Caro's & Andreas' Bienen

Vorstellung eurer kleinen Imkerei
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Caro
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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Mi 18. Apr 2018, 10:34

Ostern war es in Berlin noch einmal richtig kalt, aber seit genau zwei Wochen (ab Mittwoch 04.04.) ist Frühling: Teils April-artig, teils fast schon sommerlich. Inzwischen haben wir alle Völker durchgesehen, diverse Reinigungsarbeiten gemacht und Altwachs eingeschmolzen.
Unsere beiden Durchfall-Völker (Eibenvolk und Stachelbeervolk) hatten es fast geschafft, wie wir mit der Kontrolle über das Bodenbrett verfolgten, aber die Osterkälte war dann doch zuviel - am ersten wirklich warmen Tag blieb uns nur, sie abzuräumen. Alle anderen Völker lebten, aber die Durchsichten ergaben einen sehr durchwachsenen Gesamtzustand an unserem Bienenstand:
Das kritische Heidekrautvolk, das seine Königin vom letzten Sommer im Januar tot vor die Beute geworfen hatte, ergab ein sehr chaotisches Bild: Es hatte sich in der Beute geteilt in eine Gruppe links unten und eine rechts oben. Die untere Gruppe war verstorben und hing als kleine Traube in den Waben. Die obere lebte und seine neue Königin hatte mit den Stiften begonnen, aber es hatte ebenfalls Duchfall bekommen.Wir hatten alles gesäubert und sie einzargig mit winzigem Flugloch aufgestellt. Den Durchfall hatte das kleine Restvolk wirklich überwunden, denn es wurde nichts neu verkotet, aber es erwies sich, dass diese Königin wohl nie begattet worden und damit drohnenbrütig war: Alle bebrüteten Arbeiterinnenzellen wurden umgebaut zu Buckelbrut. Auch schien die Königin etwas verwirrt, schaute sich leere Zellen an, ohne etwas zu tun, aber am Hinterleib klebte ihr ein Ei. Diesen traurigen Zustand haben wir dann gestern beendet, indem die restlichen Arbeiterinnen vor dem schwach gewordenen Thujavolk abgestoßen wurden, damit sie sich dort einbetteln konnten.
Thujavolk hatte zu Ostern auch ein Durchfallproblem bekommen und es waren viele aus der Schwarmtraube gestorben. Hier tauschten wir alles (Beute, Rähmchen) aus, fingen die Königin und setzten sie auf die neuen Waben und ließen die von den Altwaben abgeschüttelten Bienen über ein Brett neu einlaufen. Nun ist das Volk als kleiner Einzarger wieder aufgestellt - inzwischen haben sie ein kleines aber schönes und flächiges Brutnest und sind auf dem Weg der Besserung.
Ein weiteres Problem gibt es beim Erdbeervolk: Die erste Brut des Jahres muss noch gut funktioniert haben, aber nun ist auch seine Königin drohnenbrütig geworden: Es ist eine alte Königin von 2015, in dieser Hinsicht war es schon ein Risiko, mit einer alten Königin in den Winter zu gehen. Allerdings haben die anderen alten Königinnen von 2015 (Ulmenvolk, Pfaffenhütchenvolk, Pflaumenvolk) die größten Völker am Stand aufgebaut.
Auffällig war, dass die Mehrheit der Völker mit der 2. Märzhälfte fast komplett aus der Brut gegangen war: Direkt nach Ostern hatten sie nur winzige Flächen verdeckelter Brut, aber überhaupt keine Brut im Larvenstadium - aber mit den warmen Tagen wurde sofort wieder neu bestiftet. Mit der Wärme rast nun der Frühluing voran: Krokusse waren innerhalb weniger Tage komplett durch, die Weide brachte kurz eine richtige Massentracht und inzwischen ist der Ahorn in voller Blüte, dazu Felsenbirne und Pflaume. Die Kirsche ist in der Stadt schon offen, bei uns steht die Blüte in den nächsten Tagen an. Jetzt wissen die Völker kaum, was sie zuerst sammeln sollen, und so haben fast alle Völker auch ihren ersten Honigraum bekommen.
Viele Grüße,
Andreas

