Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Eure eigenen Weiterentwicklungen und guten Ideen!
apicistus

Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon apicistus » So 29. Mai 2016, 20:14

Hallo!

Bin mir nicht sicher, ob dies das richtige Unterforum für dieses Thema ist ... war hier auch lange nicht unterwegs, da ich selbst aus beruflichen wie privaten Gründen mehrere Jahre mit der Imkerei pausiert habe. Ich versuch´s trotzdem mal.

Also, derzeit unterstütze ich einen Arbeitskollegen beim Einstieg in die Bienenhaltung. Da er seine Informationen zunächst nur aus der Fachliteratur und dem örtlichen Imkerverein bezogen hatte, hat er sich dementsprechend Normalmaß-Beuten zugelegt, um damit zu starten. In Gesprächen, die ich dann mit ihm führte, stellte sich heraus, daß bei ihm doch eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber alternativen Konzepten zur konventionellen Imkerei besteht - so habe ich ihm empfohlen, es gleich mit Naturwabenbau zu versuchen und seine Beuten mit Schwärmen zu besiedeln statt Ableger zu kaufen.

Da er nun mal die Magazinbeuten und die dazugehörigen DNM-Rähmchen hat, wäre meine Frage, ob sich damit eine Bienenhaltung nach Warre betreiben läßt. Also konkret: Leere Rähmchen mit Wachs-Anfangsstreifen (wie bei den Oberträgern der TBH) in die Zarge einsetzen, Schwarm einschlagen, dann zum Ausbau des Wabenwerks eine weitere Zarge untersetzen - statt aufsetzen wie in der Magazinimkerei üblich. Und die Größe des Schwarms spielt sicherlich auch eine Rolle.

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu unspezifisch, um beantwortet werden zu können. Ich selbst habe zuletzt nur noch eine TBH betrieben, war damit aber ganz zufrieden. Mir fehlt aber die praktische Erfahrung mit Warrebeuten (obwohl ich immer damit geliebäugelt habe) und ob sich die Warre-Philosophie so einfach auf die Magazinimkerei übertragen läßt, kann ich überhaupt nicht einschätzen. Bedenken hätte ich schon wegen des unterschiedlichen Volumens von Warre- und Normalmaß-Zargen. Ich möchte dem Kollegen auch keinen falschen Rat geben und zu Tierversuchen animieren. Dann sollte er es lieber auf "konventionelle" Weise beginnen und mit der Zeit seine eigenen Schlüsse ziehen.

Liebe Grüße,

Markus

stefanzo
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Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon stefanzo » So 29. Mai 2016, 21:16

Naturwabenbau ist auch mit Rähmchen kein Problem. Allerdings einem Anfänger, ohne fremde Hilfe, würde ich Anfangs doch empfehlen mit Mittelwänden und Anfangsstreifen zu arbeiten. Ich selber gebe seit Jahren schon aus Überzeugung keine Mittelwände mehr, auch auf Anfangsstreifen verzichte ich bei Beuten mit Rähmchen. Es braucht aber eine gewisse Erfahrung, den bei Fehlern werden die Rähmchen von den Bienen zusammengebaut, aber hat man es einmal im Gefühl, so läuft es wie geschmiert. Passives Untersetzen, wie bei Warre üblich, würde ich eher nicht empfehlen. Meist nehmen die Bienen den Raum zu spät an. Vieles hängt auch von der Gegend ab, wo man imkert. In Gegenden mit viel Tracht kann man wesentlich frecher agieren, als hier bei mir in der Agrarwüste.
mfg stefanzo

Johannes-Mellifera
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Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon Johannes-Mellifera » So 29. Mai 2016, 21:23

apicistus hat geschrieben:...
Bedenken hätte ich schon wegen des unterschiedlichen Volumens von Warre- und Normalmaß-Zargen. ...

Dann sollte er es lieber auf "konventionelle" Weise beginnen und mit der Zeit seine eigenen Schlüsse ziehen. ...

Hallo! :)

Also praktische Erfahrungen hab ich zwar auch nicht damit, aber ich kann mir schon vorstellen, dass das geht. Dein schon erkanntes Problem mit dem Volumen sehe ich allerdings auch. Eine "breite" Beute bremst den Naturbau etwas. (Hab ich so das Gefühl.)

Ganz ehrlich, ich würde zweigleisig fahren. Es spricht ja nichts dagegen, es mit 1-2 Schwärmen so zu versuchen, wie du schreibst. Im Notfall kann die 2. Zarge dann ja trotzdem mit ganzen MW aufgesetzt werden, falls die Anfangsstreifen unten nicht angenommen werden.
Parallel würde ich aber auch mit 1-2 Ablegern starten. Da kann (gute Königin vorausgesetzt) eigentlich nichts schief gehen.

