Anfangsstreifen für Oberträger

Alles rund um die Zargen und Oberträger in einem Warré-Bienenstock.
KMP
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon KMP » Di 10. Jul 2012, 06:15

Propolix hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich weiß nicht, ob es Euch etwas nützt, aber im Akkordeonbau gib es ein spezielles Werkzeug, genannt "Wachslöffel" (reed waxing spoon), mit dem sich gut Wachslinien ziehen lassen.


Was man alles noch lernen kann. Sehr interessant -- danke!

-K
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Manfred

Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Manfred » Di 10. Jul 2012, 12:44

Grüß Euch,

Auch damit
http://t2.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9 ... DwWZG1DlMP
funktioniert das gut.
Ich löte so Streifen und MW in die Oberträgernut.

Herzliche Grüße Manfred

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tino
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon tino » Di 10. Jul 2012, 20:22

Hallo,
ich lass erst in die Nut des OT Wachs (von MW oder eigenes) mit Hilfe des Lötkolbens reinlaufen (reichlich). Dann "fahre" ich mit dem Lötkolben drauf lang, so daß das Wachs wieder schmilzt, stelle die MW rein und fahre beidseitig "gefühlvoll" am aus der Rinne ausgetretenen Wachs lang (der Lötkolben berührt die MW nicht-ist aber so knapp zu führen, dass die MW etwas "anweichen").Mit etwas Übung bleibt die MW lochfrei und hält recht gut .

LG Tino
IMG_9088.jpg

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zaunreiter
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon zaunreiter » Fr 14. Sep 2012, 13:33

Crossposting, aber auch weil es hierher gehört.

In der Vergangenheit war ich tatsächlich der Meinung, daß die Bienen "schon wissen, was sie tun". Außerdem gefiel mir der freie Stabilbau allein schon ästhetisch. Ich habe aber gesehen und damit lernen müssen, daß die Bienen nicht immer wissen, was sie tun. Insbesondere mit der rechteckigen Form einer Zarge kommen sie nicht ganz klar - kein Wunder: gibt es rechteckige Baumhöhlen?

Was aus dem freien Wabenbau sehr gut ersichtlich war, ist die Tatsache, daß die Bienen mit rechteckigen Beutenformen im freien Wabenbau nicht zurechtkommen. Sie verstehen die Ecken einfach nicht. Das ergibt dann das "chaotische" Wabenbild, wie auch oben zu sehen. Sie beginnen irgendwo und bauen dann "Füllwaben" in die Ecken. Diese Waben sind nur dazu da, unbenutzte Ecken zu füllen, damit da kein leerer Raum ist.

Diese Füllwaben sind für die Bienen vollkommen unbrauchbar. Deswegen wird auch meistens Honig eingelagert. Dieser Honig aber wird nie angetastet. Der gammelt da mehr oder weniger vor sich hin.

Der Effekt ist aber, daß der Raum zu einem Großteil mit unbrauchbaren Waben aufgefüllt ist und die Bienen nur wenige für die Anlage von Arbeiterinnenbrut brauchbare Waben besitzen. Es ist eine Tatsache, daß die Bienen für die Aufzucht von Arbeiterinnen möglichst gleichförmige Zellen benötigen. Das mußte ich auch erst lernen. Während Drohnen- und Honigzellen durchaus unterschiedliche Maße haben können, ist das für Arbeiterinnenbrut sehr eng gesetzt, wenn daraus nicht verkrüppelte Bienen schlüpfen sollen.

Das Brutnest streckt sich infolge der Begrenzung durch Füllwaben über mehrere Zargen hinweg. (Kein geschlossenes Brutnest, Wärmeverlust durch Verlust der Kugelform=Form für die optimale Wärmeerhaltung). Und das führt dazu, daß sie unter dem Mangel an freien Zellen für die Aufzucht von Arbeiterinnen leiden. So ein Wabenbau mit vielen unbrauchbaren Füllwaben ist eine ganzjährige Brutbeschränkung. Darunter leiden die Bienen tatsächlich, da das Wohl und Wehe des Bienenvolkes von der Gesamtanzahl der Arbeiterinnen abhängt.

