Caro's & Andreas' Bienen

Vorstellung eurer kleinen Imkerei
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Caro
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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Mi 24. Jul 2019, 23:54

Ein Imkerkollege wollte von uns im Frühjahr einen Ableger in dieser Saison bekommen - allerdings im Langstroth-2/3-Maß. Mit Kunstschwärmen agieren wir eher selten, aber unsere 13er-DNM-Beute konnte als Langstroth-Adapter (13 DNM im Warmbau, passende Langstroth-Zarge im Kaltbau) fungieren.
Am 08. Mai war unser Rotbuchenvolk (Buchenbrutling vom letzten Jahr) in Schwarmlust geraten, und so gründeten wir einen Ganz-Zargen-Ableger mit offenen Weiselzellen. Eine Königin schlüpfte und ging am 07. Juni in Brut, das Völkchen wuchs. Von dem Imkerkollegen bekamen wir eine Langstroth-Zarge mit 10 Rähmchen und Mittelwänden, welche wir auf den Ableger aufsetzten - er wollte das Volk als reines Langstroth-Volk und die Umsiedlung abwarten: Zunächst sollte das Volk ausbauen, und dann konnte man mit Königin-Absperrgitter das Brüten auf die Langstroth-Zarge einschränken und die DNM-Waben nach Auslaufen der Brut wegnehmen. Soweit die Theorie, aber das Volk sah es gar nicht ein, die neuen Mittelwände auszubauen, lieber quetschten die Bienen sich auf den DNM-Waben.
Mit der Tracht würden sie ihr DNM-Brutnest verhonigen, und dann sollte die Langstroth-Zarge besser unten sein, damit der Honig das Brutnest nach unten drückt. Auch nur Theorie, die Langstroth-Mittelwände wurden nicht angetastet.
Also baten wir den Kollegen im Juni um ausgeschleuderte Honigwaben im Langstroth-2/3-Format, welche die Bienen auch bekamen: Sie schleckten sie sauber und reparierten die Wabenzellen, blieben ansonsten aber auf den DNM-Waben. Da nun aber immerhin bebrütbare Langstroth-Waben vorhanden waren, wurde die Königin mittels Absperrgitter auf die Langstroth-Zargen eingeschränkt, so dass ihr nichts anderes übrig blieb, als auf Langstroth zu brüten.
Nach 3 Wochen war nun die Brut in den DNM-Waben ausgelaufen, also konnten wir dem Volk die DNM-Zarge abnehmen, um unserem Kollegen den Ableger als Langstroth-Volk zu geben. Doch als ich das Volk heute durchsah, bekam ich die Quittung von den Bienen:
Eine Königin muss gar nichts! :snooty: Sie konnte zwar nicht mehr auf ihren DNM-Waben brüten, aber die Langstroth-Waben waren für sie so inakzeptabel, dass sie lieber gar nicht brütete! Die Königin war anwesend, suchte nach Zellen zum Stiften, fand aber nichts - dabei sind alle 10 Langstroth-Waben komplett leer: Keinerlei Brut (auch nie gewesen), kein Nektar, kein Pollen. Die Arbeiterinnen hatten den Pollen lieber durch das Absperrgitter in die DNM-Zarge hochgetragen und warteten darauf, dass die Königin dort stiftet. Überhaupt lagerten 80% der Bienen oberhalb des Absperrgitters auf den DNM-Waben und nur die reslichen 20% umhegten ihre Königin auf der Langstroth-Zarge mit den ehemaligen Honigwaben. Und die Mittelwände der unteren Langstroth-Zarge waren weiterhin komplett unangetastet.
Bei gekauften Mittelwänden hätte ich nun vermutet, dass es sich um gestrecktes Wachs handelt, auf welchem die Bienen nicht brüten wollen. Doch der Imkerkollege hat seit 25 Jahren seinen eigenen Wachskreislauf und hatte auch schon mal die Wachsqualität untersuchen lassen. Trotzdem scheinen unsere Bienen dieses Wachs absolut nicht ausstehen zu können, nicht einmal zum Einlagern von Vorräten. Wir haben also kapituliert und das Absperrgitter heausgenommen - hoffen wir, dass die Königin auf ihren geliebten DNM-Waben nun wieder in Brut geht. Und dann nehmen wir die Langstroth wieder heraus.
Der erfahrene Imkerkollege kann sich das ganze auch nicht erklären, seine Bienen brüten auf Waben mit diesem Wachs - und er hat auch keine Idee, warum unsere Bienen sich so verhalten.
Viele Grüße, Andreas

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Christine » Do 25. Jul 2019, 00:15

Hihiiiiii, die haben einfach die Anleitungen nicht gelesen, die Bienen. Schöne Geschichte.
Gut auch, dass die Königin noch lebt. Bienen fackeln ja oft nicht lange, wenn die Königin nicht zu ihrer Zufriedenheit legt.

