser bekommt. Deswegen ist die Warrézarge mit ihren relativ kleinen Abmessungen Minivölkchen auch so bekömmlich. Vermutlich können sie auch die Ventilation in so einem kleinen Raum besser kontrollieren. Wer weiß.
Ich würde ihnen erstmal 6-7 Oberträger mit Anfangsstreifen geben, dann das Schied setzen.

Viele Grüße

Bernhard
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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon Stefan D. » Mi 9. Apr 2014, 13:53

Danke schon mal für die ersten Antworten.

Auf die Milchsäureaktion auf dem Tuch werde ich also verzichten - und ich dachte das wäre eine clevere Idee, weil man alle Bienen gut erreichten kann, aber ok.

Königin einhängen trifft hier nicht so ganz zu, da es ja keine neue Kombination von Königin und Arbeiterinnen sein wird, sondern eher ein zusammenhängendes Volk, das seiner Waben beraubt wurde.
Nichtsdetotrotz werden sie also die erste Nacht im Keller verbringen. Füttern wird hier allerdings in der Schwarmfangkiste, die ich verwenden will nicht so ganz einfach. Reicht es dann, sie gleich nach dem Einzug mit Futter zu versorgen?

Und wann ziehen sie am besten um, wenn sich Königin und Volk kennen?
Schon am Morgen, wie PommBee es gamacht hat, oder doch sicherer erst am nächsten Abend / Spätnachmittag?
Und dann besser einschlagen oder einlaufen lassen?

Ich habe so einen Schwarm-Lockspray auf 'Pheromone basis'. Macht es Sinn die neue Beute damit Auszusprühen oder stört das eher, weil es nicht der eingene Schwarmgeruch ist?

Bis bald
Stefan

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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Apr 2014, 14:44

Hallo Stefan,

der Kunstschwarm ist nicht vorbereitet auf das Schwärmen und hat daher gar keine Vorräte, dafür viel Streß = viel Energieverlust. Daher sofort füttern. Du kannst die Kiste - hoffentlich rundum vergittert und belüftet - auf die Seite legen und Futterteig oben drauf legen. Das rüsseln die sich dann weg. Daneben kannst Du auch ein Stück Schwamm legen mit etwas Wasser. Also beides auf das Gitter, die Bienen holen sich Wasser und Teig durch das Gitter hindurch.

Ich empfehle das Einschlagen am Abend. Das Einlaufenlassen ist für richtige Schwärme gut. Die haben noch nicht so lange gesessen. Wenn so ein Schwarm erst mal lange geruht hat und dann aus der Ruhe - in der sie schon Wachs schwitzen - herausgerissen, bzw. herausgeschüttelt wird, das ist nicht so gut. Also besser Einschlagen. Am Abend verringert die Gefahr, daß die postwendend wieder ausziehen.

Auch bei Kunstschwärmen mit bekannter Königin kann man sie käfigen, damit sie nicht den Flattermann machen und davonschwärmen. Ist aber tatsächlich nur bedingt notwendig. Ich finde es sicherer, wenn man sie aus der Schwarmkiste herausschüttelt, kann die Königin dabei nicht verletzt werden sondern wird mit dem Käfig vorher herausgefischt und umgesetzt.

Lockspray und alles stark riechende lieber weglassen - Bienen mögen keine starken Gerüche.

Viele Grüße und viel Erfolg!

Bernhard
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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon PommBee » Mi 9. Apr 2014, 14:58

Danke Bernhard, da habe ich auch was gelernt!

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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon Stefan D. » Mi 9. Apr 2014, 15:23

Hallo Bernhard,

ich frage mich gerade, worin der Vorteil der Kellterhaft überhaupt besteht.
Festsetzen kann ich sie doch auch in der TBH.
Würde heißen:
Nach Möglichkeit zuerst die Weisel separat packen um sie besser zu schützen, dann Scharm für den Transport in die Schwarmkiste packen. Zuhause angekommen könnte ich den Schwarm doch auch direkt mit Futter in die TBH packen und dort 24 mit Futter und blockierten Fluglöchern in der TBH in Haft setzen. Also schon Freitag Abend einschlagen, dann können sie sich 24 Std einrichten und Ihr Wachs verbauen und am späten Samstag Abend öffne ich die Fluglöcher. Ab Sonntag morgen könnten sie sich dann die Gegend anschauen.

Ist as nicht besser als übernachtung im Keller? Mehr Lust, mehr Platz, besser zu füttern und schon Gewöhnung ans neue Zuhause.

Für den zweiten Schwarm werde ich ja auch gleich die geplante Warre-Beute mitnehmen und den Scharm sogar schon an der Quelle einschlagen.

Was hältst Du davon?
Stefan

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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Apr 2014, 15:59

Der Keller hat den Vorteil dunkel zu sein und vor allem kühl. Wenn die Bienen das Licht und die Wärme der Sonne mitkriegen, wollen sie raus. Können sie nicht, regen sie sich auf und kriegen Panikattacken. Daraufhin kann sich eine Beute sehr stark erhitzen und an der Hitze kollabieren. Deswegen sollte man sehr vorsichtig mit dem Einsperren von Bienen sein. Im Keller dringt kein Licht in die Beute und die Kühle verleitet sie dazu, sich ruhig zusammenzuballen. Zu einer Schwarmtraube.

Das direkte Einschlagen geht, aber man muß beim Transport und auch bei der Kellerhaft für genügend Lüftung und Wasser sorgen. Entweder sprüht man drei Mal am Tag vorsichtig ein wenig Wasser, oder man legt einen nassen Schwamm auf das Gitter, aber so, daß er nicht tropft.

Das gilt alles wohlgemerkt für einen Kunstschwarm. Einen Naturschwarm lasse ich am gleichen Abend noch einlaufen. Der wollte ja auch schwärmen.

Ihr könnt auch einen "Freiluftkunstschwarm" machen. Dann könnt ihr den Schwarm auch im Baum hängen lassen bis zum Abend und dann einschlagen.
Cogito ergo summ.
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Re: Vorgehen beim Start mit Kunstschwarm

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Apr 2014, 16:04

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