Verdampfen von Oxalsäure

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
Finvara
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Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon Finvara » Sa 6. Nov 2010, 19:37

Hallo an alle,
Einfacher Oxalsäureverdampfer :

Der Verdampfer besteht aus handelsüblichen Wasserleitungsteilen aus dem Baumarkt ( 1/2 Zoll Eisenrohr )
benötigt werden :
-ein T-Stück
-vier Rohrstücke ( 8 cm ) mit beidseitigem Gewinde
-zwei Verschlußstücke
-je nach Bedarf div. Schlauchanschlußstücke.
-einen Gasbrenner, eine Luftmatratzenpumpe, Schrauben, und Kleinteile laut Beschreibung

Aufgeheizt wird mit einem einfachen Gasbrenner. In den unten aufgeschraubten Rohrbehälter werden zwei gramm Oxalsäure gegeben. ( Lose od. Tablette )
( Da sich der Säurebehälter sehr stark aufheizt sollte man jeweils mit zweien arbeiten. So kann einer immer abkühlen während der andere in Betrieb ist.) Danach wird das Rohrstück unten eingeschraubt und das Rohr mit dem Gasbrenner aufgeheizt. Die Verdampfung setzt nach etwa 20-30 sek. ein. Durch ein paar Pumpstöße mit einer Luftmatrazenpumpe wird das Gas in die Beute gepumpt. nach ein paar Sek sieht man den Rauch aus allen Ritzen quellen. Der Brenner kann nun abgestellt werden. Das restliche Gas wird in die Beute gepumpt und der Schlauch entnommen. Die Beute wird nach Abschluß der Begasung noch für etwa 5 min. mit schaumstoff verschlossen , so kann sich der Nebel auf Biene und Waben absetzen.
Vor dem Beginn der Begasung sollte der gesamte Vergaser mit dem Brenner erst einmal gut aufgeheizt werden um zu verhindern das Oxalsäuredämpfe an kalten Eisenteilen kondensieren und an den Rohrinnenwänden auskristallisieren !

Zur Gaszuführung in die Beute dient ein durchsichtiger etwa 60cm langer Schlauch aus dem Aquarienbedarf der vorn auf den Vergaser aufgesteckt wird , und am anderen Ende ein stück Schaumstoff zum abdichten des Flugloches beim begasen erhält. Durch den durchsichtigen Schlauch ist es möglich sofort zu erkennen wenn die Vergasung der Oxalsäure ( weißer Nebel ) beginnt , und beendet ist.
Als Luftzuführung geht jeder längere Schlauch ( ich benutze einen 3m langen Duschschlauch da das Schraubgewinde genau passt.) Durch die Schlauchlänge ( wenigstens 3m ) ist es bei beachtung der Windrichtung möglich, ohne Gefahr die Völker zu begasen.DSC00005.JPG

Ich habe dieses Jahr zehn Völker ausschließlich mit diesem Vergaser in mehreren Blockbehandlungen behandelt.
Ich kann sagen : Die Völker verhalten sich wärend des begasens ( und auch danach ) ausnehmend ruhig. Es giebt kein aufbrausen, und keine nennenswerte Agressivität. ( Einzig beim öffnen des Flugloches nach etwa 5 min. sollte man doch nicht gerade vor dem Flugloch verweilen ;) . Aber auch diese Aufregung legte sich sofort wieder. )
Der Milbenfall war vergleichbar mit den mit AS behandelten Völkern. Die Begasung selbst ging zügig und ohne Probleme von statten. Der Zeitaufwand für ein Volk liegt bei etwa 5 min. Ist der Vergaser einmal heiß, setzt die Vergasung der OS innerhalb von sek. ein. ( Deswegen auch mit zwei Behältern arbeiten. Sonst kann es passieren das die Vergasung schon beim befüllen eintritt !!! )
Aus der in diesem Jahr damit gemachten positiven Erfahrung werde ich ab nächstem Jahr , sofern erforderlich, ausschließlich auf diese Methode umsteigen da ich sie für weitaus Bienenschonender halte.

