Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Alle im Frühjahr anfallenden Arbeiten, z.B. Erweiterung, Einschätzung der Volksstärke
Hainlaeufer
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Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Beitragvon Hainlaeufer » Mi 27. Mär 2013, 22:40

Guten Abend liebe Warre-Forengemeinde!

Es stellt sich mir die Frage, wie lange ein Bien braucht um eine Warrezarge völlig mit Wabenwerk auszubauen? Dieser Frühling ist mein Erster mit Warre und da ich sonst immer mit Zander gearbeitet habe (beim Zandermaß mit Mittelwänden weiß ich, dass es zwei bis maximal drei Wochen dauert - es war immer sehr hilfreich für die Vorrausplanung, als Wochenendeimker!) würde ich gerne erfahren, wie viel Zeit eure Bienen brauchen um eine Warrezarge völlig auszubauen.

Natürlich spielen da enorm viele Faktoren mit, wie schnell nun wirklich ein Volk baut, vielleicht kann man dazu auch kurz Info dazu geben um sich ein besseres Bild darüber machen zu können von wegen Volksgröße (als 1-Zargenvolk oder 2-Zargenvolk ausgewintert oder ein Ableger im Mai herum) und Trachtverhältnisse mit Jahreszeit. Ob Brutzarge ohne/mit Anfangsstreifen beim Untersetzen/Aufsetzen oder Honigzarge mit/ohne Anfangsstreifen (oder wie es Bernhard macht, mit zwei Mittelwänden) beim Aufsetzen. Vielleicht auch um welche Bienen (Unterart) es sich da handelte.

Vielleicht überwindet sich ja der Eine oder Andere dazu und schreibt mir kurze Infos zusammen! Darüber wäre ich wirklich sehr dankbar! Es würde mir helfen, meinen gewohnten Erweiterungsrythmus zu finden, nur eben auf Warre-Art ;).

Ich habe meine Bienen letztes Jahr im Juni vom Zandermaß getrennt, in 1kg Kunstschwärmen in Warre eingeschlagen (mit jeweils einer Brutwabe und einer Honigwabe und sonst Anfangsstreifen) und habe daher noch keine Erfahrungen, wie ein normales Volk sich im Bautrieb verhält. Meine Ableger mussten wachsen, bauen und füllten für das restliche Jahr 1 bis 1,5 Warrezargen (hatten dafür quasi drei Monate Zeit). Ich denke, ein normal ausgewintertes Volk mit guter Tracht schafft hoffentlich mehr als eine Zarge in drei Monaten ;).

Daher wäre ich wirklich froh, wenn man mir da etwas unter die Arme greifen könnte, indem man seine Erfahrungen kurz schildert!

Vielen lieben Danke,

glg
Hainlaeufer

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Re: Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Beitragvon Mellina » Fr 29. Mär 2013, 11:02

Nach meinen Erfahrungen sind die Unterschiede beim Bauvorstschritt so gravierend, dass man da kaum Aussagen treffen kann. Die entscheidenden Faktoren sind Wetter und Tracht - die Volksgröße nicht so sehr. Bei optimalen Bedingungen baut selbst ein später Ableger weit rasanter als ein früher Vorschwarm bei Mistwetter. Man muß da mit allem rechnen, von einer Woche bis zu zwei Monaten.

LG
Mandy
Bauanleitung Warrébeute, Warrés Handbuch und Bernhards Kurzanleitung: http://www.warre-bienenhaltung.de

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Re: Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Beitragvon Hainlaeufer » Fr 29. Mär 2013, 13:02

Hallo!

Hm. Okay. Nun, Tracht und Wetter spielen natürlich die größte Rolle bzgl. Bautrieb. Trotzdem lag ich all die Jahre immer bei 2-3 Wochen richtig, egal welches Wetter. Wenn eine Massentracht ausfällt, gut, dann muss man damit rechnen das da nix weiter geht, aber sonst war das nie so ein Problem im einschätzen. Im Naturbau ist es also noch variabler? Okay, gut zu wissen. Hört sich irgendwie nach weniger Arbeit an ;).