Macht das Beste draus: Jetzt isses brutfrei, da kann man behandeln :-)

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Deichkind » Do 25. Jul 2019, 21:16

Beruhigend dass auch bei erfahrenen Haltern immer wieder unverständliches geschieht. Wäre an der Auflösung des Rätsels sehr interessiert, vielleicht hat ja noch jemand eine Idee?
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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Do 25. Jul 2019, 23:23

Christine hat geschrieben:Hihiiiiii, die haben einfach die Anleitungen nicht gelesen, die Bienen. Schöne Geschichte.
Gut auch, dass die Königin noch lebt. Bienen fackeln ja oft nicht lange, wenn die Königin nicht zu ihrer Zufriedenheit legt.

Macht das Beste draus: Jetzt isses brutfrei, da kann man behandeln :-)

Wir haben es heute Abend (zusammen mit anderen Völkern im Rahmen unserer TBE) mit Oxalsäure behandelt.

Nachtrag bzgl. unseres Warré-Volks:
Am 20.07. hat unser Warrévolk endlich einen eigenen Ständern bekommen, den Andreas in Handarbeit gebaut hat und Platz für 2 Warrébeuten und Abstellplatz in der Mitte bietet. Das weiße Anlaufbrett dient für die Flugbienen als Hilfe, da das Flugloch nun etwas höher als vorher ist. Mittlerweile haben wir das Brett aber entfernt.
Warre mit eigenem Doppelständer_20190720.jpg


Daneben ein ebenfalls von Andreas gebauter Ständer für 4 Herold-Beuten im Vergleich:
Warre mit eigenem Doppelständer2_20190720.jpg


Grüße Caro

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Mi 31. Jul 2019, 11:35

Deichkind hat geschrieben:Beruhigend dass auch bei erfahrenen Haltern immer wieder unverständliches geschieht. Wäre an der Auflösung des Rätsels sehr interessiert, vielleicht hat ja noch jemand eine Idee?

Eine Auflösung haben wir leider nicht, und mit unseren 6 Jahren Imkern fühlen wir uns manchmal auch nicht wirklich erfahren, zumal wir einige Themen (wie z.B. Königinnenzucht) noch völlig außen vorgelassen haben.
Ich hatte dem Ableger die eine Ex-Honig-Langstroth-Zarge gelassen, weil die Bienen nicht in eine Zarge DNM passen. In dieser Langstroth-Zarge haben sie nun zwei Weiselzellen angelegt, die aussehen, als wären sie kurz vor der Verdeckelung, doch sie sind - da ja keine Brut vorhanden war - leer. Die Königin (Grün 5) war nun wieder auf ihren gebliebten DNM-Rähmchen und hat dort wieder richtig loggelegt: Auf mehreren Waben sind Stifte und auf zwei Waben bereits Maden. Also Stiften kann sie, will aber nicht auf den Langstroth-Waben legen, deren Wachs sich irgendwie von unserem unterscheiden muss. Ich glaube jedenfalls nichts, dass es an der Ausrichtung oder Warm-/Kaltbau liegt, damit hatte noch kein Volk bei uns Probleme.
Viele Grüße, Andreas

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Mo 26. Aug 2019, 12:30

Und wieder einmal etwas sehr ungewöhnliches...
Am Freitagnachmittag (23.08.) rief mich eine Imkerin aus dem nördlichen Nachbarortsteil an: Sie hatte gerade einen kleinen Schwarm in ihrem Garten, ihn gefangen und wusste nun nicht so recht, was sie nun damit machen soll, zumal sie eigentlich keine weitere Völker haben möchte. Und dieser Schwarm wäre auch deutlich zu klein zum Einwintern. Während wir telefonierten, flog eine Bienenwolk von Norden auf unser Grundstück, verharrte kurz bei der Blaufichte, schwebte über unsere "Waldlichtung" langsam zur Thuja und verschwand hinter ihr aus dem Blick. Minuten später sah ich dann, dass sich wirklich ein Schwärmchen in einem kleineren Baum in nur 4m Höhe oberhalb einiger unserer Bienenbeuten sammelte. Der war auch schnell gefangen und in einen Schwarmfangkasten hinter Königinabsperrgitter verfrachtet; die restlichen umherfliegenden Bienen kamen dazu, so dass wir offensichtlich die Königin im Kasten haben mussten. Allerdings war das Schwärmchen wirklich nicht groß, nur mehrere hundert Bienen.
Aufgrund der Erfahrung vom letzten Jahr, als so ein Mini-Schwarm am Folgetag gleich wieder auszog, um einen Einzargen-Ableger zu übernehmen (todesmutig aber gescheitert), bekam dieser anderthalb Tage Kellerhaft und wurde Sonntag früh in eine einzargige Warré eingeschlagen, wobei wir ein Königinabsperrgitter untersetzten, damit das Schwärmchen nicht gleich wieder auszieht. Ein wenig Futter bekamen sie aber trotzdem, zumal hier in unserer lokalen Imkergruppe diskutiert wurde, dass es Hungerschwärme sein könnten.
Sollte sich der Schwarm tatsächlich in der Warré etablieren, bekommt er noch etwas Bienenverstärkung von sehr starken Völkern, aber etwas Sorge habe ich wegen Räuberei, auch wenn das Flugloch auf eine Breite von einer Biene eingeschränkt ist - Räubereigefahr besteht bei uns seit Ende der Lindenblüte leider permanent. Wird also spannend, ob das Schwärmchen eine Chance hat.
Nur wo es wirklich herkam, wissen wir nicht. Und dass es gleich zwei solcher Schwärmchen um diese Jahreszeit parallel am späteren Nachmittag des selben Tages gab, ist sonderbar.
Viele Grüße, Andreas
Schwärmchen.png

