Dadant, Deutschnormal, Warré

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zaunreiter
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon zaunreiter » Mi 10. Sep 2014, 17:06

Noch ein Vergleich der Honigraumkapazitäten zwischen Dadant (US modifiziert) und Warré/Gatineau:

Die Wabenfläche von 3 dm² faßt ein Kilo Honig (beidseitig gerechnet, also ein Stück Wabe mit der Fläche von 3 dm²).

Wabenflächen

Gatineau: 28,6 cm x 18,8 cm = 537,68 cm² = 5,3768 dm²
Dadant: 42 cm x 13,5 cm = 567 cm² = 5,67 dm²

Kapazität pro Wabe
Gatineau: 5,3768 dm² / 3 dm² je 1 kg = 1,79 kg
Dadant: 5,67 dm² / 3 dm² je 1 kg = 1,89 kg

Kapazität pro Zarge
Gatineau: 1,79 kg je Wabe * 8 Waben pro Zarge = 14,32 kg pro Zarge
Dadant: 1,89 kg je Wabe * 10 Waben pro Zarge = 18,9 kg pro Zarge

Hier ergibt sich pro Zarge ein Unterschied von 32 % oder dem Faktor 0,32. Setzt man zwei Honigzargen auf, die rasch gefüllt werden, bedeutet das bei der Gatineau eine Ernte von 28,64 kg und bei der Dadant eine Ernte von 37,8 kg pro Tracht.
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon Rumpel » Do 11. Sep 2014, 08:34

Und eine Christzarge ca 8 Kg. eine Russendelonzarge ca 7,3 - 7, 5 Kg. :D
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon zaunreiter » Do 30. Okt 2014, 15:07

Zu den Kosten einer Dadant - ein nicht unerheblicher Unterschied. Für das Geld bekomme ich drei - knapp vier Gatineaubeuten. Voll ausgestattet.

Dadantkosten.jpg
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stefanzo
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon stefanzo » Fr 31. Okt 2014, 01:43

Der Verzicht auf Rähmchen und Mittelwände bringt eben einen erheblichen Kostenvorteil. Aber auch bei Dadant läßt sich noch einsparen. So kann man z.Bsp. Absperrgittter, Flugbrett und Mittelwände hinterfragen.
mfg stefanzo

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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon zaunreiter » Fr 31. Okt 2014, 09:44

Auch die Dimensionen spielen eine Rolle, wegen des Holzverbrauches.
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon zaunreiter » Mo 12. Okt 2015, 09:13

Ein Vergleich zwischen den Wabenflächen einer Warré-/Gatineaubeute und einer Dadantbeute (Rähmchen hochkant gestellt). Eine Gatineau/Warré entspricht einer Dadantbeute mit sieben Waben.

https://www.youtube.com/watch?v=-JoYrRm3QmI
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon dornbusch » Mo 1. Aug 2016, 11:20

Hallo Bernhard,

wie ich den Beiträgen entnommen habe führst Du seit längerem einen "großflächigen Feldversuch" mit Dadant und Warre durch. Gibt es hierzu erkenntnisse was die Biengemäßheit, den Betrieb und die Wirtschaftlichkeit angeht? Warre war m.E. davon ausgegangen, dass Warre ggü Dadant die wirtschaftlichere Beute ist im Verhältnis Anschaffung Betrieb und Ertrag. Kannst Du das bestätigen?

Viele Grüße
hagen

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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon zaunreiter » Di 2. Aug 2016, 13:38

Ich werde den Vergleich beizeiten aufstellen, zwischen Tür und Angel geht das nicht.
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon zaunreiter » Sa 24. Dez 2016, 00:31

Wenn ich nicht im Vollerwerb Bienen halten würde, würde ich Bienen in Warrébeuten halten. Warum ich auf Dadant umgestiegen bin:

Warum ich die 12er Dadantbeute für meinen Schritt in die Erwerbsimkerei gewählt habe – und nicht die Warrébeute.

Form: die Warrébeute hat eine sehr hohe und schlanke Form. Das macht sie anfälliger für das Umfallen und Umkippen. Sowohl während des Transportes, als auch am Stand selbst. Man denke hier an Vandalismus an entfernten Wanderständen. Eine gedrungene Form hingegen, wirft man nicht um. Insbesondere wenn die Beuten auch noch auf Paletten in Viererblöcken zusammengeschraubt werden, wo die Beuten zusammen über 220 kg auf die Waage bringen.

Ladefähigkeit: das Verladen von einzelnen Beuten frisst sehr viel Zeit. Es ist daher ratsam, das Verladen so schnell wie möglich zu gestalten. Dazu werden die Beuten „palettisiert“, das heißt, auf Paletten festgeschraubt. Immer vier Beuten auf einmal. Zwar wäre das theoretisch auch mit der Warré möglich, doch eben nur theoretisch. Bei einer Beute mit einem Brutraum, wie die Dadantbeute, kann die Brutzarge am Boden und der Boden an die Palette geschraubt werden. Auch beim Verladen mit Hilfe eines Gabelstaplers ist eine gedrungene niedrige Form im Vorteil gegenüber der hohen schlanken Form, da sie nicht so schnell kippt.

