Mikroben im Bienenstock

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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mo 2. Feb 2015, 22:55

Es wird kein 2-Heptanon "in die Völker geschüttet" sondern die den Bienen eigenen Milchsäurebakterien hinzugegeben, die wiederum die eigene Bildung von 2-Heptanon durch die Bienen fördert. ;)
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon Rumpel » Di 3. Feb 2015, 07:06

den Bienen eigenen Milchsäurebakterien hinzugegeben,

Ja habe ich ja auch verstanden. ;)
Sind die Bakterien ausgezogen? Herrscht im Bienendarm Fachkräftemangel, wenn ja warum?
Ich denke ja nicht das die Mittel alle schlecht sind. Nur braucht man sie?
Gruss Jörn
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Di 3. Feb 2015, 09:56

Das ist eine gute Frage. Wenn ich mir den Bienenstock als Komposthaufen, als Fermentbehälter und Gärballon vorstelle - was er im weitesten Sinne ist, wenn man sich die Prozesse und Mikroben im Bienenstock ansieht - dann kann es möglicherweise hilfreich sein, die Bienenmikroben zuzusetzen.

Je nachdem, ob:
  • das Nährsubstrat (Honig, Pollen) falsch ist,
  • das Milieu (CO2-Gehalt, Wärme, pH-Wert,...) falsch eingestellt oder
  • eine mikrobielle Fehlbesiedlung vorliegt.

Eben wie bei der Honigweinbereitung, bei der Herstellung von Sauerteig-/Hefebroten oder bei der Fermentierung anderer Lebensmittel (Sauerkraut,...) kann sich da einiges in die falsche Richtung entwickeln. Oder wie im Boden bei der Humusentwicklung...

Nun haben die Bienen mehrere Mechanismen entwickelt, die einer Fehlgärung (wenn wir das mal so nennen wollen) vorbeugen. Da wäre als Erstes die Bildung einer Traube zu nennen. Bei der Wintertraube ist es nachgewiesen, ich gehe aber auch bei der Schwarmtraube davon aus, daß während der Traubenphase eine Konsolidierung der Mikrobenarten stattfindet: die Anzahl der Mikrobenarten reduziert sich, verstärkt sich aber gleichzeitig. Das heißt, die Mikrobenarten stabilisieren sich während der Traubenphase.

Außerdem dürfte Propolis eine große Rolle bei der Regulierung der Mikroben spielen. Denn Propolis wirkt zwar antibakteriell und fungizid - aber selektiv! Das heißt. die bieneneigenen Mikroben tolerieren Propolis - während bienenfremde und pathogene Mikroben an Propolis zugrunde gehen.

Nun zu den Wirkungen der menschlichen Aktivitäten auf den Bien. Erstens werden Schwärme unterbunden und stattdessen mit Ablegern gearbeitet. Hier wird also die Traubenbildung verhindert und damit eine erste Möglichkeit zur Konsolidierung im Bienenjahr. Im Winter wird dann der Kasten zur Winterbehandlung aufgerissen, was nachweislich zu einem erhöhten Temperaturanstieg über Tage hinweg führt, der Bien wird aus dem Winterschlaf geweckt. Auch hier wird die Konsolidierung zumindest frühzeitig abgebrochen. Vermutlich gibt es aber vor dem Winter und nach dem Winter eine Art Reinigungsflug, der genau die Konsolidierung verursacht, gepaart mit der körperlichen Nähe der Bienen untereinander in der Traube und der proteinarmen Diät im Winter.

Als weitere Wirkung dürfte die fehlende Akzeptanz von Propolis im Bienenstock sein. Nicht nur, daß Harz spendende Bäume durch schlechte Bodenqualität gar nicht mehr die Inhaltsstoffe zustande bringen, die einen Harz erst interessant machen, auch der Aufbau von Propolis im Bienenstock ist ja nicht gerade beliebt bei den Imkern, da sich die Rähmchen gar nicht mehr bewegen lassen. Ich habe selbst einige sehr stark propolisierende Völker - die Bearbeitung dauert nicht nur dreimal so lange, es ist auch keine angenehme Arbeit, die Rähmchen aus der Zarge zu brechen. Jedes Mal! In diesem Punkt bringt der Stabilbau natürlich große Vorteile.

Ein weiterer wesentlicher Einfluß nehmen Antibiotika und vor allem Fungizide aus der Umwelt. Diese Stoffe stören die mikrobiellen Abläufe. Denn ein Fungizid tötet Pilze und manche Pilze sind eben absolute Voraussetzung für den Aufbau essentieller Nährstoffe im Bienenstock - ohne sie erleiden die Bienen eine Mangelernährung. Trotz vorhandenen Pollens! (Vitamin B12-Mangel vor allem.)

