Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4610
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon zaunreiter » Di 6. Nov 2012, 15:22

Hier hat sich eine französische Seite mit den Vor- und Nachteilen der Warré beschäftigt und eine Zusammenfassung gewagt:

http://apihappy.fr/constructions/125-av ... uche-warre
Maschinenübersetzung: http://translate.google.de/translate?sl ... uche-warre

Hier die Diskussion dazu aus dem französischen Warréforum: http://www.ruchewarre.net/viewtopic.php?f=22&t=4339 (Hat irgend so ein Freak gestartet... :lol: )

Sollten wir hier an dieser Stelle auch mal eine Zusammenfassung wagen?!

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4610
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon zaunreiter » Di 6. Nov 2012, 16:28

Vorteile

Die kleinen Abmessungen der Beute, dadurch...

- durch die kleinen Maße der Waben werden die Bienen nicht dazu verleitet, den Honig seitlich des Brutnestes abzulegen, daher:
- Brutnest verhonigt nicht so schnell (wenn Honigräume aufgesetzt werden.)
- schnellere Annahme der Honigräume
- Honigwaben werden schneller gebaut, gefüllt und verdeckelt
- Ernte auch bei schlechten Trachtbedingungen
- Trachten sind sauberer zu trennen, da Waben von einer Tracht schnell gefüllt werden
- schnelleres Auffinden der Königin (bei Rähmchen)
- Saubere Trennung von Brut, Honig und Bienenbrot ermöglicht mannigfaltige Manipulationen
- vergleichsweise leichtes Gewicht der Zargen, kein schweres Heben => Wanderung
- auch kleine und schwache Völkchen gedeihen gut in den kleinen Zargen
- keine "kalten Ecken", von Bienen unbesetzt. Alle Waben gut besetzt und gepflegt. Nestduftwärmebindung.
- kostengünstig zu bauen (vergleichsweise wenig Materialbedarf)
- kleine kompakte Zargen ermöglichen einen schnellen Überblick auch bei der zargenweisen Bearbeitung
- schnelle Ablegerbildung

Gleich große Magazine für Ableger, Brut, Honig und Zucht ermöglicht Standardisierung.

- ökonomisch/effizient
- zargenweise Bearbeitung (statt rähmchenweise)

Mit dem Giebeldach sieht so eine Warrébeute hübsch aus.

Gute Überwinterung bei wenig Futterbedarf

Hohe Anpassungsfähigkeit

- dadurch Wahl zwischen intensiver oder extensiver oder Mischbetrieb extensiv+intensiv
- Anpassung an klimatische Bedingungen, an Trachtbedingungen und an die Bedürfnisse des Imkers




Nachteile

Die kleinen Abmessungen der Beute, dadurch...

- Beschränkung des Brutnestes in der Horizontalen
- Saubere Trennung von Brut, Honig und Bienenbrot trennt Brut räumlich vom Brutfutter
- Volk kommt (beim Untersetzen) leicht in Raumnot: Verhonigen des Brutnestes, Schwarmstimmung
- große Ernten sind nicht ohne intensive Maßnahmen (Aufsetzen, Schwarmverhinderung, Umweiseln, Wanderung, usw. usf.) zu erwarten
- das "Überquellen" der Bienen. Von oben Rauch = Bienen gehen nach unten. Wird die Zarge dann abgehoben, quellen die Bienen aus der darunter liegenden Zarge nach oben raus und setzen sich teilweise über den Rand an die Außenseiten der Zarge. Es fehlt ein bisschen die Möglichkeit "zu flüchten". Bei standbegatteten Schwarmbienen ist das problematischer als bei Bienen, die auf Wabenstetigkeit hin gezüchtet wurden. (Bleiben auf den Waben sitzen.)


Nachteile bei Verwendung von Stabilbau in der Warré (gilt für alle Stabilbaubeuten)

- Zuhängen von vollen Futterwaben schwer oder nicht so einfach möglich (Notfütterung)
- Verstärken mit Brutwaben aus anderen Völkern nur schwer möglich
- Schröpfen durch Entnahme von einzelnen Brutwaben zur Schwarmvorbeugung nicht möglich
- unterjährige Ernte von (einzelnen) Honigwaben nicht so einfach
- die Suche der Königin ist schwierig
- Ernte erst spät im Jahr möglich (falls ohne Absperrgitter gearbeitet wird)
- Kontamination mit Varroabehandlungsmitteln und/oder Pestiziden weniger leicht zu entfernen
- Bei Wintereinfütterung mit Zucker oder Sirup hat man im nächsten Jahr dieses Futter in der Ernte. Aber: Dadurch hohe Motivation, die Bienen auf Honig zu überwintern.

Beuten und vor allem Zubehör ist (noch) nur schwierig käuflich zu erhalten. (Selbstbau möglich und teilweise auch notwendig.)

Fehlende Standardisierung zu anderen Systemen, dadurch...

- oft fehlt die helfende Hand eines Paten vor Ort, der sich damit auskennt
- keine Möglichkeit des Austausches von Material und Bienen mit anderen Imkern vor Ort

Oberträger als Barriere zwischen den Zargen

- hindert am Weiterbau, unter nicht optimalen Trachtbedingungen
- das Brutnest und damit der Legegang der Königin ist geteilt
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
Mellina
Beiträge: 296
Registriert: Do 5. Aug 2010, 22:19
Wohnort: Dresden
Kontaktdaten:

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon Mellina » Di 6. Nov 2012, 17:45

Nachteil:
- Bei Wintereinfütterung mit Zucker oder Sirup hat man im nächsten Jahr dieses Futter in der Ernte.

