Kunstschwarm und Warré?

Rund um die Schwarmbetriebsweise im Warré-Bienenstock
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Distelbauer
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Kunstschwarm und Warré?

Beitragvon Distelbauer » Mo 29. Nov 2010, 22:11

Hallo,

wenn man selber an schöne Vorschwärme kömmen kann ist das natürlich ideal. Auch die Schwarmbörse bietet da gute Möglichkeiten, nur werden wenn überhaupt oft erst spät Schwärme angeboten was ja zur Besiedlung einer Warrè auch nicht so ideal sein soll. Welche Erfahrungen habt ihr mit Kunstschwärmen gemacht? Macht es Sinn mit einem Kunstschwarm in einer Warrè zu beginnen oder schlägt man den KS lieber in einer herkömmlichen Rähmchenbeute mit Mittelwänden ein und lässt den KS einfach im nächsten Jahr Schwärmen? Ich hatte letztes Jahr die Warre mit einem schwachen (Nach-?)naturschwarm besiedelt und entweder war die Königin zu klein, der Schwarm zu schwach ... es erfror jedenfalls beim ersten Nachtfrost. Dieses Jahr bekam ich einen Ableger vom letzten Jahr, dieser entwickelte sich hervorragend und lebt auch noch. Ich machte einen Ableger davon, doch dieser wurde leider ausgeräubert :( .Ich denke es ist gut mal mit Rähmchen Erfahrungen zu sammeln, aber mir gefällt es einfach nicht, daß die Bienen sich so sehr an unsere Vorgaben halten müssen. Wenn mit meinem einen Volk alles gut geht übern Winter werde ich das Volk in Ruhe lassen (ausser zur Milbenreduzierung) und hoffen, daß möglichst früh ein schöner Schwarm fällt. Aber mit nur einem Volk ist man halt immer sehr aufgeregt ob auch wirklich alles gut geht. Deshalb die Überlegung wegen des Kunstschwarms.

LG Georg

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zaunreiter
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Re: Kunstschwarm und Warrè?

Beitragvon zaunreiter » Di 30. Nov 2010, 11:57

Hallo Georg,

ein Kunstschwarm geht auch, ist aber anders zu handhaben. Erstens versuche den Kunstschwarm beim Einsetzen der Haupttrachten zu bekommen, zweitens sollte er gefüttert und drittens mit einer begatteten Königin ausgestattet werden.

In der Regel bauen die Bienen eines solchen Kunstschwarmes weniger willig und das aus Zuckerwasser gebaute Wabenwerk sieht und schmeckt anders aus. Es ist eher brüchig. Nun gut, mit etwas Tracht wird auch das kein Hindernis.

Der Kunstschwarm sollte gegen die Varroose behandelt werden, seine Widerstandskraft ist geringer.

Viele Grüße
Bernhard
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Re: Kunstschwarm und Warrè?

Beitragvon Bienenfreund » Do 3. Mär 2011, 19:24

Ich bin neu hier, imkere aber schon das 2./3. Jahr mit Warre´. Ich schlage Dir folgendes vor. Fange die Königin mit einem Klipp und stecke sie in Deine Anzugtasche. Fege mindestens 2 Kilo Bienen über einen Trichter in einen Karton, nässe sie vorher.
Warre´-Beute auf den Standplatz stellen, zuvor Oberträger mit oder ohne Wachsstreifen versehen, ein Einlaufbrett anlegen. Den Klipp mit Königin am Beuteneingang stellen und einige Bienen auf das Einlaufbrett schütten. Diese laufen zur Königin und sterzeln. Dann die Königin in die Beute einlaufen lassen und nicht vorbei. Danach langsam die restlichen Bienen auf das Einlaufbrett schütten. Sie laufen in kurzer Zeit in die Beute ein.
Vorteil der Trichtereinfüllung ist, daß kein Honig auf das Einlaufbrett gelangen kann. Sonst würden sie erst den Honig aufsaugen und dann allmählig einwandern.
Die alte Beute nach Weiselzellen absuchen und nur 2 der größten davon hängen lassen, die übrigen ausbrechen, Beute schließen.
Zweiter Vorteil, die Bienen durchlaufen die Schwarmphase und können so gleich neben der alten Beute aufgestellt werden.
Falls noch einige Flubienen hin- und herfliegen, so macht das auch nichts.
Die letzte Maiwoche ist für Norddeutschland am geeignesten.

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Re: Kunstschwarm und Warrè?

Beitragvon beetic » Do 3. Mär 2011, 20:02

Hallo Bienenfreund,

das ist aber sehr aufwändig bei der Warré, oder nicht?

Wie fängst Du denn in einer Warrébeute mit Stabilbau und fixierten / angebauten Waben seitlich "mal eben" die Königin? :?

