Erfahrungen mit Warré

Alle im Frühjahr anfallenden Arbeiten, z.B. Erweiterung, Einschätzung der Volksstärke
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zaunreiter
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon zaunreiter » Mo 11. Jun 2012, 07:03

BeeWild hat geschrieben:Warum wird der Wert eines Bienenvolkes eigentlich so häufig am Honigertrag gemessen ?
...
Das Konzept ist bestimmt gut und man sollte es ausprobieren. Für denjenigen, der das gleiche Ziel verfolgt.


Warum wird dabei der reine Honigertrag eigentlich unterstellt?

Es ist in manchen Regionen so, daß nicht nur kein Gramm Honig für den Eigenverbrauch geerntet werden kann, sondern zugefüttert werden muss, um die Bienen über den Winter zu bekommen. Es ist einfach keine Tracht da. Da hilft auch ein Obstbaum nicht, der am Anfang des Jahres blüht und wenn es hoch kommt 2 Kilogramm Honig pro Baum gibt. Genau dann, wenn die Bienen in der Entwicklung noch nicht so weit sind. Auch die konventionellen Imker würden nichts ernten, wenn sie nicht den kompletten Honigvorrat gegen Zucker tauschen würden. Müßten alle mit eigenem Honig überwintern, dann sähe die Imkerei in Deutschland ziemlich düster aus.

BeeWild hat geschrieben:Und auch wenn ich 10 kg verbrauchen würde ? Gegenwert 80 Euro ?


Also ich esse jeden Tag Honig. Ich verbrauche ganz alleine etwa 30 Kilogramm Honig jedes Jahr und dazu eine Menge Bienengift, Pollen, Propolis und Wachs für Kerzen. Ich sehe erstens keinen Sinn darin, fremden Honig einzukaufen, wenn ich selbst Bienen habe. Und zweitens ist der eigene Honig unbezahlbar, was seinen inneren Wert betrifft. Wenn der Honig von den eigenen Blüten im Garten kommt, so ist das was ganz Besonderes. Indem Du den Honig isst, schaffst Du eine Verbindung zu deiner Landschaft.

Meine Motivation hinter der Adaption der Betriebsweise ist daher weniger der reine Honigertrag als die sichere Gewinnung des Winterfutters und des Eigenverbrauches an Honig, sowie gesundheitlich starke Völker. Wenn ich die Bienen früh genug reize, dann ist auch die Bestäubung von Kirsche und Apfel viel besser, weil die Völker dann schon stark genug sind, um diese Arbeit durchzuführen. Es kommt also allen zu Gute.

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

BeeWild
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon BeeWild » Mi 4. Jul 2012, 01:54

Hallo Bernhard, Hallo Markus,

Ich glaub, ihr habt das falsch verstanden, mit dem "Wert" eines Bienenvolkes.

Mal wieder unterwegs, mal wieder aus nem WLAN im Hotel, das nicht gescheit funktioniert.

@ Bernhard
Über die Verbindung zu meiner Landschaft braucht mir glaube ich niemand etwas erzählen, bin dort geboren, aufgewachsen, meine Kindheit erlebt, und eine wilde Jugend, hab dort nach langen Jahren Auswärtstätigkeit- und Aufenthalt wieder meinen Lebensmittelpunkt, immer noch in ganz Europa unterwegs, aber ich werde dort alt werden, sterben und begraben werden. Mein Haus gebaut und werde meine Familie dort großziehen. Daran ändern ein paar Tropfen Honig nichts.
Auf was ich hinaus will ist folgendes, für mich haben meine Bienenvölker "mehr" Wert als der Honigertrag.
Du hast schon recht, wenn du sagst, dass Honig ein hohes Gut ist, weil es mit großem Aufwand hergestellt wird (für die Bienen), für mich "persönlich" ist es ein Geringes, weil mir was anderes mittlerweile wichtiger ist an der BienenHaltung.
Klar, der eigene Honig ist was Besonderes, aber objektiv betrachtet schmeckt er weder besser noch schlechter als anderer Honig (meiner zumindest ;-) )
Also lass ich es ihnen und zieh das raus, was mir mehr bringt als den Gegenwert von ein paar Kilo Honig, nämlich ein paar Stunden abschalten und entspannen. Für das wofür ich nen Kurzurlaub und ein paar hundert Euro bräuchte, hol ich mir an meinem Bienenstand drei Meter von meiner Terrasse in zwei Stunden im "Vorbeigehen", wenn ich da bin. Dafür können meine Bienen den Lohn ihrer Arbeit für sich behalten. Und wenn mal ein Schwarm fällt, am magischen Ort, den noch keiner wissenschaftlich begründen konnte, bringt das auch einen Gewinn,wenn ich ihn erwische, neben der wunderbaren, nicht alltäglichen Aufregung.
Nicht umsonst stehen mittlerweile Bienenhäuser auf Hochhäusern in Großstädten, es interessiert die Menschen und sie tun es denke ich nicht nur vorrangig wegen des Honigertrags, sondern wegen vieler anderer Dinge. Und das ist gut so !!!

