Transport von Völkern

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zaunreiter
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Transport von Völkern

Beitragvon zaunreiter » Do 20. Jun 2013, 14:59

Meine Notizen zum Transportieren von Bienenvölkern.

1) Möglichkeit zum Verlassen der Wabengassen. Das Ruckeln während des Transportes läßt die Waben aneinander schlagen und die Bienen darin werden gequetscht - zumindest fühlt es sich für sie so an und ein Teil der Bienen verläßt daher gern die Waben, um sich irgendwo aufzuketten. Sinnvollerweise ist das im hohen Boden. (>= 4 cm Höhe reichen schon.) Oder im leeren Honigraum. (Ohne Waben.)

2) Lichteinfall als potentieller Auslöser für das Verbrausen der Völker. Die Bienen stürzen bei Bewegung der Beuten gegen das Licht und können so das Gitter zusetzen. Sie drohen dann zu ersticken und verbrausen dann. Daher ist Lichteinfall zu vermindern. Ein Gitterboden ist daher besser als eine Gitterdeckel. Die Bienen sind daher auch nachts zu transportieren. Ich fahre stets in die Nacht hinein - Zusammenpacken bei Sonnenuntergang. Losfahren nach Sonnenuntergang.

3) Wärme als potentieller Auslöser für das Verbrausen der Völker. Sobald die Beute bewegt wird, heizen sich die Bienen durch die Aufregung auf. Eine gute Ventilation der Beuten ist daher notwendig. Ein durchgängiger Gitterboden ist da schon ausreichend. Zusätzlich sind die Bienen mit Wasser einzusprühen. Das Wasser hilft den Bienen bei der Kühlung des Bienenstockes. Des Weiteren schlecken sie das Wasser auf und das Wasser ist weniger belastend während des Transportes als Honig, Nektar oder Zuckerwasser. Während der Fahrt ist ausreichend Wasser mitzuführen, um im Notfall die Bienen duschen und damit abkühlen zu können. Ein Thermometer unter dem Deckel, dessen Anzeige im Fahrzeug gut lesbar angebracht wird, ermöglicht eine Überwachung der Temperatur während der Fahrt. Die Temperaturen nachts sind besser geeignet als Tagestemperaturen oder gar Sonnenschein.

4) Honig oder aus den Waben spritzender Nektar (frisch eingetragen), versetzt die Bienen in eine zu große Aufregung und sie verbrausen sehr schnell. Daher verbietet sich z. B. ein Transport auf honigfeuchten Waben nach der Schleuderung.

5) Alle Beutenteile sollten fest fixiert werden. Nichts sollte wackeln, rappeln oder davonfliegen. Spanngurte sind das Mittel der Wahl, um die Zargen untereinander und an das Transportmittel zu befestigen. Bei einem Unfall dürfen die Beuten nicht auseinanderfallen oder umherfliegen.

6) Draht, Kneifzange, Taschenlampe (!), Ersatzbatterien, ein geladenes Handy für den Notfall, zusätzliche Schleier, ein gestopfter Smoker (bereit zum Anzünden), genügend Schaumstoffstreifen und Klebeband, Wasser+Sprühflasche, Getränke für den Imker :wink:,... eben die universelle Imkerwerkzeugkiste für alle Fälle sollte mitgeführt werden.

Ablauf

Ich mache es so. Am Vortag erledige ich alle Vorbereitungsarbeiten. (Abernten, zusammenpacken, Hindernisse aus dem Weg räumen, Sackkarrenreifen auf Dichtigkeit und genügend Druck prüfen, Beuten mit Zurrgurt zusammenbinden...) Am Transportabend warte ich bis der Bienenflug eingestellt wurde, was meist kurz vor dem Sonnenuntergang der Fall ist. Ich sprühe durch das Flugloch/den Boden die Bienen mit Wasser ein. Wenn es eine längere Fahrt wird, sprühe ich auch von oben und gebe eine leere Zarge oben drauf. Dann verschließe ich das Flugloch mit Schaumgummi. Auf die Sackkarre und dann auf den Hänger. Zwischen Sackkarrengabeln und Beute klemme ich immer etwas Schaumgummi, das klappert nicht so. Außerdem habe ich ein größeres Spanngummi, mit dem ich die Beute an die Sackkarre binde. Auf dem Hänger Lücken zwischen den Beuten lassen, damit der Fahrtwind durchstreichen kann. (Geht automatisch mit Griffleisten.)