Und wie fegst Du dann die zwei Klio Bienen hinterher?

Ist das nicht die klassische Methode für den rähmchenziehenden Magazinimker?



Fragt sich

Marion

(ich find den Ableger nach Warré / Flugling da händiger für die Warrébeute)

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Re: Kunstschwarm und Warrè?

Beitragvon Bienenfreund » Fr 4. Mär 2011, 19:49

Die Frage, so weit ich mich erinnere war, wie man Bienen von einer Magazinbeute in eine Warre´-Beute bekommt. Dieses Problem tritt bei Neukauf fast immer auf. Es hört sich umständlicher an als es ist.
Bei meinen Warre´-Beuten habe ich die Oberträger nur kurz angestiftet, so daß sie mit dem Stockmeißel leicht angehoben werden können. Da die Waben seitlich leicht angekittet sind, kurz mit dem Stockmeißel entlanggehen und die Wabe kann entnommen werden.
Bei Naturwaben ohne Wachsstreifen geht das natürlich nicht.
Die Bienen, die in der Warre´-Beute sind, lasse ich schwärmen und vermehre sie auf diese Weise. 8-)

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Re: Kunstschwarm und Warrè?

Beitragvon beetic » Sa 5. Mär 2011, 00:44

Hallo nochmal,

das war mir schon klar, wie das geht. ;)
Es las sich nur so, als ob der Warréaner einen Kunstschwarm so erstellen solle.
Und das fällt dem Magazinimker wegen oben genannter Umstände halt viel leichter. Es ist eben auch nicht der Grundgedanke im Stabilbau, Kunstschwärme so zu erstellen, Waben zu ziehen, Bienen abzufegen, Königinnen zu suchen (hier seh ich das größte Risiko). Daher meine Nachfrage.

Meine OTs sind z.B gar nicht fixiert, trotzdem wird ein seitliches Losschneiden und Rähmchenziehen zur klebrigen Angelegenheit. Eine voll ausgebaute Zarge macht, gefüllt denn auch ggf enge Zwischenräume, da wird`s kniffelig. Bienen quetschen und Königinn killen inclusive. Wenn einmal Platz ist, geht`s - aber nur zur Not, wie ich finde.

Zarge drauf und Abtrommeln wär doch bei Warré hier die Lösung. Teilen, als Kunstschwarm dann aber in Kellerhaft und einebegatte Königin (ggf gekauft) zusetzen? Oder untersetzen und mit viel Rauch runter treiben?

Ich wage mich ggf dieses Jahr an einen Ableger, so wie Finvara ihn beschrieben hat bzw. wie Warré ihn schildert. Oder riskiere doch den Schwarm.
Nichts über Naturschwarm heißt es ja immer.

Früher Kunstschwarm soll für die Warré aber auch gehen.

Das war doch die Frage, Distelbauer, oder?
Zum Vergleich kann ich Dir aber leider nichts erzählen, ich hab zwei Naturschwärme gehabt.

Viele Grüße

Marion

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Re: Kunstschwarm und Warrè?

Beitragvon Distelbauer » Sa 5. Mär 2011, 11:09

Hallo,

also mein Gedanke war zu meinem Rähmchenvolk im Frühjahr einen Kunstschwarm zu kaufen also nicht selber zu machen. Das eine Volk macht einen starken Eindruck und sollte doch hoffentlich einen Schwarm abgeben wenn ich es in Ruhe lasse, oder.Vielleicht werde ich den Schwarm aber auch zu gegebener Zeit vorwegnehmen mal sehen. Letztes Jahr hab ich den Fehler gemacht, daß ich das Volk einfach als es stark war auseinander riss, ich konnte einfach noch nicht deuten wann ein Volk in Schwarmstimmung ist :oops: . Ich meinte auch möglichst schnell 3-4 Völker haben zu müssen ohne Rücksicht auf den Bien. Weiß auch nicht was mich da geritten hat, vermutlich weil jeder sagt: was nur ein Volk. Ich muß lernen mehr auf die Bienen zu hören :) dann wird das schon.

LG Georg

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Re: Kunstschwarm und Warré

Beitragvon zaunreiter » Mi 10. Apr 2013, 08:24

Kunstschwarmbildung

Benötigte Utensilien

- Trichter
- Kunstschwarmbox (Seitliche Belüftungsgitter, Loch für Trichter: Seerosenkörbe)
- Sprühflasche (Wasser mit Milchsäure)

Vorgehensweise

1) Um Jungbienen in den Kunstschwarm zu bekommen, gibt es eine schnelle und eine etwas langsamere Methode. Bei der schnellen Methode wird Rauch in die unteren Zargen gegeben, so daß die Bienen durch das Absperrgitter hindurch nach oben in den Honigraum flüchten. Bei der langsameren Methode werden Brutwaben abgestoßen und nach oben über das Absperrgitter gehangen. Einen Tag später werden die Brutwaben dann abgefegt. (Erspart das Suchen der Königin. Drohnen werden ausgeschlossen => das ist wichtig, weil Drohnen im Kunstschwarm nie Ruhe geben und Stress erzeugen.)

