Schwarmlenkung in der TBH

Schwarmbetriebsweise - und verhinderung, Ablegerbildung, etc.
stefanzo
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon stefanzo » Mi 8. Mär 2017, 00:52

Manche Imker ersetzen eine alte Königin durch eine neue, da sie sich von einer jüngeren mehr Produktivität versprechen. Um das Schwärmen zu verhindern, wird die alte Königin entnommen, und mit ihr auch noch ein paar zusätzliche Waben nebst Bienen. Dadurch entsteht künstlich eine ähnliche Situation, als hätte das Volk abgeschwärmt. In der Regel wir dem zurückgelassenem Volk in diesem Fall keine neue Königin gegeben, sondern man läßt ihm eine nachziehen. Durch die entstehende Brutpause stehen auch mehr Bienen zum Honigsammeln zur Verfügung. Dies ist ein taktischer Eingriff, der Erfolg hängt vom richtigem Zeitpunkt ab.
mfg stefanzo

Johannes-Mellifera
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon Johannes-Mellifera » Mi 8. Mär 2017, 06:52

stefanzo hat geschrieben:... In der Regel wir dem zurückgelassenem Volk in diesem Fall keine neue Königin gegeben, sondern man läßt ihm eine nachziehen...

Hallo Stefanzo,

willst du damit sagen, dass heute immer noch "in der Regel" Nachschaffungsköniginnen erzeugt werden? :shock:... Ich hoffe nicht. Denn das sollten wir hinter uns gelassen haben. Gezielte Nachzucht und das Zusetzen sollte sich mal endlich durchsetzen.

Gruß Johannes

HarryBoden
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon HarryBoden » Mi 8. Mär 2017, 09:22

Hallo Johannes,

warum soll sich das Volk keine eigene Königin heranziehen? Ich habe eigentlich keine Lust auf das Zukaufen fremder Königinnen.
Welche Nachteile sind denn zu befürchten?

Viele Grüße

Harry

Dan82
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon Dan82 » Mi 8. Mär 2017, 19:01

Genau diesen Punkt, den ihr gerade diskutiert habe ich nicht verstanden. Da bin ich ja froh, dass ich nicht der einzigste bin der das nicht ganz versteht ;)

Johannes-Mellifera
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon Johannes-Mellifera » Mi 8. Mär 2017, 20:50

Die Frage ist, woraus und in welcher Situation die neue Königin entsteht.

Wenn ihr eine Schwarmzelle im Volk belasst, ist alles okay. Dann schlüpft eine Königin, die von Beginn an als solche gepflegt wurde. Nachteil bei der Methode ist, dass man über die Jahre seinen Bestand auf Schwarmfreudigkeit selektiert. Denn es vermehren sich die Völker am meisten, die auch am häufigsten schwärmen wollen. Das macht irgendwann keinen Spaß mehr.

Der andere Fall ist, dass ohne natürliche Weiselzellen den Bienen nur die Nachschaffungszellen als Ausweg bleiben. Dafür werden (damit es schneller geht) gerne ältere Maden zu Königinnen gepflegt, die das ursprünglich gar nicht werden sollten. Diese Königinnen müssen nicht schlechter sein, sind es aber gelegentlich, was auch physiologisch logisch ist.

Bei der Zucht nimmt man Larven in den ersten Stunden ihres Lebens. Hier ist die Versorgung zwischen Königinnen und Arbeiterinnen noch nicht differenziert und es können durch richtige Pflege vollwertige Königinnen entstehen.


Funktionieren tun alle 3 Varianten. Jeder muss seinen Weg finden und seine Ansprüche definieren.

LG Johannes

stefanzo
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon stefanzo » Do 9. Mär 2017, 00:37

Johannes-Mellifera hat geschrieben:
stefanzo hat geschrieben:... In der Regel wir dem zurückgelassenem Volk in diesem Fall keine neue Königin gegeben, sondern man läßt ihm eine nachziehen...

Hallo Stefanzo,

willst du damit sagen, dass heute immer noch "in der Regel" Nachschaffungsköniginnen erzeugt werden? :shock:... Ich hoffe nicht. Denn das sollten wir hinter uns gelassen haben. Gezielte Nachzucht und das Zusetzen sollte sich mal endlich durchsetzen.

Gruß Johannes


Gezielte Nachzucht führt auch zur Einseitigkeit. Ausgewählt wird hierbei nach Kriterien des Imkers. Es ist gut das es bei den Imkern diesbezüglich viele verschiedene Meinungen gibt, nur so bleibt eine Vielfalt erhalten. Ist ein Volk mit einer Nachschaffungskönigin unzufrieden, kann es später selber Umweiseln. Ist der Imker mit einer Nachschaffungskönigin unzufrieden, kann er selber ebenfalls umweiseln, oder dies von vornherein vermeiden. Ich selbst bevorzuge die Vermehrung durch Schwärme. Und das Umweiseln überlasse ich ebenfalls den Bienen selbst. Ausnahme mache ich nur bei wirklichen Stechern, was bisher in 10 Jahren erst einmal bei einem Volk notwendig war. Ob gezielte Zucht, oder Freilauf, jeder soll das machen was er am besten für seine Bienen hält. Es gibt für alles sehr viel für und wider. Wie du richtig gesagt hast, man muß seinen eigenen Weg finden mit dem man zufrieden ist. Mein Tipp ist, bei jedem Ratschlag der einem gegeben wird, das "man muß", durch ein "man kann", ersetzen.
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zaunreiter
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon zaunreiter » Do 9. Mär 2017, 01:44

"Man kann" auch viel Unfug mit den Bienen treiben. Und ein Volk entweiseln, um es dann "selbst nachschaffen zu lassen", ist wirklich grober Unfug. Da kommt in 95 % der Fälle nur Murks raus. Daß das "funktioniert", können auch nur die behaupten, die noch nie ein aus sich heraus starkes Bienenvolk gesehen haben. Ein paar Bienen in der Kiste sind kein Bienenvolk.