Der positive Nebeneffekt wäre auch, dass ihr beide den direkten Vergleich habt und am Ende selbst urteilen könnt!
Denn in der Imkerei kann man eh wenig pauschalisieren. Vieles ist von sooo vielen Faktoren abhängig, dass man es nicht theoretisch vorher analysieren kann.

LG Johannes

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apicistus

Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon apicistus » So 29. Mai 2016, 23:20

Hallo Stefanzo, hallo Johannes,

danke für den raschen Support. Es ist mir schon klar, daß es in der Bienenhaltung keine allgemeingültigen Antworten geben kann, was die Betriebsweise betrifft, da spielen so viele Faktoren rein. Immerhin kann ich mit eigenen Erfahrungen aufwarten, was den Naturbau angeht. Die TBH kann ich in dieser Hinsicht aufgrund eigener Praxis wärmstens empfehlen. Wäre sie mir seinerzeit schon bekannt gewesen, hätte ich gleich mit dieser Beute angefangen. Subjektiv betrachtet finde ich das Arbeiten mit der TBH nämlich anfängerfreundlicher als mit herkömmlichen Magazinbeuten.

Zu Konzepten wie "Bienenkiste", "Bienenbox" etc. kann ich nichts sagen, da ich sie in der Praxis nicht kenne - schade nur, daß diese in der Anfängerschulung der Imkervereine weitgehend ignoriert oder nur negativ erwähnt werden. Dieses Schicksal trifft ja auch erprobte Bienenwohnungen wie Warre oder die TBH, leider. Aber ich schweife jetzt vom Thema ab ...

Die Umstellung von MW auf Naturbau ging bei mir auch nicht ohne Rückschläge vonstatten. So mußte ich erst lernen, daß Ableger auf MW nicht so ohne weiteres auf Naturbau-Modus umschalten. Mit der untergesetzten Leerzarge hat es nicht geklappt, da haben mir die Bienchen lediglich ein bischen Wirrbau veranstaltet und das war es dann. So habe ich den Versuch einer bienengerechten Imkerei mit den Magazinbeuten erst einmal ad acta gelegt. Mit der TBH lief es dann besser, wie schon erwähnt.

Eigentlich sehe ich mich durch Eure Antworten bestärkt, meinem Arbeitskollegen eine Betriebsweise mit Naturbau zu empfehlen und ihn darin auch zu unterstützen. Aber verkehrt ist es sicher nicht, für alle Fälle mit MW vorbereitete Rähmchen bereitzuhalten. Und dann steht ja auch noch meine jetzt verwaiste TBH dem Kollegen zur Verfügung, sofern er sich darauf einlassen kann.

Liebe Grüße,

Markus

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Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon biene1.0 » Di 31. Mai 2016, 21:05

Lieber Markus,
ich habe vor ein paar Wochen einen Ableger in eine Warre eingekehrt. Damit der Anfang nicht zu zögerlich verläuft habe ich in die obere Zarge Wabenträger mit Mittelwänden eingehängt. Die darunter stehende Zarge hat nur (bereits genutzte) Wabenträger bekommen. Nach einer knappen Woche waren die MW`s ausgebaut.
Morgen will ich nachschauen wie weit sie mit der unteren Zarge sind. Vor einer Woche hatten sich schon Bienen an den Wabenträgern aufgekettet.
Mir war die Schwierigkeit der Umstellung von MW auf nackte Wabenträger nicht bekannt.
Zum Ergebnis lasse ich von mir hören.

Gruß
Harald
"Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."
Albert Schweitzer

apicistus

Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon apicistus » Di 31. Mai 2016, 23:50

Hallo Harald,

das mit den Schwierigkeiten von Ablegern, ihren Wabenbau selbst zu produzieren, habe ich erst nach meinem eigenen Versuch gelesen - sonst hätte ich es bestimmt nicht so gemacht. Die Quelle für diese Information habe ich momentan nicht parat, aber wenn´s interessiert, kann ich noch mal recherchieren. Aber, bitteschön, nicht mehr heute abend.

Und an den Baufortschritten Deiner Bienen bin ich natürlich auch interessiert.

