Modifizierte Betriebsweise

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zaunreiter
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 24. Apr 2012, 07:28

Ulla S. hat geschrieben:... 4 Zargen aufeinander im Allgemeinen genügen,...


Viel höher würde ich auch nicht mehr gehen. Zumal die Zargen ja beerntet und wieder aufgesetzt werden können.


Ulla S. hat geschrieben:......da ja die Völker oft auch noch schwärmen und der Platz dann wieder reicht.


Kommt darauf an, was Du mit den Schwärmen machst. Wenn Du den Vorschwarm auf leere Zargen einschlägst, genau an der Stelle des alten Volkes und die Honigzargen des alten Volkes aufsetzst, dann bekommt der Vorschwarm alle Flugbienen - in Ermangelung von zu pflegender Brut, wird dieser Schwarm ordentlich Honig sammeln. Und dann kannst Du die Honigzarge öfter abernten.

Die Brutzargen kannst Du dann aufteilen und mitsamt Weiselzellen woanders aufstellen. Das sind dann die Jungvölker für das nächste Jahr.
So machen es meines Wissens die Demeter-Imker, die ja auch mit dem Schwarmtrieb arbeiten. Ich beabsichtige des Weiteren, die gebildeten Jungvölker mit den neuen Königinnen als Zwillingsvolk zu halten, damit die kleinen Ableger sich gegenseitig aufrecht halten.


Ulla S. hat geschrieben:......im Winter auf 3 Zargen gelassen (weil es noch so stark war im Spätsommer), das hat auch gut funktioniert, die hatten dann mehr Raum für die Frühjahrsentwicklung.


Je nachdem, wo das Volk in der Zarge sitzt, hat es eben nicht mehr Raum. Denn nach Karl Pfefferle (siehe: viewtopic.php?f=29&t=403) geht der erste Schub eben nach oben in die Honigkappe hinein. Im frühesten Frühjahr wird eben der meiste Honig benötigt und das Volk wächst erst mal nach oben - dem Futter hinterher. Ich habe selbst noch nicht gesehen, daß die Bienen die unterste von drei Zargen im Vorfrühling besetzen. Ich habe auch auf drei und auch vier Zargen überwintert - lange nicht so gut, wie auf zwei Zargen, wo die Bienen im Winter dicht gepackt sitzen.

Ulla S. hat geschrieben:...Da ich das ganze Jahr offene Böden habe, bringt die unterste Zarge keine zusätzliche Kälte, denke ich mal.


Zumindest bildet sich kein Schimmel dort, was bei geschlossenen Böden und dreizargiger Überwinterung durchaus passieren kann. Die Bienen kriegen dann einen kalten Fuß und diese Waben werden auch nicht mehr bebrütet. Die Bienen schwärmen eher, als dort nach unten zu wachsen.

Ulla S. hat geschrieben:...Mit dem Erweitern von unten hatte ich die Erfahrung gemacht, dass die Völker stärker schwärmen.


Eben weil der Honig oben eingelagert wird, das Brutnest mit Nektar vollgepackt wird und die Bienen gleichzeitig nicht runter gehen wollen.

Die Vorgehensweise nach Pfefferle ist vielleicht ein Versuch wert: 30/40 Tage (Entwicklungszeit vom Bienenei zur Sammlerin) vor der ersten großen Tracht (z. B. Kirsche, Weide, Löwenzahn...) wird in der oberen Zarge die zwei mittleren Honigwaben angeritzt. Die Bienen lagern diesen angeritzten Honig als Honigkranz um das Brutnest um, und damit ist es versorgt. Dann steigen sie mit der Brut in die Honigkappe ein. Die Folge ist, daß beide Zargen Brut haben und damit das Volk rechtzeitig zur ersten Tracht erstarkt.

Wird im ersten Schritt nach unten erweitert, können sich hier die Baubienen austoben, die hier zumindest Wabenanfänge bauen können. Vor der ersten Tracht sollte dann im zweiten Schritt oben erweitert werden. Je mehr Nektar fließt, desto mehr werden sie anfangen oben zu bauen.