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Do 7. Jun 2018, 23:36

Seit dem letzten Eintrag ist zwar einiges an Zeit vergangen und an Völkerentwicklung passiert, aber es war durchaus arbeitsintensiv, mit den Völkern wie auch dem Garten. Inzwischen haben wir die erste Honigschleuderung durch, Zeit also Bilanz über das Frühjahr zu ziehen. Mit wenigen Ausnahmen gab es in Berlin fast nur gutes Wetter, quasi kein Regen und bereits Hochsommer im Mai.
So spät die Blüte auch angefangen hatte, so rannte der Frühling in Rekordtempo: Weide, Frühblüher, Ahorn, Obstblüte - alles in weniger als 3 Wochen durch, so dass die Völker im Wesentlichen noch mit ihren Winterbienen sammeln mussten. Da bekamen wir sogar eine "Beschwerde" einer nur 200m entfernten Nachbarin (und nun Neuimkerin), dass unsere vielen Völker nicht einmal ihre Obstbäume richtig bestäuben konnten - warum 200m weit fliegen, wenn genügend blühende Bäume noch dichter stehen? Auch die (Roß-)Kastanie wurde sofort in die Volksentwicklung investiert, temporär gab es verhonigte und verpollte Brutnester, aber kurz darauf war alles verbraucht. Erst die Robinie füllte bei der Häfte der Völker die Honigräume, wobei wir diesmal erstaunlich trockenen Honig hatten: Spitzenwert 14% Wassergehalt, kam kaum aus der Schleuder, so zähflüssig war er.
Die Robinie konnten wir gerade noch so ernten, denn bereits in der letzten Mai-Woche begann (3 Wochen zu früh) die Linde aufzublühen - die Sommerlinde ist auch fast schon wieder durch...

Die übliche Aussage, dass eine Königin in Spitzenzeiten bis 2000 Eier am Tag stifet, glaube ich nicht mehr, temporär hatten wir bei den besten Völkern 18 Brutwaben DNM, wenn man Pollen und Honigkränze abzieht, wären das immer noch mehr als 10 komplette Rähmchen voller Brut gewesen. Allerdings gab es auch Negativüberraschungen, so dass wir ein sehr durchwachsenes Bild bei unseren Völkern haben.