Am Ankunftsort im Scheinwerferlicht abladen und ganz zum Schluß die Schaumgummis aus den Fluglöchern entfernen.

Mein Ablauf ist noch nicht so ganz optimal. Die Vortagsarbeiten ließen sich eventuell am gleichen Abend noch treffen, bevor es dunkel wird. Der Transport mit Leerzarge oben ist eventuell etwas übertrieben und bewirkt die Notwendigkeit am nächsten Morgen/Tag wiederzukommen und am Zielort die Leerzargen zu füllen. (Ich gebe dann zum Beispiel die geschleuderten Waben.) Ich versuche den Ablauf so zu gestalten, daß ich nur eine Fahrt benötige. Eventuell könnte ich die Honigzargen am Vortag abernten und dann mit dem Transport mitführen und am Zielort direkt nach der Ankunft geben. Allerdings könnten die Bienen dann noch etwas unter Dampf stehen und im Dunkeln Zargen aufzusetzen, bei hervorquellenden Bienen, ist glaube ich keine gute Idee.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Transport von Völkern

Beitragvon specht » Di 18. Mär 2014, 21:05

Ein Transportwagerl für den geschickten Heimwerker.

Für unsere zwei Warre werde ich es vorraussichtlich nicht benötigen, das Gerät scheint aber mit den großen Rädern im unebenen Gelände wirklich praktisch zu sein.



Es geht auch ohne Helfer.



Zuletzt noch Tipps für Bauwillige.

http://jjvcela.sweb.cz/rudlik.html

Wer weiß, vlt. brauche ich sowas später doch noch.
Was haltet ihr von dem Wagerl, würdet ihr es haben wollen?

Grüße, Marcus

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Re: Transport von Völkern

Beitragvon zaunreiter » Mo 31. Mär 2014, 14:59

Für den Transport der Völker habe ich einen Ford F150 mit extra großer Ladefläche. Da passen 15 Warrévölker auf einmal drauf, oder 30 Ableger gestapelt.

Ein sinnvolles Zubehör für den "Bienentrecker" in unserer Gegend mit sehr hohem Verkehrsaufkommen ist eine Rundumleuchte in orange, um die anderen Verkehrsteilnehmer auf das langsamfahrende Auto aufmerksam zu machen. Daneben eine KFZ-Handlampe mit Magnetfuß.
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Durch den Magnetfuß und der aufrollbaren Verlängerung, kann sie überall am Fahrzeug angebracht und in alle Richtungen geschwenkt werden. So lassen sich alle Arbeitsbereiche gut ausleuchten. Hier im Bild ist die Lampe an einem Dach eines Bienenstockes angebracht.
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Zum Beladen des Pickups verwende ich eine Rampe aus Aluminium. Die ist ursprünglich für Rollstuhlfahrer gebaut, man kann sie in der Mitte zusammenklappen und einen Tragegriff hat die Rampe auch. Durch die Ladeklappe des Pickups habe ich eine Fläche zum Wenden mit der Sackkarre hinter der letzten Reihe von Beuten.
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Die Rampe schnalle ich oben auf die Beuten drauf, wo sie für zusätzlichen Halt der Beuten sorgt.
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Eine Sackkarre ist mein Verladegerät - kommt während der Fahrt auch oben drauf.
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Der Pickup hat an den Seiten eine Reling, an der ich die Gurte festmachen und die Beuten festspannen kann.
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Auf- und Abladen in den späten Abendstunden.
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Sogenannte "Displaypaletten" verwende ich als Unterlage. Die heben die Beuten 15 cm vom Untergrund weg und tragen 150-200 kg. Sie sind klein, wetterfest und passen für eine Beute. Vorne wird noch ein Anflugbrettchen aufgelegt. Das Beste ist jedoch, daß sie sich stapeln lassen. 90 Paletten ergeben eine Höhe von nur 1,20 Meter.
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In der Obstplantage bestäuben die Bienen die Kirschen.
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Ich summe, also bien ich.

