Modifizierte Betriebsweise

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zaunreiter
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » So 29. Apr 2012, 10:13

Goldene Regel des Absperrgitters (Dr. Sachs, bei Karl Pfefferle)
"Wenn Absperrgitter, dann nicht zur Brutbeschränkung, sondern nur zum Brutfreimachen von Honigwaben."

Karl Pfefferle zeigt, daß das Brutnest nicht statisch in der Beute positioniert ist, sondern:
"Wir sehen daher heute das Brutnest in den Völkern nicht mehr als etwas Stationäres an, sondern wir haben nach langer Beobachtung dieses Wechselspiels dem Brutnest wieder Bewegungsmöglichkeit nach oben und unten verschafft. Indem wir ihm gestatten, bei Trachtlosigkeit und in Zeiten starker Brutentwicklung dem Futterlager nach oben nachzurücken, haben wir diesen stimulierenden Effekt in unsere Betriebsweise positiv vereinnahmt. Umgekehrt muß das Brutnest nach unten ausweichen können, wenn es vom Honiglager von oben bedrängt wird, um nicht erdrückt zu werden."
(Imkern mit dem Magazin und mit der Varroatose, Karl Pfefferle, Seiten 16+17, Selbstverlag)

Zu den leeren Zellen über dem Absperrgitter schreibt Pfefferle weiter:
"Jeder kann die Richtigkeit dieser Thesen fast in jedem Kastensystem sofort nachprüfen. Wenn zum Beispiel in trachtloser Zeit mit Absperrgitter geimkert und das Brutnest stationär gehalten wird, tritt oft eine Trennung von den Honigbogen im oberen Raum und dem Brutnest im Brutraum ein. Hierdurch stagniert die Bruttätigkeit, was dem Imker allerdings verborgen bleibt. Er wundert oder ärgert sich höchstens, daß die Bienen über dem Absperrgitter die Zellen freihalten und sogar für die Eiablage herrichten. Nimmt der Imker in dieser Situation das Absperrgitter weg...wird er erstaunt sein, welch ein schönes Brutnest im Honigraum sofort entsteht."

Fazit: Das Brutnest darf durch das Absperrgitter nicht in seiner Bewegung eingeschränkt werden - siehe Regel oben.

Nun ist aber so eine zweizargige Warrébeute nach dem Winter nach oben und unten beschränkt, weil da nur das Dach und der Boden kommt. Eine Erweiterung nach unten - schafft Platz nach unten. Und oben? Beschränkt! Funktioniert ähnlich wie ein Absperrgitter, die Bruttätigkeit wird eingeschränkt.

Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » So 29. Apr 2012, 10:14

apiarius hat geschrieben:Der Zeitpunkt von Eingriffen muss da zeitlich genau stimmen.


Wie genau? Was mußt Du wann machen?

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Jean Rouge » So 29. Apr 2012, 21:51

@Bernhard:

Sehe ich das richtig, dass du die Möglichkeit des "ungeteilten Brutraumes" aus dem Konzept gestrichen hast ? Zu unflexibel ?

Gruß
Johannes

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » So 29. Apr 2012, 21:55

Hallo Johannes,

wie meinst Du das - das mit den 40 cm Zargenhöhe als Brutraum? Das habe ich in der Tat gestrichen, denn die sind dann einfach zu unhandlich und schwer. Ich glaube auch nicht, daß es einen nennenswerten Einfluß hat. Wenn man sich an die 7-8mm Dicke für die Oberträger hält, ist das nicht so dramatisch.

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Jean Rouge » Di 1. Mai 2012, 21:10

Hallo Bernhard,
genau das meinte ich. Du hattest mal in die Richtung spekuliert, dass die Bienen bei langen Waben selbst Kleinzellen errichten können. Ich finde den Gedanken immer noch faszinierend. Ich werd jedenfalls mal dahingehend was probieren.
Auch meine Einraumbeute von Mellifera (wenn sie denn endlich mal kommt) hat ca. 400 mm lange Naturwaben, da wird man das mal studieren können. Muss nur den Wabenabstand etwas verkleinern, denke ich, damit alles passt.
Übrigens: Dein Mod-Konzept und deine Überlegungen finde ich echt gut.

