Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Alle im Frühjahr anfallenden Arbeiten, z.B. Erweiterung, Einschätzung der Volksstärke
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Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » So 25. Nov 2012, 22:40

Bei der Carnicabiene läßt sich nach Josef Bretschko eine Abhängigkeit der Legetätigkeit der Königin und der durchschnittlichen Temperaturmaxima feststellen. (Temperaturmaxima = Tageshöchsttemperaturen, Durchschnitt des Monats, also geteilt durch Anzahl der Tage des Monats.)

Seine Beobachtungen will ich dazu verwenden, einen groben Daumenwert zu bekommen, wie es in den Völkern (Carnica) zu der Zeit aussehen kann. Daher werde ich bei meinem Thermometer ab Februar täglich den Maximalwert der Tagestemperatur ablesen. Am Ende des Monats werde ich dann den Durchschnitt der Maxima errechnen - dann läßt sich schätzen, wie groß am Ende des Monats das Brutnest ist/sein müßte.

Dazu habe ich folgende Vergleichstabelle abgetippt und ein bisschen angepasst:

Bild
(Falls nicht bis zur Spalte Bemerkungen dargestellt, hier öffnen: http://www.immenfreunde.de/pics/TempMaxBrut.jpg)

Der März und seine Maxima sind entscheidend, wie stürmisch die Entwicklung danach im April verläuft. Je kälter der März, desto stürmischer die Entwicklung. Vermutlich weil sie im März bei kalten Temperaturen weniger legen, versuchen sie das durch vermehrte Brutaktivität im April zu kompensieren?!

Jedenfalls kommt es grob hin, wenn man die durchschnittliche Tagesmaximaltemperatur...

...im Februar mal 1.000 nimmt,
...im März mal 2.000 nimmt,
...im April bei März < 10°C mal 2.500, ansonsten bei März > 10°C mal 2.000.

Danach läßt sich nicht nur einschätzen, wann der Zeitpunkt für die Frühjahrstätigkeiten (Untersetzen/Aufsetzen, ...) gekommen ist, sondern wie schnell mit Schwärmen gerechnet werden muß, und ob ein Volk trachtreif ist. (Ab 20.000 Brutzellen.)

Interessant wäre es noch, wenn man die Bienen im Stock in Beziehung zu den Brutzellen setzen würde, weil das die Schwarmstimmung beeinflusst.

Viele Grüße

Bernhard
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » So 25. Nov 2012, 23:01

In Ergänzung dazu, die Eilegeraten pro Tag in den jeweiligen Monaten.

Bild
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Mo 26. Nov 2012, 15:53

So ein wenig Modellrechnung ist doch sehr aufschlußreich. :idea:

Ich habe mal mit Eilegeraten und Lebensdauer der neu geschlüpften Bienen herumgespielt. Sowie Anzahl der überlebenden Winterbienen zur Auswinterung.

Spannend!

Also die Legerate per se hat nur begrenzten Einfluß. Die Lebensdauer der jungen Bienen ist sogar zu vernachlässigen. (Ich habe mit zwei oder drei Wochen Lebensdauer kalkuliert.)

Einen (im Modell) echten Einfluß auf die Volksentwicklung hat die Auswinterungsstärke. Gerechnet habe ich mit 10.000 und 20.000 überlebenden Winterbienen im Februar. Durch viele Winterbienen ist die Trachtstärke des Volkes fast neunzehn Tage früher erreicht. Die Trachtstärke beginnt grob bei 20.000 Brutzellen. (5 Waben Warré voll bebrütet.)

Ein Volk mit 10.000 Winterbienen zu Anfang Februar und durchschnittlicher Eilegerate. (Siehe oben.) Die Basis für die Trachtstärke ist mit 20.000 Brutzellen am 30.4. erreicht. 3 Wochen später sind sie trachtbereit.
Bild

Ein Volk mit 20.000 Winterbienen zu Anfang Februar und starker Eilegerate. (Siehe oben.) Die Basis für die volle Trachtstärke ist mit 20.000 Brutzellen am 11.4. erreicht. Drei Wochen später können sie loslegen! Pünktlich zur Frühtracht.
Bild


Ähnlich sieht es mit der Durchlenzung aus - dem Massewechsel zwischen Sommer- und Winterbienen.

