Räuberei - bitte um Einschätzung

bvneck
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Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon bvneck » Mo 22. Jul 2019, 07:56

Hallo zusammen,
Seit vorgestern früh ist ein kleines Volk von uns (1,2 kg Schwarm vom 2.6., dem auch noch die Königin abhanden gekommen war, wir hatten dann eine Weiselzelle dazugehängt) Opfer von Räubereiattacken eines benachbarten starken Volkes in einer Bienenkiste.
Wir beobachten Gedrängel vor dem Flugloch, Kämpfe in der Beute, Aufregung, Brausen, tote Bienen auf dem Bodengitter.
Haben das Flugloch auf 1 Bienenbreite verengt, dazu gerade eben noch Glasscheibe schräg davor gestellt und mit Brennesselzweigen den Zugang erschwert.
Die Sache ist die: gestern abend war noch viel Honig in der Beute vorhanden, d.h. seit 36 Std. setzen die sich anscheinend doch so gut zur Wehr, dass sie bislang zumindest nicht komplett ausgeraubt wurden. Wie lange wird die Räubereiattacke denn nun wohl noch fortgesetzt? Hören die irgendwann auf? Wie lange kann ich diese starke Fluglochverengung noch fortsetzen, ohne das attackierte Volk zu sehr zu schwächen? Sollte ich die Beute nachts komplett verschließen oder gar wegstellen?
Kann mir jemand mit Erfahrung Tipps zur Einschätzung der Situation geben?

Danke und LG

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zaunreiter
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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon zaunreiter » Mo 22. Jul 2019, 08:08

Die werden bis Weihnachten räubern oder es zumindest versuchen. Sobald die das einmal raus haben, hören die nicht wieder auf.

Das Verengen des Fluglochs auf eine Bienenbreite schadet dem Volk überhaupt nicht.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon Christine » Mo 22. Jul 2019, 08:55

Ich habe gelernt, dass man bei Räuberei sofort das Volk woanders hinstellen (und an seine Stelle eine leere Beute stellen) muss, damit sich die aktuelle Räuberei totläuft. Die räubernden Bienen sind jetzt aber auf den Geschmack gekommen und werden weiterhin versuchen, Honig zu räubern statt sich mit mageren Nektartröpfchen von einer Biene zu begnügen.

Ableger/Schwärme haben bei uns ab Tag 1 ein eingeengtes Flugloch.

bvneck
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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon bvneck » Mo 22. Jul 2019, 10:12

Danke für eure Tipps.
Im Moment ist die Situation an und in der Beute im Vergleich zu gestern recht ruhig. Die panische Stimmung in der Beute und auch das starke Brausen von gestern haben aufgehört. Gestern dachten wir schon, die Königin wäre umgekommen, so haben die geheult.

Wir haben aufgrund von euren Tipps jetzt folgenden Plan gefasst: heute nacht stellen wir die "Opfer"-Beute um (außerhalb des Flugradius geht aber leider nicht, wir stellen sie nur so 8 m weiter). An die Stelle kommt ein Pappkarton (leere Beute haben wir nicht) mit einem winzigen Klecks Honig drin und einem einzigen kleinen Flugloch, passierbar von einer Biene. Wenn der Honig weg ist, hoffen wir, dass sich die Räuberstimmung damit erledigen wird. Am Standort steht noch ein stärkeres Volk in einer Warré, da habe ich das Flugloch jetzt auch maximal verengt in der Hoffnung, dass die Räuberbienen nicht dahin ausweichen...

Ich berichte hier später, wie es gelaufen ist. LG Bettina

Christine
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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon Christine » Mo 22. Jul 2019, 19:11

Christine hat geschrieben:statt sich mit mageren Nektartröpfchen von einer Biene zu begnügen.


Wah, das soll natürlich "von einer Blüte" heißen ...

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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon Rolf_L » Mo 22. Jul 2019, 22:59

ob das mit dem wegstellen so eine gute Idee ist??
Dann verlieren die noch ihre Flugbienen und werden noch schwächer.

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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon bvneck » Di 23. Jul 2019, 08:03

Die Gefahr besteht prinzipiell. Ich habe mal ein Anleitung zum Umstellen der Beute im Nahbereich gelesen, nach der bin ich vorgegangen. Man soll die Beute beim Umstellen stark rumpeln und erschüttern, außerdem hinterher Zweige vor das Flugloch legen und die Ausflugrichtung durch Pappe oder so neu gestalten - insgesamt das Szenario "umgekippter Baum". Dann würden sich die Bienen neu einfliegen. Das habe ich jetzt so gemacht, habe auch schon eben ein paar pollenbeladene Bienen einfliegen sehen. Die Frage ist, was auf Dauer schlimmer ist, die fortgesetzte Räuberei oder das Umstellen... Pest oder Cholera.