Gruß Johannes

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 1. Mai 2012, 22:46

Hier wird fleißigst gebaut. Die Mittelwände werden weiter ausgezogen und nebenan werden vier Waben zur gleichen Zeit ausgezogen.
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Eine davon erreicht bald Zargenhöhe.
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Akkordarbeit.
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Was es wohl für ein Gefühl ist, durch eine Welt aus Honig zu krabbeln? Irre!
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Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Sa 12. Mai 2012, 23:20

Zeitverlauf des Ausbaus der ersten aufgesetzten Zarge:

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 29. Mai 2012, 20:55

Nach dem Abschwärmen des Vorschwarmes - der wird idealerweise gefangen - werden die vorhandenen Brutzargen für Ableger genutzt. Jede Brutzarge hat ein paar Weiselzellen, echte Schwarmzellen, aus denen bald junge Königinnen schlüpfen, mit denen das Volk bis zum Winter heranwachsen wird.

Ein Boden wird vorbereitet:
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Eine leere Zarge mit Anfangsstreifen darauf:
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Eine Brutzwarge obendrauf:
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Verdeckelte und unverdeckelte Weiselzellen in jeder Brutzarge:
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Der Vorschwarm wird in zwei leere Zargen einlaufen gelassen, darauf ein Absperrgitter und darauf die vollen und halbvollen Honigräume. Das Ganze wird dann auf den Platz gestellt, von dem der Vorschwarm stand.
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Die Flugbienen vereinen sich so mit dem Vorschwarm, der wird riesig, und baut neben dem neuen Brutnest noch das Honiglager aus. Zeitlich überaus passend zur zweiten großen Nektartracht: Robinie und Linde, Brombeeren und Rosen.

Sowohl die Ableger als auch der Vorschwarm hat auf diese Weise Vorräte und sie benötigen daher kein zusätzliches Futter.

Wer den Vorschwarm verpasst, läßt am alten Standort eben eine Brutzarge mit Weiselzellen. (Auf eine oder zwei leere Zargen gestellt.)

Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Mellina » Di 29. Mai 2012, 21:08

zaunreiter hat geschrieben:Wer den Vorschwarm verpasst, läßt am alten Standort eben eine Brutzarge mit Weiselzellen. (Auf eine oder zwei leere Zargen gestellt.)


Noch besser ist es, die beiden Brutzargenableger Wand an Wand nebeneinander zu stellen, den Berührungspunkt an die Stelle des alten Fluglochs. So verteilen sich die Flugbienen gleichmäßig auf beide Ableger. ´hab ich so vom alten Christ gelernt. Wenn nur einer der Ableger alle Flugbienen bekommt, schwärmt er häufig nochmal.

LG
Mandy
Bauanleitung Warrébeute, Warrés Handbuch und Bernhards Kurzanleitung: http://www.warre-bienenhaltung.de

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 29. Mai 2012, 22:41

Der Ableger mit den Flugbienen schwärmt nicht noch mal, denn wenn es nur eine Brutzarge ist und untenrum noch viel Raum ist, dann machen die Bienen das hier:

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Vorher -> Nachher.
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Sie fressen alle überzähligen Zellen aus und bauen sie ab! Das machen sie dann, wenn ihnen der Brutraum "geräumig" erscheint. Die übriggebliebenen Bienen verteilen sich auf die zwei leeren Zargen, außerdem toben sie sich im Honigraum aus. Ihnen kommt es dann vor, als ob sie zu wenig Bienenmasse zum erneuten Schwärmen haben.

Kurz nach dem Aufteilen/Ablegerbilden bilden sich sofort wieder Bautrupps im Honigraum.

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Sie fangen sofort wieder an zu sammeln und der frische Nektar wird in die angefangenen Waben eingelagert.
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In allen leeren Zargen ketten sie sich auf.
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An die rauhen Oberträger kleben sie Wachskrümel.
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Und es entstehen schnell neue Waben.
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Ich habe lieber alle Flugbienen in einem Ableger, weil sie dann mehr Honig sammeln. Die anderen Ableger brauchen nicht so viele Flugbienen, da sie erst bis zum Herbst zu Vollvölkern werden sollen.

Gruß
Bernhard
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