Erdbeervolk (Königin war im April drohnenbrütig geworden) bekam eine Brutwabe vom Schwestervolk, wollte sich aber keine neuen Königin ziehen, obwohl genügend Ammenbienen vorhanden waren. Mit dem 2. Anlauf konnten wir eine junge Königin aufziehen lassen, aber die scheint auf dem Hochzeitsflug verloren gegangen zu sein.
Thujavolk ist langsam auf dem Weg der Erholung, hat nun immerhin eine zweite Zarge bekommen hat. Ich fürchte aber, dass die Königin nicht mehr so gut stiftet, doch selbst umweiseln wollte das Volk bisher noch nicht.
Ulmenvolk kam als größtes Volk aus dem Winter, und seine blaue Königin stiftete am besten los, so dass wir bei diesem Volk keine Probleme befürchteten. Doch bei der ersten größeren Schwarmkontrolle Ende April mussten wir feststellen, dass die Königin verschwunden war und diverse Nachschaffungs- und Schwarmzellen im Volk waren. Nach allen Beobachtungen und Rückrechnungen muss das Volk bereits am 22.04. (vor Schlüpfen der ersten neuen Brut!) heimlich geschwärmt und innerhalb kurzer Zeit weitergeflogen sein - niemand hatte auch nur irgendwas mitbekommen. Von den verbliebenen Weiselzellen separierten wir zwei Waben mit Zellen zu Ablegern, in denen je eine Königin schlüpfte, aber auch hier ging eine Königin auf dem Hochzeitsflug verloren. (Ich habe ja unsere Kohlmeise im Verdacht, zeitweise pflückt sie sich fast jede Minute eine Bienen quasi vom Flugbrett weg.) Ulmenvolk selbst hat nun wieder eine stiftende Königin und erstarkt.
Fehlingvolk hatte während der Löwenzahnblüte leichten Durchfall bekommen. Alles wurde gesäubert, aber erst vor einer Woche hatte sich das Volk so weit erholt, dass die Bienen auch den Honigraum annahmen. Irgendwie scheint die einjährige Königin aber nicht so gut zu stiften wie ihre Mutter.
Auch Kiwivolk erstarkt nur langsam: Die Bienen hatten letztes Jahr Ende Juli umgeweiselt; unsere alte Kiwi-Königin von 2015 hatte immer riesige Brutnester aufgebaut, worauf das Volk jedes Jahr bis 5 Zargen stark wurde, doch die neue nun fast einjährige Königin scheint nur ein kleines (aber immerhin feines und geschlossenes) Brutnest anzulegen.
Bei Deutzienvolk wissen wir nicht genau, ob die Königin von 2015 oder 2017 stammt: Wir hatten letztes Jahr eine ohne Plättchen im Volk gehabt, obwohl sie hätte blau gezeichnet sein müssen, aber es hatte keine Weiselzelle gegeben. Gefühlt muss es die alte Königin sein, denn sie stiftet genauso mäßig wie im Jahr davor.
Jasminvolk hat definitiv noch seine alte Königin von 2015: Es ist, wie in den Jahren zuvor nicht so schnell erstarkt, aber sehr gleichmäßig gewachsen und sammelt nun kräftig Linde, weshalb es heute einen zweiten Honigraum bekommen hat.
Oreganovolk hatte im April leichte Durchfallprobleme gehabt und sich gut davon erholt. Die Bienen investieren alle Vorräte sofort wieder in Brut, haben jetzt mit der Drohnenaufzucht begonnen, obwohl bei den meisten Völkern die Drohnenaufzucht wieder deutlich nachgelassen hat.
Die weiteren Völker sind gut gewachsen, und bis auf drei haben sie dieses Jahr keinerlei Schwarmgstimmung gehabt. Und selbst bei denen mit Ansatz von Weiselzellen sind wir nicht so richtig klug daraus geworden:
Pfaffenhütchenvolk hatte eine Schwarmzelle angelegt, die (da noch offen) in einen Ableger umgehangen wurde. Doch die Zelle wurde länger und länger, bis sie dann 6cm lang war. Die Larve war abgerutscht und hatte es nicht bis zur Puppe geschafft - nur hatte der Ableger sich auf diese eine Zelle verlassen und keine Reservezelle angelegt...
Auch Buchenvolk hatte genau eine Schwarmzelle angelegt, hier haben wir das Volk in Flugling und Brutling geteilt. Der Flugling ist gut in Brut, wir hoffen, dass auch der Brutling in den nächsten Tagen wieder in Brut geht.
Pflaumenvolk hatte drei Schwarmzellen am Rähmchenrand angelegt (nach Ulmenvolk Rekordhalter dieses Jahr!), weshalb wir es (schon aufgrund seiner enormen Größe) ebenfalls in Flugling und Brutling teilten. Überraschender Weise ist die (blaue) Königin aus dem Flugling verschwunden, obwohl sie sanft und sicher umgesetzt wurde - es fehlen auch keine Bienen, zumindest nicht, dass es auffallen würde, so dass vermutlich kein Schwarm abgegangen war. Auf der Fangwabe hat der Flugling nun lauter Nachschaffungszellen angesetzt und ansonsten bereits eine Zarge Mittelwände schon wieder komplett ausgebaut und deutlich Honig gesammelt. (Die Königin hatte im Flugling nicht mehr gestifet!) Schwärmt eine Königin auch mal nur mit kleinem Hofstaat? Oder war doch nur eine Nachschaffung geplant gewesen, obwohl die Zellen von der Position eigentlich Schwarmzellen waren?

Auf jeden Fall gleicht auch dieses Jahr keinem der vorherigen und es gibt immer wieder neue Konstellationen, die wir von unseren Bienen noch nicht kannten.

