Hybrid aus Topbar Hive und Warré

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Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Fr 6. Aug 2010, 12:13

Hallo miteinander,

ich habe mir jetzt folgenden Hybrid aus einer halben Topbarhive und einer Warré gebaut. Siehe:

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Damit möchte ich mehrere Dinge erreichen:

1) Das Untersetzen der Zargen beschränkt sich auf eine oder zwei leere Zargen im Frühjahr. Falls die Bienen alle Zargen ausgebaut haben und die Tracht weiterhin gut bleibt, kann der Überschuss in den TBH-Teil umgeleitet werden. Der TBH-Teil bleibt daher verschlossen, bis zur größten Tracht. Dann werden die Honigwaben nach und nach geerntet.

2) Kann ich damit Apitherapieprodukte wie z. B. Geleé Royal gewinnen. Oder auch eine Pollenfalle installieren, etc.

3) Für die Imker in der Stadt kann der TBH-Teil genutzt werden, um einen Ableger innerhalb der Beute zu machen (zwei Fluglöcher) und somit Schwärme umleiten. Für mich ist dies nicht relevant, ich lasse schwärmen, aber dieser Punkt wird oft genug angesprochen.


Weitere Details:

Bild

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Achtung: Von einem Nachbau wird noch abgeraten, weil dieser Bienenstock sich noch im Experimentierstadium befindet.

Bilder folgen.

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Fr 6. Aug 2010, 12:16

Ein paar Impressionen von der Fertigstellung. Ich habe ein zweizargiges Warré-Volk aufgesetzt.

Von der Seite betrachtet. Vorne links der Teil mit der TBH, der Eingang führt unter der TBH nach hinten zur Warré.

Bild

Das vertikale Anflugbrett und die runden Fluglöcher verbessern die Selbstverteidigung. Ähnlich wie bei einem Baumstamm landen die Bienen sehr gut auf der Vertikalen - genug Platz vorausgesetzt. Die Fläche ist sägerauh.

Bild

Von vorne betrachtet:

Bild

Wenn ich die Schublade unten ziehe, wird ein Loch im Boden frei - hier kann ich hindurchschauen (und photografieren :wink:). Zu sehen sind die vertikalen Oberträger.

Bild

Viele Grüße
Bernhard
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Frank A. aus B.
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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon Frank A. aus B. » Fr 13. Aug 2010, 21:37

Hallo Bernhard,

hab einige Fragen zu Deiner Kreation.
1. Die Fluglöcher: Ich schätze sie auf ca. 5cm ist das im Verteidigungsfall nicht sehr groß?
2. Die Luftzirkulation: Ist es nicht sehr anstrengend für die Bienen die warme Luft im Sommer
auch noch um die Ecke, also erst von oben nach unten und dann auch noch den Gang entlang
zu transportieren?
3. Auf den Bildern sieht es so aus als ob 1/2 TBH 'ne extra spezial Kiste mit innen eingebauten
schrägen Wänden ist. Wäre doch praktischer eine Warre Zage zu nehmen.
4. Meinst Du wirklich die Bienen lagern ihren Honig in der TBH ein? Sie werden doch eher versuchen
dort ihr Brutnest einzurichten.
5. Wielange hast Du die Kiste schon in Betrieb gibt es schon Neuigkeiten?

Viele Grüße Frank

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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Mo 16. Aug 2010, 11:02

Hallo Frank,

"Kreation" ist wohl das richtige Wort dafür. Ein Warré-Imker aus dem englischsprachigen Raum hat eine ähnliche Konstruktion gebastelt, wo er drei nebeneinander gestellte Warré-Beuten miteinander verbunden hat (Zweiköniginnenbetriebsweise, Ablegerbildung usw.). Er diese "Frankenstein-Beute" genannt. ;)

Zu deinen Fragen:

Frank A. aus B. hat geschrieben:1. Die Fluglöcher: Ich schätze sie auf ca. 5cm ist das im Verteidigungsfall nicht sehr groß?


Die Löcher sind kleiner: 2,5 cm Durchmesser. Der Effekt entsteht, weil ich das Flugbrett vor die Zarge geschraubt habe. Im Flugbrett sind die Löcher etwa 4 cm im Durchmesser, direkt dahinter sind sie nur 2,5 cm Durchmesser.

Des Weiteren gibt es im Prinzip zwei Verteidigungslinien. Denn zwischen TBH und Warré ist ja eine weitere Trennwand mit einem zweiten innenliegenden Flugloch. Dies habe ich der Einfachheit halber in Schlitzform ausgeführt. Etwa 2 x 10 cm.