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Christine » Mo 26. Aug 2019, 16:05

Caro hat geschrieben:Sollte sich der Schwarm tatsächlich in der Warré etablieren, bekommt er noch etwas Bienenverstärkung von sehr starken Völkern, aber etwas Sorge habe ich wegen Räuberei,


Hallo Andreas,

Waben mit verdeckelter Brut ohne ansitzende Bienen dazugeben. Die schlüpfen dann und verstärken den Schwarm - falls Ihr ihn wirklich eigenständig einwintern wollt. Ich hätte so eine Königin abgedrückt, wer will schon Genetik, die Ende August noch schwärmt? Ist ja auch schade um jede von anderen Völkern abgezweigte Biene.

Die beiden Minischwärmchen zusammenzulegen kommt nicht in Frage?

Manfred
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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Manfred » Mo 26. Aug 2019, 17:07

Grüß Euch,

Das ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein Umweiselungsschwärmchen. Umweiselungzellen werden in geringer Anzahl und zeitgleich in Pflege genommen.

Wenn dann beim Schlupf ein Teil der Bienen der Meinung ist - das ist unsere Favoritin und die lassen wir uns nicht killen, dann gehen diese tennisballgroßen Schwärmchen ab und übernehmen dann auch gerne, weil sie anders ja gar keine Chance haben, weisellose Völker.

Den Einzug geht blitzschnell vonstatten und wird vom Imker selten wahrgenommen.

Herzliche Grüße Manfred

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Mo 26. Aug 2019, 22:24

Hallo Manfred,

den Begriff "Umweiselungsschwärmchen" kannte ich bisher nicht, aber der Sachverhalt klingt plausibel; in diesem Fall wird dann also ein Volk der Umgebung zwei solcher Umweiselungsschwärmchen abgegeben haben. Dann müssten von beiden Schwärmchen die Königinnen auch am Freitag geschlüpft und entsprechend noch unbegattet sein. Den Effekt, dass so ein Schwärmchen ein anderes Volk kapern wollen könnte, kannten wir vom letzten Jahr; da war es sogar eine gezeichnete Königin vom selben Jahr gewesen; das war auch ein Grund, das Schwärmchen so schnell zu fangen und anderthalb Tage in Kellerhaft zu stecken. Um ihren Wiederauszug zu verhindern, hatten wir ein Königin-Absperrgitterr unter die (einzige) Zarge gelegt, aber das muss bis Freitag weg, damit die Dame auf Hochzeitsflug fliegen kann.
Der Sachverhalt scheint bei uns in der Gegend häufiger vorzukommen: Die unerwartete "Umweiselung" von unserem Rotbuchenvolk könnte auch so ein Vorfall gewesen sein, wobei das Volk eine stiftende Königin vom letzten Jahr hatte, und plötzlich - ohne jegliche Weiselzellen - nur eine fremde unbegattete im Volk war.
Anders herum könnten auch wir schon solche Schwärmchen "generiert" haben, wenn wir im Rahmen der ersten Sommerbehandlung gegen die Varroa die Totale Brutentnahme machen und Sammelbrutableger bilden - bei einem Sammelbrutableger im letzten Jahr hatte ich drei geschlüpfte Weiselzellen gesehen und mich gefragt, ob es nun wirklich Königinnenkrieg gegeben hatte.

@Christine: Brutwaben werden wir nicht umhängen, denn unser einziges Warré-Volk möchten wir nicht schwächen. Unser Schneebeerenvolk auf DNM ist aber trotz totaler Brutentnahme einfach zu groß für 2 Heroldzargen, die könnten ein paar Bienen abgeben; der Plan wäre hier, einen kleinen Saugling zu bilden.

Danke für die Rückmeldung und viele Grüße, Andreas

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Math.
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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Math. » Fr 30. Aug 2019, 11:24

moin.

hier ein weitere vorschlag für den kleinen schwarm:

das war ein varroa-notschwarm.

wer schon mal ein volk hatte, das an varroa einging, stellt folgendes fest:
es sind so gut wie keine bienen mehr in der beute, aber noch das ganze futter und wenige verdeckelte brutwaben.
wie das?

das volk schwärmt aus not ab, weil es sonst keine andere überlebensmöglichkeit sieht (irgendwo dran muss es doch liegen, dass aus der brut nichts mehr wird.)

bevor es aber abschwärmt, weiselt es gerne mehrfach um, weil die königin sicher daran schuld ist....

wer also immer wieder feststellt, dass viele seine völker im sommer umweiseln, sollte auch mal über seine varroa-methode nachdenken....

bitte in jedem fall mit oxuvar beträufeln, damit es milbenfrei wird.
und prüf mal nach, ob überhaupt noch eine fitte königin drin ist.
schöne zeit

math


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