Bienenbiologie: Sammelthread

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Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon zaunreiter » Mo 8. Apr 2013, 22:41

Etwas Bienenbiologie - rund um die Imkerei

Eine Studie von Pettis et al. (1997) stellte fest, wann Bienen Weiselzellen ansetzen.

1) Die Präsenz und "Stärke" des Königinnenpheromons scheint eine Rolle zu spielen. Bei alten Weiseln werden schneller Weiselzellen angesetzt, als bei jungen Weiseln.

2) Junge Brut. Wenn viel und überwiegend junge Brut im Stock ist, werden weniger/keine Weiselzellen angesetzt. (Viel Brut = junge, vitale Königin?)

3) Alte Brut. Wenn überwiegend ältere Brut im Stock ist, neigen die Bienen zum Ansetzen von Weiselzellen zur stillen Umweiselung.

Ich glaube, es war auch Bretschko, der fortlaufend junge Brut nach unten und alte Brut nach oben stapelte. (Zwei Bruträume.)
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Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon zaunreiter » Mo 8. Apr 2013, 22:52

Faktoren, die im Zusammenhang mit der Sammelleistung stehen. (aus verschiedenen Studien zusammengestellt)

1) Die Anwesenheit von 2-heptanon (C7H14O) führt zur einer Steigerung der Sammelleistung - aber auch dazu, daß die Bienen aktiv Parasiten zu beißen.

2) Verfügbarkeit von leeren Waben.
- je mehr leere Waben, desto höher der Sammeleifer. Hier scheint auch der Geruch der Waben ausschlaggebend zu sein. => Frische Waben dünsten Aldehyde aus: Octanal (70%), Nonanal, Decanal. (Nach Rinderer et al.)

3) Anzahl Flugbienen und Volksgröße. Siehe Bretschko, Bergmann&Bergmann.

4) Präsenz von junger Brut und junger Königin.

5) Vorhandensein von 12-18 Tage alter Bienen -> das sind "Speicherbienen", die den Sammlerinnen den Nektar abnehmen. Die Wartezeit der Sammlerinnen von der Ankunft bis zur Entladung ist entscheidend für den Sammeleifer. Je eifriger ihnen der Nektar abgenommen wird, desto eifriger fliegen sie wieder los. Diese Tatsache wird durch die Erkenntnis gestützt, daß kurze Wege in den Honigraum auch zu mehr Honig führen. Genauso wie eingeengte Völker mehr Honig bringen können - je dichter die Bienen sitzen, desto schneller geht die Abnahme.
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Faktoren die in Zusammenhang mit der Stifungsrate stehen

Beitragvon KMP » Di 9. Apr 2013, 13:28

Aus Sagili & Pankiw 2009:
In the nest, workers regulate queen egg laying rate through the quantity and quality of food
workers provision to the queen (Chauvin 1956; Allen 1960). The rate at which wax
comb cells are prepared by workers for queen acceptance for egg deposition is
another mechanism through which workers regulate queen egg-laying rate (Free &
Williams 1972).


Aber irgendwie muss Korrelation zur Außentemperatur involviert werden...

-K
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Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon zaunreiter » Di 9. Apr 2013, 13:58

Wird wohl mit dem Putzen der Zellen zu tun haben. Wenn die Königin vorwiegend in geputzte Zellen legt, bestimmt die Putzaktivität die Legerate. Und je wärmer die Temperaturen, desto mehr Aktivität außen und innen, desto mehr Putzen.

Oder so. :D
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Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon zaunreiter » Di 9. Apr 2013, 15:50

Erkennen der Schwarmstimmung

Der Rand der Weiselzelle wird durch die Arbeiterinnen verengt, dadurch konisch und scharfkantiger (vorher verdickt und röhrenförmig). Das löst den Bestiftungsreflex bei der Königin aus und die Weiselzelle wird bestiftet. => fortgeschrittene Schwarmstimmung.
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Manfred

Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon Manfred » Do 11. Apr 2013, 09:31

Grüß Euch,


Nutzung des Schwarmtriebs ist eine gute Möglichkeit.

Ab Ende April die Entwicklung der Völker im Auge behalten. Dafür reicht ein wöchentlicher kurzer Blick auf eine Brutwabe aus dem Zentrum des Brutnests. Solange das Brutnest sich auf Kosten des vorhandenen Vorrats ausdehnt, ersichtlich an leeren und frisch bestifteten Zellen an seinen Rändern, im Zentrum frisch geschlüpfte Zellen nachbestiftet werden, habe ich nichts zu tun.

Intressant wird es, wenn der Rand "stumpf" wird, das heißt außen keine neue Brut angelegt wird und frisch geschlüpfte Zellen mit Nektar gefüllt werden. Jetzt achte ich auf entstehende und in Pflege befindliche Weiselzellen.