Das kannst Du auch leicht ausrechnen. Eine Zarge mit acht Brutwaben stellt 8 Waben x 2 Seiten x 2.000 Brutzellen zur Verfügung - also Platz für etwa 36.000 Arbeiterinnenzellen. In einer Zarge mit Wirrbau und Füllwaben gibt es vielleicht drei Brutwaben und demnach nur 12.000 Arbeiterinnenzellen. Der Schwund an Arbeitskraft und damit Lebenskraft ist erheblich.

Die Bienen in solchen Wirrbau bekommen schneller Krankheiten (ungenutzte Wabenflächen, weniger Arbeiterinnen = weniger Putztrieb, weniger Pflegebienen für die Brutpflege, Wärmeverlust durch Strecken des Brutnestes) und werden schneller drohnenbrütig. (Die Königin wird unterversorgt.)

Wenn Du dir das Buch von Georg Heinrich Lehzen über die Imkerei in Stülpern besorgst - siehe http://www.holtermann-shop.de - wirst Du sehen, daß die oben beschriebenen Umstände schon vor 1900 bekannt waren. Und daß die Korbimker im Stabilbau sehr viel an dem Wabenbau korrigiert haben, indem sie unbrauchbares Wabenwerk herausschnitten oder ganze Völker von dem Wabenwerk abtrieben, wenn das Wabenwerk unharmonisch ausgebaut wurde.

Mit Hilfe der Leitstreifen an den Oberträgern wird verhindert, daß die Bienen durch den rechteckigen Grundriß einer Holzzarge verwirrt werden - sie bauen die Waben parallel nebeneinander, wie sie es in runden Beutenformen von sich aus tun. (Wenn sie weiselrichtig und "gut drauf" sind.) Für freien Stabilbau sind also rechteckige Kästen eigentlich nicht geeignet - eine runde Form ist meines Erachtens dafür Voraussetzung.

Ich habe die Waben in den Warrébeuten lange genug beobachtet, um festzustellen, daß die Imker von damals und heute nicht nur aus Gründen des Profites Mittelwände verwenden. Es ist den Bienen auch gedeihlich.

Effekte durch unbrauchbares Wabenwerk macht sich insbesondere in der Warrébeute wegen der geringen Ausmessungen bemerkbar. In einer Warrébeute ist nicht viel Platz für unbrauchbares Wabenwerk, da der Platz bewußt auf das Notwendige reduziert wurde, um die Wärme im Stock zu erhalten. Es ist also kein Wunder, daß unser Abbé Émile Warré nicht auf Anfangsstreifen verzichtete, obwohl er sonst alles rigoros aus der Beute gestrichen hat, was irgend ging.

Zumindest Anfangsstreifen sind also anzuraten. Dadurch sitzt das Brutnest kompakt in einer oder zwei Zargen, was eine optimale Nestwärme gewährleistet. Außerdem ist der Wabenbau regelmäßig und harmonisch. Für die Erzeugung von Arbeiterinnen und damit Lebenskraft ist diese Harmonie Voraussetzung.