LG,

Markus

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Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon biene1.0 » Mi 1. Jun 2016, 21:32

Lieber Markus,
heute war wieder Kontrolltag. Dieses Volk (Ableger von 2015) hat in der ausgebauten Zarge auf 7 Waben beidseitig Brut. Größtenteils schon verdeckelt.
In der darunterstehenden Zarge wurde in der verstrichenen Woche nicht gebaut. Ich hatte Hoffnung. Das kann daran liegen, dass ich bei den guten Bauaktivitäten mit dem Füttern aufgehört habe. Und das Wetter ist ja kein Wort wert! Ich werde mich entscheiden müssen: Weiter füttern oder das Auslaufen der Brut abwarten?
Beriche kommen.
Gruß
Harald
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Albert Schweitzer

apicistus

Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon apicistus » Mi 1. Jun 2016, 23:59

Hallo Harald,

nächste Woche - also am 9. oder 10. Juni - werden wir zwei KS in die DNM-Beuten meines Kollegen einschlagen. Geplant ist, dann sofort für eine kontinuierliche Futtergabe zu sorgen, sei die Trachtsituation dann auch noch so gut. Und das ist sie bei uns vor Ort. Vor Jahren habe ich mal um Mitte Juli einen (sehr!) späten Schwarm in meine TBH eingeschlagen. Ich hatte schon nicht mehr gehofft, um diese Zeit die TBH noch besiedeln zu können und deshalb kontinuierlich bis in den September hinein mit Zuckerlösung gefüttert, um auf Nummer Sicher zu gehen. Bis dahin haben die Bienen 16 Waben ausbebaut und sind gut in und über den Winter gekommen.

Vielleicht kannst Du es zu diesem Zeitpunkt noch riskieren, die Fütterung auszusetzen und abzuwarten. Ist denn überhaupt kein Wabenansatz in der unteren Zarge erkennbar? Die Bienen hatten sich doch schon aufgekettet, wie Du berichtet hast. Ich bin mir nicht sicher, ob der Übergang zwischen den Zargen bzw. die Wabenunterbrechung nicht wie eine Bausperre wirkt, die von den Bienen nur zögerlich angenommen wird. Mich würde da mal interessieren, ob es bei Warre auch dieses Problem gibt, da die Bienen dort schließlich auch den Zargenwechsel beim Wabenbau meistern müssen.

LG,

Markus

stefanzo
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Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon stefanzo » Do 2. Jun 2016, 21:28

Nektar ist die natürliche Nahrung der Bienen. Füttern trotz guter Trachtlage finde ich bedenklich. Viele Imker kehren bei uns kehren ihre Bienen Mitte Juli ab, und setzen sie auf Mittelwände. Damit reduzieren sie die Varroa. Die anschließende Zuckerfütterung, der unnatürliche Wabenbau, geben mir zu denken. Oftmals ergibt sich trotzdem ein neuerliches Varroaproblem, dies verwundert mich nicht allzu sehr, sucht doch der späte Schwarm sehr umher, um alles neu aufzubauen, dabei sind schwächelnde Völker sehr willkommen und die Varroa wird neu eingetragen. Für das neuerliche Varroaproblem müssen dann die anderen Imker herhalten. Die haben schlecht behandelt, und nur dies kann die Schuld an der Schwäche ihrer Völker sein. Mein Fazit ist: Naturbau ist Naturbau, mit Mittelwänden ist es auch möglich, Natürliche Nahrung ist natürliche Nahrung, mit künstlicher Nahrung ist es auch möglich. Aber wenn Zucker oder Maisstärke dem Honig, selbst vom Imker!, als gleichwertig betrachtet wird, warum sollte dann Honig höher zu bewerten sein als Nutella?
Ja die Oberträger wirken sperrend auf die Bienen, in rein passiver Betriebsweise überwinden die Bienen diese Sperre nur bei genügend Tracht und Volksstärke. Die Betriebsweise kann man natürlich auf die lokalen Begebenheiten anpassen, das schrieb auch schon Warre, das man bei zunehmender Intesivierung der Landwirtschaft die Betriebsweise überdenken kann.
Ich möchte hier nichts schlecht reden, was andere machen, und betonen das dies meine Ansichten sind. Ich mache es so, wie ich denke, das es für meine Bienen das Beste ist, und so machen es (hoffentlich) auch alle anderen. Ob mit Mittelwände oder ohne, ob mit Zucker oder ohne, jeder soll das machen, was er denkt, das es das Richtige für seine Bienen ist.
mfg stefanzo

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Re: Übertragung des Warre-Prinzips auf Magazinbeuten

Beitragvon zaunreiter » Do 2. Jun 2016, 23:40

Und dann siehst Du das erste Mal ein richtiges Bienenvolk, voll in Saft und Kraft stehend, und dann wirst Du deine Ansichten von selbst hinterfragen. Eine Kiste mit drei Bienen drin ist eben kein Bienenvolk sondern nur noch traurig.

Nicht jeder wie er mag, sondern was für die Bienen gut ist. Wir Imker sind Teil des Biens. Erfüllen wir unseren Part.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.


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