Schaubeute

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zaunreiter
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Schaubeute

Beitragvon zaunreiter » Mi 26. Okt 2011, 14:01

Das ist doch mal ein Projekt für den langen und kalten anstehenden Winter: Der Bau einer Schaubeute. Hier ein Modell nach meinem Geschmack: http://www.honeyrunapiaries.com/observationhive.phtml

Eventuell als Stabilbau ausgeführt - eine lange von oben nach unten durchgehende Wabe. Mit Rollen an den Füßen zum Schieben nach draußen in den Garten, wenn die Beute geöffnet wird.

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

obi11
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Re: Schaubeute

Beitragvon obi11 » Do 27. Okt 2011, 11:02

Hallo Bernhard,
Du sollst mich nicht immer in Versuchung führen ;). Wenn auch nicht im Wohnzimmer so wäre das alternativ zu Deinen Dachbodenbienen in einem ungenutztem Raum unter meiner Dachterrasse denkbar :roll: .
Abhalten davon würden mich allerdings die häufige Abwesenheit und der nicht wirklich natürliche Werkstoff der "Beute". Ob die Einblicke die man erhält eine relativ unnartürliche Umgebung rechtfertigen würden?

LG
Andreas

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zaunreiter
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Re: Schaubeute

Beitragvon zaunreiter » Do 27. Okt 2011, 13:15

obi11 hat geschrieben:Ob die Einblicke die man erhält eine relativ unnartürliche Umgebung rechtfertigen würden?


Ohne Zweifel ist der Lerneffekt bei solchen Schaubeuten enorm hoch. (Ich wollte es als fensterloser Imker nicht glauben, aber seit ich die Warré mit Fensterglas einsetze, bin ich gegenteiliger Meinung. :D )

Wenn ich mir die Bilder von Völkern in Hauswänden, unter Dächern und sonstwo ansehe, sowie an das Volk im rußigen, schwarzen Kamin denke - so glaube ich, daß diese Beute so unnatürlich nicht ist.

Im Moment versuche ich mir die richtigen Maße zu ergründen. Wenn die Beute nur eine hohe und lange Wabe hat - wie sind die Maße der Beute? Zwei Warrézargen sind wohl Minimum für ein Volk. Das sind sechzehn Waben zu je zwei mal 20x30 Wabenfläche. Also insgesamt 19.200 Quadratzentimeter Wabenfläche, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Ich würde die Wabenbreite ungern zu breit machen, damit die Wabe stabil bleibt. Die Beute müßte bei einer Wabenbreite von 30 cm theoretisch 3,20 Meter hoch sein, um die gleiche Wabenfläche zu erhalten. Der Beute des Imkers aus dem Link hat etwa 14.000 Quadratzentimeter. Also etwas über 70 % der Wabenfläche einer Warrébeute.

Wenn ich die 14.000 cm² Wabenfläche als Grundlage nehme, komme ich auf eine Höhe von ~ 2,30 Meter. Das ist immer noch zu groß.

Wenn ich die Breite mit 34 cm (Fibonacci) wähle und die 14.000 cm² als Wabenfläche, so komme ich auf 2,05 Meter. Das ist zu machen. (14.000:34:2). Das sind etwa 28 Liter Volumen. Fast 80 % des Warré-Volumens. (Die Warré hat mit zwei Zargen 36 Liter Volumen.)

Das sind sehr breite Waben. Ich werde wohl mit Holzspießen/Schaschlikspießen die Seiten der Waben stabilisieren - so wie die Fischermühle es zum Teil mit ihren Rähmchen macht. Sie berichteten von guten Erfahrungen damit. (Dabei werden kleine Löcher in den Seitenteilen vorbereitet und während des Wabenbaues die Schaschlikspieße eingesetzt.)

Soweit so gut!

Gruß,
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Manfred

Re: Schaubeute

Beitragvon Manfred » Do 27. Okt 2011, 15:25

Grüß Euch,

Des ist von Haus aus ein Kas und ein Riesen Schas.
Bienen hausen von Natur aus in Wabengassen,
Tatsache ist auch, daß Sie sich in allerlei Arten
von Ungemach zwängen lassen.

Mein Plan für den nächsten Schaustock, schaut so aus, daß ich die Bienen in einen Acrylzylinder bauen lasse und wenn ich lustig bin, rundum 4 Türen mache, und wenn ich bequem bin, denselben einfach in vorhandene Zargen stelle.

