Erfahrungen mit Warré

Alle im Frühjahr anfallenden Arbeiten, z.B. Erweiterung, Einschätzung der Volksstärke
kaibee
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Erfahrungen mit Warré

Beitragvon kaibee » Di 15. Mai 2012, 13:35

Habe im Netz einen Artikel zur Warré gefunden. Jemand beschreibt, welche Probleme er mit Warré hatte und warum er/sie letztendlich bei einer Rähmchen-Beute gelandet ist.
klick

Vielleicht können wir mal versuchen, diesen Artikel zu diskutieren und unsere eigenen Erfahrungen mit den geschilderten zu vergleichen.
kaibee
Zuletzt geändert von kaibee am Di 15. Mai 2012, 14:15, insgesamt 1-mal geändert.

kaibee
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon kaibee » Di 15. Mai 2012, 14:05

Bienen sind unheimlich flexibel. Sie leben in Baumhölen, Mauerspalten und so komischen Kisten aus geschäumten Polysterol oder Holz – Beuten genannt. Den Bienen ist es größtenteils egal in welcher Kiste sie leben, hauptsache es zieht nicht.

Leider sieht man den Bienen nicht an, ob sie mit ihrer Behausung "zufrieden" sind. Ich denke es gibt schon Unterschiede zwischen den Behausungen. Z.B. in Bezug auf Wärmehaushalt und Belüftung. Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die allerdings in engem Zusammenhang mit den oben genannten stehen. Pauschal zu sagen, dass es größtenteils egal ist, finde ich falsch. Wenn es nur größtenteils egal ist, ist es ggf. nicht egal.

Ich denke mittlerweile nicht mehr, dass die Warré wesensgemäß ist. Jede andere Beute ist genau so gut und tut ihren Dienst

d.h. im Umkehrschluss dass alle Beuten nicht wesensgemäß sind?

Manche Autoren versprachen sanftmütige Völker aufgrund der Warré-Beute.

Weiß jemand, wo sowas steht? Ist mir neu und würde ich auch niemals unterschreiben!

Es ist ein sehr großer Nachteil, dass die Warré-Beute keine herausnehmbare Rähmchen hat. Da gibt es dann dann den Vorschlag mit einem sogenannten Korbmesser (ein Messer zum Herausschneiden von Wabenwerk bei Bienenkörben) die Waben zu überprüfen oder an den Seiten die angebauten Waben zu entfernen und an den Oberträgern die Waben zu ziehen. Manchmal wird auf einen französischen Berufsimker verwiesen der Drahträhmchen gebaut hat. Ist das noch einfach?

Ich glaube, der Autor geht hier mit falschen Vorstellungen an die Warré-Imkerei. Ich sehe das Fehlen von Rähmchen als großen Vorteil, auch oder genau weil es mich zurückhält, zu viel einzugreifen. Die Methode mit dem Wabenmesser ist für mich eine gute Alternative, Waben zu entnehmen. Eher im Notfall als in der Regel.

Die Einfütterungsmenge ist nicht all zu leicht bestimmbar.

Ich habe eine Stockwaage, mit der ich die Vorräte ausreichend genau bestimmen kann, ohne die Beute überhaupt zu öffnen. Vielleicht baut sich nicht jeder eine aufwändige Stockwaage... jedenfalls kann man mit relativ einfachen Mitteln das Gewicht einer Warré-Beute bestimmen.

Das Suchen der Königin ist nicht problemlos möglich. Es gibt die Empfehlung das ganze Volk auf ein Absperrgitter abzukehren und dann hat man irgendwann die Königin. Ob das den Bienen gefällt? Übrigens die Bienen aus so einer Zarge zu bekommen ist auch ein ziemliches Kunststück. Viel Rauch hilft da nicht unbedingt. Manchmal wird Abtrommeln empfohlen – weiß jemand wie das geht?

Dies ist wieder ein Absatz, an dem man merkt, dass die Warré-Bienenhaltung nicht wirklich verstanden wurde. Die Empfehlung, das ganze Volk auf ein Absperrgitter abzukehren, kam ggf. von einem Imker, der diese Bienenhaltung ebenso wenig durchschaut hat.

