Anfangsstreifen für Oberträger

Alles rund um die Zargen und Oberträger in einem Warré-Bienenstock.
kaibee
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon kaibee » Mo 7. Jan 2013, 18:58

Anton hat geschrieben:Wer vertreibt diese praktischen Wachskännchen? Habe ich noch nirgends gesehen.

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Hainlaeufer
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Hainlaeufer » Mo 25. Mär 2013, 21:49

Ich glaube jetzt 20min das Forum durchsucht zu haben, ohne Erfolg. Ich bin einmal über einem Thread gestolpert, wo es über Plastikrähmchen (zum zusammen bauen) ging, wo auch der Imker dort die Unterseite des Oberträgers einfach mit einem Wachsklotz anrieb und damit die Bienen (tatsächlich?) so als würden sie einen Anfangsstreifen vor sich haben, die Wabe schön gerade anbauen. Mir schwirrte diese Sache länger schon im Hinterkopf herum, nur blöd das ich es nicht fand, auch nicht mit der SuFu. Kann mir da jemand weiter helfen? Und vor allem, funktioniert sowas denn wirklich? Ich meine, das wäre doch viel zu einfach! Sonst würde ja jeder einfach Wachs auf die Oberträger reiben. Riechen tut es sicher toll für die Bienen, anstatt nacktes neues Holz. Aber ob sie das gleich dazu anregt, eine tolle Wabe da dran zu bauen, ich weiß es nicht ^^.

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zaunreiter
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon zaunreiter » Do 25. Jul 2013, 14:32

Frage: Hast Du Erfahrungen negativer Art mit nach oben bauen (auf den Oberträgern) oder Quer-und Wildbau gemacht?


Ja. Die Zargen lassen sich dann überhaupt nicht mehr trennen, beziehungsweise nur unter großem Gematsche und Bienenverlusten. Das ist sehr unschön.

Quer- und Wildbau hat den Nachteil, daß die daraus entstehenden Waben meist nicht bebrütet werden können, sondern es werden fast nur sogenannte Füllwaben. Die Bienen füllen damit den Raum aus, ohne die Waben nutzen zu können. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Bienen in solchen Waben nur Honig abspeichern - aber sie greifen diesen Honig nie wieder an. Sie füllen nur den Raum damit.

Es ist ein Rechenexempel. Die Bienen brauchen Arbeiterbienen in einem Bienenstock, um die verschiedenen Arbeiten zu erledigen. Ich schätze, daß mindestens 20.000 Bienen für ein erfolgreiches Überleben benötigt werden. An Sommertagen sterben circa 1.000 Bienen jeden Tag draußen im Feld und müssen durch junge Bienen ersetzt werden. Eine voll ausgebaute Wabe mit Arbeiterinnenzellen umfaßt circa 4.000 Zellen und damit 4.000 Zellen Brut. Eine Zelle wird für eine junge Biene mindestens 21 Tage lang belegt. => Jetzt kannst Du mal anfangen zu rechnen, wie viele Waben Du benötigst, um ein Volk laufend am Leben zu erhalten. Und noch besser: nicht nur am Leben zu erhalten, sondern es aufblühen zu lassen. Stark und gesund, von innen heraus. Das geht nur mit viel Arbeitskraft und Erneuerung.

Erfahrungsgemäß brauchen die Bienen zwei Zargen im Warrémaß als Minimum nur für das Brutnest. Und zwar mit geraden und regelmäßig gebauten Arbeiterinnenzellen. Während Drohnen- und Honigzellen unregelmäßig gebaut sein können, und funktionieren trotzdem, so ist das bei Arbeiterinnenbrutzellen anders. Diese müssen möglichst regelmäßig gebaut sein, damit sie ihre Funktion, die Erbrütung von Arbeiterinnen, erfüllen.

Mit jeder Wabe, die eben nicht gerade und halbwegs regelmäßig gebaut ist, verlierst Du 4.000 Brutzellen. Das habe ich leider selbst erfahren müssen, indem ich durch Wirrbau schwache Völker produziert habe. Meist versuchen die Bienen dann über drei-vier Zargen Brut anzulegen, um die fehlenden Brutwaben auszugleichen. Dadurch ist das Brutnest aber nicht mehr kompakt! Ein kompaktes Brutnest ist aber wärmer! Und wärmer erbrütete Bienen sind gesünder.

Warum bauen die Bienen dann Füllwaben und Wirrbau?! Ganz einfach: weil die verwendeten Zargen eckig sind. Ecken sind aber etwas, was es in der Natur so nicht gibt. Da gibt es hauptsächlich nur rund. Folgerichtig erbauen Bienen in runden Behausungen - zum Beispiel im Stülper/Strohkorb - mit wenigen Ausnahmen fast immer geraden und parallelen Wabenbau.