Herzliche Grüße Manfred

Friedrich

Re: Schaubeute

Beitragvon Friedrich » Fr 28. Okt 2011, 11:48

Hallo Freunde,
Schaubeuten haben sicher ihre Berechtigung, um Menschen mit dem Wunderwerk eines Insektenstaatsgebildes vertraut zu machen.
Aber sie erinnern mich auch sehr an all die Probleme, die wir Menschen mit der Einrichtung von zoologischen Gärten angerichtet haben.
Wenn wir Bienenvölker ( gilt uneingeschränkt für alle Lebewesen) für uns nutzbar werden lassen wollen, sollten wir ihnen möglichst naturnahe, ich meine artnahe, artgerechte Lebensweisen ermöglichen. Eine Schaubeute ist da für unsere Neugier sicher schön, für ein Bienenvolk ein schlechter Kompromiß. Ich denke da nur an die termischen Bedingungen bei der Überwinterung.
Der alte Warré hatte einen ganz anderen Denkansatz, er wollte für seine Bienen optimale artgerechte Lebensbedingungen mit möglichst ökonomisch vertretbarem technischen Aufwand erreichen. Und ich denke, er hat da viel erreicht, wenn man an seine heutigen Erfolge denkt. Ob dies auch schon ein Optimum in seinem Sinne darstellt, weiß ich auch nicht zu sagen, denn Erkenntnis und Entwicklung sind unbegrenzt.
Ein Wettbewerb um die interessantesten Schaubeuten lässt mich lächeln.
Mit besten Grüßen
Friedrich

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Re: Schaubeute

Beitragvon obi11 » Sa 29. Okt 2011, 12:35

Ich präzisiere mal meinen Einwand bezüglich des aus meiner Sicht nicht optimalen Umfeldes der gezeigten Schaubeute.
Sicher die menschliche Sichtweise, aber in einigen Punkten trifft es wohl auch auf den Bien zu…
Holz ist natürlich, Holz lebt, es spricht alle Sinne an. Es riecht gut, es fühlt sich warm an, man kann hören wenn es sich bewegt, es ist hygienisch, elastisch, antistatisch, schadstoffabsorbierend, robust und sorgt für eine gute Raumakustik.

Der Mensch empfindet in Gebäuden aus Holz die gleiche Raumlufttemperatur als um bis zu zwei Grad Celsius höher als in Gebäuden aus anderen Baustoffen, wodurch Heizkosten gespart werden. In wie weit das auf den Bien übertragbar wäre kann ich nicht sagen, wäre aber einen Gedanken wert. Außerdem reguliert Holz die Luftfeuchtigkeit und sorgt für ein angenehmes, gleichmäßiges Raumklima.

Sicher weiß ich das Bienen auch in anderen Materialien ihren Staat bilden, wobei sich mir allerdings die Frage aufdrängt ob sie da nicht mehr aus der Not anderer Möglichkeiten heraus handeln.

LG
Andreas

Friedrich

Re: Schaubeute

Beitragvon Friedrich » Sa 29. Okt 2011, 13:37

Hallo Andreas,
ich stehe immer wieder staunend vor all den extremen Möglichkeiten, unter denen es einem so kompliziert organisiertem lebendigen Staatenwesen, wie dem Bien, gelingt, sich anzupassen und erfolgreich und oft auch nachhaltig zu existieren.
Beste Grüße
Friedrich

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Re: Schaubeute

Beitragvon obi11 » Sa 29. Okt 2011, 14:14

Friedrich hat geschrieben:Hallo Andreas,
ich stehe immer wieder staunend vor all den extremen Möglichkeiten, unter denen es einem so kompliziert organisiertem lebendigen Staatenwesen, wie dem Bien, gelingt, sich anzupassen und erfolgreich und oft auch nachhaltig zu existieren.
Beste Grüße
Friedrich

Hallo Friedrich,
zweifellos ist der Organismus Bien sehr anpassungs und leidensfähig. Die Frage ist ob man ihm Unnötiges zumuten muss?

Liebe Grüße
Andreas

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Re: Schaubeute

Beitragvon zaunreiter » Sa 29. Okt 2011, 14:21

obi11 hat geschrieben:...Holz...


Die Wände eines Bienenstockes sind aber aus PROPOLIS. Und Propolis hat ganz (!) andere Eigenschaften als Holz.

Hier ein Buch auf Englisch dazu - sehr interessant, insbesondere was der Autor zum Thema Wasser in der Beute sagt.

Siehe: http://www.archive.org/download/cu31924 ... 100306.pdf

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Manfred

Re: Schaubeute

Beitragvon Manfred » Mo 19. Dez 2011, 15:11

Grüß Euch,

Das ist ein sehr erfreulicher Kontrast zu Husch-Pfusch und fern aller Schönheit-Projekten, die wir hier auch schon zur Genüge erlebten.

Herzliche Grüße Manfred


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