Mit dem Vorschwarm (alte Königin) wird dann wie oben vorgegangen. Der Schwarm kommt auf den Platz des alten Volkes. Die ehemals unterste Zarge dient hier als seed comb, also die bereits angefangenen Waben sollen hier fortgeführt werden.

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Ulla S. » Di 24. Apr 2012, 14:53

Lieber Bernhard,

Vielen Dank für diese tolle Antwort. Ich werde das genau studieren und auch versuchen!
Merci beaucoup!
Ulla

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Jean Rouge » Di 24. Apr 2012, 21:56

@Bernhard

Würdest du also die untergesetzte, angefangene Zarge sowie die oberste (die Honigzarge) des Muttervolkes aufeinandersetzen und den Schwarm hineinschlagen ? Und dann ? Nochmal eine ohne Oberträger untersetzen (ergibt wieder doppelten Brutraum, siehe eigentlicher Threadtitel) oder eher eine drauf (wobei dann kein großer Brutraum mehr entstehen kann) ?
Dann könnte man doch eigentlich auch das Muttervolk mit seinem doppelten Brutraum einfach nur verstellen und so lassen. Evtl. sogar noch eine Zarge drauf - je nach Trachtlage ?

Gruß
Johannes

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 24. Apr 2012, 23:18

Jean Rouge hat geschrieben:Würdest du also die untergesetzte, angefangene Zarge sowie die oberste (die Honigzarge) des Muttervolkes aufeinandersetzen und den Schwarm hineinschlagen ?


Der Vorschwarm mit der alten Königin will bauen. Daher kriegt er zwei leere Zargen, die er ausbauen kann. Zusätzlich bekommt er die Honigkappen drauf - das riecht nach frischen Honig und verleitet zum Entragen von mehr Honig.

Wenn der Vorschwarm an die Stelle des alten Volkes zu stehen kommt, erhält er alle Flugbienen. Sie werden Honig eintragen und die Mai-Tracht nutzen.

Wenn Du dagegen den Vorschwarm wegbringst, wirst Du zwei kleine Völkchen haben. Der Eine will nichts, der andere kann nichts eintragen.

Jean Rouge hat geschrieben:Und dann ?


Aufsetzen, Honig ernten, erneut aufsetzen. Im Mai und Juni.

Jean Rouge hat geschrieben:Nochmal eine ohne Oberträger untersetzen (ergibt wieder doppelten Brutraum, siehe eigentlicher Threadtitel) oder eher eine drauf (wobei dann kein großer Brutraum mehr entstehen kann) ?


Mehr als zwei Zargen Brut werden sie nicht brauchen. Eine Warréwabe beherbergt etwas mehr als 4.000 Zellen. Eine Zarge daher 32.000 Zellen, zwei Zargen 64.000 Zellen. Das sollte reichen.

Jean Rouge hat geschrieben:Dann könnte man doch eigentlich auch das Muttervolk mit seinem doppelten Brutraum einfach nur verstellen und so lassen.


Nachdem die alte Königin mit dem Vorschwarm raus ist, werden die Zargen mit Brut und Weiselzellen verstellt. Sie werden langsam bis zum Jahresende als Jungvölker aufgebaut. Du kannst zwei Zargen auch noch aufteilen und die Weiselzellen auf sie verteilen. Sie stehen dann einzargig. Später eine Zarge dazu, wenn die junge Königin in Eilage geht.

Die Honigzargen sind besser beim Vorschwarm aufgehoben, da er massiv sammeln gehen kann. Die Flugbienen kehren ja in die Beute am alten Platz zurück.

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Do 26. Apr 2012, 02:02

Hier habe ich die modifzierte Betriebsweise und meine Gedanken dazu halbwegs sortiert zu virtuellem Papier gebracht. ;)

Siehe:
http://immenfreunde.de/WarreMod.pdf

Hier nur die Bilder.