Ich habe mir Zeichnungen von Professor Seeley angesehen, wo er wilde Völker im Baumstämmen auseinander genommen hat. Darin war zu sehen, dass so eine Wand von einem Baumstamm 10-20 cm Dicke hat - das Flugloch ist ein ehemaliges Astloch, durch das der Schimmel nach innen in den Stamm gewandert ist. Das Flugloch ist also eine Art Röhre, durch welche die Bienen krabbeln, bevor sie ins Nest kommen. Ein anderer Forscher konnte feststellen, dass die runde Form und die Röhre die Verteidigung des Nestes erleichert und den Angreifern den Zugriff erschwert.

Frank A. aus B. hat geschrieben:2. Die Luftzirkulation: Ist es nicht sehr anstrengend für die Bienen die warme Luft im Sommer auch noch um die Ecke... zu transportieren?


Das ist korrekt. Zumindest anstrengender als wenn das Flugloch direkt in der Zargenwand wäre. Ich habe meine Hand vor das Flugloch gehalten und konnte einen deutlichen Luftstrom spüren. Sie können also die Beute trotzdem entlüften. Ich habe das Loch im Boden dazu genutzt, um ihnen an den warmen Tagen zu mehr Luft zu verhelfen. Dazu habe ich auch zwei Latten auf das Kissen gesetzt und das Dach darauf abgestellt. Dadurch kam das Dach höher und sie konnten sich besser Luft verschaffen. Das ist auch bei einer normalen Warré ganz hilfreich.

Diesen Nachteil nehme ich aber gern in Kauf, da er sich auf wenige Tage im Jahr beschränkt, während die positiven Aspekte das ganze Jahr wirken. Einzig allein im Winter kann der lange Weg zum Flogloch zur Falle werden. Daher werde ich die Klappe unterhalb des Fluglochs im Winter öffnen, zumindest bei Flugwetter.

Frank A. aus B. hat geschrieben:3. Wäre doch praktischer eine Warre Zage zu nehmen.


In der Zeichnung habe ich eine eigene Zarge gezeigt - in der Praxis habe ich tatsächlich eine vorhandene Warrézarge ausgebaut ;)
Das hat aber einige Nachteile beim Zusammenbau, daher werde ich beim nächsten Mal wohl versuchen, ob es einfacher ist, die Zarge seperat zu bauen.

Frank A. aus B. hat geschrieben:4. Meinst Du wirklich die Bienen lagern ihren Honig in der TBH ein? Sie werden doch eher versuchen dort ihr Brutnest einzurichten.


Die Möglichkeit besteht. Vielleicht schalte ich ein Absperrgitter dazwischen, mal sehen. Für die Gewinnung von Gelee Royal möchte ich einen Oberträger mit künstlichen Weiselzellen ausstatten. Mal sehen, ob das funktioniert.

Unter Umständen kann dieser Drang, das Brutnest nach vorne auszuziehen auch dazu genutzt werden, um Ableger oder eine Schwarmvorwegnahme zu machen.

Frank A. aus B. hat geschrieben:5. Wielange hast Du die Kiste schon in Betrieb gibt es schon Neuigkeiten?


Ich habe die Beute erst einige Monate in Betrieb. Den vorderen Teil (TBH) habe ich mit dem Trennschied und dem Einlegebrett von der Beute getrennt, da ich erst die Warrézargen im nächsten Jahr komplett ausbauen lassen will. Der TBH-Teil soll nur eingesetzt werden, wenn der Warré-Teil völlig ausgebaut ist und durch anhaltende Tracht ein Verhonigen des Brutnestes droht.

Interessant ist das Beobachten von unten durch das Loch im hohen Boden. Ich halte meistens meine Kamera drunter und schieße ein Bild. Ein kleiner Spiegel könnte da auch eingesetzt werden. Ich begnüge mich mit einem Photo, so kann ich auch eine Zeitfolge visualisieren.

Die Schublade nutze ich, um die natürlich gefallenen Varroen zu zählen. Obwohl ich nicht darauf stehe, die Varroen zu zählen, nehme ich das auf mich, um in Diskussionen zur Varroafestigkeit mit Zahlen aufwarten zu können. Irgendwie glauben Menschen nur an Zahlen. Das Zählen funktioniert mit der Schublade ganz gut und mir gefällt es, den restlichen Gemüll der Bienen auszuwerten. Interessant, was da alles auf den Boden so runtersegelt.

Die Schublade war auch ein Problem, weil ich etwas zu genau das Holz zuschnitt, dass die Schublade verschließt. Dadurch klemmte sie beim Verschließen. Ich habe sie dann etwas abgehobelt, dabei aus Versehen etwas zu viel abgenommen. Ich habe dann in der Not Schaumstoff draufgetackert, damit sie ordentlich verschlossen wird. Im Winter, wenn ich mehr Zeit habe, werde ich die nochmal ordentlich bauen.