Durch den teilweise und prinzipbedingten chaotischen Wabenbau in der Warre (trotz Anfangsstreifen)...

Kann ich nicht bestätigen. Wenn man vernünftige Anfangsstreifen an die Oberträger macht, haben die bei mir immer perfekt parallel gebaut. Habt ihr was anderes erlebt?

kaibee

mahagugu
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon mahagugu » Di 15. Mai 2012, 14:48

kaibee hat geschrieben:....
Vielleicht können wir mal versuchen, diesen Artikel zu diskutieren und unsere eigenen Erfahrungen mit den geschilderten zu vergleichen.
kaibee


Warré ist wie MiniPlus und alle Kleinkasterlsysteme (nenn die mal jetzt so) eigentlich
nur zargenweise sinnvoll. Bringt nicht wirklich was sich mit einzelnen Oberträgern abzuärgern,
noch dazu wo man sie eh annageln sollte und nicht versetzen , herausnehmen usw.
Da können sie ruhig an den Wänden anbauen und ist vielleicht sogar besser wegen halt
usw.
Schlag mal vor eventuell noch Draht zwischen die Wände zu spannen , damit die
Waben besser halten ...

Is so meine momentane Meinung , was jetzt nicht so wirklich auf Erfahrung beruht ...

Aber ich finds logisch ... Früh auf MiniPlus vorziehen und dann die MiniPlus in eine
Warré-Zarge wo sie bequem hineinpaßt und die Völkchen haben immer schön warm
und man ist schnell mit der Entwicklung ...

Ablegerbildung mit Weiselzellen und Kunstschwarm oder überhaupt gleich mit
Naturschwärmen arbeiten und falls wirklich mal echt zuviel Bienen und zuwenig Kasterl ,
dann eben Einraumbeute mit Rahmen oder ohne Rahmen und Waben auf den Boden picken bzw. Mittelwände und einen Kunstschwarm einschlagen ....

absoluten Wildbau würde ich nicht riskieren , ausser eben bei kleinen Kasterln ...

Okay, dass war jetzt wieder unnötig , aber ein bißerl was zusammenspinnen darf man sich ja ...

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon zaunreiter » Di 15. Mai 2012, 16:59

>> Ich denke mittlerweile nicht mehr, dass die Warré wesensgemäß ist.

Sie ist eine Beute und als solche nur ein Betriebsmittel. Die Betriebsweise bestimmt überwiegend, ob und wie wesensgemäß die Imkerei ist. Wobei es tatsächlich schwierig ist, zu definieren, was wesengemäß überhaupt ist.

>> Jede andere Beute ist genau so gut

Dem stimme ich überwiegend zu: die Beute steht hinter der Betriebsweise zurück.

>> paar kleine Handgriffe, im Herbst den Überschusshonig ernten und das wars. Hier kann ich mit Fug und Recht sagen dass dies Quatsch ist. ...Imkerei macht auch Arbeit

Zugegebenermaßen ist das so.

>> Manche Autoren versprachen sanftmütige Völker aufgrund der Warré-Beute. Das ist Unsinn!

Das ist nicht kompletter Unsinn, sondern beruht auf Beobachtungen. Werden die Bienen im Brutnest nicht so häufig gestört, werden die Bienen ruhiger. Wenn Bienen in der Dadant nicht häufig gestört werden, sind sie auch da ruhig. Wird das Brutnest im geteilten Magazin aber jede Woche durchgesehen (Rähmchen gezogen), ist es sehr schnell mit der Ruhe vorbei - da hilft auch die gezüchtete Sanftmut nicht mehr.

>> Die Betriebsweise ist auch recht einfach sofern sie denn bei uns funktioniert.

