Mikroben im Bienenstock

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4847
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mo 20. Jul 2020, 22:59

Einfluss von Ernährungsstress auf die Honigbienendarm-Mikrobiota, Immunität und die Infektion mit Nosema ceranae

Abstrakt

Honigbienen sind wichtige Bestäuber, die eine wesentliche Rolle in der Ökologie natürlicher und landwirtschaftlicher Umgebungen spielen. Weltweit gemeldete Episoden von Honigbienenkolonieverlusten, die mit verschiedenen Schädlingen und Krankheitserregern, Pestizidexposition und Ernährungsstress in Verbindung gebracht wurden. Dieser Ernährungsstress hängt mit der Zunahme der Monokulturflächen zusammen, was zu einer Verringerung der Pollenverfügbarkeit und -vielfalt führt. In dieser Studie haben wir unter Laborbedingungen untersucht, ob Ernährungsstress die Darmmikrobiota von Honigbienen, die Bienenimmunität und die Infektion mit Nosema ceranae beeinflusst. Der Verzehr von Eukalyptus grandis-Pollen wurde als ernährungsphysiologisch minderwertige Diät zur Untersuchung von Ernährungsstress verwendet, im Gegensatz zum Verzehr von polyfloralem Pollen. Mit Eucalyptus grandis-Pollen gefütterte Honigbienen zeigten eine geringere Häufigkeit von Lactobacillus mellifer und Lactobacillus apis (Firm-4 bzw. Firm-5) und Bifidobacterium spp. und eine höhere Häufigkeit von Bartonella apis als Honigbienen, die mit polyfloralem Pollen gefüttert werden. Neben dem Einfluss von Ernährungsstress auf die Mikrobiota von Honigbienen verringerte es auch die Expressionsniveaus von Vitellogenin und den mit der Immunität verbundenen Genen (Glucoseoxidase, Hymenoptaecin und Lysozym). Schließlich begünstigte Eucalyptus grandis Pollen die Vermehrung von Nosema ceranae. Diese Ergebnisse zeigen, dass Ernährungsstress die Darmmikrobiota der Honigbiene beeinflusst und Auswirkungen auf die Immunität der Honigbienen und die Entwicklung von Krankheitserregern hat. Diese Ergebnisse können nützlich sein, um den Einfluss der modernen Landwirtschaft auf die Gesundheit von Honigbienen zu verstehen.

Castelli, L., Branchiccela, B., Garrido, M. et al. Impact of Nutritional Stress on Honeybee Gut Microbiota, Immunity, and Nosema ceranae Infection. Microb Ecol (2020). https://doi.org/10.1007/s00248-020-01538-1

https://link.springer.com/article/10.10 ... 20-01538-1
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4847
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Mo 20. Jul 2020, 23:12

Fehlende Mikroben bei Bienen: Wie die systematische Erschöpfung wichtiger Symbionten die Immunität beeinträchtigt

Highlights
Honigbienen besitzen eine ausgeprägte Kernmikrobiota, die in hohem Maße zur Stresstoleranz und Krankheitsresistenz des Wirts beiträgt.

Zunehmende Hinweise deuten darauf hin, dass der Verlust oder die Erschöpfung wichtiger Symbionten die Immunität schwächen, die Pestizidtoxizität verschlimmern und den Ernährungsstatus des Wirts verringern kann.

Agrochemikalien, von denen viele verborgene antimikrobielle Eigenschaften aufweisen, stellen eine große Bedrohung dar und können die Mikrobiota der Honigbienen irreversibel schädigen.

Gentechnisch veränderte Symbionten sowie natürlich immunstimulierende Lactobacillus-Stämme versprechen, dysbiotische Mikrobiota-Phänotypen durch Modulation der Wirtsabwehrsysteme zurücksetzen zu können.

Die Berücksichtigung der Mikrobiota von Insekten sollte bei der Bewertung des agrochemischen Risikos zur Standardpraxis werden.


