Füttern

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Sid
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Füttern

Beitragvon Sid » Sa 16. Mär 2019, 17:10

Hallo, kann man eigentlich im späten Frühjahr eine volle Zarge mit Honigwaben beiseite stellen und diese dann im Herbst als Winterfutter aufsetzen? Einige Schleudern den Honig und füttern den dann. Verstehe denn Sinn dahinter nicht. Es ist mein erstes Bienenjahr und ich lese noch sehr viel aber über das richtige füttern und das warum so und nicht anders konnte ich noch nicht viel finden. Auf Zuckerwasser möchte ich nach Möglichkeit verzichten. Oder erntet ihr alle erst im Herbst und lasst dann drin was drin bleiben soll? Meine beuten stehen Nähe am Wald und letztes Jahr waren einige der Honigwaben definitiv waldlastig .... soll ja zum Überwintern nuchtvso dolle sein, daher die Frage nach der Zarge vom Frühjahr ...Danke für eine Antwort

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Caro
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Re: Füttern

Beitragvon Caro » So 17. Mär 2019, 20:50

Hallo Sid,

es gibt eine ganze Menge an Problemen mit dem Aufbewahren von Honigwaben:
- Honig zieht Feuchtigkeit aus der Luft, auch wenn in verdeckelten Honigwaben aufbewahrt wird. Steigt der Wassergehalt, kann der Honig in Gährung übergehen und/oder schimmeln. Ausgeschleudert und aufbewahrt in weitgehend dichten Honigeimern, am besten noch abgedeckt durch Lebensmittelfolie ist der Prozess deutlich verlangsamt.
- Honig kristallisiert auf Dauer, je nach Zuckerzusammensetzung unterschiedlich schnell. Wenn die Bienen im nächsten Winter kristallisierten Honig unter den Honigdeckeln vorfinden, verhungern sie bei vollen Vorräten. Weisst Du, wie der Honig unter den Deckeln aussieht, wenn Du ihn im Herbst zurückgibst?
- Honigwaben müssen sicher vor Ameisen untergebracht werden, sonst gibt es eine richtige Sauerei.
- Ist in den Honigwaben Pollen vorhanden, sind sie Ziel von Wachsmotten. (Wir haben selbst schon bei der Honigernte Waben gefunden, bei denen die Bienen Pollen eingetraten und darüber Honig verdeckelt haben. Das war ohne Entdecklung gar nicht zu sehen gewesen.)
Die Bienen bewachen ihre Vorräte und sorgen im Stock für trockene Luft, zumindest wenn Volksgröße und Raumgröße zueinander passen. Daher kann man einem Bienenvolk auch nicht einfach einen Stapel Honigzargen zur Aufbewahrung aufbürden.

Überwintern auf Waldhonig:
Honigtauhonige sind relativ mineralreich, was im Winter die Kotblase der Bienen belastet; daher versucht man, Bienen nicht auf solchen Honigen überwintern zu lassen. Wir versuchen, im Juli den dunklen Honigtauhonig bei unseren Bienen herauszunehmen und eine Zarge hellen Blütenhonig drin zu lassen. Bei uns herrscht aber im Spätsommer eher Nektarmangel, und dann füttern wir zu. Das verdünnt dann auch eventuellen weiteren Honigtauhonig.

Zur Ernte im Herbst:
Im Sommer steht normalerweise immer mindestens eine Varroa-Behandlung an, bei uns meist zwei; einmal Totale Brutentnahme mit Oxalsäurebesprühung und einmal Ameisensäurebehandlung. Nach einer chemischen Behandlung (Ameisensäure, Oxalsäure, Milchsäure, Thymol) sollte man im selben Jahr keinen Honig mehr als Lebensmittel ernten. Nur wenn Du auf rein biotechnische Methoden (mehrfache totale Brutentnahme) setzt, könntest Du auch im Herbst noch Honig ernten.

Wir nutzen unsere Honigwaben nach der Schleuderung im Sommer auch für Bauerneuerung/Austausch von Altwaben. Das funktioniert im Sommer gut, wird im Herbst bei schrumpfenden Völkern aber problematisch, weil die Bienen ihren Wintersitz einrichten müssen.

Viele Grüße,
Andreas

Deichkind
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Re: Füttern

Beitragvon Deichkind » So 17. Mär 2019, 22:13

Darf ich gleich eine Anschlussfrage stellen? Wie macht ihr die totale Brutentnahme genau?

