On the spot-Methode

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zaunreiter
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On the spot-Methode

Beitragvon zaunreiter » Mo 13. Jan 2014, 12:56

Mel Disselkoen beschreibt die On-the-Spot-Methode, also grob übersetzt: die "auf dem Platz"-Methode. Die heißt deswegen so, weil man ohne Umlarven oder Zellenschneiden eine Königinnenzelle ansetzen kann. So ist das grobe Vorgehen:

0) Das Volk wird im Frühjahr normal erweitert und wächst bis zur guten Volksstärke heran. Ungefähr bis Mitte/Ende Mai.

1) Die alte Königin wird mitsamt Wabe auf der sie sitzt, eine weitere Wabe mit verdeckelter Brut und eine volle Futterwabe, mitsamt allen ansitzenden Bienen in einen Ablegerkasten gegeben. Bienen einer Brutwabe dazuschütteln. (Königinnenableger. Geht im Stabilbau auch mit ganzer Zarge? Muß noch ausprobiert werden.)

2) Danach werden auf zwei Brutwaben mit junger Brut jeweils die unteren Ränder von je zwei Zellen pro Wabe mit jüngsten Larven (noch nicht gekrümmt und im Futtersaft schwimmend) mit dem Stockmeißel weggeschnitten. So kann die Nachschaffungszelle nach unten fortgebaut werden, keine Krümmung der Weiselzelle. Außerdem scheint mir bei einer derart präparierten Zelle mehr Gelée Royal eingelagert zu werden. Nach dem Motto: Zelle nach unten offen = Weiselzelle.

3) Nach 7 Tagen werden alle Brutwaben kontrolliert und alle "wilden" Nachschaffungszellen und alle der präparierten Zellen werden bis auf eine gebrochen, es wird nur eine stehengelassen. Also eine Wabe mit einer Zelle.

Das war's. Die neue Königin schlüpft und wird begattet. Falls irgendetwas passiert und das Volk nach ein paar Wochen keine ausreichend legende Königin hat, wird die alte Königin, die zu diesem Zwecke als Sicherung im Ablegerkasten verwahrt wird, wieder in das alte Volk eingeweiselt.

Der Vorteil dieses Vorgehens ist, daß das Volk auf dem Höhepunkt der Entwicklung steht und damit auch in der Lage ist, eine gute Königin heranzuziehen; es gibt zu dieser Zeit ausreichend und gut genährte Drohnen, was eine hervorragende Spermaqualität gewährleistet; die vielen Bienen eines ganzen Volkes kümmern sich sehr gut um die Weiselzelle - der Weiselsaft steht sehr dick in der Weiselzelle! Und es kann nichts schief gehen. Gibt es eine Fehlbegattung, wird die alte Königin als Backup eingeweiselt und das Volk darf erst mal wieder wachsen. Kein Hantieren mit Umlarven, Schneiden von Zellen oder mit Weiselzellen (Vertrocknen, Verkühlen, Erschütterungen usw. usf. fallen als mögliche Fehlerquellen weg.) Schwarmverhinderung beim Trachtvolk inklusive.

Das Einzige, was man auf die Reihe kriegen muß, ist erstens eine ganz junge Larve zu erkennen und zweitens die unteren Zellränder wegzubrechen. Das war es auch schon. Eine einfachere und sichere Methode, die gleichzeitig hochwertige Königinnen erzeugt, kenne ich nicht.

Die Auswahl der jüngsten Maden, am besten gerade aus dem Ei geschlüpft, noch nicht gestreckt und im Futtersaft schwimmend. Alles Gekrümmte ist bereits zu alt.
Bild

Dann werden die unteren Zellenränder nach unten hin weggekratzt. Die Made dabei nicht verletzen natürlich. Die darunter liegenden Zellen können ruhig weggekratzt werden. Am besten dazu eine Zelle im unteren Bereich der Wabe nehmen.
Bild

Gibt hübsche Zellen.
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Re: On the spot-Methode

Beitragvon Distelbauer » Mo 13. Jan 2014, 22:35

Hallo Bernhard,
super Beschreibung und tolle Fotos. Vielleicht kanns mal noch eins machen von so einer "bearbeiteten" Wabe. Wie ist das denn mit der gegenüberliegenden Zelle wenn da auch Brut ist, muß man da was beachten? Aber ansonsten tolle Methode.

Gruß Georg

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Re: On the spot-Methode

Beitragvon zaunreiter » Mo 13. Jan 2014, 23:44

Distelbauer hat geschrieben:...gegenüberliegenden Zelle...


Meinst Du gegenüber der Wabengasse oder gegenüber der "Mittelwand"?! Naja, in beiden Fällen ist da nichts weiter zu beachten.
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Re: On the spot-Methode

Beitragvon foobar » Di 14. Jan 2014, 10:15

Vielen Dank Bernhard,

nach dem ich den Gerstung die letzten Wochen studiert habe, möchte ich dieses Jahr, zur Schwarmzeit, es auch mit Königinnenableger versuchen.
Ich werde darüber berichten.

Gruß Jan

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Re: On the spot-Methode

Beitragvon Distelbauer » Fr 30. Mai 2014, 21:35

Danach werden auf zwei Brutwaben mit junger Brut jeweils die unteren Ränder von je zwei Zellen pro Wabe mit jüngsten Larven (noch nicht gekrümmt und im Futtersaft schwimmend) mit dem Stockmeißel weggeschnitten


Hallo Bernhard,
jetzt hab ich das mit dem wegkratzen erst kapiert :oops: hab wohl zuviel über Bogenschnitt gelesen. Zum zitierten Text: Heißt das es werden bei insgesamt 8 Zellen die unteren Ränder weggekratzt?

VG Georg

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Re: On the spot-Methode

Beitragvon zaunreiter » Fr 30. Mai 2014, 23:51

Das ist frei wählbar. Es ist halt praktisch, die Waben für Ableger mit je einer Zelle zu verwenden. (Eine wird gebrochen.)
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Re: On the spot-Methode

Beitragvon zaunreiter » Mi 12. Nov 2014, 12:41

Du kannst ja erstmal schwärmenlassen und den Schwarm fangen. Ich denke, gerade in der Anfangszeit, in den ersten Jahren, sollte man sich zunächst mal die natürlichen Prozesse anschauen, um das Wesentliche des Biens schon mal zu sehen und kennenzulernen. (Es sieht natürlich anders in der Stadt oder in der Nähe von empfindlichen Nachbarn aus.)

Die OnTheSpot-Methode unterscheidet sich vom einfachen Nachschaffenlassen á la Warré dadurch, daß die Zellen so vorbereitet werden, daß sie nicht um die Ecke gebaut werden, sondern wie eine richtige Weiselzelle gerade nach unten hängen. Ob der Unterschied so wahnsinnig groß ist, darf bezweifelt werden.

http://www.die-honigmacher.de/kurs1/lar ... itet_2.jpg
http://www.bienenfreunde-rhein-main.de/ ... zelle1.jpg
http://imkerei.mikley.de/galerie/070609/p915.jpg
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Ich summe, also bien ich.

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Re: On the spot-Methode

Beitragvon oekonomy » Mo 19. Jun 2017, 22:57

ich frage mich gerade, warum nicht Eier nehmen für den Bogenschnitt und nach 3 + 4 Tagen alle verdeckelten Weichselzellen brechen?
Antwort die ich mir geben würde wäre:
Damit der Bogenschnitt die erstschlüpfenden Königinnen hat. Wenn dann überhaupt noch der Bogenschnitt zur Weichselzelle umgebaut wird.
Würdet ihr das auch so sehen?


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