Vlt. kann man trotzdem noch hinzufügen, wie viele Zargen im Jahr im Schnitt ausgebaut werden? Irgend einen Richtwert muss es ja geben, möchte wissen was da auf mich zu kommt. ;)

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Re: Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Beitragvon zaunreiter » Fr 29. Mär 2013, 14:46

Zwei Zargen werden jedes Jahr immer ausgebaut. Vor dem Schwärmen. Ein Vorschwarm baut dann nochmal zwei Zargen aus. Wenn Du das Schwärmen verhinderst, sogar noch mehr. Sobald der Schwarmtrieb einsetzt, wird nicht mehr gebaut. Die Bienen hängen dann nur noch ab, sie sitzen dann an den Wänden und auf dem Boden anstatt auf den Waben. Bei zwei Zargen pro Jahr sprechen wir dann aber von Vollvölkern, also bereits entwickelten Völkern. Beim Aufsetzen mehr als beim Untersetzen, weil dann einfach mehr Bienen entstehen.

Die Geschwindigkeit variiert tatsächlich von Volk zu Volk, aber zwei-drei Wochen ist ein gutes Mittelmaß für eine Zarge. Eine Tracht oder Fütterung vorausgesetzt.

Sobald demnächst Flugwetter einsetzt ( irgendwann mal..:roll: ) mit einer Zarge nach oben erweitern. (Mit Leiter.) Dann drei Wochen später die nächste Zarge. Dann Volk als Brutableger teilen und wieder erweitern. Man muß ein bisschen aufpassen, daß man das Brutnest nicht in die Länge zieht. Ich hatte schon mal Brut in allen fünf Zargen. :shock: :D
Notfalls die Zargen umschichten.

Willst Du denn mit Schwärmen imkern? Was war denn deine Hauptmotivation, auf Warré umzustellen?

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Beitragvon zaunreiter » Fr 29. Mär 2013, 15:07

Diese Zarge hier haben sie letztes Jahr in einer Woche fast ausgebaut: (Vorschwarm)

Bild

So lief es bei mir 2012:

12. April Erweiterung oben mit Leerzarge aber mit zwei Mittelwänden als Leiter.

Zeitverlauf des Ausbaus der ersten aufgesetzten Zarge:
Bild

Hat also fast einen Monat gedauert!

Am 8. Mai wieder erweitert, da waren die Völker aber im Schwarmdusel und haben nur lustlos rumgebaut.

20. Mai Vorschwärme. Schwärme gefangen, geschwärmtes Volk in Brutableger aufgeteilt. Vorschwarm auf leere Zargen am alten Standort, Brutableger verstellt. Sobald der Schwarm raus war, habe ich die angefangene Zarge dem Schwarm über Absperrgitter gegeben. Der Schwarm hat die unteren zwei Zargen (leere Zargen, nur Anfangsstreifen) ausgebaut und die Honigzarge auch noch vollendet und vollgetragen.

Bild
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Beitragvon Hainlaeufer » Fr 29. Mär 2013, 16:14

POAH! Wahnsinn. Herzlichen DANK für die informative Antwort mit Fotos oben drein!

Deine Infos haben mir wirklich weiter geholfen. Jetzt kann ich mir vorstellen, was da mir wirklich auf "Warre-Art" zukommt ;).

Zirka alle drei Wochen als Kontrollprogram finde ich gut. Falls irgend eine wahnsinns gute Tracht läuft, lieber alle zwei Wochen. Und das ich ein Monat auch nicht aussschließen kann, finde ich berruhigend. Ich will die Völker jetzt nicht total in die Länge bzw. Höhe ziehen, ihnen aber auch genug Platz bieten können. Mit einer Zarge Honig möchte ich schon rechnen können, der Rest ist mir komplett egal. Und wenn mal ein Jahr nicht mehr als eine Zarge Honig bietet, dann bekom ich eben keinen Honig. Hauptsache ich muss nicht Zucker kaufen gehen, sowas widert mich an. Und die Bienen haben ihr wohl verdientes Brot.

