Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Alle im Frühjahr anfallenden Arbeiten, z.B. Erweiterung, Einschätzung der Volksstärke
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon KMP » Do 7. Mär 2013, 16:45

Angesichts des vor uns stehenden Kälteeinbruchs habe ich mich gewundert wie mein Volk 4.000+ Brutzellen warm halten soll. Aber laut ist das eine Fläche von nur 10 Dezimeter, also 10 mal 10x10 cm.

2 Waben, 20 x 25 cm, würden schon reichen (falls 4.400 Brutzellen tatsächlich bebrütet sind), allerdings müssen Pollen und Honig auch unmittelbar in der Nähe erreichbar sein.

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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Di 19. Mär 2013, 14:49

Stand 18.3.2013

Die Kirschpflaumen und Zwetschgen sind kurz vor der Blüte oder blühen teils schon. Im vergangenen Jahr war das bereits eine Woche früher der Fall. Die Temperaturen sind etwas kälter als im vergangenen Jahr, verlaufen aber um ein paar Grad versetzt fast parallel.

Laut Kalkulation und den gemessenen Tageshöchsttemperaturen von Anfang Februar bis jetzt ist das Brutnest im überwinterten Volk etwa 8.000 Brutzellen groß.


Die Anzahl der adulten Winterbienen nimmt weiter ab. Jetzt ist aber (hier am Niederrhein) der Wendepunkt gekommen, an dem die Anzahl der Bienen wieder steigt anstatt zu fallen. Der sogenannte Massewechsel beginnt pünktlich zum Frühlingsanfang.


Das Brutnest wird bis Anfang-Mitte April rapide anwachsen. (Je nach weiterem Temperaturverlauf.) Laut Prognose wird in der zweiten Aprilwoche ein Brutumfang von >18.000 Brutzellen erreicht. Diese Anzahl wird benötigt, um vier Wochen später - Anfang Mai - eine Mindesttrachtstärke zu erlangen.

Das ist sehr spannend, denn im vergangenen Jahr habe ich den ersten Weiselbecher genau in der ersten Woche des Aprils im Beobachtungsstock gesichtet. Und Ende April die ersten Drohnen. Das bedeutet, sobald die >18.000 Brutzellen in etwa erreicht werden, werden die ersten frühen Schwarmvorbereitungen getroffen.


Ab jetzt wird es laut Kalkulation eine lange Zeit mehr Brut als adulte Bienen geben - etwa bis Mitte Mai. (Laut Berechnung etwa ab dem 10. Mai., wenn der April relativ warm wird.) Dann kippt das Verhältnis wieder und es gibt wieder mehr Bienen als Brut. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Weiselzellen bestiftet werden und der Schwarm vorbereitet. Und so war es auch im vergangenen Jahr!

Der Höhepunkt in der Entwicklung sollte dann ungefähr am 24.5. erreicht sein. => Schwarm! Im Jahr 2012 fiel der erste Schwarm am 20. Mai. Da wir dieses Jahr von der Entwicklung her eine Woche zurückliegen, passt das ganz wunderbar.


Die Ergebnisse von Josef Bretschko & Prof. J.-H. Bergmann & Dipl.Ing. L. Bergmann scheinen den Beobachtungen des vergangenen Jahres (und auch nach meinen Aufzeichnungen in den Jahren davor), in sich stimmig zu sein.

Die ersten frühen Schwarmvorbereitungen (Drohnenbrutaufzucht, Weiselbecher) werden getroffen, wenn das erste Mal im Jahr auf eine adulte Biene zwei Brutzellen kommen. (Etwa 18.000 Brutzellen bei 9.000 Bienen.) Wie gesagt - das erste Mal nach der Überwinterung.

Danach geht das Volk schwarmmäßig in Wartestellung. Bis das Verhältnis erneut kippt und es mehr Brutzellen als Bienen gibt. Das ist dann das "Signal". Vermutlich hat es mit der Verteilung von Pheromen oder ähnlichem zu tun, jedenfalls merkt der Bienenkörper: Das ist der Zeitpunkt, an dem die Weiselzelle bestiftet und gepflegt wird.

Zwei Wochen später geht der Vorschwarm ab.

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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon KMP » Di 19. Mär 2013, 15:20

Interessanter Bericht (ich mache auch mit), aber von diesen Temperaturen können wir im Nord/Osten zur Zeit nur träumen -- und es schneit immer noch.

Der Trend (Tief-, Höchst-Temperaturen):
25.03: -7 1
26.03: -6 2
27.03: -6 4
28.03: -4 6
29.03: -3 8
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Mi 20. Mär 2013, 11:28

So würde das bei einem Einköniginnenvolk verlaufen. Zuerst ohne Maßnahmen zur Verhinderung von Schwärmen.

Bild

Schön zu sehen ist das Verhältnis von Brut zu Bienen. Vorne das Datum, dann die Tageshöchsttemperatur, dann die Eilegerate, dann die im Volk befindliche Brut, dann die Bienen. Zum Schluß das Verhältnis der beiden.

Wenn nach der Überwinterung ein Verhältnis 2:1 (2 Teile Brutzellen zu 1 Teil Bienen) erreicht wird, werden Weiselnäpfe angeblasen und Drohnen aufgezogen.

Wenn all die schönen Brutzellen schlüpfen kehrt sich das Verhältnis von Brut zu Bienen um und erreicht irgendwann 1:1. In meiner phantasievollen Vorstellung ändert sich dadurch der "Geruch" im Bienenstock. Vorher roch es überwiegend nach Brut, nach Aufbruchstimmung, nach Wachstum! Je mehr Bienen im Verhältnis zu Brut, desto eher riecht es nach Bienen und nach Alter. Die Weiselzellen werden bestiftet, dann geht der Schwarm ab.

