Kondensatordach

Rund um das Dach des Warré-Bienenstocks, sowie dem Kissen.
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zaunreiter
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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Mo 18. Nov 2013, 12:00

Bei Nachttemperaturen um 3°C habe ich einen Rundgang gemacht. (Naja, ich mache zwei Mal täglich einen Rundgang.) Ich habe nicht alle Beuten gleich konfiguriert, sondern mal Variationen probiert. Folgende Beobachtungen.

Deckelvarianten:

Deckel ungedämmt (nur Deckel und Innendeckel)
- Innendeckel mit Futterloch => starke(!) Kondensation unter dem Metalldeckel und dem Innendeckel. Das Wasser triefte nur so aus dem Deckel, als ich ihn abhob.

- Innendeckel ohne Futterloch => Bei Zweizargern war eine starke(!) Kondensation unter dem Innendeckel, die oberen Waben waren feucht. Bei Einzargern war das weniger innen, hier bildete sich Kondensat am Metalldeckel, das munter von oben auf den Innendeckel tropfte.

Deckel gedämmt mit 2 cm Holzfaserdämmplatte
- Innendeckel mit Futterloch => Kondensat unterhalb der Alufolie im Futterloch. Nur dort unter der Holzfaserdämmplatte sammelte sich kreisrund das Kondesat. Wenn die Holzfaserplatte nicht eng eingepresst war und links und rechts 1 mm Abstand zu den Seiten des Innendeckels hatte, war Kondensat und auch schon Schimmel an den offenen Rändern der Holzfaserdämmplatte zu sehen. Also von oben, wohlgemerkt.

- Innendeckel ohne Futterloch => kein Kondensat.

- Innendeckel + Holzfaserdämmplatte + 3cm extra Dämmplatte => Null Kondensat. Schön warm kam mir der Luftstrom entgegen.


Varianten der Fluglöcher

Flugoch oben
=> Kaum ein Luftstrom am Flugloch zu spüren. (Finger leicht befeuchten und ans Flugloch halten. Nase ans Flugloch halten und schnüffeln.) Flugloch wird nicht belagert.

Flugoch unten
=> Mit dem speziellen Zweiwege-Eingang/Mäuseschutz, den ich verwende, ist ein ganz leichter Luftstrom zu spüren. Unten rein, oben raus. Einzelne Bienen am Flugloch.

Flugoch oben und unten
=> Recht starker Luftstrom, deutlich zu spüren. Oben kommt sehr warme Luft raus.

Offenes Bodengitter versus geschlossener Boden
- offener Boden => Die Bienen fächeln beim offenen Boden am Flugloch und scheinen in der Traube lauter zu brausen. Aber als signifikant würde ich das nicht bezeichnen.

- geschlossener, luftdichter Boden => Luftstrom am Flugloch unten etwas deutlicher zu spüren. Weniger Fächlerbienen.


Allgemein

Die Beuten mit Dämmung/Isolierung riechen intensiver und sind warmhaltiger. Die warme Luft schlägt einem entgegen, wogegen ungedämmte Beuten mit offenem Boden leicht kalt-feucht beim Öffnen wirken. Sie riechen fast gar nicht nach Biene, also im Vergleich. Kommt vermutlich auch von dem ganzen Kondensat. Die warme Luft aus den gedämmten Beuten riecht dagegen angenehm nach Propolis und Biene.

Dämmung aus dampfdichten Materialien - wie Styropor bei den Segeberger Beuten, führen zu hoher Luftfeuchte im Bienenstock - bis zu 30 % mehr Luftfeuchte als im Holzmagazin hat man gemessen. Das scheint sich zu bewahrheiten. Ich sehe Kondensat an den Segeberger Beuten mit Abdeckfolien, und die Völker riechen anders als die ohne Folie. Die Deckel der Segeberger sind nicht luftdicht, hier findet sich Kondensat im Schlitz zwischen Deckel und Zarge. Aber außen, also es läuft nicht nach innen.


Die Verwendung von Holz und Stroh, wobei das Stroh die Dämmung darstellt und von daher nach außen muß, scheint ideal. Die Dicke der Wandung muß ausreichend sein, damit die Dämmwirkung so gut ist, daß es nicht zur Kondensation in der Wandung kommt. Bei doppelten Wänden/Hohlwänden, besteht die Gefahr der Durchfeuchtung der Isolation innerhalb der Wände. Da helfen auch Entlüftung oder Dampfsperren nicht viel.

Neben der Dämmung scheint das Flugloch in Lage, Größe und Form entscheidend zu sein. Denn alle Dämmwirkung ist futsch, wenn eine übermäßige Zwangsbelüftung stattfindet. (Flugloch oben und unten, offener Gitterboden.)