Die originäre Betriebsweise funktioniert größtenteils nicht mehr. Soviel steht auch für mich fest. Aber das hat selbst Emile Warré seinerzeit schon erkannt, wie in seinem Vorwort nachzulesen ist und er die Wichtigkeit der "Heroischen Methode" in der Zukunft sein wird, um überhaupt noch Ernten einfahren zu können. In der Zwischenzeit gibt es aber Ansätze für eine Betriebsweise der Warré. Siehe zum Beispiel: http://immenfreunde.de/WarreMod.pdf

>> Es ist ein sehr großer Nachteil, dass die Warré-Beute keine herausnehmbare Rähmchen hat.

Weswegen sollten die Waben denn überhaupt herausgenommen werden? Der einzige mir einfallende Grund ist die Kontrolle auf Brutkrankheiten. Hierzu würde es aber ausreichen, zwei Rähmchen im Warrémaß pro Zarge einzuhängen. Bezugsquelle: Seite 11:
http://www.bienen-center.de/Katalog2012-150dpi.pdf

Ein Kontrolle aller Brutwaben ist nur im Seuchenfall notwendig und das ist eher die Ausnahme. Für die schnelle Kontrolle sind zwei Rähmchen pro Zarge ausreichend.

Ansonsten sei hier die Lektüre des Magazinimker-Papstes Karl Pfefferle empfohlen: " Imkern mit dem Magazin und der Varroatose" http://www.bienenzuchtbedarf-geller.de/ ... ferle.html

Pfefferle empfiehlt das Denken und Arbeiten in Zargen und nicht in einzelnen Rähmchen. Und hier liegt ein wesentlicher Vorteil aller Magazinbeuten. Das Ziehen von Rähmchen sollte eine Ausnahme bleiben. (Siehe auch Dadantbetriebsweise.)

Im Normalfall müssen Rähmchen nicht gezogen werden. Zur Kontrolle auf das Vorhandensein von Eiern können Stücke von Waben ausgeschnitten werden. (Keilschnitt.) Die Zargen können bei der Notwendigkeit einer näheren Kontrolle auf die Seite oder Kopf gestellt werden und die Waben durchgeblättert. Wer ganz sicher gehen will, hängt pro Zarge zwei Rähmchen ein. (Kontrollrähmchen.)

>> französischen Berufsimker verwiesen der Drahträhmchen gebaut hat.

Drahträhmchen hat keiner der französischen Berufsimker im Einsatz. Das war jemand in den Alpen: der Imker Delon. Der französische Berufsimker Giles Dennis hat Halb- und Ganzrähmchen in einem Teil seiner Beuten im Einsatz. Hauptsächlich zur Königinnenzucht und Kleinablegerbildung.

>> Die Einfütterungsmenge ist nicht all zu leicht bestimmbar.

Die Einfütterungsmenge ist genauso leicht/schwer zu bestimmen, wie in anderen Magazinbeuten auch. Wo ist da der Unterschied? Die Zarge kann auf den Kopf gestellt werden und wenn sie voller verdeckelter Honigwaben ist: perfekt. Du kannst auch Waagen aller Art einsetzen. Eben das Übliche. Der Vergleich mit den Bierkasten ist nur ein Weg, die Vorräte abzuschätzen und ist nicht zwingend der einzige Weg.

>> Hat man doch mal Sirup gefüttert dann steht die Frage im Raum, wie man den, sofern es Reste gibt (das ist nicht bestimmbar) im nächsten Jahr nicht in den Honig kommen lässt.

Zucker sollte nur in Ausnahmefällen gefüttert werden, um genau das zu vermeiden. Das Problem betrifft aber auch die konventionelle Imkerei - auch die mit Dadant. Da auch hier Vorräte umgetragen werden und die seitlichen Futterwaben werden bei Dadant auch nicht im Frühjahr entfernt, sondern eher hinter das Schied gesetzt. Ergo ist das Futter in der Beute und kann sich potentiell mit dem Honig vermischen. Daher ist die Honigfütterung des eigenen (!) Honigs ganz generell zu empfehlen. Dabei ist eine regelmäßige Laborkontrolle des Honigs auf Faulbrutsporen der Hygiene am Bienenstand förderlich.

>> Die Schwarmstimmung ist schlecht feststellbar.

