Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
wonderfool
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Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon wonderfool » Mi 15. Apr 2015, 15:44

Hallo,
bin als Noch-Nicht-Warré Bienenhalter gerade dabei mich in die Varroa-Thematik einzulesen. Mein Verständnis bisher ist: Im Sommer nach der Honigernte wird - falls notwenig - mit Ameisensäure und einem wie auch immer gearteten Verdampfer gearbeitet. Im Falle der Warrè kann man z.B. eine Leerzarge mit Absperrgitter aufsetzen und dort einen Nassenheider Verdunster horizontal einsetzen.

Im Winter soll man grob zwischen Jahreswechsel und Weihnachten (so über dern Daumen gepeilt) Oxalsäure träufeln. In der Zeit müsste das Volk ja in zwei Zargen sitzen und ggf. eine Wintertraube bilden. Schaue ich mir vorher an in welcher Zarge die Bienen sitzen und träufel dann nur dort, reisse ich beide Zargen auseinander und träufel generell? Oder nehme ich nur Kissen und Dach ab und träufel einfach nur in die oberste Zarge? Die Säure läuft ja sowieso nach unten.

Mein Problem ist aktuell, das sich über die Jahre x verschiedene Rezepte, Methoden, Diskussionen und Mittel angesammelt haben wie mit der Varroa umzugehen ist. Für mich als völligen Anfänger ist es im Moment ziemlich schwierig überhaupt zu überblicken, was in der Warré funktioniert und wie man am besten startet.

Die Ameisensäure im (Spät-)Sommer nach der Ernte scheint mir da noch die einfache Thematik zu sein, obwohl hier auch die Hinweise auseinander gehen, ob nun ein oder mehrmals behandelt werden soll. Gelesen habe ich schon von beiden Varianten. Also entweder mehrfach im Block oder einmal und dann kontrollieren.

Kann mir jemand an der Stelle etwas Klarheit verschaffen? Gibt es so etwas wie ein Schema-F mit dem man für den Anfang schon mal gut fährt? Behandelt ihr pauschal oder nur wenn ihr den Bedarf seht? Habe tatsächlich die Befürchtung, dass ich die Milben eventuell einfach übersehe... Auch interessieren würde mich ob hier jemand die Puderzuckermethode zur Diagnose benutzt. Das kommt mir etwas genauer vor, da keine Ameisen oder andere Viecher die toten MIlben von der Windel schleppen können.


Edit: Zwei kleine Ergänzungen noch vorgenommen.

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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon zaunreiter » Mi 15. Apr 2015, 16:41

Kein einfaches Thema - egal in was für einer Beute.

Ich gehe davon aus, daß Du die hier schon gelesen hast:

viewtopic.php?f=16&t=621
viewtopic.php?f=16&t=379
viewtopic.php?f=16&t=1082

wonderfool hat geschrieben:eine Leerzarge mit Absperrgitter aufsetzen und dort einen Nassenheider Verdunster horizontal einsetzen.


Nein, ein Absperrgitter kommt nicht dazwischen. Du verwendest Wannen ohne Absperrgitter. Siehe: http://imk.nassenheider.com/artikels/view/1/4/0/0/0/149
Die originale Gebrauchsanleitung vom Nassenheider findest Du hier: http://www.nassenheider.com/files/dokum ... 15_web.pdf und http://www.nassenheider.com/files/dokum ... 2.07de.pdf

Das Schwierige bei der Ameisensäurebehandlung ist, die Bienen nicht zu sehr stark zu schädigen, was insbesondere bei Fehlanwendungen und oder hohen Außentemperaturen passieren kann.

wonderfool hat geschrieben:Im Winter soll man grob zwischen Jahreswechsel und Weihnachten (so über dern Daumen gepeilt) Oxalsäure träufeln.


Geträufelt wird möglichst vor Weihnachten, weil ab dem 21. Dezember die Sonne wieder nach oben dreht und die meisten Völker kruz nach Weihnachten wieder etwas Brut anlegen. Also idealerweise solltest Du den 21.12. als Behandlungstermin wählen. Sowohl von oben träufeln (mit Taschenlampe) als auch aufklappen der Zargen ist möglich, der Behandlungserfolg erfahrungsgemäß in etwa gleich gut.

Die Varroapopulation in einer Beute sicher zu messen, ist eine ungelöste technische Aufgabe. Da kannst Du nur nach und nach Erfahrung sammeln. Ich empfehle, das Bodenbrett/die Windel mindestens für ein Jahr ganzjährig zu beobachten. Jede Woche einmal auszählen oder so. Dann bekommst Du ein gutes Gespür für die Entwicklung der Varroa in den Völkern.

Viele Grüße

Bernhard
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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon wonderfool » Do 16. Apr 2015, 08:58

Hi Bernhard,
vielen Dank für die ausführliche Antwort. Die drei anderen Fäden habe ich tatsächlich gelesen, auch wenn es vielleicht nicht so wirkt :D

Bin etwas verwirrt, da es offensichtlich diverse Meinungen gibt, im Buch zur Bienenkiste z.B. wird nur einmalig aber länger mit AS behandelt, während du zu einer drei bis viermaligen Behandlung rätst. Danke aber auch für den Hinweis auf die Wintersonnenwende. Damit ergibt das auch einen Sinn für mich.

Was mich auch noch umtreibt ist die Genauigkeit der Diagnose mit der Windel. Wenn alles klappt, werde ich wohl mit zwei Standorten starten. Bei uns auf der Dachterasse und im Garten einer Freundin. Auf der Terasse werden Ameisen nun kein Problem darstellen (vermute ich mal) aber zum Garten komme ich höchstens alle paar Tage. Da befürchte ich schon, das die Diagnose über die Windel ggf. deutlich verfälscht sein könnte.