Anzahl Honigräume: Für die gleiche Menge Honig, brauche ich wesentlich mehr Honigzargen. Bei Dadant passen circa 18 kg Honig in eine Honigzarge, bei Warré (mit Rähmchen) circa 13 kg Honig. Um 30 kg Honig pro Tracht unterzubringen, brauche ich bei Dadant nur zwei, bei der Warré schon drei Honigräume. Das hat nicht nur wieder Auswirkung auf die Form (die Form wird noch höher…) sondern auch auf alle Arbeitsschritte. Statt pro Volk 2x 10 Dadant Honigwaben, müssen 3x 8 Warré Honigwaben angefasst, entdeckelt und geschleudert werden. Das hört sich nicht viel an – sind ja nur vier Waben Unterschied. Mit einer großen Völkerzahl jedoch, zum Beispiel 100 Bienenvölker, bedeutet das 400 mehr Waben anfassen, entdecken und schleudern. Das kostet richtig Zeit bei der Honigernte. Bei 500 Bienenvölkern sind das 2.000 Waben mehr, bei Raps und einer großen Schleuderstraße mit 100 Rähmchen pro Durchgang und zwei Durchgänge pro Stunde (Raps…) sind das 10 Stunden mehr Arbeit. Bei gleicher Honigmenge!

Betriebsweise: alle Eingriffe gehen in einer 12er Dadantbeute schneller als bei der Warré. Durch die Reduzierung auf einen Brutraum und dem Platz zum Schieben sind die Handgriffe schneller ausgeführt. Und es macht einen signifikanten Unterschied, wenn man täglich bei der Durchsicht von 100 Völkern am Tag nur 8 Stunden statt 10 Stunden benötigt. Auch hier summieren sich Minuten schnell zu viele Stunden. Für die gleiche Anzahl an Bienenvölkern.

Standards: bei Dadant gibt es Standard-Equipment. Von der Beute selbst, über Geräte bis hin zur Honigernte. Wichtig ist, daß man Beuten fertig kaufen kann. Bei 500 Bienenvölkern sind das bei Warré 1.000 Brutraumzargen und nochmal 1.500 Zargen für die Honigräume. Und dann noch die Rähmchen: 2.500 Zargen x 8 Rähmchen pro Zarge, was stolze 20.000 Warrérähmchen bedeutet. So etwas baut man nicht alleine, hier muss man kaufen können. Vor allem, wenn es mal schnell gehen muss. Bei Warré gibt es da nichts von der Stange. Auch bei den Honigschleudern oder Schleuderstraßen nicht. Maßgeschneiderte Sonderlösungen jedoch kosten mehr.

Honigernte und damit Ertrag: die Warré ist mit Rähmchen und mit Wanderung auf circa 60 kg Honig pro Volk limitiert. Mehr gibt die Beute pro Jahr nur selten her. Bei Stabilbau und Standimkerei sogar nur 30 kg Honig pro Volk. Das sieht bei Dadant schon anders aus: durch die großen durchgehenden Waben gibt es mehr Brut und in der Folge mehr Bienen pro Volk. Und das bedeutet auch mehr Honig, insbesondere mit dem angepaßten Brutraum und der 12er Dadant, wo die Honigräume um 90° versetzt auf die Völker kommen. Das Ertragspotential ist bei Dadant pro Volk höher. Hier muss man sich hinsetzen und durchrechnen, ob das eigene jährliche Gehalt, die laufenden Betriebskosten und die Investitionskosten durch den Ertrag der Beute gedeckt werden können oder nicht. Und etwas Gewinn soll der Betrieb ja auch machen, oder? Einfach noch mehr Völker? (= noch mehr Kosten…)

Das Ganze kocht herunter auf folgende Erkenntnis: weniger Arbeit, mehr Ertrag.

Spielte der Ertrag keine Rolle, wäre die Warré weiterhin mein Favorit. Weil ich weniger Technik und Equipment drum herum benötigte, weil sie kompakter als andere Beuten ist und weil man mit der Warré sehr gut Ableger und Königinnen ziehen kann. (Maxiplus...)

Ein Irrweg ist die Warrébeute nicht, ich sehe eher eine gute Zukunft für sie. Denn in Zukunft werden wir diesen Turbokapitalismus und damit die Turbobienenhaltung nicht länger aufrecht erhalten können. Wir verbrauchen mehr Energie als wir dürften, auf allen Ebenen. Das trocknet irgendwann aus. Und dann brauchen wir einfachere, ich will nicht sagen primitivere Formen der Bienenhaltung. Und da ist die Warré ganz vorne dabei. Vor allem, weil sie eine recht junge Geschichte hat und noch nicht so unter "Verschlimmbesserungen" leidet, wie andere weiter verbreitete Systeme.

Für den Moment leben wir aber im Hier und Jetzt. Und jetzt ist erst mal Volldampf angesagt.
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dornbusch
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Re: Dadant, Deutschnormal, Warré

Beitragvon dornbusch » Di 27. Dez 2016, 10:32

Vielen Dank, das ist mal wieder eine ehrliche Antwort, aus der man viel für sich selber herauslesen kann. Für Bernhard sind also die Ausführungen von Warré hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit wiederlegt. Das hängt aber auch mit dem Standort und den Prämissen zusammen.
Das es auch anders gehen mag haben auch schon einige nachgewiesen, bspw. Gatineau, Delon oder die Russen (die aus dem Delon Thread). Aber eben mit weniger Technik und mehr selber machen.

Da das bauen für mich ein wesentlicher Bestandteil ist und ich nicht davon Leben muss, bleibt es bei mir erst mal alles wie es ist.

Gruß hagen


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