Hier das schwache Volk mit durchschnittlicher Legerate. Der Massewechsel ist erst am 20.4. abgeschlossen.
Bild

Hier das starke Volk mit überdurchschnittlicher Legerate. Der Massewechsel ist am 5.4. abgeschlossen.
Bild

Deswegen ist es wichtig, mit möglichst starken und langlebigen Winterbienen in den Winter zu gehen. Eine junge Königin mit guter Legeleistung baut das Volk gut auf. Im Gegenzug sollte darauf geachtet werden, daß sich das Volk bei älteren Königinnen langsamer aufbaut. Lebensdauer der Frühlingsbienen ist nicht so ausschlaggebend. Sprich: Verluste werden ganz gut ausgeglichen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist das Verhältnis zwischen vorhandener Brut, jungen und alten Bienen auch hinsichtlich der Varroa und ihr Abstiegsverhalten in die Zellen. Je weniger Brut, desto mehr werden die Zellen parasitiert. Ob sich das bei einem schwachen Start ins Jahr auswirkt?

Gruß
Bernhard
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon KMP » Mo 26. Nov 2012, 16:18

zaunreiter hat geschrieben:Bei der Carnicabiene läßt sich nach Josef Bretschko eine Abhängigkeit der Legetätigkeit der Königin und der durchschnittlichen Temperaturmaxima feststellen. (Temperaturmaxima = Tageshöchsttemperaturen, Durchschnitt des Monats, also geteilt durch Anzahl der Tage des Monats.)


Beim letzten Imkervereinstreffen hat der Herr Günther Kißmann einen informativen und unterhaltsamen Vortrag über seine Arbeit als Obmann für "Beobachtung" (Imkerverband Berlin) und die Rolle, die Temperatur und Klima bei der Entwicklung spielen. Er hatte auch eine Exceltabelle womit man die Entwicklung auf Basis der täglichen Hochtemperaturen sehen kann. Kann sein, dass sein Formel auch von dem Bretschko stammt -- leider habe ich den erwähnten Namen vergessen und Herr Kißmann hat meine Mail noch nicht beantwortet.

-K
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Mo 26. Nov 2012, 16:50

Falls Du die Exceltabelle bekommen solltest - ich hätte da auch Interesse dran.

Im Prinzip läßt sich die Auswinterungsstärke zu Anfang Februar mit einem kurzen Blick ins Volk feststellen. Dann anhand der Tageshöchsttemperaturen die weitere Entwicklung ganz gut im Vorhinein berechnen. Auch Abweichungen fallen dann schneller auf.

Gruß
Bernhard
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr22,8295*X1,425

Beitragvon zaunreiter » Sa 1. Dez 2012, 20:18

Wer nicht rechnen will, der läßt es eben bleiben. :oops: Der baut eben weiter auf Zufallserfolge. :twisted: :P

Jedenfalls habe ich einen Hinweis von Josef aus Österreich per Post erhalten: Allen Anschein nach haben die Herren Bergmann & Bergmann die Arbeit von Bretschko bestätigt und folgerichtig weitergeführt. Das Geniale: sie konnten eine Formel entwickeln, anhand derer sich die tägliche Eiablage errechnen läßt.

Erstmal die Literaturangaben:
Moderne Betriebsweise im Magazinbetrieb mit kompatiblen Magazinen vom Typ Langstroth, Zander und Dadant
von Prof. Dr. Joachim-Hans Bergmann und Dipl.-Ing. Lutz Bergmann
ISBN: 3-8322-4699-1

Die Formel lautet: Eiablage pro Tag y = 22,8295 * x hoch 1,4254
Wobei x = das Tagestemperaturmaximum ist.