Wenn man sich in den Internetforen zur Imkerei umsieht, gilt das für alle Arten von Beuten und vor allem für Anfänger der Imkerei. Eine Kippkontrolle, wie in Magazinbeuten üblich, ist auch bei der Warré ohne Weiteres möglich, um die grundsätzliche Schwarmstimmung feststellen zu können. Des Weiteren sind die zum Ausbauen gegebenen Zargen der Baurahmen des Warréimkers: stoppt der Ausbau der Zargen, ist von einer Schwarmstimmung auszugehen.

>> Schwärme müssen in bewohntem Gebiet kontrolliert werden und ggfs. Maßnahmen ergriffen werden.

Zwischenbodenableger, Brutableger, usw. usf. zur Schwarmverhinderung sind ohne weiteres möglich. Das Brechen von Zellen zur Vorschwarmverhinderung ist in allen Beutensystemen nur ein Zeichen von Hilflosigkeit des Imkers und arbeitet ganz bestimmt gegen das Wesen der Bienen. Weitere Ideen zum Fangen des Vorschwarmes (und der Königin) werden zurzeit entwickelt. Siehe zum Beispiel: http://www.apinaut.de Dieses System läßt sich ganz hervorragend in der Warrébeute anwenden. Auch um die Königin zu fangen. (Wenn es denn erforderlich ist? Wann genau?)

>> Das Suchen der Königin ist nicht problemlos möglich.

Wozu auch?

>> Übrigens die Bienen aus so einer Zarge zu bekommen ist auch ein ziemliches Kunststück.

Wozu auch? Für das Bienen-freimachen der Zarge zur Honigernte etabliert sich die auch in der sonstigen Magazinimkerei verwendete Bienenflucht.

>> Es gibt wenig Support für die Warré-Beute. [vor Ort?]

Das hat sich mittlerweile geändert. Siehe: geomap.php

>> Die Warré-Beute ist nicht für alle Trachtverhältnisse geeignet.

Das ist schlichtweg falsch. Hier muß zwischen Beute und Betriebsweise unterschieden werden. Die originäre Betriebsweise ist nicht für alle Trachtverhältnisse geeignet - das ist korrekt! Und das hat auch Warré selbst so erkannt. Siehe auch: http://immenfreunde.de/WarreMod.pdf

>> Durch den teilweise und prinzipbedingten chaotischen Wabenbau in der Warre (trotz Anfangsstreifen) ist eine Oxalsäurebehandlung im Winter nicht ohne weiteres möglich.

Die Behandlung mit Oxalsäure ist problemlos möglich und dazu gibt es gute Erfahrungen. Siehe: viewtopic.php?f=16&t=379&start=0

>> Schimmelproblem

Schimmelprobleme gibt es bei schwachen Völkern und unbesetzten Waben immer. Siehe auch Internetforen ganz allgemein zur Imkerei. Zum Beispiel: http://www.google.com/search?ix=hca&sou ... erforum.de

Starke Völker und gesunde Bienen verhindern Schimmel - auch im Kissen. Das Kissen ist Gegenstand von Diskussionen. Ich selbst verwende es nicht mehr, sondern statte meine Völker mit einem abgewandelten Dach aus: viewtopic.php?f=6&t=358

>> Die Warré-Beute ist nicht naturgemäßer, noch mehr bio oder wesensgemäßer als andere Beuten. Es kommt auf die Betriebsweise und den Imker dahinter an.

Richtig. Die Beute spielt viel weniger eine Rolle als die Einstellung des Imkers selbst.

Die Warrébeute hat durchaus ihre Reize und insbesondere das von Pfefferle geforderte Arbeiten mit ganzen Zargen anstatt kleinteilig mit Rähmchen wird hier konsequent umgesetzt. Sicher ist heute eine zeitgemäße, angepasste Betriebsweise schlichtweg notwendig geworden. Gerade die Anpassungsfähigkeit der Warré als Magazinbeute bietet genau dazu die Möglichkeiten.

