Varroabehandlung in der Warrébeute

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
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zaunreiter
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Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon zaunreiter » Mi 14. Nov 2012, 12:01

Einleitung

Für Anfänger der Imkerei und für Imker mit weniger als zehn Völkern empfiehlt sich die konventionelle Behandlung der Bienenvölker gegen Varroa. Denn ansonsten reicht eine böse Überraschung aus, um alle Völker kollabieren zu lassen. Gerade wenn der Blick dafür noch fehlt und die Krisen nicht rechtzeitig erkannt werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch. Zu Anfang geht es darum, so viel Erfahrung zu sammeln, wie es nur geht.

Es ist wichtig zu lernen, wie Du die Bienen fett machst und die Bienen rundherum gut nährst. Der ganze Hormon- und Pheromonhaushalt, der Futtersaft - kommt aus dem Fettkörper. Außerdem ist der Fettkörper das Entgiftungsorgan der Bienen und des Weiteren ist der Fettkörper Teil des Immunsystems. (Schutz vor Viren und Co.) http://immenfreunde.de/forum/viewtopic.php?f=17&t=488

Erst wenn diese Grundlagen sitzen, sollten auch alle Versuche - unter kontrollierten Bedingungen! - unternommen werden, Wege zur chemiefreien Imkerei zu suchen. Da stehen alle noch ziemlich am Anfang! Siehe auch: http://immenfreunde.de/forum/viewtopic.php?f=16&t=69


Oberster Grundsatz: Beobachtung

Wichtig ist vor allem die Beobachtung. Du kannst sehr viel (!) durch kontinuierliche Beobachtung des natürlichen Varroentotenfalls lernen. Das setzt einen Varroaboden mit Windel voraus. Die Beobachtungen sollten aufgeschrieben und notiert werden.

Der Varroafall sollte mindestens zwei Mal im Jahr erfasst werden: über eine Woche lang Ende April/Anfang Mai und noch einmal Ende Juli. Noch besser ist es zu Anfang der Imkerei, den Fall während eines ganzen Jahres zu verfolgen - täglich ist toll, wöchentlich sollte es schon sein. Für den Anfang ist das etwas mühsam, aber mit der Zeit entwickelst Du ein Auge dafür und ein genaues Zählen ist dann nicht mehr zwingend notwendig. Du lernst aber die Dynamik und die Situation richtig einzuschätzen, was für die spätere Praxis völlig ausreichend ist.

Die Beobachtung ist deswegen wichtig, weil die Dynamik der Varroapopulation einen exponentiellen Charakter hat und deswegen sehr schnell unterschätzt wird. Siehe: http://immenfreunde.de/forum/viewtopic.php?f=16&t=261
Außerdem ist die Beobachtung Voraussetzung für die Wahl der Behandlung: Lang- oder Kurzzeitbehandlung.

Langzeitbehandlung

Völker mit einem geringen Totenfall im bisherigen Jahresverlauf erhalten ab Anfang August eine Thymolbehandlung mit ApiLifeVar. Die aktuelle zugelassene Anwendung ist ein Streifen (eine halbe Packung) alle 7 Tage. Das macht zwei Packungen für ein Volk. Es handelt sich um eine Langzeitbehandlung mit relativ schonender Wirkung auf Bienen. (Solange die Außentemperaturen nicht 30°C übersteigen.) Diese Art der Behandlung verhindert ein Explodieren der Varroapopulation zum Herbst hin und reduziert die Reinvasion. => eignet sich nicht bei hoher Anfangspopulation. Siehe auch: http://immenfreunde.de/forum/viewtopic.php?f=16&t=379

Kurzzeit- oder Schockbehandlung
Völker, die einen erhöhten natürlichen Fall bereits im Juli zeigen (>5 Milben am Tag) werden mit Schwammtuch und Ameisensäure 60 % behandelt. Dazu wird nach der Honigernte Ende Juli je Zarge ein Schwammtuch (wie im Haushalt üblich) auf die Oberträger gelegt und bei zwei Zargen Warré 25-36 ml Ameisensäure 60 % mit einer Spritze spiralförmig auf zwei Schwammtücher aufgetragen. Sollte nur bei Temperaturen unter oder um 20°C erfolgen. Wenn es wärmer wird, wird abends behandelt, ansonsten morgens. Drei Mal hintereinander alle 7 Tage wird das wiederholt.