Nach Auswinterung.
Bild

Anritzen von Honigwaben.
Bild

Durchbrüten lassen.
Bild

Unten erweitern.
Bild

Oben erweitern.
Bild

Schwarm: Vorschwarm in leere Zarge auf alten Standort. Brutzargen aufteilen + Weiselzellen. Zwillingsbetrieb.
Bild

Honigernte und Erweitern.
Bild

Einwintern.
Bild

Erläuterungen in der PDF.

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Mellina » Do 26. Apr 2012, 08:16

Lieber Bernhard,

mal wieder eine wunderbare, äußerst lehrreiche Arbeit. Tausend Dank!

Mandy


PS: Hier fehlen eindeutig die "Blumenstrauß-Überreichnungs- und Küsschen-Smilies". Männerwirtschaft! ;)
Bauanleitung Warrébeute, Warrés Handbuch und Bernhards Kurzanleitung: http://www.warre-bienenhaltung.de

Friedrich

Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Friedrich » Do 26. Apr 2012, 11:43

Hallo Bernhard,
ich bin zwar ein völliger Anfänger, halte aber Deine "modifizierte Betriebsweise" für eine sehr logische und konsequente Weiterentwicklung der Arbeitsmethoden von Warré.
Mich interessiert dabei aber vor allem, wie das Anritzen der Waben in Stabilbaubeuten technisch erfolgen soll, noch dazu zu einem so frühen Zeitpunkt im Jahr, wo die Außen-Temperaturen doch noch sehr niedrig sind (Nestduftwärmebindung). Dazu müssen doch sicher zwei Oberträger gelöst und gezogen werden. - Könnte man schon bei der Zargenbauweise die Befestigung dieser beiden Oberträger entsprechend abändern, um das Ziehen technisch zu vereinfachen?
Beste Grüße
Friedrich

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Do 26. Apr 2012, 16:35

Hallo Friedrich,

Waben (nur am Oberträger befestigt) ziehen und dergleichen, würde ich nicht machen. Beim ersten Pollenflug ist ja schon Flugwetter und so eine Aktion muß nicht lange dauern.

Einfach die oberste Zarge abheben, auf die Seite stellen und mit dem Stockmeißel oder einer Entdecklungsgabel die Waben anritzen. Von oben herunter würde ich das nicht versuchen, da der Überbau unter dem Deckel ein Hineinlangen verhindern wird.

Sicher kannst Du Halbrähmchen einsetzen, oder Oberträger mit gedrahteten Mittelwänden. Zum Beispiel so:

Bild
http://warre.biobees.com/delon.htm

Das kann zum Beispiel auch bei Kontrollen durch den Veterinär ganz hilfreich sein, die mittleren Waben ziehen zu können.

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Ulla S. » Do 26. Apr 2012, 21:57

Ich möchte mich Mandy anschliessen und Dir herzliche danken, Bernhard.
Noch eine Frage: bei Stabilbau, würdest Du einfach auf Geratewohl die beiden Brutzargen aufteilen? Ich setze zwar in jede Zarge 2 Rahmen, damit die diese herausnehmen kann.
Die anderen Waben kann ich nicht gut bewegen. Ich weiss also nicht genau, ob es in beiden Zargen frische Eier oder eine Weiselzelle gibt. Es kann dann auch sein, dass in einer Zarge sich mehrere Weiselzellen befinden.

Und noch etwas: ich stelle die Schwarmkiste immer eine Nacht in den Keller. Soll ich dann das Restvolk erst am nächsten Tage (nachmittags) verstellen, bevor ich den Schwarm installiere?

Liebe Grüsse,
Ulla

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Sa 28. Apr 2012, 12:29

apiarius hat geschrieben:Oder hab ich jetzt etwas missverstanden?


Ich glaube, Du hat etwas mißverstanden - wo ist das genaue Timing unbedingt notwendig? Und was hat Du gegen Schwärme? :wink:


apiarius hat geschrieben:Eine bienengerechte Imkerei ist das für mich halt nicht.


Was genau meinst Du mit "das"?

Gruß
Bernhard
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