Sid
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Re: Füttern

Beitragvon Sid » Mo 18. Mär 2019, 09:43

Danke für die ausführliche Antwort. Dann verstehe ich zumindest warum es nicht so einfach ist wie ich dachte .... bedeutet dann für mich, ich Ernte im April/Mai nach der Frühjahrstracht, schleudere, bewahre auf, kontrolliere dann, bei mir nach der Brombeere den Ist Zustand und füttere bei Bedarf zurück! Aktuell arbeite ich noch mit meinem Imkerpaten in Herold beuten, sprich mit Rahmen, ich schneide Drohnen aus und behandle dann nur einmal im September und ggf. um Weihnachten rum. Dieses Jahr wird die erste warre besiedelt und ich bin gespannt wie es läuft.

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Caro
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Re: Füttern

Beitragvon Caro » Mo 18. Mär 2019, 16:30

Hallo Deichkind,
wir haben hauptsächlich Herold-Beuten, d.h. DNM mit 12 Waben im Warmbau oder Zander mit 10 Waben im Kaltbau. (Eine Herold entspricht fast genau 2 Warré bzgl. Volumen und Wabenfläche.) Nach der Linde im Juli (unsere letzte große Tracht in Berlin) nehmen wir nur soviel Honig heraus, dass die Völker auf 3 Zargen stehen, wobei wir normalerweise 2 Brutraumzargen haben, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr voll bebrütet werden. Dann nehmen wir alle verdeckelte Brut heraus, teils mit ansitzenden Ammenbienen, aber die Königin bleibt auf jeden Fall zurück im Stock. Mit ein paar Vorrats- oder Altwaben kommt eine Zarge pro Volk zusammen. (Dann haben die Altvölker ihre Zielgröße von 2 Zargen für die Überwinterung erreicht, wobei die obere Zarge ein Honigraum als Winterfutter ist.) Meist bilden wir aus drei solchen entnommenen Brutzargen einen Sammelbrutableger, also einen Ableger mit drei Zargen aus drei Völkern, wobei wir darauf achten, dass die Völker verwand sind, damit sich die Bienen leichter vertragen.
Die so geschröpften Altvölker besprühen wir am nächsten Tag oder übernächsten Tag mit Oxalsäure. (Früher Milchsäure, aber Milchsäure ist - zumindest bei uns - nicht so effektiv gegen die Milben.) Die Ableger bleiben bei uns auf dem selben Stand, da wir nur ein Grundstück und keinen Ablegerstand haben; die Flugbienen fliegen zurück, und daher werden die Altvölker nicht sofort behandelt.
Die großen Sammelbrutableger ziehen sich i.d.R. eine Königin nach; die späte Begattung hat bei uns bisher auch immer gut geklappt. Aber bis die Jungkönigin stiftet, ist die Brut ausgelaufen, so dass nach 3 Wochen auch die Sammelbrutableger mit Oxalsäure besprüht werden können. Dann kann man auch Altwaben entnehmen, Bauerneuerung betreiben usw. Die Sammelbrutableger haben i.d.R. sehr viele Milben, kein Wunder sitzen doch die Milben im Juli zu 70% in der verdeckelten Brut und wir haben Brut aus drei Völkern kombiniert. Die pünktliche Behandlung der Sammelbrutableger ist daher auch sehr wichtig, um keine Varroenschleudern zu haben.
Warré haben wir erst wieder neu in Betrieb genommen, nutzen sie aber mit Rähmchen; daher sollte es genauso gehen. Wenn man Warré mit Oberträgern und Stabilbau betreibt, wird es natürlich schwieriger: Man kann dann immer nur ganze Zargen entnehmen und muss schauen, dass die Königin im Altvolk verbleibt. Für die Behandlung gibt es wohl Vernebelungsgeräte, um die Beuten im Block zu besprühen, aber damit haben wir keine Erfahrung.
Viele Grüße,
Andreas

Deichkind
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Re: Füttern

Beitragvon Deichkind » Mo 18. Mär 2019, 22:16

Danke für die ausführliche Antwort

Sid
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Re: Füttern

Beitragvon Sid » Sa 15. Jun 2019, 22:53

Hallo Caro, wirklich gut erklärt. Fütterst du den sammelbrutableger dann sofort? Da ja dann kaum Tracht da ist .... wie gehst du weiter vor? Was brauchen die an Futter? Grüße


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