Weinfass

Bauanleitungen, Basteltipps und Detailfragen.
sting
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Weinfass

Beitragvon sting » Fr 21. Sep 2012, 17:58

Hallo Bernhard,

Die Zitate sind von zaunreiter, Do 20. Sep, 2012 21:49 aus dem Faden "Überwinterung ganz kleiner Völker", meine Antwort passt dort aber nicht wirklich hin.
Leider gibt es noch kein eigenes Kapitel "Perone-Beute".

Ich bin mal keck. Warré und Bienenkiste und so, alles schön und gut.


Ok, dann bin ich auch mal keck. Warré und Bienenkiste, Langstroth und Klotzbeute, Dadant und Stülper, sind, bis auf den allerletzteren, eher weniger schön und richtig gut sind sie auch nicht. Aber vor allem: sie sind alle viel zu klein. Und die Perone-Beuten sind, mir persönlich, zu eckig.

zu jeder Kritik gehört ein Verbesserungsvorschlag - und zwar ein konkreter
:

Mein Vorschlag:
Perone-Betriebsweise in gebrauchten Eichenfässern.

Die Perone Betriebsweise ist kostenlos, Eichenfässer
gibt´s für ca. 70 Euronen + 20 Versand in der Bucht.

Die Perone Betriebsweise sieht, als Arbeit an den Bienen selbst, nur vor: Einmal im Jahr Honigräume abnehmen, und leer wieder aufsetzen. Das war´s. Für alle Macher, Schauer und Tüftler sehr düstere Aussichten.
Dafür sind aber Eichenfässer für Macher, Schauer und Tüftler ein wahrer Zauberbrunnen. Siehe z.B. hier:

http://www.youtube.com/watch?v=qhds_U79Is0

Das Weinfass selber, wenn´s nach mir ginge, wird zum Allerheiligsten der Bienen, und nur im äussersten Notfall geöffnet.
Und wenn, dann so wie in folgendem Video (hier ist es zwar ein Ölfass aus Metall, aber das Prinzip wird erkennbar):

http://www.youtube.com/watch?v=_zfQcai6CNs

In welch anderer Bienenbehausung kann man den gesamten Natur-Bau so schön inspizieren?

Man öffnet ein Weinfass nicht so:
http://www.youtube.com/watch?v=nL4pljKFxyU

und schon gar nicht so:
http://www.youtube.com/watch?v=7g8AysX8aCI

Zuerst schraubt man ein oder zwei Griffe auf den Deckel. Dadurch lässt er sich besser aus der "Fuge" nehmen, in der der schmale Rand des Deckels sitzt, und er hält ausserdem besser zusammen. Manche Barrique-Fässer haben sehr stabile Deckel, andere sind von selbst eher weniger stabil, lassen sich aber durch entsprechend angeschraubte Querstreben sehr leicht sehr stabil machen.

Dann schlägt man die Eisenringe einer Fassseite "frei", legt sie beisite, drückt die Dauben auseinander und den Deckel auf einer Seite in das Fass. Jetzt ist er frei und kann entfernt werden. Dann muss man die Eisenringe wieder festklopfen, und kann jetzt den zweiten Deckel auf die gleiche Art entfernen.

So ein Eichenfass ist auch ohne Deckel ein ziemlich robustes Ding, wie man hier ab 1:40min schön sehen kann:
http://www.youtube.com/watch?v=fc2gGGUf ... re=related

Wenn beide Deckel entfernt sind, und alle Eisenringe wieder auf dem Fass festgeklopft sind, kann man nun einen Deckel, statt ihn wieder zurück fest in die Fuge zu drücken, einfach oben auflegen, und mit Wachs und Propolis oder Lehm und Stroh abdichten. Wenn einem das noch zu wackelig erscheint, kann man ihn auch anschrauben. Zusätzlich kann man den oberste Metallring falsch herum auf das Fass schlagen. Er lässt sich dann zwar nicht sehr weit über das Fass schieben, aber genau dadurch entsteht ein erhöhter Rand, der es in jedem Fall zuverlässig verhindert, dass der Deckel bei einem Erdbeben o.ä. verrutscht. Ausserdem bildet sich so automatisch ein "Dachboden", der im Winter zusätzlich als Isolation dienen kann.

An diesem Deckel bauen also die Bienen ihre Waben.