Sobald Weiselzellen in Pflege sind, schüttle und fege ich, ohne nach der Königin zu suchen, die Bienen von sämtlichen Brutwaben vor einen neuen mit Waben, Mittelwänden oder einfach nur Anfangsstreifen versehenen Stock. Wichtig ist dabei, daß die Bienen schön in einer Ebene geradewegs ins einladend dunkle Innere des neuen Stockes einlaufen können. So dividieren sich die abgeschüttelten Bienen schön auseinander. Die Flugbienen kehren in ihr angestammtes Volk zurück, die jungen fetten Stockbienen und die Königin laufen instinktiv ins Dunkle.

Etwa schon vorhandene verdeckelte Schwarmzellen breche ich aus.

Auf diese Weise zapfe ich einem schwarmreifen Volk etwa 1kg Bienen und die Königin ab. Dieser vorweggenommene Schwarm kann an beliebiger Stelle, auch auf dem gleichen Stand aufgestellt werden.

Im Verlauf von ein paar Minuten merke ich am Verhalten der eingelaufenen Bienen, ob die Chefin mit an Bord ist. Bleibt alles ruhig, kommen keine Bienen raus und fliegen ab, dann ist die Aktion geglückt.

Sind die Bienen unruhig und fliegen ab, dann muß ich noch einmal nachwassern, was allerdings selten vorkommt.

8 Tage später kann ich nun entweder alle jetzt verdeckelten Schwarmzellen im Muttervolk bis auf eine ausbrechen oder mit den vorhandenen Brutwaben mit Schwarmzellen und zusätzlicher Honig- und Leerwabe Begattungsableger bilden. Bei Aufstellung am Stand stopfe ich locker Gras ins Flugloch, das irritiert die ausfliegenden Bienen und sie fliegen sich auf den neuen Standort ein. So unterbleibt ein Kahlfliegen des Begattungsablegers.

Der Kalender von Martin Dettli kann auch hilfreich sein, die Entwicklung im Auge zu behalten.

http://www.summ-summ.ch/bibl/imk/t_jgvolk.html

Das Schöne an der Methode: Keine Biene wird zwangsweise eingetrichtert, so stellt sich auch keine Unruhe ein und die Beugehaft wird entbehrlich. :lol:



Herzliche Grüße Manfred

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Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon zaunreiter » Do 11. Apr 2013, 23:31

Gerade wollte ich den Beitrag aus Manfred's Bienen hierher kopieren - und ich war echt verdutzt: der steht schon da! :shock: :lol:

Cool.
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Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon zaunreiter » Mo 22. Apr 2013, 16:01

Habe im Photoarchiv gekramt, um das oben Geschriebene zu verbildlichen. (Habe keine besseren Bilder. :oops:)

Weiselnapf mit dicken Rändern. Keine Schwarmstimmung.
Bild

Weitere Spielereien am Napf = Spielnapf.
Bild

Hier werden die Ränder schon ausgedünnt, die Schwarmstimmung kommt auf.
Bild

Hier wird die Zelle weiter ausgezogen. Fortsetzung unten. *)
Bild

Verdeckelte Weiselzelle von unten betrachtet.
Bild


*) Das ist die gleiche Zelle wie oben - aber nach einem Brutableger, wurde sie von den Bienen abgetragen. Die Schwarmstimmung ist erloschen.
Bild

Vorher -> nachher.
Bild
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Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon zaunreiter » Mo 22. Apr 2013, 16:05

Manfred hat geschrieben:...die Beugehaft wird entbehrlich.


Ich finde die Beugehaft (gemeint ist die Kellerhaft?) sowieso ziemlich entbehrlich! Außer bei Kunstschwärmen :roll: sehe ich keine wirkliche Notwendigkeit. Nachschwärme profitieren auch etwas von der Kellerhaft. Aber ansonsten?
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Manfred

Re: Bienenbiologie: Sammelthread

Beitragvon Manfred » Di 23. Apr 2013, 08:44

Grüß Euch,

Das willkürliche Zusammenfegen von Bienen ohne Berücksichtigung ihrer Hell-Dunkel-Präferenz, d.h. ohne Kenntnis ihrer physiologischen Beschaffenheit, stellt für mich eine klassische "Der Bien muß" - Aktion dar und daher habe ich bewußt den Ausdruck Beugehaft verwendet.

Wo immer möglich, nehme ich bei mehrzipfeligen Nachschwärmen jeden Zapfen für sich.
Die gehen, wenn auch klein, wie der Drohn einmal bemerkte, ab wie ein rotes Moped. :lol:

http://www.youtube.com/watch?v=gk0-BiHsLFE

Herzliche Grüße Manfred


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