bernhart
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon bernhart » Sa 6. Nov 2010, 22:10

Danke für Deine ausführlichen und konkreten Anleitungen! (auch an anderer Stelle :-) )

Finvara
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon Finvara » So 7. Nov 2010, 11:11

hallo Apiarius,
meines Wissens geschieht das erst ab etwa 1850°C . ( Sollte ich mich irren bitte ganz schnell korrigieren, denn da ich kein Metallfachmann bin konnte ich mich dabei nur auf Bücher verlassen !!! )
Mit dem kleinen Brenner schaffen wir aber nicht mal ein Drittel Innentemperatur. Insofern habe ich mir darüber keine Sorgen gemacht.

gruß Finvara

Finvara
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon Finvara » So 7. Nov 2010, 19:28

Hallo Markus,
bedanken muß ich mich. Hinweise in dieser Richtung sind immer willkommen, helfen sie doch uns allen.
Für die von mir genannte Temperatur möchte ich mich natürlich nicht verbürgen. Stützt sie sich doch nur auf angelesenes, und das muß nicht immer richtig sein. ... Also gehe ich davon aus das deine Angaben stimmen !
Aber davon abgesehen. Auch 900°C ereichen wir nie !
Denn wie schon gesagt :
... ist das mit einem solchen Brenner technisch bei diesem Aufbau und bei der beschriebenen Handhabung nicht machbar.
denn wir müssen ,wie schon gesagt ,wenige Sekunden nach einsetzen des Verdampfungsvorganges den Brenner abdrehen / abnehmen, sonst würde die Oxalsäure verbrennen .( Wirkung dann gleich Null.)
Wir bewegen uns damit in einem Temperaturbereich bis max. 200°C.

WICHTIG: der von mir verwendete Brenner ist sozusagen ein Prototyp. Verbesserrungen folgen bestimmt !!! !!!
( ZB. könnte man für den Säurebehälter ein Stück Kupferrohr verwenden. ( Oder auch für den Gesamtaufbau.) Auch ist das abschrauben des Säurebehälters noch nicht zufriedenstellend gelöst. ( Das heiße Rohrstück kann nur mit Handschuhen oder einer Rohrzange gehändelt werden. ) Es ist also noch einiges zu verbessern. Sachliche Vorschläge und Kritiken sind daher immer willkommen .
Für mich war aber erst mal wichtig ein funktionsfähiges Gerät in seinem Grundaufbau möglichst für jeden nachbaubar und vor allem preiswert zu gestalten.

Die Luftpumpe sorgt für eine optimale Verteilung der Dämpfe. Und das tut sie gründlich. Einige sanfte Pumpstöße genügen und die Beute dampft aus allen Löchern. Deswegen auch der lange Luftschlauch.( Bis dahin dachte ich immer die Beuten werden dicht zugekittet. Es ist erstaunlich wo da überall Luftspalten gelassen werden.)
Ohne Pumpe funktionierte die Sache bei mir nicht zufriedenstellend. Die Dämpfe blieben zum Großteil im Schlauch und Gerät und kristallisierten dort aus. ( Der Schlauch setzte sich mit einer Mehlschicht regelrecht zu.)
Die von dir genannten Geräte kenn ich leider nicht. Aber ich werd sie mir ansehen. ( Wenn man die Sache noch mehr vereinfachen kann wäre das ja prima. Und das Fahrrad zweimal erfinden muß ich ja auch nicht.) Ansonsten bin ich ja in punkto Verdampfung selbst noch Anfänger. Bisher habe ich immer im Spätherbst geträufelt od. gesprüht. Bei dieser Methode stört es mich aber das ich das Volk in einer Jahreszeit öffnen muß in der , meiner Meinung nach , der Imker nichts mehr im Volk zu suchen hat. Ameisensäure im Sommer halte ich zwar für sehr wirkungsvoll aber für absolut brutal. ( Gleichgültig in welcher Konzentration und mit welcher Methode sie ins Volk gebracht wird.) - Und so bewege ich mich wohl langsam in eine Richtung die auf ein absolutes Minimum an Behandlungen hinausläuft. Zusammen mit meiner in den letzten Jahren praktizierten Schwarmbetriebsweise, der Praxis vieler Kleinststände (max. 5 Völkeran einem Platz) und den daraus resultierenden Konsequenzen ( lange Brutpause, kleinere Völker, verdünnung des Milbenbestandes, vermeidung von Reinvasion, usw. ) hoffe ich irgendwann zu einem Ergebnis zu kommen bei dem Behandlungen überflüssig werden. ( Aber das ist Zukunftsmusik, und du weist ja , wenns draußen nichts mehr zu tun giebt fängt der Imker an zu träumen .) ( ... man nennt es auch " Entzugserscheinungen :lol: " )