Winterbehandlung
Die Völker werden im Winter mit Oxalsäure behandelt, wenn der Totenfall mehr als 0,5 Milben pro Tag beträgt. Wer unsicher ist, kann die Winterbehandlung vorsorgllich durchführen. Zeitpunkt: kurz vor oder mit der Wintersonnenwende an einem möglichst kalten Tag. Zugelassen ist Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5% ad us vet. Über die Apotheke zu beziehen. Siehe auch Bestimmungen: viewtopic.php?f=16&t=379&p=8618#p8618

Bei allen Behandlungen: Erfolgskontrolle! (Wenn, dann richtig.)
Der Totenfall nach der Behandlung wird ermittelt und so die erreichte Wirkung kontrolliert. Das ist wichtig, denn durch verschiedene Umstände kann es passieren, daß die Mittel nicht wirken. (Zu heiß/kalt/Volk lagert außen vor...)

Du mußt weit mehr als 60 % der Milbenpopulation erwischen, sonst sind bereits nach dem nächsten Brutzyklus wieder genau so viele Milben im Stock wie vorher. Die Milbe vermehrt sich mit sich selber und in Vermehrungsraten zwischen 1,6-5 fach mit jedem Brutzyklus. Eine Milbe krabbelt in die Zelle rein - 4 Milben schlüpfen danach.

Zur Berechnung des Erfolges wird die Gesamtpopulation anhand des natürlichen Varroenfalls vor der Behandlung errechnet. Danach werden die durch die Behandlungen gefallenen Milben gezählt und im Verhältnis zur (geschätzten) Gesamtpopulation ergibt sich der Erfolg. Dabei wird wie folgt anhand des natürlichen Milbenfalls geschätzt (laut Liebig, für September/Oktober):

bis zu 10 Milben/Tag: mit 300 multiplizieren
bis zu 50 Milben/Tag: mit 200 multiplizieren,
über 50 Milben/Tag: mit 100 multiplizieren.

Beispiele:
Volk A = über 10 Milben natürlichen Fall pro Tag x 200 Milben = 2.000 Milben insgesamt
Volk B = 60 Milben natürlichen Fall pro Tag x 100 Milben = 6.000 Milben insgesamt

Du mußt versuchen, 90 % und mehr mit der Behandlung zu erwischen. Ansonsten ist die Behandlung komplett wirkungslos. Bei Volk A wären das: 1.800 Milben. Und bei Volk B 5.400 Milben. Alles darunter ist ein Fehlschlag.

Die Erfolgskontrolle ist wichtig, um rechtzeitig eingreifen zu können. Alle Behandlungen schaden auch den Bienen, weswegen es günstig ist, die Maßnahmen so früh im Jahr wie möglich zu treffen, weil die Bienen dann noch genügend Zeit haben, starke Winterbienen aufzuziehen, die nicht durch Varroa und Behandlungsmittel geschädigt wurden. Siehe auch: http://immenfreunde.de/forum/viewtopic.php?f=17&t=488


Viele Grüße

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon mahagugu » Mi 14. Nov 2012, 18:56

Bitte bei der AS immer angeben ob 85 % oder 60 % oder sonst was.
Ich nehme mal an es ist die 60%ige ...

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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon zaunreiter » Mi 14. Nov 2012, 19:18

Jepp! Korrigiere ich.

Danke,
Bernhard
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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon zaunreiter » Mi 14. Nov 2012, 20:48

Ist das deine Erfahrung in der Warré? (Siehe Thema ;) )

Oxalsäure wird oben in Rahmen der Winterbehandlung genutzt - willst Du Milchsäure im Winter nutzen? Oder bei der Ablegerbildung?

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon mahagugu » Do 15. Nov 2012, 10:28

zaunreiter hat geschrieben:Ist das deine Erfahrung in der Warré? (Siehe Thema ;) )

Oxalsäure wird oben in Rahmen der Winterbehandlung genutzt - willst Du Milchsäure im Winter nutzen? Oder bei der Ablegerbildung?
....


