Mikroben im Bienenstock

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sleipnir
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon sleipnir » So 1. Apr 2012, 08:41

Vielen Dank für den Artikel Bernhard,

das bestätigt meine Gedanken und meine Pläne mit den Bienen.

gruß

Bernhard
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Di 7. Aug 2012, 20:08

Functional diversity within the simple gut microbiota of the honey bee

Philipp Engela,1, Vincent G. Martinsonb, and Nancy A. Morana,1

Author Affiliations
aDepartment of Ecology and Evolutionary Biology, Yale University, New Haven,
CT 06520; and
bCenter for Insect Science, University of Arizona, Tucson, AZ 85721

Edited by Gene E. Robinson, University of Illinois at Urbana–Champaign,
Urbana, IL, and approved May 21, 2012 (received for review February 27,
2012)

Abstract

Animals living in social communities typically harbor a characteristic gut
microbiota important for nutrition and pathogen defense. Accordingly, in the
gut of the honey bee, Apis mellifera, a distinctive microbial community,
composed of a taxonomically restricted set of species specific to social
bees, has been identified. Despite the ecological and economical importance
of honey bees and the increasing concern about population declines, the role
of their gut symbionts for colony health and nutrition is unknown. Here, we
sequenced the metagenome of the gut microbiota of honey bees. Unexpectedly,
we found a remarkable degree of genetic diversity within the few bacterial
species colonizing the bee gut. Comparative analysis of gene contents
suggests that different species harbor distinct functional capabilities
linked to host interaction, biofilm formation, and carbohydrate breakdown.
Whereas the former two functions could be critical for pathogen defense and
immunity, the latter one might assist nutrient utilization. In a
γ-proteobacterial species, we identified genes encoding pectin-degrading
enzymes likely involved in the breakdown of pollen walls. Experimental
investigation showed that this activity is restricted to a subset of strains
of this species providing evidence for niche specialization. Long-standing
association of these gut symbionts with their hosts, favored by the eusocial
lifestyle of honey bees, might have promoted the genetic and functional
diversification of these bee-specific bacteria. Besides revealing insights
into mutualistic functions governed by the microbiota of this important
pollinator, our findings indicate that the honey bee can serve as a model
for understanding more complex gut-associated microbial communities.

http://www.pnas.org/content/early/2012/ ... 9.abstract
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mi 8. Aug 2012, 11:04

Hier gibt es noch reichliches Material im Anhang dieser Studie: http://www.pnas.org/content/suppl/2012/06/14/1202970109.DCSupplemental/sapp.pdf

Im Prinzip wurden die Ergebnisse der Vergangenheit bestätigt und vor allem 8 Mikrobenspezies als dominierend im Bienendarm gefunden. Diese werden weltweit so dominierend auf verschiedenen Kontinenten in Apis mellifera gefunden. Obwohl die Spezies so dominieren, herrscht innerhalb dieser Spezies eine hohe genetische Diversität.

Interessant sind die Aufgaben dieser Mikroben, die neben der Synthese von wichtigen Vitaminen (B12) auch zum Beispiel die Auflösung von Pektin ist. Pektin ist für die Bienen giftig (!) und die Bakterien stellen Enzyme bereit, die Pektin auflösen. Was auch Voraussetzung für die Verdauung von pektinhaltigem Pollen ist.

Alles sehr spannend, auch die Verbindung zu Wirkungen von Pestiziden und die Wirkung von Nahrung auf die Bakterien und deren Rückkopplung mit den Genen der Honigbiene. Spannend, spannend.

Gruß
Bernhard
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon sleipnir » Mi 8. Aug 2012, 21:18

Servus Bernhard,

diese Beziehung Mikroorganismen im Darm auf das Lebewesen, indem sich der Darm befindet ist meines Glaubens nach überall der Fall, nicht nur bei der Biene.
Nur wir Menschen glauben, uns auf Dauer darüber hinwegsetzen zu können.

gruß

bernhard
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mo 12. Nov 2012, 13:32

Für alle Humusfreunde hier feinste Lektüre von dem Begründer der Erforschung des Bodens als Bioszönose: Raoul Heinrich Francé.

Die Erstausgabe seines Buches "Das Edaphon" von 1913:
http://www.selbstversorgerforum.de/humus/DasEdaphon.pdf (12MB, PDF-Format)

Gruß
Bernhard
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Fr 25. Jan 2013, 21:26

Zitat. >>Bienen bestäuben nicht nur Blüten, sondern tragen auch intensiv zur Verbreitung der Kreuzhefen bei. Diese Hefeart lebt in den Nektarien der Blüten und wird von den Wiederkäuern aufgenommen. Die Wiederkäuer brauchen die Kreuzhefen zur besseren Verwertung des Grünfutters und des Heus in ihrem Pansenmagen. Erst dadurch können z.B. Kühe ihre maximale Milchleistung erreichen. Die Kreuzhefen überwintern in den Bienenstöcken und werden nach dem Winter von den Bienen wiederum von Blüte zu Blüte verbreitet.<<
http://www.imkerhof-salzburg.at/portal/ ... 0biene.pdf (Seite 3)
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Fr 8. Feb 2013, 07:57