Wenn man, wider Erwarten, doch mal ran muss an´s Volk, drehe man den gesamten Deckel einfach um, aber vorsichtig und in Richtung des Wabenbaus, so, dass diese nicht brechen. Eben so, wie es der Imker in dem Video mit dem Ölfass-Deckel macht.
Oder man kippe das gesamte Fass und werkele von unten.
Man kann natürlich auch nur einen Deckel herausnehmen oder sogar beide Deckel fest im Fass belassen, verliert aber dann die Möglichkeit der einfachen Inspektion durch einfaches Umdrehen des Deckels, bzw. durch "Kippkontrolle" von unten.

Wenn Oscar Perone recht hat, und man einen Vorschwarm bekommt, wird nahezu das gesamte 230-Liter-Fass in etwa einem Jahr mit Waben ausgebaut, und der Deckel lässt sich dann wahrscheinlich nur noch mit einem Flaschenzug an einem Dreibein in die Höhe ziehen. Aber wozu? Perone selbst hat zumindest keinerlei Probleme mit irgendwelchen Krankheiten bei solch grossen Völkern, weil sie, wie er vermutet, genug Bienen für die Hygiene übrig haben, und das Brutnest für die Varroa und andere unangenehm warm ist. Schwärmen tun auch nur 10-15% seiner Völker, also, wozu sollte dieses ganze Gefummel und Manipulieren an diesem wunderbaren Superorganismus nötig sein?

Ich verstehe ja die Imker der letzten Jahrhunderte, dass sie schauen wollen, und verstehen, ständig darauf erpicht, zu helfen wo es geht. Wohl auch manchmal einfach, um der guten Energie der Bienen nahe zu sein. Aber, es war ein Bärendienst...

Ich schlage vor, man nehme, vor allem als Anfänger, so etwas hier:
http://www.amazon.de/INSTAR-IN-3011-Kam ... pd_cp_ce_2

oder eine Endoskopkamera, wie hier:

http://www.hobos.de/de/lehrer-schueler/ ... boden.html

Und Honig?
Das ist, finde ich, eher etwas für´s Imkerforum, und wir sind doch hier Immenfreunde, oder?

Aber trotzdem: Wenn man unbedingt Honig ernten will, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
Will man Perones Ideen treu bleiben, durchbohrt man den Deckel und setzt von Anfang an so viele
möglichst schmale Honigräume auf, wie einem beliebt. Dies können Kisten, Fassabschnitte, Strohkörbe, Blumentöpfe, oder, für Schleuderfans, noch zu erfindende, Honigschleudern sein :) .
Wichtig ist nur, folgt man Perones Argumenten, dass es dem Volk und den Königinnen auf lange Sicht da oben nicht taugt, ein dauerhaftes Brutnest anzulegen. Sind die Honigräume voll, und keine Brut mehr drin, kann man sie ernten, sollte sie aber baldmöglichst leer wieder aufsetzen.
Eine erste Ernte ist bei dieser Betriebsweise allerdings frühestens nach 18 Monaten zu erwarten, da das Volk erstmal genug beschäftigt ist, den Brutraum auszufüllen und Vorräte für sich selbst anzulegen.

Meiner einer wird wahrscheinlich erstmal keine Honigräume aufsetzen. Das kann ich meiner Ansicht nach auch dann noch machen, wenn das Fass fertig ausgebaut wurde und die Trachtverhältnisse stimmen.

Und jetzt kommt´s.
All das ist blanke Phantasie. Ich habe zwar Weinfässer, aber noch keine Bienen.

Trotzdem finde ich die Idee so gut, dass ich bereit bin, den Spott der ach so erfahrenen Imker auf mich zu nehmen.
Immerhin hab ich diesen einiges voraus.
Ich hab´ z.B noch nie ein Bienenvolk in einen winzigen Kasten gesperrt, hab´noch nie Drohnen geschnitten,
Königinnen abgedrückt, hab´noch nie ganze Bienenvölker mit Säuren verätzt oder mit Zucker vergiftet; ich hab sie noch nie durchs Land gekarrt, sie vor Monoplantagen gesetzt, sie aus Australien importiert, mit ihnen gehandelt, ihnen den Honig geraubt, sie ausgetrommelt, abgestossen, getrennt, vereinigt, umgeweiselt, gestaubsaugt oder totgeguckt; und noch nie all das gemacht, was mir jetzt grad nicht mehr einfällt oder was ich noch nicht weiss, und eigentlich auch gar nicht erst wissen möchte. Bisher hab ich sie nur fotografünft.

