Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Stephan
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Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon Stephan » Di 5. Dez 2017, 11:23

Hallo,
ich bin auf diesen Artikel von einem Styroporbeutenhersteller gestoßen und frage mich nun nach der Plausibilität.

In wie fern würdet Ihr zustimmen oder das ganze als Werbung abtun?

https://www.bienenpro.at/projekt-bienen-im-winter/


Grüße
Stephan

biene1.0
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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon biene1.0 » So 10. Dez 2017, 21:38

Hallo Stephan,
sicher gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen den Materialien.
Als Warre-Beutenbenutzer und -bauer bin ich mit Herzen beim Holz. Wandstärke 36 und 50mm! Massiv und in 3 Schichten (2x 18mm Leimholz, dazwischen eingestampfte Sägespäne). Das Aufnehmen von Feuchtigkeitsüberschuss und die Abgabe bei klimatischer Notwendigkeit ist doch das Wertvolle. Sicher ist es bei Styro-Beuten wie in dem Beitrag beschrieben. Doch was wird mit der Feuchtigkeit. Sie entsteht immer dort wo gelebt wird!!! Mal mehr, mal weniger. Sicher wird sie im Winter nicht in ausreichendem Maße von der Wintertraube abtransportiert.
Ich habe schon daran gedacht, als innere Schicht Weichfaserplatten einzusetzen. Gibt es da schon Erfahrungen beim Zargenbau?
Gruß
Harald
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Stephan
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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon Stephan » Do 14. Dez 2017, 23:52

Klar Holz als Beustoff ist natürlich super! Und hat etliche Vorteile....
Aber ich glaube dass für Imker wie mich die nicht wandern (ja wandern = besseres Nahrungsangebot = besser für die Bienen) nicht das Optimum darstellt. Momentan würde ich gerne eine Beute aus Hanffasern und Lehmputz bauen um möglichst viel Feuchtigkeit aus der Beute zu bekommen.

Hast du mal deine Temperatur an der Beuteninnenwand gemessen, im Winter? Ich glaube solch eine Doppelwand aus 2 x Holz und Sägespäne hat einen zu hohen Wiederstand für die Luftfeuchte und dämmt immernoch zu wenig... Auch Hölzer mit einem hohen Harzgehalt, die ja sehr Witterungsbeständig sind, sollten für einen Schichtaufbau ehr nicht genommen werden, wenn man die Feuchtigkeit ableiten will... und dann noch ein Öl zum versiegeln der Aussenflächen? Wenn man die Feuchtigkeit nicht in der Isolierung haben will. nun ja dann ist man bei Hartschaum. Oder nicht?

https://chelifer.de/wasserdampfdiffusion/

Grüße
Stephan

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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon biene1.0 » So 17. Dez 2017, 01:09

Hallo Stephan,
solche Messungen mache ich nicht, kann ich sicher auch nicht so einfach.
Mit Feuchtigkeit hatte ich in 3 Jahren / zwei Wintern auch nicht.Ich halte meine Bienen in modifizierten Warre-Beuten. Ich gehe davon aus, dass die Beute nach oben nicht so dicht ist wie eine mit Folie abgedeckte. Wir haben oben ein sg. Kissen. Bei mir ist es 150mm dick, 1/2 mit Faulholz und 1/2 mit ausgesiebter Sägespäne gefüllt. Zwischen Bienen und Füllung des Kissens ist nur ein Tuch. Das Kissen wird durch ein gut belüftetes Pultdach vor Regen geschützt. Seit zwei jahren habe ich unterhalb des Flugloches einen 100mm hohen Kasten, der ebenfalls mit faulholz gefüllt ist. Dort verliert die einströmende Frischluft einen Teil ihrer Feuchtigkeit.
Feuchtigkeit und sogar Schimmel in den Beuten / auf den Waben kenne ich nicht. Auch nach dem Winter sind die Kissenfüllungen völlig trocken.
Sie haben z. T. seit 3 Jahren die gleiche Füllung.
Warum nach Problemen suchen wo es keine gibt?
Gruß
Harald
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Stephan
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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon Stephan » Do 21. Dez 2017, 00:16

Interessant, hast du dein Boden nach unten noch offen? Also z.B. ein Varroagitter?
Nimmst du spezielles Holz in den Böden? Du schützt dann die Fauna im Boden durch ein Brett bei der Ox Behandlung? Bausperre? Kitten die Bienen den Böden zu?

