einfache Betriebsweise noch aktuell?

Alles um den Warré-Bienenstock als ganze Beute. Bauanleitungen, Konstruktionstipps und so weiter.
Patrick H.
Beiträge: 7
Registriert: So 28. Aug 2016, 16:01

einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Patrick H. » So 13. Nov 2016, 20:18

Hallo zusammen,

Ich hätte mal eine allgemeine, hoffentlich einfache, Frage. :?
Dieses Jahr habe ich vier Bienenvölker auf Zander erhalten.
Mein Plan ist, zwei davon im April nächstes Jahr auf Warre umzusetzen.
Man liest hier sehr viel über Modifikationen, ausgedehntere Varroa-Bedandlungen, und so weiter.
Nun die Frage:
Ist die einfache Betriebsweise nach Bernhard noch gültig?
1. Schwarm einlogieren
2. Etwas zufüttern
3. Evtl. Thymolbehandlung
4. Bis zum Herbst die Bienen machen lassen
5. Auf zwei Zargen reduzieren
6. Nochmal evtl. Thymolbehandlung
8. Eigenen Honig zurückfüttern
9. Fertig!

Dann den Honig pressen, Wachs einschmelzen, und Met ansetzen.
Gedacht hatte ich an eine Warre-Beute komplett mit vier Schauzargen von Holtermann.
Ich möchte mit den vier Völkern nur den Eigenbedarf decken, vielleicht mal ein Glas verschenken. :)

Vielen Dank und Grüße
Patrick

biene1.0
Beiträge: 583
Registriert: So 10. Jan 2016, 19:22
Wohnort: 07806

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon biene1.0 » Di 15. Nov 2016, 23:06

Hallo Patrick,
Ich habe in diesem Jahr 1 Warrebeute besiedelt und eine ist von einem vorjährigen "Schwächling" bewohnt.
Meine Ziele bezüglich Honig ist auch die Eigenversorgung.
Ich entnehme etwa 3 Honigwaben pro Volk. Das reicht mir. Der Rest überwintert / wird Winterfutter. Ich füttere also nicht zurück.
Der "Schwächling" (neue Kö Anfang Juli) hat als Ergänzung noch 4,5 kg Zuckersirup bekommen.
Zur Betriebsweise kann ich sagen, dass ich die Völker soweit in Ruhe leben lasse. In der Schwarmzeit kontrolliere ich durch die Kippkontrolle.
Dann tritt wieder meinerseits Ruhe ein. Die varroa bekämpfe ich aber mit AS60 und im Winter mit OS.
Ich lasse alles in Naturbau errichten. Ab 2018 werde ich das Wabenwerk teilweise entnehmen. Meine Völker stehen einzeln. Waldhonig habe ich bisher nicht gehabt. Ich denke, dass die Tracht in der unmittelbaren Umgebung (bis 1 km) vollkommen ausreicht.
Gruß
Harald
"Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."
Albert Schweitzer

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4670
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon zaunreiter » Mi 16. Nov 2016, 00:20

Patrick H. hat geschrieben:5. Auf zwei Zargen reduzieren


Ich würde die aus den Zandervölkern erstellten Schwärme/Kunstschwärme im ersten Jahr nur auf zwei Zargen einschlagen und nur bei sehr gutem Verlauf eine dritte Zarge untersetzen.

Thymolbehandlung mit ApiLifeVar. Am besten in Kombination mit einer Oxalsäureverdampfung als Blockbehandlung.

Es gibt stabilere Warrébeuten als die von Holtermann. Besser mal bei Oekobeute.de oder massivholz-tischler.at umsehen. Lieber ein wenig mehr investieren und dafür eine haltbare Beute bekommen.

Viele Grüße

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Patrick H.
Beiträge: 7
Registriert: So 28. Aug 2016, 16:01

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Patrick H. » Fr 18. Nov 2016, 08:03

Vielen lieben Dank für eure Antworten und Meinungen.
:)
Wie Ihr schon erkannt habt, möchte ich die Völker ja so einfach und naturnah wie möglich bewirtschaften.
Daher hat mich auch Bernhard's Anleitung sehr angesprochen. Sicherlich gibt es viele Verbesserung im Laufe der Zeit.

