Mehr ist manchmal mehr!

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kaibee
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Beitragvon kaibee » So 22. Mai 2011, 11:54

...und damit meine ich die Ecken, bzw. die Kanten einer Bienenbehausung! ;)

Nachdem ich mich einige Zeit mit der Warre-Beute beschäftigt hatte und mich die thermischen Eigenschaften der Warre-Beute und der Warre-Betriebsweise (ich hasse das Wort Betriebsweise, gibts da ein angenehmes Synonym?) begeistert hatten, bin ich auf folgende Datei im WWW gestoßen:
The pleasure of beekeeping with the Warré hive

Da neben der Bienenhaltung das Werkeln, besonders mit Holz, einer meiner Hobbies ist, war das eine gefundene Herausforderung. Dabei muss ich sagen, dass ich Modifikationen an einer bestehenden Beute nur dann sinnvoll halte, wenn sie (hauptsächlich) der Bienen zu Gute kommt. Der Honigertrag und eine besonders praktische und komfortable Bienenhaltung interessieren mich eher weniger, den Bienen soll's halt gut gehen!
Selbst Warre hat damals schon den Nutzen einer runden Beute beschrieben (Warre - Bienenhaltung für alle, Seite 59 unten), hat die Konstruktion aber aus praktischen Gründen abgelehnt...

... Nun ist das Quadrat die Form, die sich am meisten der zylindrischen Form annähert, der idealen Form, weil sie die Ausstrahlung der Wärme innerhalb der Beute begünstigt, allerdings eine wenig praktikable Form.


Naja, ich will damit ja auch nicht hunderte davon bauen. Zumindest ist das aktuell nicht in Planung! :)
Angefangen habe ich mich einer achteckigen Beute. Die Seitenteile wurden auf Gehrung geschnitten und verleimt...

Oktagonale Beute noch ohne Oberträger
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Die Fertigstellung dieser Beute war sch***e viel Arbeit. Hauptsächlich durch die prototypen, die vorher gebaut wurden, und die Umsetzung der Fenster. Diesen Aufwand wollte ich für weitere Beuten scheuen. Daher hatte ich noch einen Blick in die oben verlinkte Datei geworfen und gesehen, dass eine Beute nur durch Spannung zusammenhalten wurden. Wie beim Fassbau eben. Mit günstigen Latten für Unterkonstruktionen wurden dann der nächste Prototyp gebaut, dieser hatte 30 Dauben, so nennt man die Einzelteile eines Holzfasses. Es funktionierte! Ich habe im Internet Schlauchklemmen in entsprechender Größe bekommen (1,- pro Stück :D ) und damit lassen sich die Dauben sehr stramm zusammenspannen. Den Prototypen hatte ich mit einer normalen Tischkreissäge mit Gehrungsschnittfunktion gebaut, also Neigungsmöglichkeit des Sägeblattes. Man braucht eigentlich nur eine sehr genaue Winkellehre, damit man sich nicht auf die Gradanzeige der Kreissäge verlassen muss. Denn je mehr Dauben geschnitten werden, desto mehr addiert sich der Fehler in der Winkeleinstellung.

Ich habe eine Excel-Tabelle entworfen, die mir unter Angabe der Anzahl der Seiten, nach Vorgabe des Volumens einer Warre-Zarge, die passenden Winkel und Abmessungen berechnet. Für die abgebildete Beute habe mich dann letztendlich für 20 Seiten entschieden. Immer noch rund genug, um als rund durchzugehen ;) und trotzdem nicht zu extrem, um nicht einen großen Fehler durch fehlerhaften Gehrungsschnitt zu machen.

Anbei Bilder von der Produktion der letzten Beute. Ein befreundeter Schreiner hat mich unterstützt, obwohl ich wirklich sagen muss, dass man bis auf eine Tischkreissäge und sehr guter Winkellehre nicht wirklich Profiwerkzeug braucht. Das habe ich selber ausprobiert. Ein bisschen handwerkliches Geschick schadet natürlich nicht!

Produktion hat etwa 2,5 Stunden gebraucht, dabei haben wir auch noch gehobelt etc. Preis ist auch sehr gering!
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Die unterste der fünf Zargen hat ein Flugloch in der Mitte. Diese ist also eigentlich nicht dazu gedacht, dass die Bienen darin Waben bauen. Oberträger sind aber trotzdem drin, falls ich mal zu spät unterstelle.

Fazit: die Produktion der Beute war relativ einfach und günstig. Nervig war eher das Zurechtschneiden der unterschiedlichen Oberträger. Ob ich diese Beute jedoch nochmal nachbauen werde, weiß ich noch nicht. Werde ich mir im Winter überlegen. Vielleicht werden einige nun sagen, dass diese Metallschellen natürlich als Antenne für Handystrahlen dienen werden. Ich muss sagen, ich habe keine Ahnung, ob dies bisschen Metall schlecht ist, zumindest denke ich, dass die Bienen ihre Beute besonders im Winter besser und homogener warmhalten können.

so... viel Spaß beim Nachbauen ;)

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon Teila » So 22. Mai 2011, 12:16

hm, mit einer ordentlichen säge ist der bau solcher zargen eigentlich viel einfacher als der der normalen zargen. man spart sich die leimerei und spaxerei. solange der winkel stimmt. vielen dank für diesen tollen beitrag, wird diesen winter mal nachgebaut (allerdings mit fluglochboden)
Ein Bien der sticht, hat etwas zu verteidigen. Ein Bien, der was zu verteidigen hat, ist motiviert und meistens gesund.