Nicht zufällig geht der Schwarm genau dann ab, wenn der Höhepunkt der Entwicklung erreicht wurde.

Hier scheint also ein Mechanismus zu existieren, der zwar über die Tageshöchstemperaturen und die damit verbundene Eilage (und damit Brutanlage) an das Wetter gekoppelt ist, aber eben nicht absolut. Die Bienen richten sich augenscheinlich nach dem Verhältnis von Bienen zu Brut, vielleicht über den aus der Mischung von Brut- und Bienengeruch = dem Bienennestduft.

Das erklärt auch das Schwärmen von kleinen Mickervölkern und noch so einiges!

Wenn die Regelung der "Schwarmverhaltens" über das Verhältnis von Brut und Bienen funktioniert, dann wäre eine mögliche Art der Schwarmverzögerung die Gabe von Brutwaben ohne Bienen aus einem anderen Volk. Genau zu dem Zeitpunkt gegeben, wo das Verhältnis gerade wieder kippen will, dürfte das eine verzögernde Wirkung haben. Rechtzeitig wohlgemerkt! Es müssen nur die Tageshöchsttemperaturen im Frühjahr verfolgt werden, um einen Anhaltspunkt über den richtigen Zeitpunkt zu bekommen.

Zwei Mal 20.000 Brutzellen gegeben, ist das Volk die ganze Saison über im Wachstumsfieber.

Bild

Ich habe mal mit weniger gerechnet, das war aber zu knapp bemessen.

Daneben helfen solche Erkenntnisse nicht nur dem Honigjäger, sondern wenn das ganze Schröpfen und Schwächen der Völker zum Zwecke der Schwarmverhinderung wegfällt, dann ist die Welt schon wieder ein bisschen besser geworden. Gerade für Kleinstimker kann das doch interessant sein: mit dem einem Volk mache ich einen vorweggenommenen Vorschwarm, die Brutwaben gehen zum zweiten Volk. Fertig. Zwei Mal getan, erledigt fürs Jahr. Und mit dem einem gestärkten Volk bekomme ich sogar noch mehr Honig zusammen, als mit zwei Völkern, die durch Beschränken, Schröpfen, Umschichten, Brechen und Biegen schlechte Laune haben. :wink:

Wer den Honig nicht selbst verwenden will, der füttert ihn eben ein. Besser als zwei schwache Völker die nix gesammelt haben und dann mit Zucker eingefüttert werden müssen.

Zu früh für weitere Spekulationen, ich freue mich aufs Frühjahr und die Widerspenstigkeit der Bienen. :lol:

Bernhard
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Mi 20. Mär 2013, 15:27

Ich freue mich! Die oben angestellten Berechnungen und Annahmen werden nun auf den wissenschaftlichen Prüfstand gestellt und in diesem Jahr ab dem Sommer beginnen die Studien dazu.
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon KMP » Mi 27. Mär 2013, 13:16

Ich habe meine Kopie mit einer neuen Spalte ergänzt: "Schlüpfen heute" (also wie viele werden heute schlüpfen). Die Kalkulation ist selbstverständlich einfach, eigentlich nur eine Verschiebung von 21 Tagen der Spalte "Stiften". Dabei kann ich schneller merken, dass in 2-3 Tagen alle Stifte die von der angenehmen 1. Woche März stammen geschlupft sein werden.

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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Do 4. Apr 2013, 11:48

Stand 4.4.2013

Wegen der kühlen Temperaturen wurde das Brutgeschäft laut Berechnung zurückgefahren und es gibt wieder mehr Bienen als Brutzellen. Das wirft das Volk um ca. 2 Wochen zurück. Laut Notizen wurde 2012 um diese Zeit schon bereits Nektar deutlich eingetragen und die ersten Weiselnäpfe waren zu sehen.

Dieses Jahr müßten die Drohnenaufzucht und die ersten Weiselnäpfe erst zum 19.4. einsetzen und zu sehen sein. (Wenn sich die Wetterprognosen für die nächsten zwei Wochen ungefähr bewahrheiten.)

Ziemlich spät!

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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Do 4. Apr 2013, 11:52

Wenn er April so kühl bleiben sollte, wie es bisher war, verlagert sich das Schwarmgeschehen auf Anfang Juni: 5./6.6. Weiselzellen, Schwarm dann ab 14.6.

Wenn es im April nicht furchtbar warm wird, dann wird das in diesem Jahr kein Schwarmjahr werden.
Wenn er April so kühl bleiben sollte, wie es bisher war, verlagert sich das Schwarmgeschehen auf Anfang Juni: 5./6.6. Weiselzellen, Schwarm dann ab 14.6.

Wenn es im April nicht furchtbar warm wird, dann wird das in diesem Jahr kein Schwarmjahr werden.
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon sleipnir » Do 4. Apr 2013, 13:20

Ich habe zwar keine Berechnungen gemacht, aber wenn ich so nach draußen schaue und es mit letztem Jahr vergleiche, dann liegen wir bei mir in der Region um gute 3 Wochen zurück wie letztes Jahr.
Ja aber mal schauen wie das Wetter wird, zum Glück ist es jedes Jahr anders. :D
Die kleinste Tat ist besser
als der größte Vorsatz.

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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon KMP » Do 4. Apr 2013, 13:21

So kühl ist es zur Zeit, dass Bernhard (zaunreiter) sich wiederholt.

Wenn es Die Truman Show wäre, könnten wir diesen dunkelgrauen Gipshimmel zertrümmern, durchbrechen und... und... hmmm, das Land suchen wo die Zitronen blühen -- oder man zumindest mehr als 2 St. Sonne am Tag hat.

-K (im grauen aber trockenen Berlin)
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