Was ich allerdings nicht betreiben wollte ist, die Schwarmkontrolle sowie Säurebehandlungen.
Freies schwärmen gehört zum natürlichen Bienenleben und die Säuren....das die nicht gesund sind, sollte jedem klar werden, wenn er diese mal ins Auge bekommt.

Thymol ist sicherlich auch nicht das beste, aber bestimmt das kleinere Übel.
Auch finde ich, dass die Bienen auf Ihrem Honig überwintern sollten und nicht auf Zuckerwasser. Ganz wird auch dies nicht funktionieren, da die deutschen Trachten es nicht hergeben.
Aber wenn ich für mich 5kg pro Volk nehme macht das 20kg und somit 40 Gläser. Das reicht mir.
Den Rest zurück füttern und fehlendes auf füttern.

Es ist eine gute Idee dann nur auf zwei Zargen zu starten und optional zu erweitern. Hast du die Erfahrung gemacht, dass vier Zargen im ersten Jahr eh nicht ausgebaut werden?

Viele Grüße

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4670
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon zaunreiter » Fr 18. Nov 2016, 10:37

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Bienen sich sicherer auf zwei Zargen vor dem Winter konsolidieren, also für den Winter vorbereiten können. In zu viel Raum verzettelt es sich leicht.

Wenn Du noch nicht so viel über Säuren und Thymol weißt, dann posaune deine Meinung nicht so vehement ins Internet. (Thymol ist im Auge seeehr ungesund.) Und obendrein ist Thymol für die Bienen ungesünder als z.B. verdampfte Oxalsäure. Viel mehr Bienenschäden. (Weniger als bei Ameisensäure.)

Es geht darum, den Bien nicht zu schädigen. Und das beinhaltet auch die Mikroben des Bien. Nun ist Thymol aber antiseptisch. Und vertreibt kleine Bücherskorpione und andere Nützlinge. Im Gegensatz zu Oxalsäure.

Es fördert die Räuberei, weil der Stockgeruch übertüncht wird und Süßes mit einem Geruch- und Lockstoff verbindet.

Außerdem ist Thymol als Varroabehandlung alleine in starken Varroamilbenjahren nicht ausreichend als Behandlung. Die Völker sterben dann trotz Behandlung.

Thymol hat seine Berechtigung als Behandlungsform, aber eben mit Augenmaß.

Also alle Dogmen und Meinungen über Bord werfen und lieber etwas unvoreingenommener mit den Bienen anfangen, soll ja schließlich eine lebenslange Beziehung werden.

Gruß

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

garret
Beiträge: 153
Registriert: Di 10. Sep 2013, 16:16
Wohnort: Wachau

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon garret » So 20. Nov 2016, 17:26

Es geht darum, den Bien nicht zu schädigen......... Im Gegensatz zu Oxalsäure.

Ich kann nach wie vor nicht an die Kleesäure glauben !

Aus den angegebenen Beobachtungen geht hervor, daß die Kleesäure (Anm. = Oxalsäure) im concentrierten Zustande ätzend wirke, und daß sie daher in größeren Dosen und unverdünnt angewandt am Orte der Anwendung Reizung, Entzündung und Zerstörung des Gewebes verursache. (C.A.Wibmer, Wirkung der Arzneimittel…..)


Nun hat man herausgefunden, daß die Fühler für die Honigbiene ein noch viel wichtigeres Organ sind, als angenommen.
(http://www.nature.com/articles/srep10454)
Antennae hold a key to Varroa-sensitive hygiene (VSH) behaviour in honey bees
Several studies have shown that olfaction plays a role in hygienic behaviour. This suggests that VSH bees have the ability to detect the presence of Varroa through the cap of parasitised brood cells using olfactory cues. If so, the antennae, which house a diverse array of sensory structures including olfactory sensilla are likely to play a critical role in the initiation of VSH behaviour.

Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß die Oxalsäure die Fühler schädigt. Ohne intakte Fühler keine Varroatoleranz, keine Lernerfahrungen usw. Das würde bedeuten, einmal Säure, immer Säure, weil man dem Bien zBsp. die Eigenentwicklung in Richtung Varroatoleranz verbaut.