Macht es Sinn vor einer eventuellen Behandlung noch mal mittels der Puderzuckerdiagnose gegen zu prüfen? Wollte mal so etwas wie Wissenschaftler werden, daher finde ich es immer ganz gut Hypothesen auch noch mal zu überprüfen. Hat das irgendwelche Nachteile, die ich an der Stelle übersehe? Das bisschen Zucker im Volk wird den Kohl doch nicht fett machen, oder?

Grüße,
Felix

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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon wonderfool » Do 16. Apr 2015, 09:03

Ach, ganz vergessen:

AS mit Schwammtuch also so:

- Dach, Tuch und Kissen runter, Bienen in die Wabengassen treiben.
- Schwammtuch (beträufelt mit 30ml AS) auf die Oberträger legen.
- Leerzarge oben drauf, Tuch, Kissen, Dach aufsetzen.

Stimmt? Der Nassenheider wäre dann ja eher die Langzeitmethode.

Werde mal sinnieren, aktuell wäre mir die Sache mit dem Schwammtuch sympathischer. Was mir nicht ganz klar ist: Direkter Kontakt mit der Säure wäre tötlich für die Bienen. Aber Kontakt mit dem Schwammtuch nicht?

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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon zaunreiter » Do 16. Apr 2015, 09:37

Zwischendurch kannst Du mit dem Puderzucker ruhig ein paar Tests fahren, kein Problem. Eine echte Sicherheit wird aber auch der Test nicht bringen. Denn auch diese Art der Messung scheitert an der Biologie der Milbe.

Für dieses Jahr rate ich eher zu einer Langzeitbehandlung mit dem Nassenheider Verdunster. Es ist letztes Jahr sehr früh sehr warm gewesen und die Nachwirkungen davon wird man auch dieses Jahr noch spüren. Sprich, dieses Jahr wird ein weiteres "Varroajahr" werden. (In diesem Winter 2014/15 sind in Deutschland 30 % aller Bienenvölker - also ca. 200.000 Bienenvölker gestorben.)

Da ist eine Langzeitbehandlung "sicherer". Auch wenn sie für die Bienen sicher nicht so gut ist.

Über die Ameisen würde ich mir keine großen Sorgen machen. Selbst wenn sie Milben wegtragen sollten, kannst Du immer noch Schwankungen und Entwicklungen im Jahresverlauf beobachten. Notfalls kannst Du die Varroawindel auch einfetten. Das soll helfen. (Habe ich noch nicht gemacht.)
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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon wonderfool » Fr 17. Apr 2015, 09:44

Dann mache ich das So. Den Vorteil bei zwei verschiedenen Messmethoden verspreche ich mir vor allem darin, die Reliabilität der Methoden geprüft zu haben. Gehen beide Ergebnisse auseinander, weiss man das eine Methode nicht funktioniert hat.

Den Nassenheider stellt man dann einfach in eine Leerzarge, die oben aufgesetzt wird. Korrekt?

Sorry, falls ich an der Stelle etwas schwer von Kapisch bin, die meisten Anleitungen beziehen sich halt auf die Magazinimkerei.

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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon zaunreiter » Fr 17. Apr 2015, 15:13

Ja, korrekt. In eine Leerzarge oder in eine umgedrehte Futterzarge.
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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon Bambus » Sa 10. Sep 2016, 14:33

Nochmal ne Nachfrage zur Behandlung mit Ameisensäure (AS) im Nassenheider Verdunster - horizontal:
Nehme ich tatsächlich auch das Tuch ab, bevev ich den Verdunster in die Leerzarge stelle?

Dringt die verdunstete AS nicht durch das Tuch hindurch? Fliegen die Bienen bei entferntem Tuch nicht in die aufgesetzte Leerzarge und haben dort ggf. direkten Kontakt zur Säure?

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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon Michael » So 11. Sep 2016, 18:58

Hallo,

möchte hier kurz meine Erfahrung einbringen, ich habe heuer mit 85%iger Ameisensäure im Liebig Dispencer behandelt. Die Docht streifen habe ich aufgrund der Temperatur links und rechts 2 Streifen abgerissen, also halben Docht, bei 2 Zargiger Behandlung. Behandlung 110 ml hat für 7 Tage gereicht und hab dann noch mal 40 ml nachgereicht.

Bei mir hat es sehr gut funktioniert. Wir hatten eine Außentemperatur von ca 20 Grad bis max 24 Grad.

In meiner Varroa Windel waren jede menge Milben, das Flugloch was voll offen.

Bis auf ganz wenige Bienen ca. 20 kein Todesfall. Auch waren die Bienen nicht Aufgeregt oder Stechlustig fast normal. Allerdings hatte ich vorher schon ca. 8 kg Winterfutter eingebracht.

Das war meine Erfahrung für heuer, vielleicht hilft es den einen oder andren.

Lg

Michi

Ps.: bei uns ist die Varro Behandlung heuer per Gesetzt verpflichtet, und auch die Aufzeichnung dafür.
Sum, Sum Sum, Bienchen summt herum...

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Re: Varroabehandlung in der Warré für Anfänger

Beitragvon biene1.0 » Di 13. Sep 2016, 22:06

Hallo,
da fällt mir auf, dass bei allen Angaben zur Menge der AS immer der Bezug zum Beuten- / Zargenvolumen fehlt.
Für Anfänger (der auch ich bin) ist das ein guter Wert für die Dosierung in den eigenen Beuten. Sie sind ja nicht alle gleich! Ich rechne mit 15 L / Zarge.
Wieviel ml AS60 würden dann die erfahrenen Warreaner einem Volk auf 3 Zargen verabreichen (Nassenheider prof.)?
Gruß
Harald
"Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."
Albert Schweitzer


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