einfache Betriebsweise noch aktuell?

Alles um den Warré-Bienenstock als ganze Beute. Bauanleitungen, Konstruktionstipps und so weiter.
Albert
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Albert » Do 4. Mai 2017, 08:56

Ich habe mir in letzter Zeit über eine mögliche Betriebsweise gemacht:

- freier Schwarmtrieb (damit ich im Sommer eine brutfreie Zeit habe...Varroadruck...)
- falls kein Schwarm stattfindet - Ableger bilden in der Schwarmzeit. (Varroadruck...)
- Zargen untersetzen wenn notwendig
- OS verdampfen im Nov/Dez
- Ernten zur Haupttrachtzeit, wenn Überschuss vorhanden.

Dazu möchte ich ein paar Fragen ins Forum stellen:
-> Glaubt ihr, dass Schwarmtrieb bzw. Ablegerbildung den Varroadruck im Sommer dermaßen reduzieren können, um auf AS-Behandlung verzichten zu können?
-> Reichert sich verdampfte OS im Honig an, den ich dann im darauffolgenden Sommer ernten möchte?
-> Andere Ansichten?

stefanzo
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon stefanzo » Do 4. Mai 2017, 20:36

Auf AS Behandlung würde ich nicht verzichten. Ich lasse meine Bienen schwärmen, Varroadruck ist aber dennoch vorhanden. Meist haben die Schwärme sogar die meisten Varroen bei mir. Ich führe das darauf zurück, das ein Schwarm der sein Zuhause neu aufbauen muß, überall umher sucht. In dieser Aufbauphase schleppt er meist einige Varroen ein, die sich dann schnell vermehren. Dazu ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung: Ich habe einen frisch gefangenen Schwarm einst beim Einlogieren gegen Varroa behandelt, mache ich nicht mehr, da es nichts bringt. Obwohl er beim Start nun Varroafrei war, hatte er Ende Juli dennoch die meisten Varroen am Stand. In den folgenden Jahren war er jedoch nicht mehr mit starkem Varroabefall aufgefallen. Die Menge der verwendeten Oxalsäure ist gering und baut sich auch wieder ab. Außerdem ist der meiste Honig zur Zeit der Oxalsäurebehandlung verdeckelt. Wenn man Oxalsäure normal verwendet, ist es bestimmt unbedenklich. Da müßte man schon sehr stark überdosieren.
mfg stefanzo

wonderfool
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon wonderfool » Fr 5. Mai 2017, 10:45

Ich weiss nun nicht, wie viel Oxalsäure du verdampfen willst, aber 100g Spinat haben auch schon fast 1g Oxalsäure-Gehalt. Insofern würde ich persönlich mir da weniger Sorgen machen.

Claudia.1977
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Claudia.1977 » Di 23. Mai 2017, 19:43

nach den Erkenntnissen von Torben Schiffer und Tautz ist Warré ohne Manipulation (Naturwabenbau, Holz, Warre Dach, Lokale Bienenrasse ...) ganz modern! Würde nur kein Bieneninstitut zugeben, da diese meist ihre Bienen auf Styropor halten,schön Mittelwände zu geben und vom K.-verkauf leben
weitere Infos zu dem aktuellen Stand der Forschung auf www.beenature-project.com und das Buch bzw. die pdf kaufen.
Es gibt leichte Verbesserungsvorschläge in den Verlinkungen , aber alles in allem.. Warre top!
liebe Grüße Claudia
[Warré seit 2014 (Oekobeute, Andreas Meisel)/ TBH seit 2015 (Oekobeute, Andreas Meisel) / Bienenkugel seit 2016 (Andreas Heidinger)/ Klotzbeute, trocknet seit 2016, Inbetriebnahme in 2018 (Selbstbau im Zeidler Kurs, Schloss Hamborn)]

garret
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon garret » Mi 31. Mai 2017, 16:12

Claudia.1977 hat geschrieben:ohne Manipulation

Meine Befürchtung: Ohne (eine gewisse gezielte) Manipulation keine Selektion in Bezug auf Varroa-Toleranz - Ohne Selektion kein Ende des Behandelns - Ohne dieses Ende des Behandelns eine immer verbesserte und stärkere Varroa-Milbe (was sich in der Vehemenz der übertragenen Viren ausdrückt). Man steht hier eben vor einem Problem, vor dem Abbé Warré noch nicht stand.