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon Distelbauer » So 22. Mai 2011, 16:26

Schöne Arbeit. Also mit meinem Billigwerkzeug werd ich sowas gar nicht erst probieren. Ein Brett im rechten Winkel geht grad noch :lol: . Was hast du denn als Dach? Das in Rund, das wär wohl die Krönung. Spaß beiseite, ist wirklich eine schöne Modifikation. Ich möchte mir sowas mal aus Stroh bauen, aber die Kuhmistfladen sind ja heute so selten auf den Wiesen.

LG Georg

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon kaibee » So 22. Mai 2011, 21:43

Distelbauer hat geschrieben:Was hast du denn als Dach? Das in Rund, das wär wohl die Krönung

Die Achteck-Beute hat auch ein achteckiges Dach! Das war ebenfalls viel Arbeit. Aber der Weg war ja auch das Ziel! ;)

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Die Fassbeute hat "nur" eine etwa 1qm große, wasserdichte Platte mit großem Stein als Beschwerung auf dem Kissen liegen. Vielleicht baue ich da nochmal was nettes... Der 5kg Schwarm kam eh etwas überraschend, Griffe hat die Fassbeute ja auch noch nicht. Wird dann nach und nach fertiggestellt!

Ich denke, mit den Experimenten bin ich auch erstmal durch. Im Winter will ich mich entscheiden, wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll. Einheitliche Beuten sind halt schon praktisch. Mit einheitlich meine ich nicht, dass alle Imker die gleichen Beutengrößen etc. haben sollen, aber zumindest für die eigenen Bienen erleichtert es die Arbeit.

Grüße,
kaibee.
Zuletzt geändert von kaibee am So 22. Mai 2011, 22:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon kaibee » So 22. Mai 2011, 21:51

Distelbauer hat geschrieben:Ich möchte mir sowas mal aus Stroh bauen, aber die Kuhmistfladen sind ja heute so selten auf den Wiesen.

die Franzosen sind dahingehend auch sehr kreativ. Aber Holz finde ich als Werkstoff und besonders als Isolator angenehmer. Die Franzosen haben auch nicht so strenge Winter wie wir hier.

http://accenterre.blogspot.com/2010/04/04-mars-2009-atelier-ruches-en-terre.html
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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon Distelbauer » Mo 23. Mai 2011, 10:28

Hallo Kaibee,

danke für die schönen Bilder, hätt ich nicht erwartet, daß du auch das Dach in Perfektion ausgeführt hast. Ja, das Problem ist halt die Kompatibilität der Beuten untereinander. Ich habe meine erste Beute auch aus 18mm Brettern gebaut und jetzt aus 24mm. Die 18mm untersetzen ging ja, aber umgekehrt bleibt ja ein 3mm Rand und das ist regentechnisch ja nicht so praktisch. Vom Umgang her ist mir ja Holz auch lieber, aber ich dachte immer Strohbeuten wären von der Isolierung her eher besser.Der Nachteil sind natürlich die ungebetenen "Gäste". Naja erst mal brauch ich eh Zeit für sowas.

LG Georg

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon emmadielok » Di 24. Mai 2011, 13:56

Servus Kaibee,

Mich würd ja jetzt ganz wahnsinnig Deine Excel Tabelle interessieren.... :D
So was wär ne schöne Winterarbeit...

Viele Grüße aus der nördlichen Oberpfalz

Hubert

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon kaibee » Di 24. Mai 2011, 22:35

kommt die Tage...

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon kaibee » Fr 27. Mai 2011, 14:45

Bastelfreunde aufgepasst!

Auf folgender Seite gibts Fotos von weiteren polygonalen Beuten und auf der Mitte der Seite einen Link zu meinem Beuten-Rechner!
Principles and construction of round and polygonal modifications of the Warré hive

Hier der direkte Link zum Rechner:
http://warre.biobees.com/calc/

Es ist zwar alles auf englisch, aber es müssen ja eigentlich auch nur drei Werte angegeben werden!
- Anzahl der Seiten
- Holzstärke in cm (Dezimaltrenner ist ein Punkt)
- Grundfläche der Beute (Warré hat 900 cm^2)
Der Rest sollte eigentlich klar sein. Den errechneten Winkel muss man beim Gehrungsschnitt noch halbieren!

Viel Erfolg beim Bauen!
Falls noch Fragen aufkommen... ich helfe gern!

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Re: Mehr ist manchmal mehr!

Beitragvon emmadielok » Mo 30. Mai 2011, 07:33

Super Kaibee, danke.

Nur noch ne Frage, Du hast als Höhe die 21 cm von Warre genommen, oder?

Danke

Hubert


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