@Markus
Das Herz hat längst entschieden, der Verstand hinkt nur hinterher :-)
Das wahre Geschenk muss man manchmal erst finden, entgegen aller "Wertvorstellungen".


In diesem Sinne nochmals gefragt, was ist für euch der "Wert" eurer Bienenvölker ?
Scheinbar "leiste" ich es mir nur Bienen zu halten, auch wenn es bis jetzt finanziell ein Negativgeschäft ist ( mit anschaffen, einfüttern, etc ...) Was solls, andere Hobbies kosten auch Geld, und nutzen weniger !
Ich glaube, für viele heutzutage, die Bienen halten, zählt nicht alleine der Honigertrag !

BeeWild

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HBiene
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon HBiene » Do 9. Aug 2012, 09:01

Hallo,

ich bin am Überlegen mir nächsten Jahr eine Warré Beute zuzulegen. Also noch keine Erfahrung mit der Beute.
Habe mir schon etliche Berichte bezüglich der Betriebsweise der Warré durchgelesen. Eine Frage wurde mir aber noch nicht schlüssig erklärt, oder ich konnte sie nirgends finden!
Die Oberträger werden ja fest mit der Zarge verbunden. Sehe ich es dann so richtig, dass sollte ich ein bisschen Honig ernten wollen, ich die Honig Zarge auf den Kopf stelle und die Waben von den OT schneide.
In manchen Berichten wird aber wiederum davon gesprochen die OT fest zu Dakern um sie dann, wenn nötig einzeln von der Zarge zu lösen und auszuziehen.
Ich habe dieselbe Einstellung wie BeeWild (Beitrag vom 4.7)
zu den Bienen.
Ein bisschen Honig ist ok. Ich möchte aber nicht anfangen mit Dakern und Basteln. Das ist ein Grund weswegen ich keine Herkömmlichen Magazine bevorzuge.
Ich habe eine Top Hive Bar und Platz mäßig würde daneben noch schön eine Warré passen.
So ich hoffe mir kann geholfen werden 

Viele Grüße
Harald

PS
An die Spezialisten der Warré. Für einen Anfänger in Sachen Warré wäre es Hilfreich mal eine genauere Beschreibung der Betriebsweise zu finden. Anhand zB. die Vorgehensweise der Honigernte oder kann an den OT noch Wabenwerk bleiben oder sollen sie komplett gesäubert werden usw. .
Viele Grüße aus Franken
Harald

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon kaibee » Do 9. Aug 2012, 10:22

Du kannst die OT mit Wachs gefestigen oder nur reinlegen und festpropolisieren lassen oder mit dünnen Nägeln befestigen. Bei mir sitzen die OT mit einer Nut in einem Nagel, den ich bis auf 2mm in die Falz geschlagen habe. Ansonsten ist deine Vermutung richtig. Wenn Du kein spezielles Warré-Messer hast, Zarge umdrehen, mit Stockmeisel die Seiten der Wabe lösen. Selbst wenn Du die OT genagelt hast, kannst Du den OT mit dem Stockmeisel von oben lösen und die Wabe samt OT von oben entnehmen.

Eine genaue Anleitung... steht nicht alles im Warré-Buch?