Viele Grüße, Caro & Andreas

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Di 12. Jun 2018, 23:04

Siebzehn junge Prinzessinnen

Am Freitag Abend haben wir eine Nachricht im Verein bekommen, dass eine Kollegin einen Schwung frisch geschlüpfter Weiseln hat - Frage, ob jemand welche benötigt. Erdbeervolk wollten wir schon auflösen, weil die Nachzucht-Königin auf dem Hochzeitsflug verschollen war, aber vielleicht hat es ja mit einer neuen Königin noch eine Chance. Außerdem war in einem Ableger die einzige Weiselzelle nichts geworden und der Flugling vom Pflaumenmvolk hatte seine Königin verloren; die fünf Nachschaffungszellen waren schon über der Zeit. Also haben wir ja gesagt und nach drei Königinnen gefragt; haben sogar auf vier aufgestockt, weil viele neue Vereinsmitglieder noch Völker haben möchten.
Bei der Übergabe am nächsten Morgen (Samstag) gab es dann ein paar Mißverständnisse, und dann hatten wir eine Schüssel mit "Lockenwicklern" (Käfige vom Verschulen von Weiselzellen) auf dem Zaunpfeiler:
17 junge Prinzessinnen mit je 4 Begleitbienen und etwas Futterteig.
Bzgl. Königinnenzucht und Einweiseln von Königinnen hatten wir bisher noch kaum Erfahrung, und auf so viele waren wir nicht vorbereitet. Also wohin damit? Außderdem musste es schnell gehen, denn es wurde ein hochsommerlicher Tag. Und Ausfresskäfige und Futterteig hatte wir nicht verfügbar.
Zunächst einmal bekamen der Ableger und Erdbeervolk je zwei der Käfige mit den jungen Weiseln, um zu sehen, welche der jungen unbegatteten Königinnen sie annehmen würden. Pflaumenflugling versuchten wir aufzuteilen auf seine drei Zargen und gaben auch je zwei mit Käfig hinein, womit wir vor der Mittagshitze immerhin schon 10 untergebracht hatten. Weitere vier kamen in einen neu bestückten Vierer-Ablegerkasten (Bienen vom Kirschvolk) und für die restlichen drei separierten wir eine Zarge vom Johannisbeervolk, welches richtig groß war und gerade eine fünfte Zarge zum Ausschlecken drauf hatte.
Aufgrund mehrerer Termine und einem Gewitter konnten wir erst Sonntag Nachmittag wieder an die Völker. Der Ableger und Erdbeervolk haben klar eine Königin präferiert und durch den "Lockenwickler" gepflegt, also wurden diese Könginnen freigelassen und die anderen "Lockenwickler" mit Königinnen wieder herausgenommen. Pflaumenflugling wollte nicht getrennt werden, fast alle Bienen hatten sich in der Zarge vom gewohnten Flugloch versammelt, was fast übervoll geworden war- Immerhin war ihnen eine Königin genehm, und die wurde freigelassen. Die Miniableger im Viererkasten hatte je nur eine bekommen, und die wurde in das jeweilge Abteil entlassen.
Beim Johannisbeervolk war es ein Fehlschlag, die Bienen wollten trotz ihrer Größe nicht getrennt werden und auch keinen Ableger bilden. Eine Königin hatten sie abgestochen, eine war anscheinend entkräftet gewesen, und die dritte konnten wir noch lebend bergen. Insgesamt hatten wir nun sieben Prinzessinnen halbwegs erfolgreich untergebracht, vier waren hinüber und damit hatten wir noch sechs, die erneut untergebracht werden mussten. Die Kollegin wußte aber auch nicht mehr, wohin damit.
Ein Imkerkollege nahm dann fünf, um noch Ableger zu bilden, und die sechste bekam am Montag bei uns noch einen neuen Ableger vom Wilder-Wein-Volk. Da wir nur einen Bienenstand haben, musste der am selben Stand bleiben, doch die Bienen hatten keine Lust und verließen bis zum Abend den Ableger fast komplett, was wir am Abend bemerkten, als wir die Königin aus dem "Lockenwickler" freilassen wollten. Also Verstärkung durch Buchenvolk, die waren gut im Brüten und hatten ihre Brutwaben immer sehr gut gepflegt. Aber bei der neuen Königin wollten auch sie nicht bleiben und verließen am Dienstag sogar ihre Brutwabe. Die Königin selbst, die wir Montag Abend noch aus dem "Lockenwickler" befreit hatten, weil sogar schon eine ihrer Begleitbienen gestorben war, steckte kopfüber in einer Wabenzelle und kam allein nicht mehr heraus, weil sie mit den Hinterbeinen nicht genügend Halt fand. Wir haben sie befreit und diesmal mit Bienen und einer Brutwaben mit etwas viel Drohnenbrut aus dem Oreganovolk versorgt - das ist jetzt aber ihre letzte Chance.
Die Kontrolle des Viererablegerkastens ergab, dass die Königin aus einem Abteil verschwunden war, nun hat das Nachbarabteil den Raum dazu bekommen.
Wird also noch spannend, was aus den vielen Prinzessinnen wird...