Klar können die Bienen diese aus der Not heraus geborenen Königinnen wieder selbst umweiseln. Aber was passiert da eigentlich mit dem Volk während dieser Zeit? Die Bienen werden immer älter, die Kraft und der Saft des Volkes schwinden dahin. Und die nochmals neu nachgeschaffene Königin soll dann vollwertig sein? Wenn sie von alten Tanten aufgezogen wurde? Das kann nicht funktionieren. Und solche vom Imkerhand geschwächten Völker sind dann sehr empfindlich gegenüber Krankheiten, wenn die innere Kraft und Stärke schwindet. Krankheiten wird hier der Weg gebahnt.

Freilauf sieht auch anders aus als per Imker entweiselte Völker. Wenn der Imker Unordnung in das Bienenvolk bringt, muß er es auch beseitigen. Sprich: eine neue begattete(!) Königin zusetzen. Die kann man kaufen oder aber auch selbst ziehen.

Dann doch lieber schwärmen lassen und wenn die Schwarmzellen stehen, die überzähligen Schwarmzellen alle bis auf eine brechen oder in kleine Begattungseinheiten umsiedeln. Hatte ich hier schon mal beschrieben: viewtopic.php?f=26&t=36&start=20#p8116

Viele Grüße

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon stefanzo » Do 9. Mär 2017, 02:29

Hier spielt der Zeitpunkt der Teilung und die Stärke eines Volkes eine wesentliche Rolle. Unfug und Sinn liegen wahrlich sehr nahe beieinander. Mehrmals auf die Nase bin ich mit dem Einwabenableger nach Pia Aumaier gefallen. Dabei habe ich mit einer Wabe mit Brut Anfang Mai einen Wabenableger gebildet, der sich selbst einen Königin nachgezüchtet hat. Bis zum Herbst wuchsen diese Ableger zu einem staatlichen Volk heran, welches jedes mal im nächsten Frühling Drohnenbrütig wurde. Teilungen kurz vor der Schwarmstimmung, wie sie Warre beschrieb, waren jedoch mit Erfolg gekrönnt. Fehler bei Eingriffen werden, werden unbarmherzig mit Bruchlandung bestraft. Wird ein Volk zu einem ungünstiegem Zeitpunkt geteilt, entsteht genau das, was Bernhard gesagt hat. Aus leidvoller Erfahrung, kann ich dies nur bestättigen. Das Volk muß stark sein, die Bedingungen müßen günstig sein, ansonsten geht der Schuß gewaltig nach hinten los. Ableger bilden und zerstückeln sind zwei paar Schuhe, welche leicht verwechselt werden können.
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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon stefanzo » Do 9. Mär 2017, 02:58

Unter Freilauf meinte ich nicht das Entweiseln, sondern natürlich die normale Schwarmvermehrung. Königinnen die aus der Not gebohren wurden, gibt es natürlich auch in der Natur, aber man muß dann eben schon noch einmal unterscheiden, zwischen kompletten Vermurks und Zwischenkönnigin. Einen kompletten Vermurks sollte man als Imker nie produzieren, aber wer hat noch nie? Als Beispiel nenne ich hier Zuchtserien von kompetenten Züchtern, welche absolutes Wetterpech hatten bei der Begattungszeit. Das ganze Thema ist zu komplex um es mit ein paar Zeilen in einem Forum behandeln zu können. Man muß sich schon etwas intesiver damit Beschäftigen. Das ein oder andere Buch wäre nicht verkehrt.
mfg stefanzo

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Re: Schwarmlenkung in der TBH

Beitragvon Johannes-Mellifera » Do 9. Mär 2017, 06:09

stefanzo hat geschrieben:...Königinnen die aus der Not gebohren wurden, gibt es natürlich auch in der Natur, aber man muß dann eben schon noch einmal unterscheiden, zwischen kompletten Vermurks und Zwischenkönnigin....

Witzig. Nach 18 Jahren in der Imkerei lese ich erstmals den Begriff "Zwischenkönigin" :lol:

Naja. Ich denke, dass hier für jeden Leser die Thematik verständlich geschrieben ist und nun muss halt jeder entscheiden. Irgenwie ist es auch müßig, immer von Qualität zu reden, wenn es genug Imker gibt, die sich mit Zwischenköniginnen und so zufrieden geben.

Übrigens: Eine standbegattete Königin kostet im Schnitt 25 €. Das ist in Anbetracht der Arbeit und Mühe ein Witz. Wer da knausrig ist, soll es halt lassen. ;)

Gruß Johannes


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