Hier ein interessantes Gespräch mit Erwerbsimker Kirk Webster (Vermont, USA), der seit ca. 15 Jahren ohne Behandlung auskommt. Er hat seine Methode, behandlungsfrei auszukommen schon an der Tracheen-Milbe entdeckt, die in den USA vor der Varroa Probleme machte.
https://tfb.podbean.com/e/treatment-fre ... n-vermont/

Hält stets ca. 12 "Familien" (Königinnen-Abstammungslinien) in ca. 300 Ertragsvölkern und macht jedes Jahr ca 100 bis 300 Kleinstableger (vier Waben), die er so klein wie möglich überwintert, um sie im Frühjahr dann aufbauen zu lassen (geringster Varroa-Druck). 20-30% Verlust hat sich in Bezug auf die Selektion als die beste Rate erwiesen.
Die Methode, "Kleinstableger" zu bilden und diese als Kleinvölker zu überwintern, könnte mit Warré gut zusammengehen (Rähmchen oder Halbrähmchen erforderlich)


Und das ist auch interessant:
https://tfb.podbean.com/e/treatment-fre ... hn-kefuss/
John Kefuss hat anfangs in Europa an den ersten Varroa-Gegenmitteln mitgearbeitet - mittlerweile auch seit Jahrzehnten behandlungsfrei; versorgt(e) die europäischen Hummelzüchter mit Pollen aus seiner Honigbienenhaltung in Chile (einige Tonnen pro Jahr) - er hat nun das Problem, daß er zuweilen zu wenig Varroa hat um an der Toleranz noch zu forschen :lol: - andrerseits hat er Völker, die wie schwarze Löcher alle Varroen aus der Umgebung aufsaugen, mit der Milbe gut zurecht kommen und man weiß nicht, wie die das machen ( - muß man auch nicht ;) )

Grüße, Ernst

Talisien
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Talisien » Do 1. Jun 2017, 22:10

Ich denke immer wenn diese Methoden so gut funktionieren würden, dann würde sich das doch herum sprechen und jeder würde es ohne Säureanwendung machen. Wahrscheinlich ist das wie in der Medizin. Man wünscht sich eine sanfte Behandlung und manchmal wird mehr versprochen als gehalten werden kann.
Aus biologischer Sicht müsste man sicherlich die Bienen den Varroen überlassen, damit einige Völker Resistenzen ausbilden. Das würde aber erst einmal sehr viele Völker vernichten. Im Zeitalter der Pest gab es ja auch immer mal wieder Menschen die resistent waren. Ich würde aber nie aus Resistenzgründen darauf verzichten erkrankte Leute zu behandeln. Sonst braucht man ja keine Medizin und kann es der natürlichen Selektion überlassen.
Ich werde jedenfalls meine Bienen gegen Varroa behandeln und ansonsten nahe nach der Methode Warrés imkern.
Eine interessante Idee wäre sicherlich auch über Möglichkeiten nachzudenken wie man Völker die varroafrei sind vor Ansteckung schützen kann. Gibt es realistische Möglichkeiten Übertragungswege zu unterbinden?

stefanzo
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon stefanzo » Fr 2. Jun 2017, 01:02

Ein großer Abstand zwischen den Völkern vermindert die Varroaübertragung. Eine Gruppenaufstellung bringt gegenüber der Reihenaufstellung hierbei bereits Vorteile. Den Nachteil der Reihenaufstellung bekam ich voriges Jahr in meiner Bienenhütte deutlich zu spüren, als es mir 3 Völker nebeneinander putzte. Meine im Kreis aufgestellten Warrebeuten hatten in den letzten Jahren einen deutlich niedrigeren Varroadruck gegenüber den direkt nebeneinander stehenden Völkern in meiner Bienenhütte. Völker in einem Abstand von hundert Metern aufzustellen, würde hier zwar schon sehr viel bringen, ist aber in der Realität des Imkerns kaum praktikabel. Selbst wenn man nur zehn Völker bewirtschaftet, so würde man einen Kilometer für die Aufstellung benötigen. Dabei gäbe es immer noch einen nicht unwesentlichen Teil von Völkern, denen die Varroalast zu hoch würde. Als Beispiel möchte ich Einsteiger, oder Kleinimker nennen, die an der Varroa gescheitert sind. So einfach mit genügend Abstand ist es also noch nicht getan. Es gibt Spezialisten, die Möglichkeit ist vorhanden, jedoch braucht es viel Erfahrung in der Auslese. Vor romantischen Vorstellungen kann ich nur warnen, wer sich eine Geige kauft, wird noch lange kein Mozart sein. ( Auch ich bin keiner )
mfg stefanzo

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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Claudia.1977 » Sa 3. Jun 2017, 14:42

Kauft Euch doch mal das Buch bzw. CD oder... lesen und dann diskutieren wir nochmal!
liebe Grüße Claudia
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Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon biene1.0 » Sa 3. Jun 2017, 23:13

Hallo,
es ist mit der Einzelaufstellung keineswegs getan! Natürlich geht es nicht ohne Dezimierung der Milbe.
Meine derzeit 6 Völker (inkusive Ableger) stehen einzeln. Sie stehen an 3 Standorten, und dort wenigstens 100m, oft auch weiter voneinander.
Im vergangenen Jahr hatte ich wenig Milben, habe aber trotzdem mit AS und OS behandelt. Keine FDV und auch sonst keine Anzeichen starker Milbenlast in den Völkern.
Gruß
Harald
"Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."
Albert Schweitzer


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