Wer eine sehr extensive Betriebsweise will, der imkert in der Warrébeute wie Oscar Perone in seinen gigantischen Beuten - unten ein großer Brutbereich, der im ersten Jahr ausgebaut wird - und oben in den Folgejahren aufgesetzte Honigbereiche, die beerntet werden.

Wer jedoch imkern und Honig ernten will, der muß zweifelslos etwas Arbeit investieren. Da es eine süße Arbeit ist, lohnt es sich.

Viele Grüße
Bernhard Heuvel
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon Mellina » Di 15. Mai 2012, 18:59

Nun ja, Ollis Benutzername im IF ist nicht umsonst "Honig". 8-)

Nein, das soll gar keine Kritik sein, denn ich empfinde die Warrébeute auch eher als eine Art Bienenhotel. Ich glaube, dass die Bienen sich in der Warré ausgesprochen wohl fühlen. Sie bauen, was sie brauchen, werden nicht durch zu großen Raum zum Klimaregulieren durch Wabenbau gezwungen und können einfach Biene sein und drauflosmuddeln. Dass sie nicht damit rechnen, dass der Imker auf die überschüssige Honigzarge lauert, kann man Ihnen nicht zum Vorwurf machen, aber sie verhalten sich eben entsprechend.

Deshalb würde ich einem "normalen" Imkeranfänger auch nicht um jeden Preis eine Warrébeute empfehlen. Aber es gibt auch viele, denen entspricht die Warrébetriebsweise, so wie mir. Ich habe hier auch Rähmchenbeuten und ich hasse es. Man muß mit Warré warm werden und manchmal zu Kompromissen bereit sein, zum Wohle der Bienen. Das ist nicht jedem gegeben, muß ja auch nicht. Und in diesem Kontext betrachtet ist Olis Einschätzung doch, neben unserem Forum hier, eine gute Entscheidungshilfe für Anfänger.

LG
Mandy
Bauanleitung Warrébeute, Warrés Handbuch und Bernhards Kurzanleitung: http://www.warre-bienenhaltung.de

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon BeeWild » Sa 9. Jun 2012, 01:45

Gutes Thema, da klink ich mal mit ein, auch wenn`s nicht passend ist, oder doch ?

Ich mag die Warre, weil sie einfach "schick" ist. Sieht neben den normalen Beuten einfach total gut aus. ( mit dem schönen Dach und die "hohe" Bauweise.) Unschlagbar ( höchstens von der Christbeute) Das muss schon jeder zugeben, oder ?

Aber ... Warre-Betriebsweise ist ( Und das sollte man vielleicht auch jedem Anfänger sagen, kein Allheilmittel für wesensgemäße Bienenhaltung in Verbindung mit des Imkers Paradies )
Für mich beinahe ideal weil man wenig tun muss, obwohl ich mir manchmal etwas mehr Einblicke in die Vorgänge eines Bienenvolkes wünschen würde.
( Dreht man eine Zarge um, sieht man nichts ausser Bienen, Königinnensuche ? soll das ein Witz sein ? Man kann noch nicht mal Waben erahnen, weil alles voller Bienen ist.)
Was ich damit sagen will, ist auch dass die Betriebsweise, die für Warre so eindeutig beschrieben wird, hier nicht anwendbar ist, und das sollte man vielleicht auch jedem Anfänger einmal klipp und klar sagen.
Warre lebte in einer anderen Welt als wir 50 Jahre später, keine Varroa, keine Pestizide und Insektizide mit diesem Kaliber und keine ausgeräumten Landschaften.
Wohlgemerkt, dass hat nichts damit zu tun, ob sich ein Volk in einer Warre schöner und gesünder entwickelt als in einer herkömmlichen Beute. Meine Völker entwickeln sich super in der Warre. Den Vergleich mit einer herkömmlichen Magazinbeute hab ich momentan leider nicht, da eingegangen. Und auch die "erfahrenen" Imerkollegen in meiner Umgebung hatten Verluste zwischen 100 und 80%. Da liegt meine Warre mit 66% noch richtig gut.
Auf was ich hinaus will ist folgendes: Warre ist kein Patentrezept für alles !!! Und das sollte man Anfängern auch so erklären !
Also von wegen Verweis auf Warres Aufsätzchen und alles wird gut. Da muss man schon selber auch etwas mitbringen.
Ich hab jedenfalls keine Honigernten mit 10kg und Schwärme und gesunde Völker gleichzeitig.
Das ist mittlerweile wohl auch Illusion. Ich wohne in einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegend und das heißt, dass es im Sommer keine Läppertrachten gibt, die für Warre eigentlich nötig wären, um die Betriebsweise so durchzuziehen, wie es laut Warre eigentlich ist. Wenn eine Zarge ausgebaut wird im Jahr , ist das gut, unabhängig von Volksgröße, Wetter oder Schwarmwillen.
Macht euch auf jeden Fall ein eigenes Bild von eurem Umfeld, Warre ist vom Grundprinzip sehr gut , aber das heißt nicht, dass Honigernten in eurer Gegend möglich sind oder das das Heil der Welt in diesem Script liegt. Gesunde und fitte Bienen kann ich bestätigen, Honigernten ? Eher Nicht.
Aber auf Honig kommts mir auch nicht an. Aber Warre`s Aussagen muss man relativieren, weniger Erwartungen und mehr Einsatz ist schon nötig, als es all zu gerne dargestellt wird, in unserer Instant-, Hopp,- und Fertigpizzawelt.