Ich habe bisher bei der Honigernte die Bienen aus dem Honigraum nicht in den Stock gefegt, sondern direkt in Schwarmboxen. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

2) Die Waben werden entnommen, die Bienen über den Trichter in die Kunstschwarmbox gefegt. Der Trichter ist idealerweise so groß/größer als das Rähmchen.

3) Zuhause werden die Schwarmboxen kurz auf den Boden aufgestoßen und die Königin im verschlossenen Käfig zugesetzt. Dazu wird ein Stück dünner Draht am Käfig befestigt und die Königin durch das Spundloch/Trichterloch in die Schwarmbox gesenkt.

4) Der Kunstschwarm wird in den Keller gebracht (absolut dunkel, kühl) und seitlich mit Wasser besprüht. Nicht die Bienen ertränken, nur leicht ansprühen. Die Bienen erhitzen sich stark und das Wasser soll etwas kühlen. Die Bienen werden gefüttert. Mit was gefüttert wird, darüber streiten sich die Geister. Ich nehme Futterteig, den ich auf das mit einem Gittereinsatz verschlossene Spundloch auflege.

5) Nach einem Tag hole ich die Kunstschwarmbox aus dem Keller, stoße sie auf den Boden, entnehme die Königin und hänge sie unter Teigverschluss in eine leere neue Zarge und gebe die Bienen dazu. Ich stelle dazu eine leere neue Zarge ohne Oberträger/Rähmchen auf den verschlossenen Boden, schütte vorsichtig die Bienen hinein und stelle dann zügig die Zarge mit der Königin drauf. Die Bienen trauben sich dann wieder um die Königin herum. Ich habe einen flachen Futteraufsatz, den ich dann aufsetze. Noch einen Tag wird die neue Beute im Keller gehalten. Kühl und dunkel.

6) Am nächsten Tag wird die Beute am Abend nach draußen an den neuen Platz gestellt. Flugloch auf. Das so entstandene Volk muß in der nächsten Zeit gefüttert werden. Ach ja, die untere leere Zarge sollte entfernt werden. :wink:
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Re: Kunstschwarm und Warré?

Beitragvon zaunreiter » Mi 10. Apr 2013, 08:36

Unterschiede zwischen Brutwabenableger und Kunstschwärme

Die nachfolgende Rechnung ist noch nicht ganz fertig, aber vielleicht trotzdem interessant.

Bild

Grundlagen der Kalkulation: DeutschNormalMaß. 5-Waben werden einmal für einen Kunstschwarm abgekehrt und einmal als 5-Wabenableger hergenommen.

Die Kalkulation ergibt, daß sich Ende April gebildete Kunstschwärme und 5-Wabenableger wie folgt unterscheiden:

Am Ende der Saison gibt es in beiden Völkern (Kunstschwarm und Ableger) gleich viele adulte Bienen. Von außen betrachtet, wird kein Unterschied zu sehen sein.

Beim Kunstschwarm jedoch sind nur 65 % des Brutvolumens vorhanden, die ein Ableger in der gleichen Zeit bei gleicher Eilegerate hinbekommt. Der zweiwöchige Vorsprung kommt hier voll zum Tragen.

Das hat auch Konsequenzen hinsichtlich der Überwinterung. Der Kunstschwarm wird länger brüten müssen, um das auszugleichen = Varroamagnet!

Des Weiteren kippt beim Kunstschwarm zwischendurch das Verhältnis zwischen Brut und Bienen, so daß ab Mitte Juni mit Schwarmstimmung zu rechnen ist. Insbesondere, weil Ende April noch keine junge, diesjährige Königin zur Verfügung steht und die überwinterte Königin durchaus zur Schwarmstimmung beitragen kann.

Es sprechen also auch entwicklungstechnische Gründe dafür, zu Beginn des Jahres mit Ablegern und nicht mit Kunstschwärmen zu arbeiten. Diese vergleichende Berechnung gilt nicht für später im Jahr gebildete Ableger vs. Kunstschwärme. Das kann wieder anders aussehen.
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Re: Kunstschwarm und Warré?

Beitragvon KMP » Mi 10. Apr 2013, 09:56

Könntest Du bitte nochmal erklären bzw. welche Formulare und Bedeutungen hinter den 2 Farben (Rosa und Grün) stecken?

-K
Kevin Pfeiffer - Kleinimker seit 2012


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