Fette Bienen für den Winter

Alle Arbeiten rund um die Einwinterung der Bienen im Warréstock. Einfüttern, vereinigen, usw.
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Fette Bienen für den Winter

Beitragvon zaunreiter » Mi 18. Jul 2012, 08:54

So langsam beginnen die Wintervorbereitungen.

Für die Überwinterung ist wichtig, daß die Bienen genug zu futtern haben. Die oberste Zarge sollte gerammelt voll mit Honig/Winterfutter sein. Ein guter Zeitpunkt zum Einfüttern ist Ende August oder Anfang September. Gut einfüttern und Ende September nochmal ein paar Kilo Futterteig in den Fütterer legen. Im vergangenen Jahr sind die Bienen bis in den Dezember hinein noch täglich geflogen, da kann bei so viel Aktivität etwas mehr Wegzehrung nicht schaden.

Ganz besonders wichtig, ist aber zu wissen, daß Im September die meisten Winterbienen geboren werden und die müssen einen Fettkörper anlegen. So ein Fettkörper sieht so aus: (Im Vergleich Sommerbiene zu Winterbiene.)

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http://scientificbeekeeping.com/fat-bees-part-1/

Mitten im Winter fangen die Bienen wieder an zu brüten und die Brut muß gefüttert werden. Da die Bienen dann a) nicht fliegen können und b) keinen Pollen finden können, zehren sie von Vorräten. Neben stillen Pollenreserven ist vor allem der Fettkörper in den Bienen die Grundlage für das Brutfutter im Winter.

Das bedeutet:
Je mehr Bienen in den Winter gehen, desto mehr Brutfutter. Je fetter die Bienen sind, desto qualitativ und quantitativ besser ist das Brutfutter. Desto kräftiger überleben sie den Winter.

Die fetten Bienen entstehen zwar schon ab Juli (also ab jetzt) - aber in der Hauptsache entstehen sie im September. Daher im September auf Pollenflug und gute Fütterung achten. Die Reduzierung auf zwei Zargen hilft, das Volk zusammen- und damit warmzuhalten.

Jetzt laufen die Vorbereitungen dafür, daß im September die Brut ungestört und wohlgenährt großgezogen werden kann.

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon zaunreiter » Mo 22. Jul 2013, 15:08

Für die Versorgung der Bienen mit Pollen und ein bisschen Nektar (hauptsächlich Pollen) habe ich kleine Streifen Phacelia in meinem Garten angelegt. Die Streifen säe ich mit einem Abstand von zwei Wochen aus. So daß immer etwas von der Phacelia blüht und eine Grundversorgung sichergestellt ist.



Gerade jetzt, wo der Mais anfängt zu blühen, ist eine Ablenkung vom Maispollen notwendig, damit die Bienen die Gifte auf dem Feld lassen.

Insgesamt habe ich etwa 400-450 Quadratmeter Phacelia ausgesäht. Eingerahmt von weiteren Pollenspendern, wie Sonnenblumen, Sonnenhut (als Staude sehr gut), Fenchel, Durchwachsene Silphie, Borretsch und Weißklee. Und natürlich Bienenbäume (Euodia). Ein Segen für die Bienen ist der Bienenbaum.

Diese Pollenspenderpflanzungen werden auch sehr gern von vielen anderen Bestäubern genutzt. Seitdem ich diese Streifen anlege, ist die Population an Wildbienen und -hummeln wieder stabiler. Ich entdecke ständig neue Arten.

Für die Anlage von Winterspeck sind diese späten Pollenspender sehr wichtig. Der Imker hat dafür Sorge zu tragen, daß es an Pollen nicht mangelt.
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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon zaunreiter » Mo 22. Jul 2013, 15:12

Phacelia oder auch: Büschelschön. Ein Segen für alle Arten von Bienen.

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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon zaunreiter » Mo 22. Jul 2013, 15:15

Die Büschel des Büschelschöns stören die Bienen bei der Landung. Und jede scheint für sich eine andere Art der Landetechnik entwickelt zu haben. Relativ häufig sah ich die folgende Landetechnik.