Tja meine Bienen wollen Bienen machen und nicht Honig ohne Ende ;-) Und das ist gut so .

BeeWild

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon KMP » Sa 9. Jun 2012, 13:14

apiarius hat geschrieben:
kaibee hat geschrieben:Selbst mit den Krainer Bauernstöcken (ohne Leitwachs)komm ich gut zurecht.


Was ist "Leitwachs"? Anfängerstreifen mit Wachs?

-Kevin
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon BeeWild » So 10. Jun 2012, 22:00

"Manche Autoren versprachen sanftmütige Völker aufgrund der Warré-Beute.
"Weiß jemand, wo sowas steht? Ist mir neu und würde ich auch niemals unterschreiben!" "

Versprochen hab "ich" das zwar auch nicht, aber meine sind überhaupt nicht aggressiv, entgegen der landläufigen Meinung.
Mittlerweile muss ich meine Bienen ja als verbastardizierte Landrasse bezeichnen. Trotzdem friedlich, obwohl oder vielleicht auf Grund der Warre oder der extensiven Betriebsweise.

@ Markus
Warre ist schon sehr überzeugt von seiner Betriebsweise. Das hat zu seiner Zeit unter seinen Umständen bestimmt gegolten, aber wie du sagst, man kann es nicht mehr 1:1 übernehmen. Sollte man aber auch dann so kundtun, auch hier wenn sich Anfänger dafür interessieren.
Der Beute selbst tut das meiner Meinung nach keinen Abbruch. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sie sich darin gut entwickeln und auch wohl fühlen. Manche entwickeln sich phänomenal. ( Aber meine bauen das Ding auch aus wie es Ihnen grade reinpasst.) Und es gibt keine andere Beute, die an Einfachheit zu überbieten ist ( Christ genauso, nur die halbe Höhe ). Die Aufgabe unserer Generation ist scheinbar, die für unsere Zeit entsprechende Betriebsweise zu finden. ( Wenn man Honig ernten will )
Blöderweise bin ich zu dumm dafür oder hab keine Zeit so viel zu experimentieren, also lass ich sie machen was sie wollen und verkauf die Schwärme :mrgreen: .
Ich hab auch schon einiges probiert, Zargen aufsetzen (mehrmals) >>> keine Reaktion . Interessiert sie nicht die Bohne. Anscheinend ist der Abschluss nach oben so gut, dass es keinen Unterschied macht, ob über Ihnen ein Leerraum ist. Aber meine klatschen auch überall Wildbau rein. Da wären wir auch schon beim Thür. Wenn sie nicht nötig haben oben Leerräume zu schließen, muss die Nestduftwärmebindung doch optimal sein , oder ? Das wiederum wirft die Frage auf, ist das Kissen überhaupt nötig, wenn sie oben so abschließen ?
Nach dem Winter hatte ich in einem Volk auch etwas Schimmel unter dem Tuch ( Also das Tuch das ich zwischen oberster Zarge und Kissen drin liegen hab) Der Volksentwicklung hat es keinen Abbruch getan.
Auf der anderen Seite wollen auch manche nicht nach unten. Riesenvolk auf zwei Zargen. Im März zwei Zargen untergestellt, aber keine Anstalten nach unten zu gehen ( Anfang Mai ). Volk geteilt, Nachschaffungsvolk zweimal geschwärmt. Hä, momentmal. Um soviel Bienen zu erzeugen müsste das Brutnest eigentlich zweimal so groß sein. ( Ein Schwarm schöner als der daneben) Oder sie haben null an Vorräten und setzen alles was reinkommt in Bienemasse um ? Das Muttervolk ist auch rappelvoll und geht wahrscheinlich raus wenn das Wetter besser wird. Und wo sitzen die alle bei zwei Zwargen, vollem Brutnest und Vorräten. Ich weiß mittlerweile nicht mehr was die da drin machen, aber scheinbar gehts Ihnen gut, wenn eine Königin Bienen für 4 Völker produzieren kann auf zwei Zargen. Und ein Schwarm fällt dieses Jahr noch, denk ich mal. Dann wärens 5.
Wie schon erwähnt, meine Bienen machen Bienen, aber keinen Honig.