Grüße

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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon biene1.0 » Do 21. Dez 2017, 21:44

Hallo Stefanzo,
in den Beuten habe ich keinen "offenen Boden". Alle Böden sind zu. Als Holz verwende ich Fichte, auch schon mal Kiefer. Nur die Standleisten sind Eiche o.ä.
Gitter und Windel werden über dem ÖKO-Boden eingeschoben. Eine Leiste rechts und links, diese hat eine Nut. Oberhalb der Leiste wird das Gitter eingeschoben, in die Nut die Windel. Das geschieht über eine Inspektionsklappe hinten.
Bei Behandlungen ist die Windel drin. Sie schließt relativ dicht und ich denke, dass es ausreichend schützt. 2016 bei AS60 habe ich die Völker auf normale Warre-Böden gesetzt. In diesem Jahr nicht.
Bausperre habe ich nicht. In einem Falle musste ich vor dem Untersetzen die in den Bodn hineeingebauten Wabenspitzen abschneiden. War aber mein Versäumnis, zu spät nachgesehen.
Was sollen sie beim Boden zukitten? Der Boden geht relativ leicht von der Zarge ab. Klebt nur durch Kittharz an der Unterseite der Zarge vom Vorjahr.
Gruß
Harald
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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon Stephan » Do 21. Dez 2017, 22:10

Mich würde interessieren wie stark die Bienen das Streugut zukitten.
Hast du ein Foto?

Grüße

biene1.0
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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon biene1.0 » Do 21. Dez 2017, 23:59

Hallo Stefan,
sie verkitten das Streumaterial nicht. Sicher räumen sie kleine Krümel aus und nagen auch an größeren Stücken. Sie sehen nach einiger Zeit recht sauber aus. das tuen sie sicher nicht ohne Grund. Ich kenne ihn nicht.
Das Kitten konzentriert sich auf das Abdecktuch unter dem Kissen. das Tuch ist richtig dick und ganzflächig propolisiert.da das Tuch aus grobem Sackgewebe ist wird es nicht zernagt und wird deshalb nicht ausgetauscht. Es gehört den Bienen und es dient ihnen zur Klimatisierung der Beute.
Wovon ich wahrscheinlich nicht abrücke sind geschlossener Boden und Kissen ohne Abdeckung im Winter.
Natürlich lasse ich meine WIR-Beute weiterhin in Betrieb Warre Innen Rund. Sie steht auch auf einem Original-Warre-Boden. Somit ist die Varroakontrolle / -bekämpfung immer ein Blindflug. Und die Waben hängen auch nahezu vollständig an ihren Platz. Nur die mittleren 4 Waben könnte ich umhängen (was ich aber kaum mache).Aus dieser Beute, die auch mal 4 oder 5 Zarken hoch ist, ist noch kein Schwarm abgegangen. In diesem Jahr waren 2 HR drauf und es wurden zwei Zargen untergesetzt. In der 2 Aprilhälfte und so Mitte Mai habe ich aus je einer oberen Zarge (unterhalb den HR) zwei "Ableger" gemacht.
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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon Claudia.1977 » Fr 22. Dez 2017, 20:47

Ich verweise mal wieder auf das Buch von Torben Schiffer (http://beenature-project.com/epages/6aa ... Kategorie1)
Warum liest das Buch keiner?
Es ist klar von T.S. beschrieben, dass die Styroporbeute großer Müll ist, es gibt nur noch eine schlechtere und das ist die Bienenkiste!
KAUFEN & LESEN!
liebe Grüße Claudia
[Warré seit 2014 (Oekobeute, Andreas Meisel)/ TBH seit 2015 (Oekobeute, Andreas Meisel) / Bienenkugel seit 2016 (Andreas Heidinger)/ Klotzbeute, trocknet seit 2016, Inbetriebnahme in 2018 (Selbstbau im Zeidler Kurs, Schloss Hamborn)]

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Re: Vergleich Holzbeute/Styropor im Winter

Beitragvon stefanzo » Fr 22. Dez 2017, 23:51

Liebe Claudia!
Das kann ich so nicht bestättigen. Ich selber imkere zwar nur mit Holzbeuten, aber einige Imkerkollegen haben Styroporbeuten im Einsatz und sind mit diesen sehr zufrieden. Im Frühjahr haben die Völker in den Styroporbeuten sogar meist einen Entwicklungsvorsprung gegenüber den Völkern in Holzbeuten. Die Bienenkiste ist ein eigenes Thema. Die Bienen kommen auch mit diesem Hohlraum zurecht, aber für den Imker sehe ich fast nur Nachteile. Bei guten Ernten muß er sehr schwer heben, und sollte das Volk einmal grantig sein, so ist man beim Öffnen mit allen Bienen konfrontiert. Den Vorteil von Styropor sehe ich in der besseren Wärmeisolierung, den Vorteil von Holz sehe ich in der unbedenklicheren Behausung.
mfg stefanzo


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