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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon obi11 » Di 23. Jul 2019, 11:49

zaunreiter hat geschrieben:Die werden bis Weihnachten räubern oder es zumindest versuchen. Sobald die das einmal raus haben, hören die nicht wieder auf.

Das Verengen des Fluglochs auf eine Bienenbreite schadet dem Volk überhaupt nicht.

Hallo Bernhard,
nun widersprichst Du aber meinem „erfahrenen“ Imkernachbarn.
Der hatte vor Wochen massive Räuberei und das nicht nur an einem Volk sondern am gesamten Stand. Der einzige Ratschlag dem ich ihm an der Stelle noch geben konnte war die Scheunentore zu schließen und wenigstens das Flugloch auf Bienenbreite einzuengen. Unter uns, das Drama hatte sich bereits Tage vorher angekündigt durch Raufereien am Flugloch bei meinen Völkern.
Für die Ausbreitung auf den gesamten Stand hat er meines Erachtens selbst gesorgt indem er das Ursprungsvolk auf kurze Distanz verstellt hat und das Flugloch temporär ganz verschlossen hat. Von dem Verstellen auf kurze Distanz halte ich nix, denn die Räuber sind drin und merken sich ihren Abflugsort.

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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon Christine » Di 23. Jul 2019, 17:27

obi11 hat geschrieben:Der hatte vor Wochen massive Räuberei und das nicht nur an einem Volk sondern am gesamten Stand.


Sobald die Haupttracht vorbei ist, verkleinert man das Flugloch (bei schwachen Völkern auch schon früher). Honigernte muss man zügig und ohne Kleckerei durchführen. Sobald gefüttert wird, Flugloch ganz eng machen (für Ableger und Kunstschwärme ab dem 1. Tag).

Wenn er massive Räuberei hatte, hat er sich daran nicht gehalten, vermute ich.

obi11 hat geschrieben:Für die Ausbreitung auf den gesamten Stand hat er meines Erachtens selbst gesorgt indem er das Ursprungsvolk auf kurze Distanz verstellt hat und das Flugloch temporär ganz verschlossen hat. Von dem Verstellen auf kurze Distanz halte ich nix, denn die Räuber sind drin und merken sich ihren Abflugsort.


Nee, so ein "Wegbringen" ist natürlich sinnlos, zumal wenn die Räuberei am gesamten Stand im Gange ist.

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Re: Räuberei - bitte um Einschätzung

Beitragvon bvneck » Di 23. Jul 2019, 17:35

Kleiner Zwischenbericht.
Das Umstellen hat hervorragend geklappt - sofort konnte man Bienen beim Sich-Einfliegen und auch beim Polleneintrag beobachten. Am Ursprungsstandort war dagegen nichts los, was ja auch dafür spricht, dass die das alle schön verstanden haben, dass sie jetzt woanders zuhause sind. Wir hatten schon mal eine Beute im Nahbereich umgestellt und damals mit einer Reizfütterung gearbeitet. Damals kreisten die Bienen noch stundenlang am alten Standort -haben es aber dann auch alle "kapiert". Die "umgefallener Baum"-Simulation war aus meiner Sicht effektiver. Falls ihr mal das gleiche Problem habt.

Ich habe keinen Räuberei-Eindruck an der neuen Beute - aber leider sieht man den Bienen ja nicht an, woher sie kommen. Wir haben die Beute ja nachts umgestellt, da müssten die Räuberbienen doch auch eigentlich in ihrer eigenen Beute sitzen und nichts davon mitbekommen?

Hektischer geht es dagegen an der 3. Beute zu, in der aber ein recht starkes Warrevolk sitzt, das sich hoffentlich erwehren kann. Leider ist die "Beutenattrappe" am alten Standort des "Opfervolks" mit dem Klecks Honig drin erst ab ca. 13 Uhr angenommen worden - evtl. sind einige Räuberbienen auf dieses 3 . Volk ausgewichen, das ziemlich nah dran steht?

Womit ich schon am Wochenende sehr gute Erfahrungen gemacht habe und was ich jedem empfehlen kann, der eine beginnende Räuberei bei sich beobachtet: eine Glasscheibe schräg vor das Flugloch stellen, dahinter am Flugloch noch Blätter einlegen (ursprünglich hatte ich von Brennesselblättern gelesen, es scheint aber eigentlich egal zu sein, habe auch Zitronenmelisse und Rosmarin genommen). Das nimmt denn Angriffsdruck stark raus und "vereinzelt" die Bienen vor der Beute, unterstützt damit die Verengung des Fluglochs.


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