Läßt sich super in einer Tabellenkalkulation einbauen. Und zwar so:

=22,8295*A1^1,4252 (wobei A1 die Zelle mit der ersten Temperaturangabe ist)

Hier die Tabelle:
Bild

Zitat Bergmann&Bergmann:
>>Ohne Einschränkung kann festgestellt werden, daß unter der Voraussetzung eines ausreichenden Futtervorrates und einer ausreichenden Pollenversorgung die Tagesmaximaltemperatur während der Monate Mitte Februar bis Mai der dominierende Reiz für die Ausdehnung des Brutnestes ist.<< (Untersuchungen erfolgten nur an Völkern der Rasse Carnica. Geht aber von einer ähnlich strengen Korrelation bei anderen Rassen aus.)

Josef war so freundlich mir seine Berechnungen für 2011 und 2012 zuzusenden. Inklusive phänologischer Angaben.

Viele Grüße

Bernhard
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » So 20. Jan 2013, 20:41

Und als Weiterführung der oben angestellten Gedanken habe ich per Luftpolsterfolie ein paar Solar-Stöcke in den Test geschickt. Mittels der auf die Beutenwand treffenden Sonnenstrahlen, sollte die in der Beute gefühlte Tagesmaximumtemperatur erhöht sein. Nebenan stehen Kontrollvölker. An einem anderen Stand habe ich ebenfalls die eine Hälfte der Völker eingewickelt, die andere nicht.

Bild

Bild

Mal sehen, ob und welche Unterschiede bei der Brutentwicklung bei dem Experiment zu sehen sind. (Achtung: Wieder mal ein Experiment und daher nicht zur Nachahmung empfohlen.)

Viele Grüße
Bernhard
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » Di 22. Jan 2013, 11:44

Projekt: Beobachtung Temperaturmaxima, Eiablage und Brutumfang.

Aus den Angaben von Bretschko sowie Bergmann&Bergmann - hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen täglichem Temperaturmaxima und der Eiablage der Königin - habe ich eine Tabelle gebastelt, in der die täglichen Tagestemperaturmaxima ab 1. Februar eingetragen werden können. Und woraus sich anhand der von Bergmann&Bergmann aufgestellten Formel die Eiblage und der Brutumfang ergeben.

Anfang Februar ist auch die Volksstärke anzugeben, was sich aus den besetzten Wabengassen ersehen lassen sollte, sowie ein möglicher Brutumfang. Beide Zahlen können Schätzungen sein, es geht ja eher um Trends als um absolute Zahlen. Unterschiedliche Völker, unterschiedliche Starts.

Im Moment sind noch Beispielzahlen angegeben, bis Anfang Mai ein letztjähriger Temperaturverlauf, Angaben die nach und nach ersetzt werden sollen.

Sobald der für die Trachtstärke benötigte Brutumfang von 18.000 Brutzellen erreicht ist, färbt sich die Brutspalte lila. Die Anzahl Bienen-Spalte färbt sich grün, wenn die für die Volltracht notwendige Anzahl Bienen von 40.000 ùberschritten wurde. Auch möglicherweise (Spekulation) läßt sich ein Schwarmabgang damit vorherbestimmen?

Das Verhältnis zwischen Bienen und Brut hilft schwierige Zeiten zu erkennen sowie Schwarmtendenzen zu bestimmen.

Die Datei als OpenOffice-Format
http://www.immenfreunde.de/docs/EntwicklungVoelker.ods

Als Excel:
http://www.immenfreunde.de/docs/EntwicklungVoelker.xls

Bitte macht mit und schätzt von Zeit zu Zeit den Brutumfang und gleicht ihn mit dem berechneten Brutumfang ab. Falls das Modell auch nur halbwegs funktioniert, ist es zukünftig eine Arbeitshilfe, was wann bei welchen Völkern gemacht werden sollte. (Zeitliche Optimierung der Eingriffe.)

Gruß
Bernhard
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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon sleipnir » So 24. Feb 2013, 10:02

Servus Bernhard,

wo nimmst Du die Temperaturen ab ?
Direkt vorm Bienenstock oder im Bienenstock ?
Bei den Luftpolstervölkern vielleicht unter der Plastikfolie ?


gruß

bernhard
Die kleinste Tat ist besser
als der größte Vorsatz.

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Re: Voraussage der Brutentwicklung im Frühjahr

Beitragvon zaunreiter » So 24. Feb 2013, 10:18

An meiner kleinen Wetterstation im Garten.
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