Ich möchte eigentlich nicht der klassische Schwarmimker sein, da ich Wochenendimker (manchmal nur alle zwei Wochen) bin und ein abgehender Schwarm quasi ein für mich wertvolles, verlorenes Gut wäre und unterm Strich vlt. auch schon Probleme verursachen würde in Hinsicht auf Nachbarn. Falls mal einer abgeht, ja, dann wollten es die alten Götter so! Wenn ich ihn nicht finde, kann ich ihm ja nur mehr "alles Gute und viel Erfolg wünschen".
Warum ich schlußendlich zu Warre fand? Ich finde dieses kleine Maß, das Zargenweise arbeiten, das Einfache an sich (ohne Drähte, tausende von Mittelwänden, MW-Gießanlage, Schleuder, usw. usf.), die wesentlich leichteren Honigzargen usw. usf. einfach grenzgenial und genau auf meine Person abgestimmt. Es harmoniert, ich liebe einfach Warre, und ich liebe es wenn ich fröhliche Bienen im Naturbau beobachten kann ;). Außerdem, so sehe ich das aus meiner Sicht, ist für mich das Warremaß ein Maß, dass einer Spechthöhle oder einem hohlen Baumstamm am ehesten gleicht. Solche Punkte und sicher noch mehr macht es für mich Bienenfreundlicher. Es ist einfach die Faszination. Auch wenn ich eine modifizierte Form habe, so sind es nur wenige Dinge. Und all das kann ich schon behaupten, obwohl ich nicht länger als zehn Monate damit arbeite. Herrlich, oder? Und diese Euphorie! Fast schon krank :D.

Sobald demnächst Flugwetter einsetzt ( irgendwann mal.. ) mit einer Zarge nach oben erweitern. (Mit Leiter.) Dann drei Wochen später die nächste Zarge.

Soll ich nicht mehr eine Zarge untersetzen? Es war bisher immer zu kalt für sowas! ;)

Vielen Dank nochmal,

LG

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Re: Welche Zeit für eine ausgebaute Zarge?

Beitragvon Honigtopf » Mi 17. Jun 2015, 14:28

Hallo allerseits,

Obwohl das Thema schon älter ist möchte ich eine Frage anhängen. Man will ja nicht unnötig neue Threads erstellen.

Ich habe dieses Jahr im Mai zwei Schwärme gefangen, deren Größe dafür spricht, dass sie aus der gleichen Beute (Herold-DN) stammen.
Der erste Schwarm, welcher etwa 1,5kg wog hat bereits die oberste Zarge komplett ausgebaut und ist schon dabei die untere Zarge auszubauen.
IMG_2287.JPG
1,5kg Volk untere Zarge Teil 1

IMG_2288.JPG
1,5kg Volk untere Zarge Teil 2


Der zweite Schwarm kam eine Woche später und wog 1kg. Die oberste Zarge ist so gut wie ausgebaut und in der untersten wollen sie noch nicht so recht beginnen.
IMG_2289.JPG
1kg Volk untere Zarge Teil 1

IMG_2290.JPG
1kg Volk untere Zarge Teil 2

IMG_2456.JPG
1kg Volk obere Zarge


Da beide Schwärme doch recht klein waren habe ich direkt Apiinvert zugefüttert. Die Entwicklung war bisher auch recht zufriedenstellend. Nach etwa ein bis zwei Wochen wurde schon Pollen eingetragen.

Mir macht nun der weitere Ausbau, auch in Bezug auf die Einwinterung, der zweiten Zarge sorgen. Es heißt ja, dass der Bautrieb zur Sommersonnenwende abnimmt und es ist ja bald soweit.
Konkret würde ich nochmal gerne Wissen, ob ich jetzt noch etwas unternehmen kann, um den Ausbau zu beschleunigen oder sonstetwas, um eine gute Einwinterung - zur Not auch einzargig. was ja ebenfalls zu funktionieren scheint - zu gewährleisten? Wenn die Bienen dann nicht mehr so recht wollen, soll ich dann die eine tw. schon ausgebaute Zarge über den Winter entfernen oder beibehalten?

Ich bedanke mich schonmal für die Tipps.

Es grüßt,
der Honigtopf


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