Zu varroa sag ich nur:
Varroa sapiens sapiens, homo destructor...


Konkret genug, meine Verbesserungsvorschläge?

Grüsse

sting

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Re: Weinfass

Beitragvon zaunreiter » Fr 21. Sep 2012, 21:05

Auch hier gilt:

Von Dee Lusby lernen, heißt Imkern lernen. ;)






Und - willst Du nach diesen Videos immer noch so große Völker haben? :lol:

Wir sind in Deutschland. Ganz was anderes...

Daß dein Fass so schnell ausgebaut wird, wage ich nach Erfahrungen mit großen Klotzbeuten zu bezweifeln. Auch Peronebeuten wurden schon mal in der Nähe von Hamburg aufgebaut. Und man hörte nie wieder davon...

Das Leben ist nicht so, wie es idealerweise sein sollte. :| Das Umfeld bestimmt eben mit. Und da kannst Du nur versuchen ein Optimum als Mittelweg zwischen Ideal und Realität zu finden. Alles andere reibt Dich und die Bienen auf.

Was nutzt eine große Bienenwohnung, wenn der Boden den Pflanzen nicht den Honig gibt?

Oscar Perone ist übrigens in Rente gegangen. Er hat seine Webseite geschlossen und hat sich zurückgezogen. Schade!

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Weinfass

Beitragvon zaunreiter » Fr 21. Sep 2012, 21:58

Bei Biobees gab es auch mal jemanden, der ein Weinfaß besiedelt hat. Auch nie wieder was davon gehört. :roll:





Bildergalerie: http://s1263.photobucket.com/albums/ii6 ... 2/?src=wap
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Ich summe, also bien ich.

Manfred

Re: Weinfass

Beitragvon Manfred » Sa 22. Sep 2012, 06:40

Grüß Dich, Sting

Die in Deiner wirklich gut präsentierten Idee gezeigten Fässer beherbergen Anfänge.
Das wachsende Volk baut dann im oberen Vorratsbereich auch an der Wand an und schon hats sich was von wegen Beweglichkeit.

Vieleicht kannst Du mit meinem Kompromissvorschlag was anfangen:
Gebrauchte Kisten kriegst geschenkt - Da stapelst ein paar Zargen auf ein hohes Bodenbrett mit Bausperre und stellst einen Acrylzylinder rein.

Was das gegebene Umfeld einem Volk zu bieten hat, siehst dann eh.
Den natürlichen Totenfall an Milben hast so auch besser im Blick.

Herzliche Grüße Manfred

Manfred

Re: Weinfass

Beitragvon Manfred » Sa 22. Sep 2012, 07:17

@apiarius:

Die Sondermodell der Menschheit - Attitüde ist mir was durchaus vertrautes.
Nur habe ich auch gelernt, daß es durchaus besser ist, in Kontakt als abseits zu stehen.
Der Nachbar imkert immer auch mit. Also sollte auch vernünftigerweise unser gemeinsames Wohlergehen an erster Stelle stehen.

Am 28.9. kann ich mir gerne Zeit nehmen - Tel.Nr. hast ja.

Herzliche Grüße Manfred

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Re: Weinfass

Beitragvon zaunreiter » Sa 22. Sep 2012, 08:12

Und vielleicht ist ja das eine Alternative zum Weinfaß: http://www.seanet.com/~alexs/bien/bienenzucht_full.pdf

Vielleicht sollte man die Trogbeute T120 und die skizzierte Schließrahmenbeute miteinander verknüpfen. :?:
Cogito ergo summ.
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sting
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Re: Weinfass

Beitragvon sting » Sa 22. Sep 2012, 15:05

Von Dee Lusby lernen, heißt Imkern lernen.


Dee ist ein perfektes Beispiel dafür, warum ich das Imkern nicht lernen will.

Die Bienen erst in 5,4 mm zu zwängen, nur um sie dann ein Jahrhundert später auf das jetzt grad inne neue, alte Einheitsmass 4,9 mm zu zwängen,
das ist so hanebüchen, oder ganz normaler menschlicher Wahnsinn, oder... egal.