Mehr oder weniger im Flug auf den Rücken lehnend, werden die Hinterbeine nach vorne gestreckt...
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...die Biene "beugt" sich dann nach vorne...
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...greift die Büschel mit den Vorderarmen und presst diese an den Brutkorb.
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Dann krabbelt sie nach oben.
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Wie ein Ungetüm kommt so eine dicke Hummel hinter der Blüte hervor.
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Ein kleiner Leonardo da Vinci...
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...mümmelt am Pollen.
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Um ihre Wendigkeit und Flugfähigkeiten beneide ich die Bienen.
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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon zaunreiter » Mo 22. Jul 2013, 15:16

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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon Theophanu » Mo 22. Jul 2013, 21:27

Danke. Das ist so schön anzusehen!

Ich habe einen Streifen Borretsch neben den Kartoffeln. Das summt nur so von Bienen und Hummeln. Unglaublich!
An den Lein, den ich als Gründüngung habe sind sie nicht gegangen - hat mich etwas enttäuscht.
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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon Claudia.1977 » Mi 4. Jun 2014, 17:54

Hallo Bernhard, welche Digitalkamera benutzt Du für diese super tollen Bienfotos?
grüßend
claudia
liebe Grüße Claudia
[Warré seit 2014 (Oekobeute, Andreas Meisel)/ TBH seit 2015 (Oekobeute, Andreas Meisel) / Bienenkugel seit 2016 (Andreas Heidinger)/ Klotzbeute, trocknet seit 2016, Inbetriebnahme in 2018 (Selbstbau im Zeidler Kurs, Schloss Hamborn)]

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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon zaunreiter » Mi 4. Jun 2014, 19:31

Canon EOS500D
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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon zaunreiter » Do 22. Okt 2015, 11:24

"Winterbienen" sind eher "Dauerbienen". Also Bienen mit längerer Lebensdauer. Bienen leben länger mit einem gefüllten Fettkörper - hier im Schnitt links eine dürre kurzlebige Biene und rechts eine fette langlebige Biene.

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http://scientificbeekeeping.com/fat-bees-part-1/

Der Fettkörper wird in den ersten fünf Lebenstagen der gerade geschlüpften Jungbiene aufgebaut.

Über einen Doppel-Mechanismus, in dem das Juvenilhormon und das Vitellogenin (und ein Sammlerinnenpheromon) eine Rolle spielen, wird ein Verhalten ausgelöst, das bei Einstellen des Trachtfluges und vor allem bei Pollenmangel eintritt. Die junge Brut wird kannibalisiert, sprich: aufgefressen.

Vermutlich übernehmen die jungen Pflege- und Putzbienen das Ausfressen und fressen sich damit einen Speckkörper an, was sie zu Dauerbienen macht.

Auch wenn im August und Herbst noch Pollen eingetragen wird, in der Regel herrscht zu dieser Zeit Pollenknappheit. Und damit Proteinmangel. Mehr und mehr wird die Brut (in der Regel Eier) ausgefressen und es bilden sich Winterbienen.

Übrigens kann der Mechanismus Juvenilhormon/Vitellogenin auch dafür verantwortlich sein, daß mit dem Schwinden des Vitellogenin und der Erhöhung des Juvenilhormons und andersherum, das Absteigen der Varroa in die schlupfreifen Zellen gesteuert wird. Sprich: kommt es zum Proteinmangel, steigen die Varroen in die Zellen ab.

Wer vom August bis Dezember Pollenersatz füttert, der findet große Brutnester auch bei Frost vor und hat eine sehr große Zahl an Dauerbienen im Volk. Allerdings darf die Versorgung zwischendurch nicht abreißen und es besteht die Gefahr von Darmerkrankungen. Und bei der Varroa gibt es mehr Vermehrungszyklen. Jedenfalls hat der die größten Bienenvölker im Frühjahr, bei dessen Völkern die Pollenversorgung (Proteinversorgung) möglichst bis kurz vor dem Winter optimal gegeben ist. Dann treten äußere Reize wie Länge des Tageslichtes ein, die den Winter einläuten und die Bienen veranlassen, aus der Brut zu gehen.

Über die Fütterung von Zucker läßt sich die Erzeugung von Winterbienen jedenfalls nicht steuern.
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Re: Fette Bienen für den Winter

Beitragvon lilie » Sa 24. Okt 2015, 02:14

Hallo Bernhard,
ist den der Pollenersatz, den Du fütterst, ausschliesslich selbst gesammelter,resp. selbst "abgezwackter", Pollen?
Und was für ein kaufbares Produkt stellt z.B. ein gutes Pollenersatzmittel dar?
Lg
Susanne


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