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Johannes-Mellifera » Mi 13. Jun 2018, 13:54

Ganz ehrlich, mir fehlen die Worte bei diesem Vorgehen. Da hat der Züchter weder euch noch seinen Königinnen einen Gefallen getan.... Sehr frustrierend zu lesen. Sorry.

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Mi 13. Jun 2018, 16:36

Hallo Johannes,
die Kollegin ist keine Züchterin sondern hat nur nach den Weiselzellen bei einem Volk geschaut, bei dem die Mutterkönigin in den Ableger geriet. Das Timing war gerade so, dass die erste Königin schlüpfte und so hat sie die nacheinander schlüpfenden Königinnen "geerntet". Da so viele nicht geplant gewesen waren, wusste sie auch nicht wohin damit - drei konnte sie bei sich unterbringen. Wir selbst fühlten uns auch sehr überfordert damit, so unvorbereitet einen Schwung Königinnen versorgen zu sollen und waren selbst nicht glücklich damit, haben nur versucht, das beste daraus zu machen, denn "einfach abdrücken" wollten wir die "überschüssigen" Königinnen nicht. Einfach einem Schwung Bienen eine fremde unbegattete Königin vorzusetzen, ist nicht gerade unsere Sache, aber so in ihren Käfigen wären sie innerhalb weniger Tage sehr unwürdig verendet.
Viele Grüße, Andreas

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Di 7. Aug 2018, 23:07

Seit dem letzten Bericht war so viel zu tun, dass wir nicht zum Schreiben kamen, aber nun sind die Honigernte (inkl. Schleuderung) für dieses Jahr und die erste Varroa-Behandlung à la Teilen und Behandeln soweit durch, dass wir mehrere Berichte nachholen wollen.