gruß Uwe

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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon BeeWild » Fr 19. Nov 2010, 17:46

Hallo,

starke Bauanleitung, habs mir auch nachgebaut, aber jetzt hab ich doch ne Frage dazu.
Verwendet ihr etwas zum abdichten von den Rohrstücken ? Teflonband oder so etwas oder wird das durch festes zusammenschrauben dicht genug.
Die Gummidichtungen aus den Schlauchanschlußstücken hab ich auf jeden Fall mal rausgemacht, nicht daß das Zeug mir da drin abfackelt und den Bienen schadet.

Grüße
Christian

Finvara
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon Finvara » Fr 19. Nov 2010, 19:49

Hallo Christian,
Ich hab bisher alles ohne Dichtungsmittel verschraubt.

gruß Uwe

BeeWild
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon BeeWild » Sa 20. Nov 2010, 23:10

Hallo an Alle,

Danke für die Antworten, stimmt auch was Ihr sagt, war dicht. :D
Habs vorher noch mit Rauch ausprobiert, unten zugeschraubt, vorne Rauch reingeblasen und hinten zugehalten und beim verdampfen ging heute auch alles glatt.
Finvara`s "Dampfvehikel" (wenn ich das falsch benannt habe, musst du deinem Patent mal nen Namen geben :D )
funktioniert prima. Nochmals Besten Dank für die tolle Anleitung.
Meins ist zwar leicht abgeändert, aber man verbaut halt, was man so da hat. ;)
Hab nen Blasebalg(fussbetätigt) und den Brenner nicht festgebaut. Ich hatte ja wegen der Fussbetätigung für die Luft eh ne Hand mehr frei und das obere Querrohr lässt sich dadurch zwischendrin nachwärmen.
Waren heute 5° Grad und ich habe mit 3Gramm Oxalsäure-Tabletten bedampft. ( Bitte nicht einfach übernehmen, die Menge wird für die Dadantbeute empfohlen). Passen auch sehr gut rein in das 1/2"-Rohr.
Das Ganze ging sehr flott, wie von Finvara auch beschrieben. Ich musste allerdings nochmals nachheizen, da ich den Brenner zu früh weggenommen habe. Bedampfungszeit waren dann 7Minuten. Sollte aber auch kein Problem sein, denn manche empfehlen auch 10 Minuten. Bei mir hat es eigentlich nur unten rausgequalmt, die Dadant hat einen offenen Gitterboden, den ich mit einem Schiebebrettchen verschlossen habe.
Im Allgemeinen wars ziemlich ungefährlich, denn ich hatte leichten Wind im Rücken und der Vergdampfer war auch total dicht.
Erst beim öffnen des Fluglochs konnte man die Oxalsäure auch riechen.
Von der Handhabung ist es wirklich sehr einfach, zusammenzubauen und den Vergaser anzuwenden.
Wie praktisch es bei mehreren Völkern ist, kann ich jetzt nichts dazu sagen, aber da ist wahrscheinlich besser mit mehreren vorgefüllten Röhrchen zu arbeiten.
Was mich erstaunt hat, ist wie lange doch das Metall bei diesen Aussentemperaturen warm bleibt, das hätte ich nicht gedacht.
Was mir noch aufgefallen ist, neue Rohre aus dem Baumarkt sollte man vorher gründlich reinigen und ausbrennen, da dort immer Korrosionsschutz, Öl und/oder Metallschmiere von der Herstellung drauf sind.
Auch hab ich ein paar Tropfen Wasser auf die Oxalsäuretabletten gegeben. Es soll angeblich vor zu schnellem Aufheizen und dem Abbrennen der Oxalsäure etwas schützen, was nicht passieren darf. Da es bei mir gut geklappt hat, geh ich mal davon aus, dass es wohl nicht falsch war. Immerhin wars mein erster Oxaleinsatz und ich hatte schon etwas Bammel davor, wie es die Bienen denn vertragen würden und ich auch ;)
Ja genau, die Bienen. Hätte ich jetzt fast vergessen.
Denen gings gut. Eine hab ich nicht erwischt, die kam grade kurz vor dem Bedampfen wieder zurückgeflogen. Der gehts aber auch gut, denn sie ist kurz nach Freigabe des Fluglochs reingewandert.
Von den anderen gabs während des Bedampfens nur ein kurzes Aufbrausen (So wie beim Rauch reinblasen) und nach dem Öffnen des Fluglochs wollte auch keine raus. War wahrscheinlich zu kalt, allerdings saßen sie nicht in der Wintertraube, was ich vorher mit Spiegel kontrolliert habe.
So dann hab ich noch einen Link für euch mit nem meiner Meinung nach sehr guten Bericht über OS-Verdampfung und Testreihe von Mellifera e.V. . Ist zwar schon von 2001, aber sehr gut, detailliert und mit viel Randinfos über das Ganze und trotzdem leicht verständlich.
http://www.muehllechner.at/oxalsaeurebe ... muehle.pdf
Foto bring ich noch von meinem Verdampfer