Saskia Schneider hat über die negativen Wirkungen der Kleesäure gearbeitet:
https://www.dbu.de/stipendien_20011/119_db.html
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servl ... .diss..pdf
- natürlich wird im Endeffekt darauf hingewiesen, daß die positiven die negativen Auswirkungen übertreffen.

Die in den Startlöchern sitzende Hopfensäure scheint über solche möglichen Schadbilder erhaben, vielleicht wird das ja was.

Grüße
Ernst

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4670
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon zaunreiter » So 20. Nov 2016, 20:08

Verdampfte Oxalsäure schädigt keine Antennen. :roll:

Und was Hopfensäure betrifft, lies bei den Amis nach. Die arbeiten schon länger damit. Ebenso bienenschädigend.

Will aber niemand in seinem Glauben erschüttern. Es darf nicht, was nicht sein darf.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Patrick H.
Beiträge: 7
Registriert: So 28. Aug 2016, 16:01

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Patrick H. » So 20. Nov 2016, 21:43

Vielen Dank nochmal, dass das Thema so lebhaft diskutiert wird.
Ich freue mich über jeden Tipp. Auch wenn der Ton hier in diesem Forum oftmals etwas scharf ist.

Mir ist schon klar, dass alle Behandlungen ihre Probleme mit sich bringen. Da gehen die Meinungen auch weit auseinander.

Ich würde gerne einen Weg einschlagen, der den Bienen auf Dauer hilft mit dem Parasit zu leben und Ihn selbst in Schach zu halten.
Auch wenn es anfangs, leider, zu vermehrten Völkerverlusten kommen könnte.
Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann, durch stetige Reduzierung, die Behandlungen gegen Null zu bringen.
Wer weiß?
Oder vielleicht auch nicht...aber ich finde, dass eine Haltung von "Das wird eh nicht funktionieren " noch nie zu neuen Erkenntnissen geführt hat.

Daher frage ich hier ja Menschen, die mehr Erfahrung haben. Auch in verschiedenen Methoden und Ausrichtungen.
:)

Claudia.1977
Beiträge: 354
Registriert: Di 24. Dez 2013, 16:03
Wohnort: Potsdam

Varroa Schleudern

Beitragvon Claudia.1977 » Mo 21. Nov 2016, 09:18

Patrick H. hat geschrieben:Vielen Dank nochmal, dass das Thema so lebhaft diskutiert wird.
Ich freue mich über jeden Tipp. Auch wenn der Ton hier in diesem Forum oftmals etwas scharf ist.

Oh, da warst Du noch nicht zur Imkerversammlung! :lol:

Die Bienen absolut nur im Naturbau, nur auf eigenen Honig, nur Schwärme, Standbegattung, Warré ....
=> max. an natürlicher Haltung => führt zur Varroatoleranten Biene?
So halte ich seit 2014 meine Stadt Bienen und habe dennoch Varroa Schleudern! :oops:
liebe Grüße Claudia
Warré/ TBH, 2014 www.Oekobeute.de
Bienenkugel, 2016 https://www.bienenkugel.de
Klotzbeute, 2019
Zeidlerkursen u.a. https://www.sabienenimkerei.de & Workshop learningfromthebees, Berlin 2019
polnische Zeidlerfahrt, 2018

Benutzeravatar
Distelbauer
Beiträge: 378
Registriert: Sa 11. Sep 2010, 22:12

Re: einfache Betriebsweise noch aktuell?

Beitragvon Distelbauer » Mo 21. Nov 2016, 22:30

Danke Patrick, daß du diese Frage gestellt hast. Ich dachte schon, das Warreforum lebt gar nicht mehr. Bei mir gehts nach ein paar Legojahren wieder langsam Richtung Warre und ich bin schon wieder begeistert wie die sich entwickelt haben und bin diesmal zuversichtlich das es besser klappt (Varroatechnisch hauptsächlich). Das mit dem Thymol wusste ich leider auch noch nicht, bin da ehrlich gesagt auch etwas Fan von, weil mir das mit der Ameisensäure zu wissenschaftlich ist und OS-Block ist bei mir noch Wintervehandlung, da es bei mir im Sommer nicht funktioniert.

VG Georg


Zurück zu „Der Warré-Bienenstock als Ganzes“