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Di 7. Aug 2018, 23:24

Fortsetzung zu den 17 jungen Prinzessinnen

Die unglückliche Geschichte um die 17 jungen Weiseln entwickelte sich noch zu einem richtigen Drama.
Der Pflaumenflugling, der seine alte blaue Königin verloren hatte, nahm eine der jungen Königinnen an, wurde aber plötzlich krank. Erst dachte ich an frühzeitige Drohnenschlacht, aber dann wurde klar, dass wir zitternde Bienen im Volk hatten; die Drohnen waren zuerst betroffen, dann aber auch Arbeiterinnen. Den Symptomen nach (Herumsitzen und Zittern mit gespreizten Flügeln, später schwarz werdend) war es ein Paralysevirus, vermutlich der chronische. Typischerweise wird der durch die Varroa so virulent übertragen, doch die Oxalsäurebesprühung im brutfreien Zustand hatte fast keine Varroen fallen lassen - der überwiegende Teil der Varroen musste ja im Brutling sein, und der war nicht krank.
Nachdem im Brutling alle Bienen geschlüpft waren, haben wir auch diesen umgehend behandelt, aber auch hier fielen kaum Varroen. Erst später haben wir auch beim Brutling einzelne zitternde Drohnen gesehen, aber die wurden rausgeräumt. Der Brutling zog seine Königin auf und die legte ordentlich los.
Im Internet findet man, dass die Bienen beim chronischen Paralysevirus oftmals sponan gesunden, Imker es manchmal gar nicht mitbekommen, selbst wenn 30% der Bienen erkranken. Unser Pflaumenflugling hingegen schrumpfte gravierend schnell und verkotete seine Waben. Und dann war auch noch die neue Königin verschwunden. Auflösen wollten wir das Restvölkchen nicht, damit sich die bereits infizierten aber noch nicht sichtbar erkrankten Bienen nicht woanders einbetteln. Also tauschten wir Beute und Rähmchen und ließen die letzten gesund wirkenden Bienen neu einlaufen - ein paar ausgebaute Waben und etwas an Nektar-/Honighaben hatten wir noch.
Die Frage war nun, wie der Flugling eine neue Königin bekommen könnte. Er bekam eine Brutwabe vom Johannisbeervolk, doch die Nachschaffung war kläglich, nur eine einzige Mini-Weiselzelle, es war absehbar, dass die nichts wird. Als wir noch ein paar Tage später noch einmal nach der Zelle schauten, war sie seitlich ausgebissen worden. Stattdessen hatte das Volk eine stiftende Königin. Der rote Farbring sah so aus wie bei den 17 Prinzessinnen. Dass wir in diesem Minivölkchen trotz mehrfacher intensiver Suche die gezeichnete Königin übersehen hatten - denkbar aber eigentlich sind wir inzwischen etwas besser im Finden von Königinnen geworden, auch von ungezeichneten in größeren Völkern. Aber beim Abschütteln und neu einlaufen lassen, war sie sicher nicht dabei gewesen. Und die Weiselzelle war bis in die Verdecklung gegangen und wurde erst sehr spät ausgebissen. Alles in allem dürfte die Königin wohl über 2 Wochen fort gewesen sein. Wo sie gewesen und wie sie ins Volk zurückgekommen war, wissen wir nicht. Rückgerechnet anhand der Brut kann diese Königin frühestens 23 Tage nach dem Schlupf in Brut gegangen sein - wenn es denn wirklich eine der 17 ist.
Inzwischen scheint der Pflaumenflugling gesundet und erholt sich wieder, hat das Brutnest nun auf 4 Zanderwaben ausgedehnt.

Beim weisellosen Erdbeervolk war die Prinzessin angenommen worden, doch plötzlich wurde das Volk drohnenbrütig. Die junge Königin war noch da, aber anscheinend zusätzlich ein Drohnenmüterchen - wie konnten wir die loswerden? Der allgemeine Rat ist Abschütteln und Einlaufen lassen, Drohnenmütterchen sollen weniger flugfähig sein. Also fingen wir die Königin, schüttelten das restliche Volk so ab, dass die Bienen zurückfliegen mussten. Ein paar Tage später waren wieder neue Stifte im Volk, die Königin noch da, aber dann wurden Arbeiterinnenzellen wieder verlängert - Drohnenbrut! Als ob das nicht schlimm genug war, wurde das Volk dann trotz winziger Fluglochgröße geräubert. Das Flugloch war wirklich nur so breit, dass eine Königin rein und raus kommt oder maximal zwei sich drängelnde Arbeiterinnen - allein eine Arbeiterin hätte es verteidigen können, aber anscheinend hatte das Volk trotz Königin aufgegeben. Die Königin selbst hatte inzwischen den linken Vorderfuß verloren und hingt, begann dann aber doch zu stiften, der Verdeckelung nach war es nun klar Arbeiterinbrut. Doch angesichts der Räuberei hatte das winzig gewordene Völkchen nun keine Chance mehr.