Viele Grüße

Bernhard

PS: Fehlende Harmonie läßt sich übrigens im freien Stabilbau der Waben besonders gut sehen. Wenn die Königin nicht oder schlecht begattet ist, wie oft in einem Nachschwarm, oder ist die Volksharmonie noch nicht erreicht, starten sie meist in einer Ecke der Zarge. Als ob sie sich scheu in eine Ecke verdrücken. Die Waben sind unregelmäßig, oft mit zwei Spitzen auf einer Wabe. Ein harmonisches Volk (Nachschwarm nach Kellerhaft, begattete Königin, hungrige Bienen) baut hingegen von der Mitte des Raumes aus die Waben, die herzförmig sind. (Keine Doppelspitzen.) Die Zellen sind regelmäßig. Vermutlich kommt das daher, daß ein starkes, lebenskräftiges gut mit Futter versorgtes Volk genügend Wärme erzeugen kann. Wärme, die für den regelmäßigen Bau von Waben notwendig ist.
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon zaunreiter » So 6. Jan 2013, 12:15

Nach der Warré-Methode:
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Anton » So 6. Jan 2013, 22:50

Schönen Abend allerseits, das sieht ja ganz einfach aus!
Ich frage mich aber wie gut das Wachs an den Träegern haften bleibt wo es sich doch mühelos von der Führungsleiste trennt.
Wird vorher ein Lösungsmittel aufgertagen? Würde sie eine PVC Schiene auch eignen?
Gruß Toni

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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon zaunreiter » So 6. Jan 2013, 23:04

Die Führungsleiste aus Holz wurde in Wasser eingeweicht. Da Wachs wasserabstoßend ist, löst sich das Wachs von der wasseraufgeweichten Führungsleiste, während es am Oberträger haften bleibt.

PVC-Schiene würde nicht funktionieren, weil es kein Wasser aufnimmt. Eine silikonbeschichtete Schiene könnte noch funktionieren...aber warum ein funktionierendes System ändern?

Gruß
Bernhard
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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon KMP » So 6. Jan 2013, 23:40

zaunreiter hat geschrieben:Die Führungsleiste aus Holz wurde in Wasser eingeweicht.


Ein paar Unterschriften wäre gut gewesen. Was ich immer noch schick finde ist der "Akkordeongeträufellöffel", der hier im Forum geziegt wurde. Wird genauso verwendet, denke ich (muss man aber wahrscheinlich warm halten).

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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Anton » Mo 7. Jan 2013, 15:23

Hallo Bernhard, mir ging es bestimmt nicht darum eine erprobte Betriebsweise zu ändern, ich war mir nur nicht sicher ob sich flüßig aufgetragenes Wachs nicht gleich wieder vom Obertraeger löst.
Mit fortschreitenden Alter gehe ich die Dinge langsamer und etwas gelassener an. Da haben mich die kleineren Warre Masse eben angesprochen und da immer wieder mehrere Arten von Ot. gezeigt werden hat mich die einfachste Möglickeit mit der Führungsleiste sofort begeistert.

Wer vertreibt diese praktischen Wachskännchen? Habe ich noch nirgends gesehen.

Bis Heute kenne ich gerade Drei Imker etwas näher. Keiner von ihnen kann mir wegen der Warre Tips geben, aus dem G4rund habe ich mich hier angemeldet. Ich hoffe so als Anfaenger einige Fehler vermeiden zu können.
Den Wachslöfel von Imker Propolix habe ich auch noch nicht gefunden. Könnt ihr mir sagen wo man den bekommt?
Gruß Toni

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Re: Anfangsstreifen für Oberträger

Beitragvon Anton » Mo 7. Jan 2013, 18:14

So liebe Warreimker und werte Experten, habe soeben die Ot. meiner selbstgebauten Dreiwaben Begattungskaestchen bewachst.
Das Wachs im Wasserbad warm gemacht und mit einem alten Eßlöffel entlang einer feuchten 1x1cm Leiste mittig aufgetrragen. Das haltet bombenfest! Danke für den TIP an Imker Bernhard!

Eine Frage hätte ich gleich noch an die erfahrenen. Wie viel Wabe sollte man bei einer ausgeschnittenen Schwarmzelle, Breite Höhe, ausschneiden um sie sicher zwischen zwei Wabengassen am Ot. befestigen zu können.?
Ich sage lieben dank für Eure Unterstützung auf gedanklicher Ebene, Toni!
Gruß Toni

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