Es gibt also durchaus einige Gründe, hier Mikroben von Zeit zu Zeit zuzusetzen, sozusagen als Impfung. Um die richtige Gärprozesse anzuschieben und aufrechtzuerhalten. Wie beim Sauerteig. Immer ein Stück aufbewahren und wieder neu ansetzen. Klar ist jedoch, daß es ein Herumdoktern an Symptomen bleibt, während die Ursachen woanders liegen. Nur die Ursachen lassen sich manchmal nicht so schnell abstellen, so daß eine Überbrückung der Zeit notwendig sein kann. (Die Brücke darf nur nicht ins Nichts führen. Auf der anderen Seite sollte schon Land in Sicht sein...)
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon Rumpel » Di 3. Feb 2015, 12:23

Die Brücke darf nur nicht ins Nichts führen. Auf der anderen Seite sollte schon Land in Sicht sein.

Hervorragend genau das ist der Punkt, der Faktor Mensch.
Stellst du ihnen was hin, was die Probleme "hinwegfegt" dann werden sie es kaufen. :)
Propolis ist die erste Barriere wo der Bien sich schützen kann, ist auch meine Meinung.
Die Probleme sind vielfältig leider.
Wenn man sich überlegt die Wälder werden mit Kalk behandelt, gab ja mal sauren Regen.
Der ist aber alt und langweilig, dafür werden neue Säue durch den Busch getrieben. :mrgreen:
Die Waldameisen ziehen sich den Schmodder in den Bau, und bekommen Brutkrankheiten, da die AS. nicht mehr wirkt usw....
Aber wie gesagt ich bin nicht gegen das Mittel, aber muss vielleicht nicht tun. ;)
LG. Jörn
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Di 3. Feb 2015, 13:12

Hier eine Arbeit zu Mikroben des Bien aus dem Jahre 1906:
The Bacteria of the Apiary with special reference to bee diseases
von Gershom Franklin White
https://ia601901.us.archive.org/24/item ... 00whit.pdf
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon Rumpel » Di 3. Feb 2015, 19:51

Wer hat sich das gedacht 1906, na schon nicht schlecht.
Mir gehen da eben auch so Sachen durch den Kopf.
Bienen besiedeln ja auch gerne verlassene Wohnungen, da ist der Impfstoff zum teil ja schon vorhanden.
Bei den Strohwohnungen also Stülper oder auch bestimmten arten der Klotzbeuten usw.
die waren ja nicht Klinisch rein.
Wenn die Bienen auf so eine Altbauwohnung abfahren, denn hat die Natur sich was dabei gedacht.
Jedenfalls hab ich noch nicht mitbekommen das sie gravierende Fehler macht, na ja hüstel... ;)
LG. Jörn
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon Theophanu » Mi 18. Feb 2015, 11:29

Das spricht in meinen Augen sehr für das milchsaure Futter.
Ich bin ja gespannt, ob und wie meine Lieben aus dem Winter kommen.

Ich bin jedenfalls immer erstmal gegen die Gabe isolierter Stoffe.
Weil ich davon ausgehe, dass wir die größeren Zusammenhänge, in die die integriert sind, eben nicht begreifen.
Denk mal an zB Kräuter. Einige wirken nicht mehr so gut, wenn man den vermeintlich relevanten Inhaltsstoff aus dem Kontext herauslöst.
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mi 11. Mär 2015, 07:55

Das Mikrobiom der Königin unterscheidet sich deutlich von dem Mikrobiom der Arbeiterinnen:
http://aem.asm.org/content/early/2015/0 ... 5.abstract
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mo 20. Apr 2015, 12:31

Proben von einem bisher unentdeckten Amazonasvolk ergaben, daß sie ein sehr viel größeres Mikrobiom besitzen als Nordamerikaner. Allein im Darm der Waldbewohner leben doppelt so viele Mikrobenarten.
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/m ... -1.2439534
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon Rumpel » Mo 20. Apr 2015, 16:10

Hö hö, sehr Interessant!
Mir sind gleich die in Sagrotan gebadeten Familien aus der Apothekenumschau eingefallen, die gibt es wirklich.
Naja, bald gibt es Chlorhühnchen, dann sind wa aussen und innen Klinisch rein, wie bei Klementine. ;)
LG. Jörn
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