Beim Viererablegerkasten war aus einem Abteil eine der vier Prinzessinnen verschwunden, weshalb wir zwei Abteile zusammengelegt hatten. Dann wurden die Bienen auch noch krank, ebenfalls Paralysevirus, obwohl die Bienen nicht vom Pflaumenvolk stammten, auch hier waren zuerst die Drohnen massiv betroffen. Parallel dazu waren zwei weitere Königinnen verschwunden. Das letzte Abteil mit Königin wurde in einen Ablegerkasten umlogiert, wobei alle BIenen abgeschüttelt wurden, damit nur die Gesunden einlaufen konnten - viele waren das nicht mehr. Die letzte der vier Königinnen vom Viererkasten blieb da, aber sie wollte anscheinend nicht stiften - zu wenig Pflegebienen? Da parallel der letzte Ableger, dem wir die letzte der 17 gegeben hatten, auch noch weisellos geworden war, wurden beide Ableger vereinigt - nun hatten sie wenigstens wieder Ablegerstärke und waren anscheinend auch gesund. Nach einigen weiteren Tagen war dann auch die letzte Königin verschwunden. Daraufhin haben wir den kläglichen Rest vom Erdbeervolk mit der hinkenden aber stiftenden Königin dem Ableger aufgesetzt, und die Vereinigung klappte nun, das Volk begann gut zu brüten und dann auch wieder zu wachsen.
Die hinkenden Königin könnte aber noch zum Problem werden, in den Winter wollen wir mit ihr nicht gehen...

Der Ableger mit der mißlungenen Weiselzelle (abgerutschte Larve) hatte seine Prinzessin aus den 17 ausnahmsweise behalten und die ging tatsächlich in Brut. Leider scheint sie nicht stark genug im Legen zu sein, das Brutnest beschränkt sich nur auf eine kleine Teilfläche auf 3 DNM-Waben.

Woher wir den Paralyevirus bekommen hatten, bleibt unklar. Wir hatten erst befürchtet, dass wir ihn uns über die Prinzessinnen (trotz Gesundheitszeugnis) reingeholt hatten, aber bei der Kollegin, von der die 17 stammten, war kein Problem aufgetaucht, trotz sensiblisierter Durchsicht. Und der erfahrene Imkerkollege, der noch fünf von den 17 Prinzessinnen übernommen hatte, bekam das Problem auch nicht, wenngleich ihm auch drei aus den Ablegern verlorengingen. Möglicherweise kam der Paralysevirus mit fremden Drohnen aus der Umgebung, denn beim Oreganovolk sahen wir zwischenzeitlich leider auch zitternde Drohnen, wobei das Volk das inzwischen anscheinend überwunden hat.

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Di 7. Aug 2018, 23:28

Varroa-Behandlung

Um unseren Völkern - wie in den Jahren zuvor - eine Ameisensäurebehandlung zu ersparen, wählten wir wieder die Methode der Totalen Brutentnahme, um die brutfreien Völker (bzw. Ableger nach Auslaufen der Brut) mit Oxalsäure zu besprühen. Die Brut wurde in Sammelbrutableger gestapelt, wobei wir diesmal besonders sensibel darauf achteten, welche Völker eventuell mit Paralysevirus in Berührung gekommen waren, damit keine potentiell kritischen Waben mit eher unkritischen zusammenkommen sollen.

Im Vorfeld der Behandlung hatten wir den Bienen ihre Honigräume großzügig dimensioniert; einen vollen Honigraum (DNM bzw. Zander) sollte jedes Altvolk behalten, und ansonsten sollten ausgebaute aber ungenutzte Honigrähmchen als neue Brutwaben zur Wabenerneuerung dienen.
Die Planung war einfach: Aus den beiden Bruträumen wird effektiv ein Brutraum mit verdeckelter Brut und Honigkränzen für den Ableger separiert, ein (potentieller) Brutraum verbleibt im Altvolk oder wird durch leere Honigraumwaben ersetzt und der Honigraum kommt als oberer Raum wieder rauf. Alle weiteren Honigräume nehmen wir zum Schleudern. Mit dieser Methode sind alle Altvölker wieder auf zwei Zargen (DNM bzw. Zander) eingeschränkt.
Soweit zur Theorie - die Praxis gestaltete sich gänzlich anders:
Die Linde hatte aufgrund der Trockenheit wenig Nektar geliefert und war 3 Wochen früher durch als üblich. Dann aber gab es unerwartet viel Honigtau in der Umgebung - unsere Linden in der Nähe des Bienenstands klebten zwar kaum, aber einige Völker fanden den Honigtau und trugen unerwartet viel ein und gingen teilweise wieder extrem in Brut. Da wir den Honigtau nicht als Winterfutter in den Völkern lassen wollten, mussten wir nun ungeplant viel sortieren. Das Ergebnis sind 200kg teils sehr dunkler Sommerhonig ohne den bei uns sonst typisch minzigen Lindenblütengeschmack.
Und mit der vielen verdeckelten Brut hatten manche Völker mehr als nur eine Zarge, die entnommen werden musste, so dass wir auch Ableger aus Einzelvölkern bildeten, also eher eine Brutling-/Flugling-Teilung. Das ergab dann mehr Ableger als ursprünglich geplant, und für die brauchten wir auch noch neue Beutenständern - wie gut, dass wir am Anfang der Saison wenigstens mit Reserven bei den Beuten geplant hatten.

