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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Verfasst: Sa 23. Mai 2020, 19:31
von Rolf_L
Hallo Zaunreiter,
am 18.05. veröffentlicht und heute schon im Forum. :clap:

Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Verfasst: Sa 23. Mai 2020, 23:06
von Manfred
Grüß Euch,

Etz haumas wissenschoftli a nau, de Viecha san lernfähig.! :handgestures-thumbup:

Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Verfasst: Fr 29. Mai 2020, 09:41
von zaunreiter
Toleranz von Honigbienen gegenüber Varroa-Milbe in Abwesenheit eines deformierten Flügelvirus

Abstract:
Die weltweite Verbreitung des Varroa-Destruktors der parasitären Milbe hat die Bedeutung von Viren als Krankheitserreger bei Honigbienenpopulationen (Apis mellifera) hervorgehoben. Insbesondere die Assoziation des deformierten Flügelvirus (DWV) mit V. destructor und seine verheerende Wirkung auf Honigbienenvölker haben dazu geführt, dass dieses Virus mittlerweile zu einem der am besten untersuchten Insektenviren geworden ist. Es gab jedoch keine Gelegenheit, die Auswirkungen von Varroa-Milben ohne den Einfluss von DWV zu untersuchen.

In Papua-Neuguinea (PNG) ist die Schwesterspezies V. jacobsoni durch eine Wirtsverschiebung entstanden, um sich in der lokalen A. mellifera-Population zu vermehren. Nach anfänglichen Völkerverlusten haben Imker mehr als ein Jahrzehnt lang Honigbienenvölker ohne Chemikalien gehalten, was darauf hindeutet, dass diese Bienenpopulation einen unbekannten Milbentoleranzmechanismus aufweist. Mithilfe der Hochdurchsatzsequenzierung (HTS) und des Ziel-PCR-Nachweises untersuchten wir, ob die Viruslandschaft der Papua-Neuguinea-Honigbienenpopulation der zugrunde liegende Faktor für die Milbentoleranz ist.

Wir fanden, dass A. mellifera und A. cerana von Papua-Neuguinea und den nahe gelegenen Salomonen vorwiegend mit Sacbrood-Virus (SBV), Black Queen Cell-Virus (BQCV) und Lake Sinai-Viren (LSV) infiziert waren, ohne dass Hinweise auf DWV-Stämme vorlagen. V. jacobsoni wurde von mehreren viralen Homologen infiziert, um kürzlich V. destructor-Viren zu entdecken, aber Varroa jacobsoni rhabdovirus-1 (ARV-1-Homolog) war das einzige Virus, das sowohl bei Milben als auch bei Honigbienen nachgewiesen wurde.

Wir schließen aus diesen Befunden, dass A. mellifera in Papua-Neuguinea V. jacobsoni tolerieren kann, da der Schaden durch Parasitismus ohne DWV signifikant verringert ist. Diese Studie liefert auch weitere Beweise dafür, dass DWV nicht in allen Honigbienenpopulationen als verdeckte Infektion existiert und dass die Beibehaltung dieses schwerwiegenden viralen Pathogens angesichts von Varroa wichtige Auswirkungen auf die Gesundheit der Bienen haben kann.

Roberts, J.M.K.; Simbiken, N.; Dale, C.; Armstrong, J.; Anderson, D.L. Tolerance of Honey Bees to Varroa Mite in the Absence of Deformed Wing Virus. Viruses 2020, 12, 575. DOI: 10.3390/v12050575
https://www.researchgate.net/publicatio ... Wing_Virus

Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Verfasst: Sa 15. Aug 2020, 14:59
von zaunreiter
Identifizierung von immunregulatorischen Genen in Apis mellifera durch Koffeinbehandlung

Einfache Zusammenfassung: Die Präferenz von Honigbienen, Nektar mit Koffein zu konsumieren, wurde bereits beschrieben. Um die Auswirkungen von Koffein auf diesen wichtigen Bestäuber zu untersuchen, konzentrieren wir uns zunächst auf die Einflüsse auf die Immunität, die bei Insekten in Bezug auf Koffein selten untersucht werden. In unseren Ergebnissen entdeckten wir die unterdrückenden Wirkungen auf virale Pathogene und die verstärkenden Wirkungen auf die Immunität nach einer Koffeinbehandlung. Mindestens sechs verschiedene latent infizierende Viren in Taiwan wurden durch Koffein unterdrückt. Dennoch ist die Verbesserung der Immunität möglicherweise nicht wirksam, wenn die Bienen nicht der Umwelt oder potenziellen natürlichen Sekundärmetaboliten wie Koffein ausgesetzt waren. Diese Ergebnisse liefern einen grundlegenden, aber wertvollen Einblick, wie Koffein Honigbienen bei der Bekämpfung der Virusinvasion unterstützen kann.

