nach Warrés Beschreibung imkern

Alles um den Warré-Bienenstock als ganze Beute. Bauanleitungen, Konstruktionstipps und so weiter.
stefanzo
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Re: nach Warrés Beschreibung imkern

Beitragvon stefanzo » Do 30. Jul 2015, 23:52

In den letzten beiden Jahren war mit defensiver Betriebsweise nicht viel zu holen. 2014 war es bei uns trotz Dauerregen aus imkerlicher Sicht so trocken, das man im Sommer sogar füttern mußte, egal ob Warre oder Profi mit Frankenbeute. 2015 konnte ich nur von intensiv bewirtschafteten Völkern Honig ernten. Intensiv, damit meine ich, ich habe diese Völker zusätzlich mit ausgebauten Waben vom Vorjahr versorgt. Hauptproblem in meiner Gegen ist die zunehmende Agrarindustrialisierung auf der einen Seite, das Ersetzen der Obstbäume und Grünflächen durch rasenrobotergerechte Flächen auf der anderen Seite. So bin ich allmählich auf das Warten auf die Waldtracht reduziert. Für 2016 werde ich die Anzahl meiner Völker auf meinem Heimstandort reduzieren müssen, und mir sowohl das Wandern, als auch zusätzliche Standorte für meine Bienen überlegen müssen. Man Bedenke, das hier vor 40 Jahren, bei meinem Vater und in der unmittelbaren Nachbarschaft ca 50 Bienenstöcke standen, die ohne großen Aufwand alle Honig abgaben, während heute 15 bereits zu viele sind, außer der Wald setzt ein.
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Re: nach Warrés Beschreibung imkern

Beitragvon zaunreiter » Fr 31. Jul 2015, 08:48

Mittlerweile habe ich ja einen ganz guten Vergleich zwischen ganz vielen Völkern und es stellt sich auch heraus, daß es oft an der Biene bzw. dem Volk selbst liegt. Es gibt Völker, die bringen bei exakt gleichen Bedingungen ganz unterschiedliche Mengen an Honig. Das kann ein Unterschied von 30-40 kg sein. Das eine Volk bringt vielleicht 10 kg ein, das andere dann 40-50 kg. Wohlgemerkt pro Tracht!

Der Unterschied liegt in der Königin und ihrer Fähigkeit, das Volk mit frischer Brut zu versorgen. Sie ist das Herz des Bienenvolkes. Schlägt das Herz schwach, so ist es auch das Bienenvolk. Die Aufzuchtbedingungen der Königinnen sind dafür entscheidend. So wie die Königinnen dieses Jahr aufwachsen, so wird auch das Volk nächstes Jahr(!) aussehen.

Wenn das Volk erst zur Waldtracht die nötige Anzahl an Bienen von 30.000 Bienen im Volk erreicht und damit erst nennenswerte Honigeinträge, kann das auch ein Hinweis darauf sein, daß an der Einwinterung noch was getan werden muß. Hier ist ein Futterstrom an Pollen und Nektar besonders im August und September sehr wichtig. Eine kleine Fläche von vielleicht 100-150 qm mit Phacelia, spät angesät, wirkt da schon Wunder! Auch über das Jahr geernteter Pollen kann jetzt zurückgefüttert werden, damit die Bienen ein Fettpolster für den Winter aufbauen können. Wenn die sehr gut gestärkt in den Winter gehen, dann rappelt es auch in der Frühtracht und auch das gesamte Bienenjahr verläuft viel besser.

Kommen die Bienen gestärkt aus dem Winter, und tragen sie viel Frühtrachthonig ein, dann werden auch die Schwarmköniginnen besser gefüttert - die Grundlage für schöne Völker im nächsten Jahr. Nicht nur, daß die Gestalt der Königin von der guten Fütterung profitiert, auch die Eierstöcke der Königin bilden sich besser aus. Die Königin kann auch weiter und länger fliegen, wenn sie richtig kräftig ist. Das wiederum bedeutet, daß sie häufiger begattet wird - was wieder mehr Brut bedeutet. Und es bedeutet auch, daß die Herkünfte der Bienen im Volk besser gemischt sind. Und je mehr unterschiedliche Verwandschaft im Bienenstock, desto besser halten die Arbeiterinnen sich gegenseitig in Schach - zugunsten der Königin und der Brut. Das Gleichgewicht im Bienenstock hängt davon ab, wie viele unterschiedliche Halbschwestern es im Bienenstock gibt.