Pestizidexposition, Infektionskrankheiten und Ernährungsstress tragen zur Sterblichkeit von Honigbienen und zu einer hohen Rate an Kolonieverlusten bei. Diese Erkenntnis hat eine jahrzehntelange Untersuchung der einzelnen und kombinierten Wirkungen jedes Stressors und ihrer Gesamtwirkung auf die Insektenphysiologie ausgelöst. Ein Element, das bei diesen Forschungsanstrengungen weitgehend fehlt, war jedoch die Bewertung der zugrunde liegenden mikrobiellen Gemeinschaften im Hinblick auf den Widerstand gegen Umweltstressoren und deren Einfluss auf die Immunität des Wirts und die Krankheitstoleranz. Beim Menschen ist der Beschuss von Antibiotika mit mehreren Generationen mit vielen aktuellen Krankheiten verbunden. Hier ziehen wir eine parallele Schlussfolgerung für den Fall von Honigbienen und schlagen vor, dass eine chronische Exposition gegenüber antimikrobiellen Xenobiotika die Honigbienen systematisch von ihren Mikroben befreien und die generationenübergreifende Erhaltung von an den Wirt angepassten Symbionten behindern kann, die für die Gesundheit von entscheidender Bedeutung sind.

Brendan A. Daisley, John A.Chmiel, Andrew P.Pitek, Graham J.Thompson, Gregor Reid; Missing Microbes in Bees: How Systematic Depletion of Key Symbionts Erodes Immunity; Trends in Microbiology, Available online 14 July 2020, https://doi.org/10.1016/j.tim.2020.06.006

https://www.sciencedirect.com/science/a ... 2X20301852
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4847
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Mikroben im Bienenstock

Beitragvon zaunreiter » Do 30. Jul 2020, 18:52

Antimikrobielle Aktivität gegen Paenibacillus-Larven und funktionelle Eigenschaften von Lactiplantibacillus plantarum-Stämmen: Potenzielle Vorteile für die Gesundheit von Honigbienen

Zusammenfassung: Paenibacillus-Larven sind der Erreger der American Foulbrood (AFB), einer schweren bakteriellen Erkrankung, die Larven von Honigbienen befällt. In der vorliegenden Studie wurde in vitro die antimikrobielle Aktivität von einundsechzig Lactiplantibacillus plantarum-Stämmen gegen P. larvae ATCC 9545 bewertet. Fünf Stämme (P8, P25, P86, P95 und P100) zeigten den größten Antagonismus gegen P. larvae ATCC 9545 ausgewählt für weitere physiologische und biochemische Charakterisierungen. Insbesondere wurden die Hydrophobizität, Autoaggregation, Exopolysaccharidproduktion, osmotische Toleranz, enzymatische Aktivität und Kohlenhydratassimilationsmuster bewertet. Die fünf von L. plantarum ausgewählten Stämme zeigten geeignete physikalische und biochemische Eigenschaften für ihre Verwendung als Probiotika in der Honigbienendiät. Die Auswahl und Verfügbarkeit neuer ausgewählter Bakterien mit guten funktionellen Eigenschaften und antagonistischer Aktivität gegen P. larvae eröffnet interessante Perspektiven für neue Biokontrollstrategien von Krankheiten wie AFB.

5. Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse unserer Forschung haben gezeigt, dass die Stämme P8, P25, P86, P95 und P100 L. plantarum P. larvae ATCC 9545 hemmen können und einige physiologische und funktionelle Eigenschaften besitzen, die diese Stämme als Probiotikum für die Honigbiene in Frage stellen. Wir können jedoch die vorläufigen und vorbereitenden Ergebnisse für zukünftige Studien berücksichtigen, die das erworbene Wissen festigen und die Vorteile bewerten können, die diese Bakterien für die Gesundheit von Honigbienen im Bienenstock haben können. Darüber hinaus ist es wichtig, die Faktoren zu untersuchen, die die antimikrobielle Wirkung bestimmen, und die Antagonistenaktivität von L. plantarum-Stämmen in vivo / in situ zu bewerten.

Massimo Iorizzo, Bruno Testa et al., Antimicrobial Activity against Paenibacillus larvae and Functional Properties of Lactiplantibacillus plantarum Strains: Potential Benefits for Honeybee Health, Antibiotics 2020, 9, 442; doi:10.3390/antibiotics9080442
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.


Zurück zu „Sonstiges“