Dann noch viele Grüße.

Finvara
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon Finvara » So 21. Nov 2010, 13:34

Hallo BeeWild,
danke für den Bericht.
Aber noch mal der dringende Hinweis : ... ABSTAND HALTEN ... !!!

Oxalsäure ist bei sorgfältiger Handhabung relativ ungefährlich. Aber wenn sie in den Körper gelangt kann sie sehr gesundheitsschädlich sein. ( Wenn du sie " riechst " warst du zu lange zu nahe dran !)
Deswegen auch der Hinweis nicht vor dem Flugloch verweilen, der aufgesteckte Brenner und der lange Luftzuführungsschlauch.

gruß Uwe
Ps.: " Dampfvehikel " ist gut, :lol:
Danke für den Hinweis die Rohre auszubrennen, das hatte ich vergessen.

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Distelbauer
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon Distelbauer » So 21. Nov 2010, 17:46

Also ich hab mir ja so ein "Vehikel" aus Edelstahlrohren zusammengeschweißt.Hab aber auch die Rohre umsonst bei uns im Recyclinghof bekommen und schwißen kann auch nicht jeder, aber wenn man schon die Schraubvariante nimmt frag ich mich, ob man nicht unverzinkte Heizungswasserrohre kriegen kann, ich hatte auch schon mal so ne dämliche Zinkvergiftung. Dann doch lieber nen rostigen Verdampfer, oder?

LG Georg

bernhart
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Re: Verdampfen von Oxalsäure

Beitragvon bernhart » So 12. Dez 2010, 12:20

Servus Api,
leider gibt es keine PN-Funktion in diesem Forum; daher schreibe ich in diesen Thread hinein: Du scheinst ganz in meiner Nähe zu wohnen. Es würde mich sehr freuen, wenn wir in Kontakt kommen könnten.
Meine email findest Du auf meiner Website: http://bernhart.ruso.at
bis bald,
Bernhart