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon HBiene » Do 9. Aug 2012, 10:58

@kaibee

ich wollte mir schon ein Warré Buch zulegen, da ich mit aber noch nicht ganz sicher bin habe ich mir noch keines zugelegt. Gibt es da ein bestimmtes was empfehlenswert ist?

Gruß
Harald
Viele Grüße aus Franken
Harald

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon zaunreiter » Do 9. Aug 2012, 11:06

Mit einem kleinen Nagel die Oberträger festnageln, dann fliegen die Oberträger auch nicht rum und Du kannst die Zarge ohne Sorgen zum Reinschauen ankippen.

Zur Ernte werden die Zargen einfach auf den Kopf gestellt, die Waben seitlich mit einem Brotmesser oder ähnlichem gelöst. So:

Bild

Dann drehst Du die Zarge wieder um und stellst Sie auf eine große Schüssel. Du kannst dann mit dem Messer seitlich unter dem Oberträger vorbeifahren. Die Waben plumpsen dann in die Schüssel oder direkt in die Presse. Wenn Du willst, kannst Du die Reste am Oberträger noch abkratzen. Oder einfach so wieder aufstellen - erspart das Anbringen von Anfangsstreifen.

Das Ziehen von Waben geht ähnlich. Umdrehen, seitlich lösen, dann mit dem Stockmeißel Oberträger samt Nagel ziehen und fertig. Wenn Du Nägel ohne Köpfe verwendest, sind die Waben noch leichter zu ziehen und wieder einzulegen. Einfach auf den stehengebliebenen Nagel drücken. Siehe auch: viewtopic.php?f=7&t=126

Gruß
Bernhard
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon HBiene » Do 9. Aug 2012, 12:05

Danke euch für die Erklärung!

Wieder etwas schlauer :P
Viele Grüße aus Franken
Harald

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon Mathias » Do 9. Aug 2012, 13:54

An die Spezialisten der Warré. Für einen Anfänger in Sachen Warré wäre es Hilfreich mal eine genauere Beschreibung der Betriebsweise zu finden. Anhand zB. die Vorgehensweise der Honigernte oder kann an den OT noch Wabenwerk bleiben oder sollen sie komplett gesäubert werden usw.


Fänd ich auch ne gute Idee - so ne Art Grundbetriebsweise .Das würde es manchem Anfänger sicher leichter machen und ja es steht alles im
Warre büchlein allerdings auf 225 Seiten.Wenn dann noch die Varroa mit eingebaut würde -die es ja zu Warres Zeit noch nicht gab- dann wäre das schon eine feine Sache.

Irgendwie hat die zitiererei nicht so recht geklappt,egal :D
Mathias

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon kaibee » Do 9. Aug 2012, 14:49

Ist doch sauviel Arbeit... keine Ahnung wer das machen würde. Ansonsten ist das Forum hier ja noch nicht soooo groß. Also einfach mal ne Stunde investieren und von A-Z durchlesen! Soviel sollte man eh an Zeit investieren. Zudem sind wir hier alle noch nicht ganz sicher, wie wir Bienen in der Warré halten, selbst der Admin himself ändert Methoden und testet immer wieder... Also man so eine Anleitung anfertigt, müsste man die schon wieder mehrmals aktualisieren...

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon zaunreiter » Do 9. Aug 2012, 15:03

Das Grundsätzliche ist bei Warré selbst beschrieben. Alles andere ist Ausprobieren - denn die Bienen lesen solche Anleitungen leider nicht! Und sie nutzen jede Lücke, um deine Pläne zu durchkreuzen und Dich zu überraschen! :lol:

Bienen halten ist ganz was anderes als Kaninchen oder Hühner halten. Bei der Bienenhaltung gibt es kein/kaum ein Rezept, das dauerhaft und überall funktioniert. Viel Fingerspitzengefühl, Beobachtung und Hingabe sind da gefragt. Am besten Schritt für Schritt vorgehen und bei jedem Schritt im Voraus über die Möglichkeiten informieren, die es so gibt. Gut vorbereiten! So gut es geht. Der Rest ist Improvisation. (90 % Organisation, 10 % Improvisation)

Ansonsten hier fragen, wir helfen gern.

Gruß
Bernhard
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