Zusammenfassung: Pflanzen und Bestäuber sind für beide Seiten von Vorteil: Pflanzen liefern Nektar als Nahrungsquelle und im Gegenzug wird ihr Pollen von Bestäubern wie Honigbienen verbreitet. Einige Pflanzen scheiden Chemikalien aus, um Pflanzenfresser als Schutzmaßnahme abzuhalten, darunter Koffein, eine natürlich vorkommende, bitter schmeckende und pharmakologisch aktive sekundäre Verbindung. Es kann in geringen Konzentrationen in den Nektaren einiger Pflanzen gefunden werden. Wenn Bestäuber Nektar konsumieren, nehmen sie daher auch geringe Mengen an Koffein auf. Während Koffein sowohl bei Säugetieren als auch bei Insekten als Antioxidans angegeben wurde, ist die Wirkung auf die Insektenimmunität unklar. In der vorliegenden Studie wurden Honigbienen mit Koffein behandelt und die Expressionsprofile von Genen, die an Immunantworten beteiligt sind, wurden gemessen, um den Einfluss von Koffein auf die Immunität zu bewerten. Zusätzlich wurden Honigbienen mit dem deformierten Flügelvirus (DWV) infiziert, um zu untersuchen, wie Koffein ihre Reaktion gegen Krankheitserreger beeinflusst. Unsere Ergebnisse zeigten, dass Koffein die Expression von Genen, die an der Immunität beteiligt sind, erhöhen und die Anzahl der Viruskopien verringern kann, was darauf hinweist, dass es das Potenzial hat, Honigbienen bei der Bekämpfung von Virusinfektionen zu helfen. Die vorliegende Studie bietet einen wertvollen Einblick in den Mechanismus, mit dem Honigbienen auf biotischen Stress reagieren und wie Koffein einen positiven Beitrag leisten kann und somit eine potenzielle Anwendung in der Bienenzucht hat.


Yun-Heng Lu, Carol-P Wu, Cheng-Kang Tang et al., Identification of Immune Regulatory Genes in Apis mellifera through Caffeine Treatment, Insects 2020, 11, 516; doi:10.3390/insects11080516
https://www.mdpi.com/2075-4450/11/8/516/htm

Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Verfasst: Sa 15. Aug 2020, 15:59
von biene0.1
Danke, Bernhard!
Das Ist eine interessante Studie. Schön wäre es, wenn da weiter gearbeitet würde. Und daraus etwas brauchbares für den Imker werden würde.
Hast Du eine Vorstellung für die tägliche Arbeit bezüglich Darreichungsform und Konzentration im Futter?
Gruß
Harald

Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Verfasst: Fr 28. Aug 2020, 19:02
von zaunreiter
CO2 und Kognition
Kohlendioxid macht dumm

Welche direkten Auswirkungen haben erhöhte CO2-Konzentrationen in der Umgebung auf den Menschen?

beeinträchtigen visuelle Wahrnehmung und die Manövrierfähigkeit
signifikante Verschlechterung von Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Gedächtnis und Konzentration bei erhöhten CO2-Werten
-Entscheidungsfindung und Planung scheinen stark betroffen
selbst geringfügig erhöhte Konzentrationen von atmosphärischem CO2 (720 ppm) ausreichen, um beim Menschen eine Azidose (erniedrigten Blut-pH) zu induzieren
zehn Prozent Leistungsabfall pro ~ 400 ppm CO2-Anstieg
wir erwarten bis zum Jahr 2100 eine Reduzierung unserer grundlegenden Entscheidungsfähigkeit um ~25% und eine Reduzierung des komplexeren strategischen Denkens um ~50%
Anbei die zugrundeliegende Studie. (Review)

[attachment=0]CO2-Kognitition.pdf[/attachment]


PS: Bei Bienen begünstigt ein zu hoher CO2-Spiegel im Bienenvolk die Anfälligkeit gegenüber Nosema.

Quelle:
Czekońska K. Influence of carbon dioxide on Nosema apis infection of honeybees (Apis mellifera). J Invertebr Pathol. 2007;95(2):84-86. doi:10.1016/j.jip.2007.02.001

PPS: Ein höherer CO2-Gehalt erhöht die Sterblichkeit der Varroamilben bei Überwinterung (Bienenvölker, die bei schlechter Belüftung in Innenräumen überwintert werden)

Quelle:
Rassol Bahreini, Robert W. Currie "The Potential of Bee-Generated Carbon Dioxide for Control of Varroa Mite (Mesostigmata: Varroidae) in Indoor Overwintering Honey Bee (Hymenoptera: Apidae) Colonies," Journal of Economic Entomology, 108(5), 2153-2167, (1 October 2015)

Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Verfasst: Sa 29. Aug 2020, 11:17
von Manfred
Grüß Euch,

"Der letzte Mensch" braucht weder Reflexion noch Entschiedenheit.

https://www.youtube.com/watch?v=_7kQ3_QLJWc

HG Manfred