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Re: Transport von Völkern

Beitragvon stefanzo » Mo 31. Mär 2014, 23:41

Toll organisiert, muß ich wirklich gratulieren. Verwendest du offene Gitterböden, ich meine zwecks verbrausen, oder geht es auch so?
mfg stefanzo

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Re: Transport von Völkern

Beitragvon zaunreiter » Di 1. Apr 2014, 09:42

Für den Transport der Völker ist ein offener Gitterboden zum Vermeiden des Verbrausens unerläßlich. Ich hatte zuerst überlegt, die Böden nach dem Transport wieder zu verschließen, aber dann hätte ich die Einlagen separat und lose transportieren müssen. Wegen Umständlichkeit habe ich das verworfen. Spätestens im Herbst sind die Böden wieder zu, wenn die Völker am Überwinterungsplatz stehen.

Manche transportieren mit Gitter oben - meiner Beobachtung nach, drängen sich die Bienen dann aber nach oben gegen das Licht und verstopfen dann alles. Besser unten offen sowie ein hoher Boden und oben eine Leerzarge. Damit die Bienen von den Waben laufen und sich aufketten können. Das ist noch der beste Schutz gegen das Verbrausen.
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Re: Transport von Völkern

Beitragvon Rumpel » Di 1. Apr 2014, 13:30

Für den Transport der Völker habe ich einen Ford F150

Ei nicht mehr am Fahrrad, Neuner Generation sieht so aus. :)
Hast schön gemacht sieht Toll aus.
Grüsse Jörn
Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.
Johann Wolfgang von Goethe

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Re: Transport von Völkern

Beitragvon specht » Di 1. Apr 2014, 14:56

zaunreiter hat geschrieben:Sogenannte "Displaypaletten" verwende ich als Unterlage. Die heben die Beuten 15 cm vom Untergrund weg und tragen 150-200 kg. Sie sind klein, wetterfest und passen für eine Beute.


Mit diesen Displaypaletten hab ich auch zu tun, unsere sind sogar über 300 kg belastbar und ein weiterer Vorteil, gegen Schädlingsbefall imprägniert sind sie nicht.

Einzige Befürchtung, die ich habe - versinken sie dir nicht, wenn der Boden mal anständig nass wird?

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Re: Transport von Völkern

Beitragvon zaunreiter » Di 1. Apr 2014, 15:37

Möglicherweise tun sie das. Die Füße sind aber recht breit - ich schätze mal so 15 cm Durchmesser. Das müßte eigentlich reichen. Wenn nicht, dann drehe ich die Paletten um und stelle die Böden auf die Füße. Das geht auch. Dann muß ich das nur gegen Verrutschen absichern und fertig.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Manfred

Re: Transport von Völkern

Beitragvon Manfred » Di 1. Apr 2014, 16:00

Grüß Euch,

http://www.youtube.com/watch?v=cSBXOHiPmrk

versus

http://www.magazinimker.de/downloads/ei ... usholz.pdf

oder noch einfacher, vier Brettl ineinandergesteckt.

bemerkt der Manfred

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Re: Transport von Völkern

Beitragvon specht » Di 1. Apr 2014, 16:37

Hallo Manfred,

fährst ein Auto ohne Plastikteile?

Manfred hat geschrieben:Diese Palettenzwischenlagen in 3mm Stärke schlupfen schön in einen Kreissägeschnitt - da lassen sich elegant Kisten in Leichtestbauweise erstellen.
http://www.ratioform.at/static/content/ ... version=12


Mein Gewissen sagt mir, Holz sieht anders aus.

Wir sind halt ''Plastikkinder''. Mein Natursteinfundament für die Volksbeute hat auch fast keinen gefallen, trotzdem baue ich es, weils mir einfach schön vorkommt.

Viele Grüße, Marcus


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