Es heißt ja immer , die Beute im Winter möglichst wenig aufmachen.
D.h. so gesehen spricht eigentlich alles für Verdampfen - außer vielleicht die Gefährdung für den Imker.
Bezüglich des Verdampfens habe ich Teelichtverdampfer ausprobiert --- nur glaube ich , dass die von oben bzw.
von der Seite so gut wie nichts bringen, weil ich gesehen habe, dass die Oxalsäure dann am Deckel picken
bleibt bzw. der Großteil eben nach oben geht.

Überleg mir deswegen gleich einen Rohrverdampfer zu bauen , der mit der Lötkerze betrieben wird.
Dann steck ich das Rohr durchs Flugloch und die Sache sollte funktionieren.

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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon Distelbauer » Do 15. Nov 2012, 23:02

Danke für die Anleitung Bernhard.Ich war ja zu blauäugig und dachte ich krieg s mit OS Blockbehandlung verdampfen unter kontrolle.Vielleicht probier ichs doch nochmal dann aber erst mal nach Anleitung.

Gruß Georg

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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon zaunreiter » Sa 30. Nov 2013, 00:35

Eine groß angelegte Umfrage in den USA ergab:

- Ameisensäure am wirksamsten
- ApiLifeVar schlechter aber noch vergleichsweise gut
- Hopfen schlecht
- chemische Produkte schlecht wegen Resistenzen

Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon specht » So 23. Mär 2014, 17:46

Ich glaube, heuer war bei uns der schneeärmste Winter seit Langem und überdurchschnittlich warm dazu.
Wie wirkt sich das auf die Bienen aus und die Varroa, muss dieses Jahr ein erstellter Kunstschwarm früher behandelt werden?

Grüße, Marcus

Friedrich

Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon Friedrich » So 23. Mär 2014, 20:17

Grüß Euch
Ich glaube, die wichtigste Arbeit in der Varroabekämpfung ist die ständige und gründliche Beobachtung und Dokumentation des Varroenbefalls.

Auf Grund des negativen Varroafalls im letzten Jahr habe ich mein einziges Volk, welches ich hab, unbehandelt gelassen !!!
Es hat glänzend überlebt !!! und scheint sich im Moment auch so weiter zu entwickeln.

Den kleineren unteren Fütterer nach Warré habe ich dafür mit einer Varroa-Plasteschublade aus dem Imkerbedarf komplettiert.
Auch wenn diese nur reichlich 2/3 der Zargenfläche überstreicht, kann man den Varroenfall sehr einfach hochrechnen und sich danach richten.
Einen kleinen Sicherheitszuschlag sollte man trotzdem immer einbeziehen, da man ja lediglich tägliche oder wöchentliche Durchschnittswerte ermitteln kann.
Ich besitze zwar auch schon einen richtigen gekauften nach unten offenen Varroaboden mit Windel, bisher ziehe ich aber den Original Warré-Boden vor. Der gekaufte Varroaboden wird demnächst von mir ausprobiert, er hat ja einen Nachteil, man kann nicht so leicht von unten wie mit dem kleinen Warré-Fütterer über Trachtlücken hinwegfüttern.
Ich stehe auf dem Standpunkt: Nur so viel chemische Bekämpfungsmittel oder Medikamente, wie unumgänglich sind. Das heißt: keine prophylaktische Behandlung mit der Chemiekeule, die hat immer auch ihre negativen Nebenwirkungen !
Beste Grüße
Friedrich

specht
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Re: Varroabehandlung in der Warrébeute

Beitragvon specht » Mo 24. Mär 2014, 08:42

Hallo Friedrich!

Das ist bestimmt eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Aufgaben des Imkers, genau zu kontrollieren und dann individuell zu behandeln!
Hinzu kommt noch, wie ich gelesen habe, bei uns sind dieses Jahr nicht mehr alle Mittel zugelassen.
(So wie ich das verstanden habe betrifft es Ameisensäure.)
Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das auf die bestehenden Behandlungsstrategien haben wird. Wir werden davon am Imkerkurs sicher hören und lernen.

Eine wöchentliche Befallskontrolle wird anfangs unumgänglich sein.
Ich muss mich noch umschauen wo wir eine passende Bodeneinlage bekommen können. Die sollte ja mit einem Gitter abgedeckt sein, damit die abgefallenen Milben nicht hinausgetragen werden.

Liebe Grüße, Marcus


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