Wenn wir die Bienen in eine mehr oder weniger unnatürliche Behausung stecken, dann müssen wir etwas Orientierungshilfe in Form von Anfangsstreifen leisten. Und dann klappt es auch: die Bienen bauen gerade und parallele Waben, die zur Aufzucht von Arbeiterinnenbrut taugen. Das Brutnest sitzt kompakt in einer bis zwei Zargen und ist dadurch warmhaltiger. Warm und kuschelig erbrütete Bienen aber sind gesund und intelligent.

Wabenpflegearbeiten gehören auch im Stabilbau dazu. Die Waben zum Beispiel in Lüneburger Stülper wurden früher und werden auch heute noch durch Schnitt gepflegt. Sehr zum Wohle der Bienen. Selbst Nicol Jacobi beschreibt in seinem Imkerbuch aus dem Jahr 1568 wie in Klotzbeuten die Wabenpflege vorgenommen wird.

Zum Schluß erleichterst Du dir selbst die Bearbeitung der Völker mit der Verwendung von geraden Waben. Das ist auch nicht unwichtig und es rettet Bienenleben, weil viel (unnötiges) Gematsche wegfällt.

Es spricht also viel dafür, Anfangsstreifen zu verwenden.

Viele Grüße

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon zaunreiter » Mo 14. Okt 2013, 16:03

Die Anfangsstreifen bilden hier schmale, später eingewachste Holzleisten, die mit zwei schmalen Klammern fixiert sind.(Tacker)

Bild
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Theophanu
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Theophanu » Fr 21. Mär 2014, 18:37

Es spricht also viel dafür, Anfangsstreifen zu verwenden.


Ich lese das atemlos. Na gut, dann disponiere ich wieder um.
Und vielleicht wärs auch gut, deine neuen Erkenntnisse an deine 'Bienenhaltung für alle' anzuhängen?
sapere aude

specht
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon specht » Fr 21. Mär 2014, 19:46

Für eine neue, nach den letzten Erkenntnissen zusammengestellte, Grundanleitung wäre ich voll dafür!

Warres Anleitung war damals gut und ich bin überzeugt, sie ist es auch heute noch.
Die Zeit ist aber nicht stehen geblieben. Als Mann der Tat hätte sich Abbe Warre sicher nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht, sondern notwendige Anpassungen immer zeitgerecht vorgenommen und all sein Wissen weitergegeben.

Gruß, Marcus

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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Mellina » Mo 24. Mär 2014, 15:30

Hallo Ihr beiden,
die überarbeitete PDF-Kurzanleitung gibt es seit paar Monaten. ... tschingel Jetzt neu! Auch mit Anfangsstreifen! tschingel ... ;)
Sie heißt jetzt "Imkern nach Warré", wegen der ständigen Verwechslung. Schaut mal auf u.g. Website.

LG
Mandy
Bauanleitung Warrébeute, Warrés Handbuch und Bernhards Kurzanleitung: http://www.warre-bienenhaltung.de

lulle
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon lulle » Do 10. Apr 2014, 18:20

Ahoi,
Jetzt habe ich wieder viel im Forum weitergelesen und leider noch keine Antwort auf meine Frage gefunden, darum stelle ich sie doch mal:
wir haben altes Wachs geschenkt bekommen, alte Waben, teilweise mit Brut. Das haben wir nun eingeschmolzen und durch Leinen gefiltert. Herausgekommen ist ein schöner, halbwegs sauberer Wachsblock, mit Farbverlauf von Schön-gelb bis "Dunkelgelb". Jetzt frage ich mich, ob ich damit den Bienen einen Anfangsstreifen machen kann, oder ob der wegen Botenstoffen oder Ähnlichem nicht angenommen werden könnte. Oder gibt's sogar andere Gründe neues Wachs zu kaufen? Oder mache ich mir zu viele Gedanken?

Würd mich über eine Antwort freuen :)

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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon zaunreiter » Do 10. Apr 2014, 19:03

Eine kleine Gefahr der Faulbrutverschleppung besteht. Wie vertrauenswürdig ist denn der Imker, von dem ihr das Wachs geschenkt bekommen habt? Macht der regelmäßig Futterkranzproben? Ansonsten würde ich es einfach verwenden, die Hitze beim Einschmelzen wird schon einiges abgetötet haben.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Theophanu » Mo 14. Apr 2014, 14:23

Mellina hat geschrieben: ... tschingel Jetzt neu! Auch mit Anfangsstreifen! tschingel ... ;)
Sie heißt jetzt "Imkern nach Warré", wegen der ständigen Verwechslung. Schaut mal auf u.g. Website.
LG
Mandy


Hab geschaut, bin entzückt! Danke.
sapere aude


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