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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mi 27. Mär 2013, 10:02

Einige interessante neue Details, über die ich im Buch: Honey Bee Colony Health: Challenges and Sustainable Solutions (Contemporary Topics in Entomology (CRC)) (:wink::p) gestolpert bin:

1) Das Mikrobiom ändert sich mit den Temperaturen, da einige Mikroben nur in bestimmten Temperaturbereichen arbeiten. Besteht ein Zusammenhang mit den Tagesmaximumtemperaturen & Eilegerate? viewtopic.php?f=10&t=633

2) Die Larven haben qualitativ und quantitativ andere Mikroben als erwachsene Bienen. Besteht ein Zusammenhang mit dem Verhältnis zwischen Bienen&Brut sowie den Schwarmvorbereitungen? viewtopic.php?f=10&t=633&start=20#p7499

3) Es scheint, als wenn der enge Kontakt und die Trophallaxis in der Wintertraube zu einer Vereinheitlichung oder sagen wir Konsolidierung der Mikroben der einzelnen Bienen kommt. Das Profil der Mikroben des Bienenvolkes wird eindeutiger. Das scheint mir wichtig für die Gesundheit des Bienenvolkes, daß es kein wildes Durcheinander gibt, sondern eine stabile Population. Hier sind folgende Zusammenhänge zu betrachten: Wie wirkt eine Störung während der Winterbehandlung? Wenn wir Michael's Temperaturmessungen als Hinweis deuten, daß eine Störung langanhaltend wirkt und die Traube vorzeitig gelöst wird - wie wirkt sich das auf die Konsolidierung des Mikrobioms des Volkes aus? Vor allem wenn die Traube aufgrund warmer Frühwintertemperaturen noch nicht richtig zusammengekommen ist?

Ein anderer Zusammenhang ist eventuell mit der Kellerhaft herzustellen. Wenn eine enge, dichte Traube und Trophallaxis in der Traube dazu führt, daß sich die Mikrobenpopulation stabilisiert, würde das die beobachtete Harmonie des Volkes nach einer Kellerhaft erklären! So wie im menschlichen Darm ein wildes Durcheinander an Mikroben dem Mensch Unwohlsein bereitet, und er sich windet (:wink:) und dreht, so muß ein Durcheinander an Mikroben im Bienenstock eine Unruhe bereiten.

4) Es wird deutlich gemacht, daß ein Reinigungsflug unwahrscheinlich wichtig ist, dort wird die Anzahl der Mikroben und deren Spezies nochmal stark reduziert. Es wird für mich schemenhaft erkennbar, daß eine Winterruhe in der Traube und anschließend der Reinigungsflug unwahrscheinlich wichtig für eine stabile Gesundheit sind! Jede Störung der Wintertraube (warmes Wetter, Winterbehandlung, etc.) oder des Reinigungsfluges (zu früh, zu spät, gar nicht, etc.) führt zu einer Schwächung des Gesamtvolkes. (Bien+Mikrobiom) Das würde so manches erklären, wie zum Beispiel die starken jährlichen Schwankungen bei Überlebenstests.

5) Bei der Überwinterung verhindern Mikroben im Darm der Honigbienen, daß sich toxische Stoffe im angesammelten Darminhalt bilden. Jede Beeinflussung, welche die Mikroben im Darm der Winterbienen stören, führt zu Darmvergiftungen im Winter. => Abfliegen der Völker?! Ich denke da z. B. an Säurebehandlungen, Fungizide aus der Landwirtschaft, etc. Ich werde mir in den nächsten Wochen die dazugehörigen Studien raussuchen, um zu sehen, welche Mikroben dort beteiligt sind. Je nachdem, um welche es sich handelt, können dann Störquellen gefunden werden.

Bernhard
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon KMP » Mi 27. Mär 2013, 12:37

zaunreiter hat geschrieben:Einige interessante neue Details, über die ich im Buch: Honey Bee Colony Health: Challenges and Sustainable Solutions (Contemporary Topics in Entomology (CRC)) (:wink::p) gestolpert bin:

1) Das Mikrobiom ändert sich mit den Temperaturen, da einige Mikroben nur in bestimmten Temperaturbereichen arbeiten. Besteht ein Zusammenhang mit den Tagesmaximumtemperaturen & Eilegerate? viewtopic.php?f=10&t=633


Die Frage, woran die Korrelation zwischen Tagestemperatur und Stiftungsrate liegt, finde ich auch interessant. Wenn ich in Seeley lese z.B. wie Wasser/Pollen/Nektar-Einnahme reguliert wird, neigt meine Vermutung zu einer Wechselwirkung die die Sammelbienen (die tatsächlich draußen sind) irgendwie involviert.

Ich sehe gerade, man kann das Buch für den Kindle mieten -- lohnt es sich? Der Titel klingt ziemlich trocken.

-K
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Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mi 27. Mär 2013, 13:46

Sagen wir mal so, der Preis ist sehr stolz für eine Zusammenfassung von Studien. :? Die Studien sind frei im Netz erhältlich und sagen das Gleiche.
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