Vorteile:
- Bei Wintereinfütterung mit Zucker oder Sirup hat man im nächsten Jahr dieses Futter in der Ernte. Dadurch hohe Motivation, die Bienen auf Honig zu überwintern. ;)

- Klimatechnisch unübertroffen durch die schmale, hohe Form, das Kissen + unterlüftetes Dach.

- Meiner Ansicht nach ist die Warré eine schöne Sache für alle, die extensiv imkern möchten, sich aber alle Optionen offenhalten wollen. Denn letztlich kann man bei Warré all das tun, was man mit Rähmchenbeuten auch kann, muß es aber nicht. Bei anderen Systemen, wie der Bienenkiste, ist man doch sehr eingeschränkt. Und Rähmchenbeuten kann man nicht, wie die Warré, auch mal sich selbst überlassen. Nur Honig wird man wohl nie so viel ernten, wie mit Rähmchenbeuten, dessen muß man sich bewußt sein, extensiv halt.

LG
Mandy
Bauanleitung Warrébeute, Warrés Handbuch und Bernhards Kurzanleitung: http://www.warre-bienenhaltung.de

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4610
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon zaunreiter » Mi 7. Nov 2012, 10:37

Ich habe mir erlaubt, deine genannten Vor- und Nachteile in die obige Liste zu übernehmen. (Ich hoffe, der Sinn ist erhalten geblieben.)

Alle Vorteile können auch Nachteile sein und anders herum. Zum Beispiel: Stabilbau sorgt für den Erhalt der Integrität und Ordnung des Brutnestes, verhindert das Mischen von Bienenblut (Honig) oder Bienenfleisch (Brut) zwischen den Bienenvölkern. Und damit das Transplantieren von Bienenorganen. Je nach Können des operierenden Chirurgen fallen die Ergebnisse entweder vorteilhaft oder unvorteilhaft aus. :P

Alles hat also mindestens zwei Seiten.

Viele Grüße und Danke,

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4610
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon zaunreiter » Mi 7. Nov 2012, 13:30

Hier die Liste von David Heaf (auf Englisch): http://www.dheaf.plus.com/warrebeekeepi ... t_heaf.htm
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
Mellina
Beiträge: 296
Registriert: Do 5. Aug 2010, 22:19
Wohnort: Dresden
Kontaktdaten:

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon Mellina » Mi 7. Nov 2012, 14:10

Den Klimaaspekt (hoch, schmal, Kissen, Dach, geschlossener Boden) hast Du vergessen? Oder bist Du nur anderer Meinung? Ich finde nämlich, das ist der Vorteil überhaupt.

Eins ist mir noch eingefallen: Die Waben (wenn gerade gebaut) lassen sich durch seitliche Schnitte jederzeit leicht ziehen, da man nur durch Wachs schneidet. Bei Rähmchenbeuten braucht es eine regelmäßige Reinigung derselben (was ein ebenso regelmäßiges Auseinandernehmen der Beute verlangt), sonst bekommt man die Waben nur noch mit Gewalt heraus.
Bauanleitung Warrébeute, Warrés Handbuch und Bernhards Kurzanleitung: http://www.warre-bienenhaltung.de

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4610
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon zaunreiter » Mi 7. Nov 2012, 15:19

Mellina hat geschrieben:...Klimaaspekt (...bist Du nur anderer Meinung?


Das Schlimme ist, daß ich keine halbwegs fertige Meinung dazu habe. Denn für mich sind mit der Zeit immer mehr offene Fragen zum Thema Beutenklima entstanden, als beantwortet wurden. Ich befinde mich also in dem Zustand höchster Verwirrung und gedanklichem Chaos zu diesem Thema. Ich kann nicht mit vollem Herzen unterschreiben, daß das Beutenklima der Warré "perfekt" ist. Wenn Du weißt, was ich damit meine.

Sicher kommt Form und Aussehen der Natur sehr nah. Siehe:
Bild

Mellina hat geschrieben:...Die Waben (wenn gerade gebaut) lassen sich durch seitliche Schnitte jederzeit leicht ziehen, ...


Hi hi, das werde ich aufnehmen - auch - oder gerade deswegen - wenn es dazu viel Kontra geben wird. :lol: ;)

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4610
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon zaunreiter » Mi 7. Nov 2012, 15:47

Mellina hat geschrieben:..Klimaaspekt ...


Hier dazu interessante Gedanken von Gareth:
http://simplebees.wordpress.com/article ... -or-warre/

Maschinenübersetzt:
http://translate.google.de/translate?sl ... r-warre%2F
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Manfred

Re: Vor- und Nachteile der Warrébeute (Sammlung)

Beitragvon Manfred » Mi 7. Nov 2012, 21:15

Grüß Euch,

Thür berichtet von sehr geringer Zehrung in den Naturbau-Magazinen.
Da könntest Du, Bernhard ja die Probe aufs Exempel machen, mit dem bestehenden Nebeneinander von Stabilbau und Rähmchenbuden.
Ab und an nach längeren fluglosen Perioden die Wachskrümel beider Gruppen wiegen, sollte uns praktisch eventuell bestehende Unterschiede zeigen.

Wo brauchen sie mehr "Heizmaterial"

Gestapelt:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... lnjak1.jpg

Oder freistehend ?
download/file.php?id=508&t=1

Herzliche Grüße Manfred



Zurück zu „Sonstiges“