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Di 7. Aug 2018, 23:30

Ein königlicher Besuch

05.07.: Im Anschluss einer Honigraumsortiererei mit Brutentnahme im Rahmen der Varroa-Behandung lungerte in einer Ecke am Boden ein Klumpen Bienen. Solche Anhäufungen von Bienen am Boden können auch beim Paralysevirus auftauchen, und entsprechend alarmiert waren wir. Aber die Bienen zitterten nicht. Vorsichtig nahm ich mit einem Handschuh Bienen hoch - nichts an ihnen war ungewöhnlich oder wirkte krank. In der zweiten Handvoll Bienen entdeckte ich plötzlich eine (ungezeichnete) Königin, der das rechte Vorderbein fehlte. Und schon flog sie auf und weg war sie.
Woher sie gekommen war, wissen wir nicht, eine eigene kann es zu diesem Zeitpunkt nicht gewesen sein.

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Re: Caro's & Andreas' Bienen

Beitragvon Caro » Di 7. Aug 2018, 23:35

Ein Schwärmchen Ende Juli

Am 31.07. gegen 16:30 sammelte sich in der Fichte über einigen unserer Völker ein Schwarm. Welches Volk wollte denn so spät im Jahr noch schwärmen? Ein Altvolk konnte es doch nicht sein, nicht nach der Brutentnahme. Also ein Ableger? Der einige, der überhaupt in Frage kam, war der Sammelbrutableger aus Spierenstrauchvolk und Kirschvolk, drei Zargen groß, aber terminlich etwas spät, um quasi einen Nachschwarm zu bilden.
Nun, Schwarm war definitiv zuviel bezeichnet, es wurde nur ein Schwärmchen von wenigen hundert Bienen, und der hing so tief, dass ich mit einer Haushaltsleiter bequem herankam, um ihn mit einem Ästchen zu pflücken - so leicht war es ja noch nie.
Beim Schwarmfang sah ich auch gleich die Königin, gezeichnet mit einen dicken roten Farbklex war sie in der winzigen Traube kaum zu übersehen. Damit war klar, dass es keine von uns war; unsere Königinnen haben ein Plättchen mit Nummer oder sind (bei den neuen Ablegern) noch ungezeichnet. (Und es war auch keine der 17 Prinzessinnen, die hatten nur einen dünnen Farbring.)
In eine Warré wolle das Schwärchen nicht einlaufen, aber ein Ablegerkasten mit Altwaben war ihnen genehm. Und damit sie nicht doch wieder abhauen, nahmnen wir sie einen Tag in Kellerhaft. Am Abend darauf wurden sie mit dem Ablegerkasten aufgestellt und flogen sich darauf auch ein. Also alles in Ordnung?
Denkste: Es gab am nächsten Abend Aufregung am Erdbeervolk-Platz, wo wir einen Zwei-Zargen-Ableger vom Johannisbeervolk aufgestellt hatten. Es wurde gekämpft, und dann lag unten Knäuel Bienen, darin die Königin mit dem dicken roten Farbklex, der nun das linke Vorderbein fehlte und die teilweise Lähnungserscheinigen hatte. Anscheinend war das Minivölkchen von vielleich 200 Bienen zu dem Schluss gekommen, den großen Ableger mit vielleicht 10.000 Bienen übernehmen zu wollen, nur hatte der Ableger bereits seine eigene stiftende Königin...
Somit war unser neues Schwärmchen gleich wieder verloren... :cry:


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