@ Kmp
Das hat meinen auch noch keiner beigebracht, was Anfangsstreifen bedeuten und wo sie damit hinbauen sollen, kurzum das ist meinen total egal, die Zargen werden bei mir ausgebaut, wie sie das gern haben. Notfalls wird der Anfangsstreifen abgerissen und auch mal ein Wabenvorhang quer vors Flugloch gebaut.
Seitdem verzichte ich auf Anfangsstreifen.

Mfg
BeeWild

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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon zaunreiter » So 10. Jun 2012, 22:53

Cogito ergo summ.
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Re: Erfahrungen mit Warré

Beitragvon BeeWild » Mo 11. Jun 2012, 02:23

Jep, hab ich gerade durchgelesen, Bernhard.

Erstmal höchsten Respekt für deinen Einsatz für die Honigbiene, den du an den Tag legst, hat mich schon öfters gewundert wie man so viel publizieren kann. Im Positiven Sinne. Und dabei auch noch in manchen Foren mit ruhiger Hand den Ignoranten zu erklären was Jeder mit etwas Gehirn selbst ergründen könnte. Die Ruhe hab ich nicht.

Ich habs jetzt gelesen und kann dir aber keine Meinung dazu abgeben, denn Honiggewinnung hab ich für mich irgendwo abgeschlossen. Ich werde mich in Zukunft drauf konzentrieren, dass meine Völker fit sind und durchkommen.
Warum wird der Wert eines Bienenvolkes eigentlich so häufig am Honigertrag gemessen ?
Der Schwarm ist einfacher gepflückt und schneller verkauft.
Das Konzept ist bestimmt gut und man sollte es ausprobieren. Für denjenigen, der das gleiche Ziel verfolgt.
Am Anfang dachte ich auch, Mensch, drei Völker und kein Gramm Honig geerntet ? Bis ich mal draufgekommen bin, dass ich selber vielleicht grade mal drei Gläser Honig im Jahr verbrauche. Also warum der Aufwand ? Für zwölf Euro Honig, kann ich mir überall kaufen, damit kann sich derjenige beschäftigen, dessen Hobby das ist. Und auch wenn ich 10 kg verbrauchen würde ? Gegenwert 80 Euro ?
Der Wert meiner Bienenvölker liegt für mich wohl eher darin, was man sich nicht kaufen kann. In der Bestäubung der Obstbäume und wohl hauptsächlich in der Freizeit-Beschäftigung.

Nichts ist entspannender als Anderen beim Arbeiten zuzusehen ;-)
Das alleine ist schon Gold wert.

BeeWild


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