Daneben scheinen die Bienen in der Lage zu sein, bei genügend kleinen Eingängen, den Luftstrom mit Flügelschlagen zu kontrollieren - wenn der Boden geschlossen ist. Bei offenen Gitterboden können die Bienen die Luftmasse nicht drücken und damit nicht kontrollieren.

Flugloch oben oder unten - da gibt es im Moment keine zu beobachtenden Unterschiede.

Viele Grüße

Bernhard
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Rumpel » Mo 18. Nov 2013, 14:50

Hallo Bernhard,
Mein Flugloch liegt über den Oberträgern, weder am Innendeckel noch woanders Kondensat, ausser am Dachvorsprung hängt ein Tropfen.
Riecht auch schön nach Biene, mit einem Glas kann man gut den Feuchtegrat ansehen.
Gruss jörn
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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Di 19. Nov 2013, 23:10

Hatten wir zwar schon mal, aber trotzdem immer wieder toll:

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Di 19. Nov 2013, 23:41

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Re: Kondensatordach

Beitragvon Michael » Do 28. Nov 2013, 11:57

Hallo Berhard,

Hast du das Kondensatordach im Sommer mit Hobelspänne befüllt, und wurde es zugebaut mit Waben?

Kann ich das Dach auch mit einem Normalen Warre Dach einsetzten?

Gruß

Michi
Sum, Sum Sum, Bienchen summt herum...

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Do 28. Nov 2013, 12:56

Ich empfehle Dir nur das originale Dach einzusetzen, noch mit einer zusätzlichen dicken Dämmplatte zwischen Kissen und Dach. Die Seiten des Daches dürfen ruhig weiter nach unten gezogen werden. Also längere Seiten, es soll weiter über die oberste Zarge gestülpt werden können. Bis fast auf die Handgriffe der Zarge.

Wenn Du Blechdächer verwendest, nimm' einen Innendeckel, eine 5cm dicke Dämmplatte und erst darüber das Blechdach.

Ein spezielles Kondensatordach würde ich nicht empfehlen, das ist noch ein Experiment und bisher gefiel mir es nicht.
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Michael » Do 28. Nov 2013, 13:07

Hallo Bernhard,

Danke für den Tipp mit den größeren Seitenwänden beim Dach!

Gruß


Michi
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Re: Kondensatordach

Beitragvon 2weiund2wanzig » Fr 2. Mai 2014, 14:54

Auch wenn ich absoluter Anfänger bin und echt keine Erfahrung in Bezug auf Bienenhaltung und Stöcke und Beuten vorzuweisen habe, habe ich doch ein bisschen Erfahrung mIt Lehmbau. z.B. in meinem Altbaukellerbadezimmer. Da wird täglich durch 4 Personen geduscht und es gibt selbst im Sommer keine Oberflächenfeuchte.
Vielleicht sollte man mal versuchen, das Kissen nach oben mit einer glatten Schicht Lehm von etwa 2 cm, ggf gegen Feinde durch eingeputzes Gewebe geschützt zu verschließen. Dann das Dach ohne die verschließende Holzplatte aufbauen oder aber diese in der Mitte mit einem großen Loch versehen.

Dazu wären meine Überlegungen:
  • Die Isolation nach oben wäre weiterhin durch das Kissen gegeben
  • Der Lehm bildet nach innen eine Kondesationsfläche, nimmt aber kondensiertes Wasser sofort auf und transportiert es nach Außen (Frost könnte hier ein Hindernis sein)
  • Lehm hat unglaublich gute Diffusionseigenschaften
  • Das Kissen wäre nach oben weiterhin winddicht abgeschlossen
  • Der über den Lehm streichende Luftstrom würde den Lehm immer wieder abtrocknen
  • Die Lehmschicht wäre bei einer MIschung mit Stroh mit einer Dichte von 400kg/m3 etwa so schwer wie Holz und könnte dünn aufgebracht werden
  • Das Kondensationswasser wird wirklich nach draußen gebracht und nicht nur gesammelt

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Fr 2. Mai 2014, 15:10

Das mit dem Innendach aus Lehm hat schon mal ein Franzose gemacht - ich kann leider gerade die Seite nicht mehr finden. Hier mal was Ähnliches aus Stroh:

http://www.dheaf.plus.com/warrebeekeepi ... e_heaf.htm
http://www.dheaf.plus.com/warrebeekeepi ... verson.htm
Cogito ergo summ.
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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Fr 2. Mai 2014, 15:12

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