Im flachen Deckel unter der TBH haben sich einige Ohrenkneifer gesammelt.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues. Nächstes Jahr werde ich dann den TBH-Teil ausprobieren.

Viele Grüße
Bernhard
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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Mi 18. Aug 2010, 13:13

Hier einige aktuelle Photos aus dem Hybriden ;)

Von unten photografiere ich durch das Bodenloch. Zu sehen ist, dass sich die Bienen aufgekettet haben und bauen.

Foto1045.jpg



Wie es aussieht, halten sie sich nicht an die Vorgaben der vertikalen Oberträger. Wie der Herr, so's Gescherr. :D

Foto1046.jpg


Des Weiteren sehe ich, dass sie schon ziemlich weit nach unten gekommen sind.

Wenn ich die hintere Klappe mit der Schublade öffne, sehe ich die Bienen auch von der Seite.

Foto1048.jpg


Bei 1) Das ist das innere, zweite Flugloch.
Bei 2) Das ist das Loch im Boden, dass bei geschlossener Schublade abgedeckt ist.

Bisher habe ich Fenster im Warréstock immer als überflüssig empfunden - interessant ist es jedoch allemal. Vielleicht spiele ich über Winter noch mit dem Gedanken, in mehreren Beuten Fenster zu integrieren ... :lol:

Ich habe im Abstand von vier Tagen Photos durch das Guckloch geschossen. Ich werde die Reihe bei Gelegenheit hier einstellen.

Viele Grüße
Bernhard
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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon hopi » Mo 7. Mai 2012, 22:47

Hallo Bernhard und alle immenfreunde,

hier mal meine Gedanken zu TBH-Warré-Hybride

Warré_Top-Bar-Hive.pptx
(61.8 KiB) 478-mal heruntergeladen


Bin gespannt auf Euer Feedback und Ideen,

Honigsüsse Grüsse,
Markus

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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Di 8. Mai 2012, 10:39

Moin Markus,

die Idee hatte auch jemand aus dem biobees- oder yahoo-Warré-Forum, soweit ich mich erinnere. Muß dort mal nach den Erfahrungen damit fragen.

Daß die in den KTBH nicht seitlich anbauen, ist ein Mythos, soweit ich gehört habe. Sie bauen sehr wohl an, aber mit relativ dünnen Wachshäuten, die mehrfach geschnitten nicht mehr angebaut werden.

Prinzipiell kannst Du das auch mit geraden Seitenwänden erreichen, wenn die Waben selbst nicht so groß und schwer sind. (Wie die Warréwaben.)

Ich bin ja ein großer Fan der Trogbeuten (T120) - damit hatte ich ja mal angefangen. Die sind sehr intelligent aufgebaut und nutzen die Vorteile der Trogbeuten als auch die Vorteile der Magazine. Würde ich mit Rähmchen imkern, würde ich die T120 nehmen. Die Betriebsweise ist zumindest sehr interessant - eventuell läßt sich die 1 zu 1 übernehmen, wenn auf einer TBH mit abgeänderten Oberträgern (beespace-Durchgänge) Warrézargen aufgesetzt werden.

Gruß
Bernhard
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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Di 8. Mai 2012, 10:52

Hier bei den FAQs:
Zitat:
>>6. Does a TBH have to have sloping sides?

No. Sides can be straight. Supposedly the sloping sides will result in less comb attachment, but experience has shown that there doesn't seem to be a great deal of difference. Attachments are easily freed with a hive tool.<<
aus: http://biobees.com/forum/viewtopic.php? ... 4d6603e454

Sinngemäß: Muß eine TBH schräge Seiten haben? - Nein, die Seiten können gerade sein. Es wird angenommen, daß die schrägen Seitenwände weniger angebaut werden, aber die Erfahrung zeigt, daß es nicht viel Unterschied macht. Die Wachsanbauten können leicht mit einem Stockmeißel entfernt werden.

Gruß
Bernhard
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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Di 8. Mai 2012, 12:54

Leichter imkern mit Trogbeuten
von Vinzenz Weber
ISBN: 978-3431025620
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Re: Hybrid aus Topbar Hive und Warré

Beitragvon zaunreiter » Di 8. Mai 2012, 22:53

apiarius hat geschrieben:Trogbeutenfan- wirklich wahr?


Damit meine ich eigentlich die T120-Trogbeuten, nicht die TBHs.

Gruß
Bernhard
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