Und - willst Du nach diesen Videos immer noch so große Völker haben?


Diese Videos machen mir voll Mut, ey, noch viel, viel grössere Völker zu haben.
Wenn ich Dees nervigem Gehaspel zuhöre und seinen mechanischen Bewegungen zusehe, in seiner Astronautenkluft - ein fremder auf seinem eigenen Planeten - dann wundert mich die Geduld und Ruhe der vielen tausend Bienen, die ja, wie Dee selber sagt, eigentlich nur auf die Kamera losgehen. Diese hat scheinbar eine schwarze Sonnenblende und schaut wahrscheinlich für die Bienen wie ein riesiger Termitenbärenrüssel aus.

immer noch ...?


Ja, ich würde den Bienen sogar gern die Möglichkeiten bieten, sich zu einem Top-Superorganismus weiter zu entwickeln, wie es die Argentinische Ameise bereits vormacht.
Zwanzig Königinnen im Nest und alle Völker aussen rum sind Kolonien einer gigantischen Superkolonie. Siehe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Argentinische_Ameise

http://www.youtube.com/watch?v=DMSwOtK-fBA


Was nutzt eine große Bienenwohnung, wenn der Boden den Pflanzen nicht den Honig gibt?


Was nutzen viele kleine Kästen mit vielen noch kleineren Völkern, wenn der Boden den Pflanzen nicht den Honig gibt?

Was den Bienen nutzen würde wären "Blühende Landschaften".
Da sehe ich viele Fronten, die Informationsfront, an der Du ja als Generallfeldmarschall unschätzbare Dienste leistest.
Und die Aktionsfront:
Ausgehend vom Fensterbrett, über Balkon, Garten, Wald, Felder einen grünen Überlebensgürtel um den Bienenstand
aktiv gestalten. Bienenweiden, Bienenbäume, allyear round Blütenmeer, Nachbarn überzeugen, Gemeinde überzeugen, dem Bauern ein paar Hektar
abpachten, selber bepflanzen.

Die altehrwürdige Absahnmentalität der Imker hat sich inzwischen in reine Opfer-Ergebenheit verwandelt.

...zwischen Ideal und Realität...


Ach ja, die Realität, ich vergaß.
Für die hab ich auch noch was.
Wie wär´s mit einer Kampagne:

+++++Ethanol aus Honig+++++
oder
+++++Die Energiewende schaffen - mit Honigverstromung.+++++

Lobbyarbeit etc...- dann würde man ziemlich bald sehen, wie weit es schon gekommen ist.
Wird die Idee von den Politikern aufgegriffen, hätten wir wirklich bald blühende Landschaften.
Immerhin kann man ja bis zu 1000 kg Honig von einem Hektar ernten, ohne Dieselverbrauch, ohne Wrummmmmm-Traktor, ohne Pestizide, Dünger, Wüstenbildung,
ohne Bewachung von Pipelines, ohne den Wahnsinn der technokratie-totalitären Landabkackschaft, äh Landabschaffkakt, na, Du weisst schon.

Herzliche Grüsse
sting

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Re: Weinfass

Beitragvon zaunreiter » Sa 22. Sep 2012, 16:36

Weiß schon. Viel Glück.

Dee ist diejenige, die an den Beuten arbeitet. Dee ist eine Frau.

Der an der Kamera ist Dean Stieglitz und Verfechter des Imkerns ohne Behandlungsmittel. Er hat die Vermarktung von Honig übernommen, der ohne Behandlung hergestellt wurde. Treatment-free honey. Wäre doch auch ein Aufhänger für deine Aktionsfront. :geek:

Indem Du den Honig ankaufen würdest, der aus Imkereien ohne Varroabehandlungsmittel stammt, würdest Du diese Untergrundbewegung ans Licht holen. Es sind viele und teilweise auch sehr große Imkereien. (Berufsimker) Ja, richtig. Hier in Deutschland. Dann wärest Du noch mehr Bio als die Bio-Fraktion. :geek:

Gruß
Bernhard
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Re: Weinfass

Beitragvon zaunreiter » Sa 22. Sep 2012, 22:25

apiarius hat geschrieben:..."Einzigste" ..


Wenn das die Mandy liest... ts ts ts
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Re: Weinfass

Beitragvon zaunreiter » So 23. Sep 2012, 11:22

Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.


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