Deswegen entscheidet sich das Wohl und Wehe des Bienenvolks im nächsten Jahr und auch im übernächsten Jahr(!) bei der Einwinterung in diesem Jahr.

Deswegen im August füttern: 3x 4 kg mit einer Woche Abstand. Mit Nektar oder Nektarersatz. Mit Pollen oder Pollenersatz. Dann eine/zwei Wochen Pause und dann auf das Wintergewicht auffüttern. Das Wintergewicht sollte inklusive Beute - aber ohne Dach - bei über 30 kg liegen. In der Regel wiegen die Völker, die wirklich gut im nächsten Jahr Honig bringen, bei 30-35 kg im Oktober.

Spätestens dann werden die Völker im Frühjahr ganz gut dastehen und dann vernünftige Königinnen aufbauen. Fürs übernächste Jahr. So entwickelt sich das alles zu einer stabilen Imkerei hin, Jahr für Jahr geht es den Bienenvölkern besser. Je mehr Bienen am Ort sind, desto mehr Blühpflanzen werden bestäubt - die sich dadurch auch vermehren. Jahr für Jahr wird also auch die Landschaft immer bienenfreundlicher.

In den ersten Jahren muß man die Babys halt erstmal füttern, später werden sie dann kräftig genug, um selbst eine Population aufrecht zu erhalten.

Viele Grüße

Bernhard
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Ich summe, also bien ich.

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Re: nach Warrés Beschreibung imkern

Beitragvon stefanzo » Fr 31. Jul 2015, 11:53

Meine Bienen hatten im Frühjahr schon beachtliche Stärke erreicht. Aber nach dem 2. oder 3. Flugtag im Mai wird mit großen Mähwerken eine Heuschreckenplage simuliert. Danach sitzen meine Bienenstöcke in bis zu 4 Zargen Einheitsmaß beim Kartenspielen bis Mitte Juli. Also Obstbäume, Trachtlücke, Wald. Vor 5 Jahren hatte ich noch keine Probleme Blüttenhonig zu ergattern, Heute sieht es schon schwieriger aus.
mfg stefanzo

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Re: nach Warrés Beschreibung imkern

Beitragvon lilie » Sa 1. Aug 2015, 00:14

Hallo Bernhard,
danke,sehr interessant.
zaunreiter hat geschrieben: Deswegen im August füttern: 3x 4 kg mit einer Woche Abstand. Mit Nektar oder Nektarersatz. Mit Pollen oder Pollenersatz. Bernhard


Wie denn:füttern mit Nektar?Wie geht denn das?Und Nektarersatz: Zuckerwasser 1:1?
Was ist denn ein guter Pollenersatz?
Lg
Susanne

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Re: nach Warrés Beschreibung imkern

Beitragvon lilie » So 2. Aug 2015, 15:23

Hallo Bernhard,
Du schriebst:
"Deswegen im August füttern: 3x 4 kg mit einer Woche Abstand. Mit Nektar oder Nektarersatz. Mit Pollen oder Pollenersatz. Dann eine/zwei Wochen Pause und dann auf das Wintergewicht auffüttern. Das Wintergewicht sollte inklusive Beute - aber ohne Dach - bei über 30 kg liegen. In der Regel wiegen die Völker, die wirklich gut im nächsten Jahr Honig bringen, bei 30-35 kg im Oktober."

Was meinst du mit Nektarersatz?Ich musste meinen Bienen den Waldhonig wegnehmen weil wie ich las,nicht gut für den Darm.
Frühlingshonig hatte ich noch keinen. Soll ich wie André Wermelinger von freethebees empfiehlt Castaflor mit Wasser geben zum Aufbau gesunder Winterbienen?Ich habe schon etwas Insektenweide und Steinklee angebaut.Aber Platz ist halt begrenzt....Soll ich noch Vitalis geben?
Lg
Susanne

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Re: nach Warrés Beschreibung imkern

Beitragvon zaunreiter » Mo 3. Aug 2015, 10:29

lilie hat geschrieben:Was meinst du mit Nektarersatz?


Entweder Bienenweide anpflanzen. Oder aber - weil für dieses Jahr zu spät - entweder Zuckerwasser oder Weizensirup verfüttern.

Was die von Free The Bees anrühren, weiß ich nicht und mit deren Erfolgsrezepten will ich auch nix zu tun haben.

Viele Grüße

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.


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